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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Vor 50 Jahren: Tod von Zhou Enlai, Zhu De und Mao Tse-tung

„Stirbt man für die Interessen des Volkes ...“[1]

Innerhalb weniger Monate des Jahres 1976 verlor die Volksrepublik China drei ihrer herausragenden Führungspersönlichkeiten. Welch ein Verlust, umso mehr als diese Drei bis zuletzt in ihren führenden Positionen in Staat, Partei und Militär dienten statt einen hochverdienten Ruhestand zu genießen. Als Banditen verschrien, als Revolutionäre gekämpft, als Helden verehrt – wer waren diese Männer in ihrer Zeit und was ist ihre Bedeutung für heute – in China und der Welt?

Bevor wir auf das Leben und das Lebenswerk der Drei zu sprechen kommen, einige Gedanken zur Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte. Zur Rolle von „Helden“, auf die wir leider noch nicht verzichten können.

Gerade wir in Deutschland können ahnen, was der Verlust von bedeutenden Führern der Arbeiterbewegung bedeuten kann. Was hätte anders werden können, wenn wir Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches, Eugen Leviné besser geschützt hätten? Was wenn wir dafür gesorgt hätten, dass Ernst Thälmann nicht verhaftet worden wäre?

Wir wissen, dass die Massen die Geschichte machen. Aber wir wissen auch, wieviele Opfer den Massen, uns, erspart bleiben im Kampf um eine sozialistische Zukunft, wenn wir Führer haben, die den Weg der Revolution überblicken, Führer, Wegzeiger, Wegfinder, die Orientierung geben können in unbekanntem Terrain, in unübersichtlichen Lagen, in langsamen dunklen Zeiten und in rasanten revolutionären Abschnitten, die Kühnheit und schnellen Entschluss verlangen, Führer, die Vormarsch und Rückzug beherrschen.

Viel ist gesagt worden gegen den Personenkult und was er Nachteiliges mit sich bringen kann; und wie alle Anbetung selbstverständlich auch Götzendienst ist, den Revolutionäre stets verachten. Hier gilt es ein richtiges Verhältnis zu gewinnen.

Hören wir Georgi Plechanow, einen der Mitbegründer der modernen russischen Arbeiterbewegung: „Wenn manche Subjektivisten, aus dem Bestreben heraus, der ,Persönlichkeit’ eine möglichst große Rolle in der Geschichte einzuräumen, die historische Entwicklung der Menschheit nicht als gesetzmäßigen Prozeß ansprechen wollten, so waren einige ihrer neuesten Gegner, aus dem Bestreben heraus, den gesetzmäßigen Charakter dieser Bewegung möglichst stark hervorzuheben, offenbar bereit zu vergessen, daß die Geschichte von Menschen gemacht wird und daß deshalb die Tätigkeit der Persönlichkeiten nicht ohne Bedeutung für sie sein kann. Sie setzten die Persönlichkeit zur quantité négligeable (= zu vernachlässigende Größe) herab. Theoretisch ist dieses Extrem ebenso unverzeihlich wie dasjenige, zu dem die rabiatesten Subjektivisten gelangt sind. Es ist ebenso unbegründet, die These der Antithese zu opfern, wie die Antithese der These zuliebe zu vergessen. Der richtige Standpunkt wird erst dann gefunden, wenn wir es verstehen, die ihnen innewohnenden Momente der Wahrheit in der Synthese zu vereinigen.

... „Ein großer Mann ist nicht dadurch groß, daß seine persönlichen Besonderheiten den großen geschichtlichen Geschehnissen ein individuelles Gepräge verleihen, sondern dadurch, daß er Besonderheiten besitzt, die ihn am fähigsten machen, den großen gesellschaftlichen Bedürfnissen seiner Zeit zu dienen, die unter dem Einfluß der allgemeinen und besonderen Ursachen entstanden sind. In seinem bekannten Werk über die Helden nennt Carlyle die großen Männer Beginner (Beginners) Das ist eine sehr gelungene Bezeichnung. Der große Mann ist eben ein Beginner, denn er blickt weiter als die anderen und will stärker als die anderen. Er löst die wissenschaftlichen Aufgaben, die der vorhergegangene Verlauf der geistigen Entwicklung der Gesellschaft auf die Tagesordnung gesetzt hat; er weist die neuen gesellschaftlichen Bedürfnisse auf, die durch die vorhergegangene Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse erzeugt worden sind; er ergreift die Initiative zur Befriedigung dieser Bedürfnisse. Er ist ein Held. Held nicht in dem Sinne etwa, daß er den natürlichen Gang der Dinge aufhalten oder ändern könnte, sondern in dem Sinne, daß seine Tätigkeit der bewußte und freie Ausdruck dieses notwendigen und unbewußten Ganges ist. Darin liegt seine ganze Bedeutung, darin seine ganze Kraft. Das ist aber eine gewaltige Bedeutung, eine ungeheure Kraft.[2]

