Für Dialektik in Organisationsfragen
Der erbitterte Arbeitskampf im Audi-Werk im ungarischen Györ kam nach fast einer Woche zu einem für die Kolleginnen und Kollegen siegreichen Ende.
Da die in Györ produzierten Motoren im Audi Stammwerk in Ingolstadt fehlten, musste dort bereits nach vier Tagen Streik der ungarischen Kollegen ebenfalls die Produktion angehalten werden. Circa 11.000 Fahrzeuge konnten so in Ingolstadt nicht produziert werden.
Der beherzte Streik in Ungarn und seine Auswirkungen auf die Produktion der anderen Standorte zwang die Kapitalseite letztlich zum Einlenken.
Die Arbeiterinnen und Arbeiter forderten eine Lohnerhöhung von 18 % mindestens jedoch 75.000 Forint (ca.236€). Der Durchschnittslohn in der Montage in Györ lag bei durchschnittlich 1.100€ brutto, die Lebenshaltungskosten aber sind inzwischen fast so hoch, wie in westeuropäischen Staaten. So wollten die Arbeiter ihre Löhne zumindest an die etwas besseren Billiglöhne in Osteuropa angleichen. Denn ihre Löhne betrugen laut den Gewerkschaften „28 Prozent weniger als (...) in den slowakischen Audi-Werken und 39 Prozent weniger als die Einkommen bei Audi in Polen“. D.h., auch nachdem die Belegschaft in Györ ihre Forderungen durchsetzen konnte, zählen ihre Löhne immer noch zu den niedrigsten bei Audi in Europa.
Neben der Lohnerhöhung forderten die Kolleginnen und Kollegen in Ungarn an mindestens einem Wochenende im Monat nicht arbeiten zu müssen. Diese für uns selbstverständliche Forderung ist die logische Antwort auf ein bereits im Dezember 2018 verabschiedetes Gesetz. Dieses erlaubt es dem Kapital die Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter noch weiter zu verschärfen, sie zu bis zu 400 Überstunden im Jahr zu verpflichten und die Lohnzahlungen für diese Stunden um bis zu drei Jahre zu verzögern.
Die Gier ausländischer und in erster Linie deutscher Konzerne nach immer größeren Profiten und sinkenden Löhnen hatte die rechte ungarische Regierung unter Präsident Viktor Orbán dazu bewegt, diese auch als „Sklavengesetz“ und oftmals auch als „Lex Audi“ bzw. „Lex BMW“ bezeichneten Angriffe auf die Arbeiterrechte zu verabschieden. So sagte der ungarische Außenminister, dass „die in Ungarn investierenden (...) Unternehmen eindeutig positiv auf die ungarischen Gesetzvorschläge reagiert haben (...)“. Damit ist der jetzige Streik auch als Folge der massiven Proteste Ende letzten Jahres gegen diese weitere Zerschlagung von Arbeiterrechten in Ungarn zu sehen.
Die IG-Metall Ingolstadt solidarisierte sich in einer Erklärung vom 23.01.2019 mit den Kolleginnen und Kollegen im fernen Györ und wies auf die Notwendigkeit der Solidarität hin. Denn es drohe eine Abwärtsspirale nicht nur für die Kolleginnen und Kollegen in Ungarn, sondern auch im Ausland – und damit natürlich auch in Deutschland.
Diese Abwärtsspirale ist es, die den Kampf unserer Kolleginnen und Kollegen in Ungarn auch zu unserem Kampf in Deutschland macht. Es ist klar, dass das Kapital alles versucht, um diese Erkenntnis zu verhindern und die Arbeiter zu spalten. Nichts anderes bedeutet es, wenn nun die Kolleginnen und Kollegen in Ingolstadt für 60 Prozent des Arbeitsausfalls über ihr Zeitkonto aufkommen müssen und die Audikapitalisten nur 40 Prozent übernehmen. So wird versucht, den berechtigten Unmut darüber auf die Arbeiter in Ungarn zu lenken – obwohl es doch die Kapitalisten sind, die den Streik in Györ mit ihrer Lohndrückerei verursacht haben. Sie sollen bezahlen! Doch diese Diskussion um eine solche Forderung muss hier geführt werden, um auf ein nächstes Mal vorbereitet zu sein.
Gegenüber den Arbeitern in Györ oder sonst wo muss klar sein auf welcher Seite wir stehen. Die Milliarden Gewinne der Konzerne werden nicht von Vorständen und Aktionären produziert. Erarbeitet werden sie von den Arbeiterinnen und Arbeitern weltweit und jeden Tag. Egal ob in Ingolstadt, in München, in Mexiko oder in Györ. Egal ob bei Audi, Siemens oder BMW. Daher dürfen wir uns nicht spalten lassen und müssen gemeinsam kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen, für unsere Rechte. Nur so können wir der Macht der Konzerne etwas entgegen setzen.
SG
1. Billiglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen im Ausland und die Drohung des Kapitals Produktionen dorthin zu verlagern erhöhen den Druck auf unsere Löhne.
2. Lohnsenkungen bei uns, erhöhen wiederum den Druck auf die Kolleginnen und Kollegen im Ausland noch billiger zu sein als ihre Nachbarn.
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Diese Abwärtsspirale kann nur durch einen solidarischen Kampf aller Arbeiterinnen und Arbeiter durchbrochen werden.