Beginnen wir mit Zhu De (Tschu Teh), dem ältesten der drei Großen.

Zur Welt kam Zhu De am 1. Dezember 1886 in Hung im südwest-chinesischen Sichuan – im gleichen Jahr übrigens ist Ernst Thälmann geboren! Marschall Zhu starb am 6. Juli 1976.

Als Sohn von armen Bauern in einer Familie mit 15 Kindern geboren, erhielt er durch einen wohlhabenden Onkel die Möglichkeit zu einer höheren Schulbildung, die ihm den Zugang zu einer militärischen Karriere im kaiserlichen China eröffnete. Er lernte das Kriegshandwerk an der Yünnan Militärakademie in Kunming (Hauptstadt der Provinz Yünnan), nachdem er ein Studium zum Lehrer abgeschlossen hatte. In Kunming schloss er sich ab 1909 Kräften an, die zunächst die Modernisierung der Armee nach der Niederlage im chinesisch-japanischen Krieg von 1894/95 betrieben hatten, aber später entscheidend zum Sturz der Qing-Dynastie beitragen sollten, u.a. die Tongmenghui-Geheimorganisation von Sun Yat-sen (1866-1925).

1911 im Rang eines Leutnants schließt sich Zhu De, in der bürgerlich-demokratischen Revolution[3] den revolutionären Kräften an, die die kaiserlichen Truppen in Sichuan zerschlugen. Er wird Regimentskommandeur – und schließlich im Kampf gegen den Usurpator Yüan Shi-kai (Yuan Shikai) Chef einer Brigade im Range eines Generals (1916).

In der Zwischenzeit war Zhu Mitglied der – wiederum von Sun Yat-sen – neugegründeten Guomindang (Kuomintang = Nationalpartei Chinas) geworden (1912)[4]. Nach dem Tod seiner ersten Frau Xiao Jufang (Mutter seines einzigen Sohns) und im gleichen Jahr 1916 dem Tod seines fortschrittlichen Mentors General Dsai Ao (Cai E – 1882-1916) wird Zhu opiumsüchtig und gerät in das Milieu der warlords, die nach dem Tod von Yüan Shih-kai versuchen, China unter sich aufzuteilen.

Die nächsten Jahre der chinesischen Republik sind geprägt durch die blutigen Kämpfe zwischen den warlords, und solchen, die es werden wollen, von ihren Verrätereien, ihrer Korruption und schamlosen Bereicherung; es ist aber auch geprägt durch Hungersnöte, verzweifelte Aufstände von Bauern, Massenhinrichtungen; geprägt von ersten Streiks, von der Bewegung 4. Mai 1919 gegen die ausländischen Imperialisten, insbesondere gegen Japan, das wie selbstverständlich sich schon während des Weltkriegs die deutschen Kolonien angeeignet hatte. In einer jener Metzeleien unter den warlords verliert Zhu Ende 1919 zwei seiner Brüder, denen er Offiziersstellen in seiner Brigade verschafft hatte. Da nimmt er seinen Abschied von der Armee in Yünnan.

Es festigt sich sein Entschluss, nach Auswegen zu suchen und in Europa zu studieren und neue Möglichkeiten kennen zu lernen. Zhu macht eine kalte Entziehung vom Opium durch. Er lernt Sun Yatsen persönlich kennen. Aber er will bereits mehr. Er will Mitglied der 1921 gegründeten KP Chinas werden, wird jedoch von Chen Duxiu (1879-1942), einem der Parteigründer, aufgrund seiner Vergangenheit abgewiesen, vertröstet.

Im September 1922 reist Zhu von Shanghai, über Indien, den Suez-Kanal nach Marseille. Seine Eindrücke von Frankreich schildert er Agnes Smedley[5]. Von dort führt ihn sein Weg nach Berlin, wo er bald Zhou Enlai (Tschou En-lai) kennenlernt, der dort bereits eine Gruppe der KPCh anleitet.

Jetzt (1923) wird er als Kandidat in die Partei aufgenommen (unter strenger Geheimhaltung). Er nimmt an Schulungen teil, u.a. das „Manifest“, das „ABC des Kommunismus“. Und er wird Beethoven-Verehrer. 1923 geht Zhu zum Studium der Staatswissenschaften nach Göttingen. Dort bestand damals auch die stärkste Zelle der KPCh im Deutschland der Weimarer Republik. 1924 ist er wieder in Berlin. Er studiert zusammen mit deutschen Marxisten. Im Juni 1925 wird er von der deutschen Polizei bei einer Kundgebung im „Sportpalast“ verhaftet und ausgewiesen. Eine tiefe Verbundenheit mit der deutschen Arbeiterbewegung aber ist ihm geblieben. Ein Beispiel: Am 15. Januar 1935 – mitten in den Gefechten des Langen Marschs – hält er mit seinen Soldaten eine Kundgebung zum Gedenken an unsere deutschen Kommunisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ab. Aus Deutschland reist er in die Sowjetunion und studiert an der Universität der Werktätigen des Ostens[6] in Moskau. Im Juli 1926 ist Zhu wieder in Shanghai.

Große Veränderungen waren in diesen vier Jahren in China vor sich gegangen. Agnes Smedley schreibt: „Die Ausländer hatten früher die Nationalen verachtet, aber nun fürchteten und hassten sie sie. Die Armee der revolutionären Regierung in Kanton wurde als ‚bolschewistische Horde‘ bezeichnet, die ‚Anarchie und Zwiespalt‘ verursachte. Tschiang Kai-schek, der Oberkommandierende des Nordfeldzuges, war als ‚Bolschewik‘ und Instrument in den Händen seiner russischen Armeeberater verschrien.“[7]

Zhu kommt zurück mitten in die Zeit, die in der chinesischen Geschichtsschreibung als der „Erste revolutionäre Bürgerkrieg“ bezeichnet wird. Der hatte mit der „Bewegung 4. Mai“ begonnen, mit der Gründung der KP eine neue Grundlage erhalten und mit Sun Yat-sen an der Spitze einen Kampf in Gang gesetzt um ein geeintes, fortschrittliches, demokratisches China. Ein China gegen die Anarchie der warlords, die von Großgrundbesitzern, Kompradorenbourgeoisie und den unterschiedlichen imperialistischen Mächten zum jeweils eigenen Vorteil gestützt wurden. Kennzeichnend für diesen Kampfabschnitt ist, dass die nationale Bourgeoisie sich auf die Seite des Volks stellte und sich – mit Schwankungen – mit den anderen Volksklassen verbündete. Ausdruck dessen war es auch, dass Kommunisten Mitglieder in der Guomindang wurden, die damals vor allem die nationale Bourgeoisie und das städtische Kleinbürgertum vertrat. Zudem hatte Sun Yat-sen seine drei alten Volksprinzipien Nationalismus, Demokratie, Volkswohl präzisiert und erweitert um: Bündnis mit der Sowjetunion, Zusammenschluss mit der KP Chinas, Unterstützung der Arbeiter und Bauern.[8] Dies war mit dem Manifest des 1. Nationalkongresses der Guomindang im Januar 1924 festgehalten worden. Auf diesem Kongress wurden auch Li Dazhao (Marxistischer Theoretiker und Mitgründer der KPCh 1889–1927) und Mao Tse-tung in die Führungsgremien gewählt. Von der Sowjetunion wurden Berater angefordert und schließlich Mikhail Borodin, der auch Kominternerfahrung hatte, geschickt. An seiner Seite wirkte übrigens, von der Komintern delegiert, Ho Chi Minh als Übersetzer und Sekretär. Am 12. März 1925 war Sun Yat-sen verstorben; dennoch wurde Zhou Enlai im Mai 1925 noch zum Politischen Leiter der Militärakademie Huangpu (Whampoa)[9] bei Kanton ernannt, während Chiang Kai-shek deren Leiter war! Am 1. Juli 1925 wurde in Guangzhou (Kanton) die Nationalregierung gebildet unter dem damals zum linken Flügel der Guomindang zählenden Ministerpräsident Wang Jingwei (1883-1944, dem späteren Überläufer zu den japanischen Imperialisten und dem Anführer ihrer Kollaborateursregierung ab 1940)[10].

Auch wenn die Spannungen in der Guomindang zu den Kommunisten stiegen, wurde der sog. „Nordfeldzug“ vorbereitet, um China zu einigen und die Regierung der warlords in Beijing abzusetzen. Die Spannungen stiegen vor allem, weil die Arbeiterbewegung erstarkte und sich in der Bewegung vom 30. Mai[11] bemerkbar machte; der Allchinesische Gewerkschaftsbund wurde gegründet und die KP gewann an Mitgliedern und Einfluss. Damit war die Führung der Guomindang durch die nationale Bourgeoisie, und damit ihre Führung der Einheitsfront, natürlich in Frage gestellt. In ihrer Machtstellung bedroht, suchten Teile von ihr Anlehnung an die halbfeudalen Großgrundbesitzer und die Kompradorenbourgeoisie. Sie erkoren schließlich Chiang zu ihrem Anführer. Der brauchte aber die Kommunisten noch für den Nordfeldzug, bei dem 100.000 Soldaten der revolutionären Nationalarmee 700.000 der Regierung in Beijing gegenüberstanden. Der schlagkräftigste Truppenteil als Vorhut war das legendäre „Unabhängige Regiment“ der Vierten Armee, auch „Eisenseiten“[12] genannt, unter dem kommunistischen General Ye Ting (1896-1946). Der Feldzug, der von der Sowjetunion auch mit Beratern und materiell unterstützt wurde, begann am 1. Juli 1926.

Dies ist die Lage, in der Zhu De aus Europa wieder in die Heimat zurückkehrt.

Während die revolutionäre Nationalarmee in weniger als sechs Monaten halb China in blutigen Schlachten erobert und auf Shanghai vorrückt, während Zhou Enlai in Shanghai den bewaffneten Aufstand vorbereitet, während die Bauernbewegung sich stürmisch entwickelt (Mao in Hunan), bereitet Chiang die Zerschlagung der KP vor. Die Führung der KP unter Chen Duxiu versucht (rechtsopportunistisch) noch im Dezember 1926 die drohende Spaltung der Einheitsfront durch Stillhalten zu vermeiden statt sich auf den offenen Verrat der Guomindang-Führung vorzubereiten.

Der siegreiche Vormarsch des Nordfeldzugs und die ungestüme Entwicklung der Bauern- und Arbeiterbewegung erschütterten die Herrschaft des Imperialismus in China. Am Abend des 24. März 1927 beschossen Kriegsschiffe Großbritanniens, der USA, Frankreichs, Japans und Italiens die von der Nordfeldzugsarmee befreite Stadt Nanjing. Dabei wurden über 2.000 Menschen getötet bzw. verwundet. Dies war ein Zeichen dafür, dass die Imperialisten die chinesische Revolution mit Waffengewalt zu verhindern suchten. Sie wählten Chiang Kai-schek als ihren neuen Agenten.

Im befreiten Shanghai schlägt Chiang am 12. April 1927 gegen die Aufständischen los. Viele Kommunisten werden ermordet, Li Dazhao am 28.4. in Beijing hingerichtet. In Nanjing errichtet Chiang jetzt seine „Nationalregierung“. Dies bedeutete nicht nur Unterdrückung der Kommunisten, sondern auch Spaltung der Guomindang und ihres in Wuhan regierenden Flügels unter Wang Jingwei. Gegen den Widerstand von Mao u.a. setzte die KP Führung auf die Fortsetzung der Einheitsfront, bis im Juli 1927 derselbe Wang offen erklärte: „Lieber tausend Menschen irrtümlich töten, als einen Kommunisten entkommen lassen.“

„Mitte Juli 1927 beschloss das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei, einen bewaffneten Aufstand in Nanchang, Provinz Jiangxi, zu unternehmen und dafür ein Frontkomitee mit Zhou Enlai an der Spitze zu bilden.“

Auf dieser Geheimkonferenz vom 18. Juli 1927 bei Nanchang trifft Zhu den nunmehr „Mann aus Eisen“ genannten Zhou Enlai wieder. Er lernt auch zum ersten Mal Mao Tsetung persönlich kennen, der Mitglied des Politbüros der KP ist.

Es wird beschlossen: Fortsetzung des antiimperialistischen und antimilitaristischen Kampfes, Kampf gegen Nanjing, Kampf gegen Chiang Kai-schek. Beginnt die Agrarrevolution! Bewaffnet das Volk! (vgl. A. Smedley S. 319). Während Mao über Wuhan nach Hunan ziehen sollte, richtete sich der direkte Angriff auf Nanchang (Hauptstadt von Jianxi)

„Am 1. August 1927 ergriffen über 20.000 Mann der Nordfeldzugsarmee unter der Führung von Zhou Enlai, dem Parteisekretär des Frontkomitees, Zhu De (1886-1976), He Long (1896 -1969), Ye Ting (1896-1946), Liu Bocheng (1892-1986) und anderen die Waffen. Nach etwa fünf Stunden harter Kämpfe vernichteten die Aufständischen alle Garnisonstruppen der Guomindang von mehr als 10.000 Mann und nahmen die Stadt ein. Einige Tage später marschierten sie planmäßig südwärts durch Jiangxi in der Absicht, Guangdong einzunehmen und das revolutionäre Stützpunktgebiet in Guangdong wieder aufzubauen. Anfang Oktober wurden sie in Ost-Guangdong jedoch von den überlegenen Kräften des Feindes eingekreist und erlitten schwere Verluste. Ein Teil von ihnen, die unter der Führung von Zhu De und Chen Yi (1901-1972) standen, zog nach Hunan, um den Kampf fortzusetzen. Der Nanchang-Aufstand war der Anfang des bewaffneten Kampfes des chinesischen Volkes unter der Führung der Kommunistischen Partei. Seither wird der 1. August als der Gründungstag der chinesischen Volkbefreiungsarmee gefeiert (Hervorh. CoR). Am 7. August 1927 berief das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas unter dem Vorsitz von Qu Qiubai (1899-1935)[13] in Hankou (Wuhan) eine außerordentliche Tagung ein. Sie verurteilte Chen Duxius rechten Opportunismus, enthob ihn seines Führungsamtes im Zentralkomitee der Partei und wählte ein provisorisches Politbüro des Zentralkomitees mit Qu Qiubai an der Spitze. Sie beschloss eine Politik der Agrarrevolution und des bewaffneten Kampfes gegen die Herrschaft der Guomindang und arbeitete entsprechende Pläne aus, während der Herbsterntezeit Aufstände in Hunan, Hubei, Jiangxi und Guangdong zu führen. Nach dieser Tagung wurde Mao Zedong vom Zentralkomitee der Partei als Sonderbeauftragter ins Grenzgebiet von Hunan und Jiangxi entsandt, um dort einen bewaffneten Aufstand zu leiten.“[14]

Die Kommune von Guangzhou (Kanton) im Dezember war ein letzter Höhepunkt dieser Phase des Befreiungskampfs des chinesischen Volks, dieses ersten revolutionären Bürgerkriegs. Die Niederlage bestätigte, dass in China die Revolution nicht – wie 1917 in Russland – von den Städten ausgehen würde, sondern die Städte von den Dörfern her umzingelt werden mussten.

Damit beginnt der zweite revolutionäre Bürgerkrieg, der bis 1937 dauern sollte. Diese Etappe ist dadurch gekennzeichnet, dass die nationale Bourgeoisie, politisch organisiert vor allem in der Guomindang, ins Lager der Kompradoren und der halbfeudalen Großgrundbesitzer übergeht, den Stützen der imperialistischen Mächte, die China unter sich aufteilen wollen.

Zhu De berichtet: „Zum erstenmal sah ich hier in China physisch starke und emanzipierte Frauen. Die Frauen hatten ‚natürliche‘ Füße[15], sie gingen wie die Männer barfuß und waren stark und leistungsfähig. Gezwungen jede Verantwortung auf ihre Schultern zu nehmen, hatten sie sich von der alten Tyrannei der Väter, Männer und Schwiegereltern frei gemacht. Dennoch sehnten sie sich nach ihren abwesenden Männern, und es gab viele Lieder in denen diese Sehnsucht ihren Ausdruck fand.“ (Smedley 330 f.)

Zhu De führte 1927 seine Truppen nach Hunan, wo er sich mit Mao vereinigte im befreiten Stützpunktgebiet im Jinggang – Gebirge.

Das erste persönliche Treffen, das am 28. April 1928 in Lingxian im nordöstlichen Hunan stattfand, wurde von Mao Zetan, Maos Bruder vermittelt, der unter Zhu diente. Er überbrachte seinem Bruder Mao Zedong einen Brief, in dem Zhu erklärte: „Wir müssen unsere Kräfte vereinen und eine klar definierte Militär- und Agrarpolitik durchführen.“ Diese Entwicklung wurde zu einem Wendepunkt, da die vereinigten Streitkräfte die „Vierte Rote Armee“ bildeten, mit Zhu als Militärkommandanten, und Mao als Parteivertreter. Dabei wurde die Leitlinie durchgesetzt: Die Politik, die Partei kommandiert die Gewehre![16]

Nachdem die drei „Einkreisungs- und Ausrottungsfeldzüge“ der Guomindang von der Roten Arbeiter- und Bauernarmee zurückgeschlagen worden waren, verfügten die revolutionären Stützpunktgebiete ganz Chinas über mehr als 300 Kreise, in denen man bereits die Volksmacht mit ihren Organen errichtet hatte. Am 7. November 1931 berief die Kommunistische Partei den Ersten Nationalen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenkongress in Ruijin, Provinz Jiangxi, ein. Hier wurde die Zentrale Demokratische Arbeiter- und Bauernregierung mit Mao Zedong als Vorsitzendem und Zhu De als Oberkommandierendem der Roten Armee gebildet. Ruijin wurde zur Hauptstadt des Roten China bestimmt.

Unter seiner Führung gelingt 1934/35 der Lange Marsch, der Durchbruch der Einkesselung durch die Guomindang. Mit Zhu Des Unterstützung wird Mao auf der Konferenz von Zunyi im Januar 1935 als Parteivorsitzender durchgesetzt (gegen Bo Gu 1907-1946 und Otto Braun 1900-1974)

Ich will hier nicht das ganze Heldenepos der beiden – und mit ihnen eng verbunden auch Zhou Enlai – von 1928 bis zum Sieg 1949 wiedergeben. Es seien nur die wichtigsten Etappen genannt.

Die wichtigsten Etappen in Stichworten:

Im Widerstandskrieg gegen Japan (1937–1945), bei dem er u.a. die gewaltige „Hundert Regimenter Offensive“ (1940/41) leitete, und im 3. Revolutionären Bürgerkrieg (1945–1949) war Zhu Oberbefehlshaber der Roten Armee. Nach 1945 wurde Zhu zum Oberbefehlshaber der Volksbefreiungsarmee ernannt und war Vizevorsitzender der KPCh. 1955 wurde er zum Marschall ernannt. Ab dem 28. April 1959 war er Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, was mit der neuen Verfassung ab dem 17. Januar 1975 auch mit dem Posten des Staatsoberhauptes verbunden war, den er bis zu seinem Tod einnahm.

Die Auseinandersetzungen mit der Sowjetunion, mit der KPdSU unter Chruschtschow, die Ausbreitung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und wie die chinesischen Kommunisten dem begegnen sollen – neben der von den Chinesen als Verrat empfundenen Haltung in den Konflikten mit Taiwan und Indien -, führten auch zu offen ausgetragenen Spannungen zwischen den alten Kampfgenossen (Lushan-Konferenz 1959). Gerade auch mit denen, die enge Beziehungen zur sowjetischen Militärführung unterhielten (z.B. Marschall Peng Dehuai). Sie kulminierten in den Auseinandersetzungen der Großen Proletarischen Kulturrevolution (1966 – 76).

1973 traf Mao seinen alten Freund wieder – gemeinsam auf einem Sofa sitzend, lachend und Hände schüttelnd. – Mao soll gerufen haben: „Zhu Mao, Zhu Mao, Zhu war der Erste!“[17] Zhu war 1976 erneut der Erste, als er nur zwei Monate vor seinem alten Kampfgefährten starb.

Zhu war mit fünf Frauen eng verbunden. Seine Frau Chen Yuzhen lebte getrennt von ihm. Sie wurde 1935 von der Guomindang ermordet. Seine Frau He trennte sich 1926 von ihm, seine Frau Wu Ruolan wurde von Guomindang-Leuten in Kämpfen im Jinggangshan gefangen genommen und enthauptet. Seit 1930 war er mit Kang Keqing verheiratet, Bauernführerin, Scharfschützin, Teilnehmerin am Langen Marsch, bedeutende Kämpferin für Frauenrechte und von 1977 bis 1987 Mitglied des ZK der KPCh.

Und schließlich noch die meisterhafte Charakterisierung der beiden Männer durch Agnes Smedley.

Noch Jahre nach dieser Begegnung wurden sie „in der Presse der Guomindang und des Auslandes als der ‚rote Banditenhäuptling Zhu Mao‘ bezeichnet und die Rote Armee als ‚Zhu-Mao-Armee‘.

In vielen Dingen glichen sich die beiden Männer auffallend, doch es ließen sich auch viele Unterschiede feststellen. Mao war zehn Jahre jünger als Zhu, der nun zweiundvierzig war. Sie waren beide Bauern, hatten Schulbildung genossen und an allen Kämpfen seit der Revolution von 1911 teilgenommen. Mao hatte in der großen ‚Bewegung des 4. Mai‘ eine führende Rolle gespielt, indes Zhu an der Peripherie gelebt und sich in Sichuan in seiner Verwirrung in den Morast des Militärdiktatorentums verirrt hatte. Mao hatte die erste marxistische Studiengruppe in Hunan organisiert und als Delegierter am I. Parteitag teilgenommen, auf dem die Kommunistische Partei gegründet worden war. Danach wurde er einer der Führer der Partei und Mitglied des Zentralkomitees der Guomindang. Mao Tse-tung war ein hervorragender Schriftsteller mit großem Weitblick und zeichnete sich als Verfasser politischer Kampfschriften und als Militärtheoretiker aus; daneben schrieb er Gedichte.

In seiner äußeren Erscheinung wie in seinem Auftreten wirkte Zhu De bäuerlicher als Mao. Beide Männer waren unverbildet, aufrichtig und praktisch gesinnt wie das Bauernvolk, aus dem sie stammten. Mao war jedoch im innersten Wesen ein Intellektueller, ein eigenartig grübelnder Geist, der sich unaufhörlich mit theoretischen Problemen der chinesischen Revolution beschäftigte. Obgleich beinahe frauenhaft sensitiv und Intuitionen folgend, besaß Mao doch das Selbstvertrauen und die Entschlossenheit, die den ausgesprochen maskulinen Typ charakterisieren. Beide Männer waren zäh und ausdauernd, aber diese Eigenschaften traten bei Zhu mehr zutage, der bei aller politischen Klugheit eher ein Mann der Aktion und militärischer Organisator war.

Dennoch ließ sich in Zhu Des Wesen ein merkwürdiger Zwiespalt feststellen. Ein starkes Gefühl der Bescheidenheit verbarg sich unter seinem rauen Äußeren, ein Verhalten, das Mao in späteren Jahren oft irritierte. Dieser innere Zwiespalt entsprang nicht nur seiner Herkunft aus einer armen Bauernfamilie und seinem bäuerlichen Respekt vor gebildeten und gelehrten Männern; wahrscheinlich hemmte ihn auch unbewusst ein Schuldgefühl wegen seiner militärischen Abenteurerperiode.

Aus seiner instinktiven Menschenkenntnis heraus schien Zhu De sogleich erfasst zu haben, dass er seinem anderen Ich begegnet war, einem Mann, auf dessen Urteil er zeit seines Lebens bauen konnte.“[18]

Bevor die Reihe zu sterben an Zhou Enlai kam, traf es am 2. April 1975 noch einen weiteren bedeutenden Genossen, der hier nicht unerwähnt bleiben soll: Dong Biwu (1886-1975). Von den Gründern der KP Chinas waren nur noch er und Mao Tse-tung präsent bei der Ausrufung der VR China am 1. Oktober 1949. Er stammte aus einer Großgrundbesitzerfamilie aus Huang’an (heute Hong’an)/Hubei. Als junger Mann schloss er sich der Bewegung um Sun Yat-sen an. In Shanghai stieß er 1921 zu den Kommunisten. Besonders hervorzuheben sind sein Studium in Moskau, seine Leitung der Parteischule, die Teilnahme am Langen Marsch, seine Teilnahme am Gründungskongress der UN in San Franzisco 1945 und seine lebenslange enge Verbundenheit mit Mao. Er war seit 1945 Mitglied des Politbüros der KPCh. Er diente über viele Jahre als Vorsitzender bzw. Vize-Vorsitzender der Volksrepublik China. Eine wichtige Rolle in der Durchsetzung der „demokratischen Diktatur des Volkes“ spielte er – studierter Jurist – auch als Generalstaatsanwalt von 1954 bis 58. In offiziellen Darstellungen heißt es: „Er war ein bedeutender marxistischer, proletarischer Revolutionär und Staatsmann. Er zählt zu den wichtigsten Führern der Kommunistischen Partei Chinas und der Volksrepublik China. Er legte den Grundstein für Chinas sozialistisches Rechtssystem.“ Man beachte, dass aus einem Kind von Großgrundbesitzern ein großer „proletarischer Revolutionär“ werden kann.[19]

Wird fortgesetzt

Conny Renkl

Historische Anhaltspunkte zur Geschichte Chinas seit 1840:[20]

1840-1842 1. Opiumkrieg

1850-1864 Taiping-Aufstand

1894-1895 Chinesisch-japanischer Krieg. Abtretung Taiwans an Japan.

1895 Gründung der konspirativen Organisation Xing-zhong-hui (durch Sun Yat-sen).

1900 „Boxeraufstand“. Imperialistische Mächte unter deutscher Führung überfallen China.

1911 Bürgerlich-demokratische Xinhai-Revolution.

1917 Am 8.11. annulliert die Sowjetmacht alle Geheimverträge des Zarenreichs mit China.

1919 Die „4. Mai- Bewegung“ gegen die projapanischen Diktate des Versailler Friedens.

1921 Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) in Shanghai.

1924 Beginn des 1. revolutionären Bürgerkriegs (bis 1927)

1925 Tod Sun Yatsens. Gründung des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes

1927 Die nationale Bourgeoisie geht auf die Seite des Imperialismus, der Kompradorenbourgeoisie und der halbfeudalen Großgrundbesitzer über. Chiang wird vor allem durch die USA und UK unterstützt. Am 1. August Aufstand unter Führung u.a. von Tschou Enlai und Tschu Teh gegen die Kuomintang-Reaktionäre in Nanchang. Gründung der Volksbefreiungsarmee. Erstes Stützpunktgebiet im Jinggang-Gebirge. Niederlage der Kommune von Kanton.

Beginn des 2. revolutionären Bürgerkriegs (bis 1936).

1929 Seit Oktober breitet sich von den USA ausgehend die Weltwirtschaftskrise aus.

1930 Erster „Einkreisungs- und Ausrottungsfeldzug“ Chiang Kai-sheks gegen das Zentrale Revolutionäre Stützpunktgebiet.

1931 Japanische Invasion in Nordostchina („Mandschurei“).

Bildung der provisorischen Arbeiter- und Bauern-Regierung unter Vorsitz von Mao Tse-tung.

1934 Am 16. Oktober Beginn der strategischen Umgruppierung der Roten Armee von Jiangxi/Fujian in die nordwestliche Provinz Shaanxi (Langer Marsch über 12 500 km)

1935 Mao Tse-tung wird Vorsitzender des ZK (Konferenz von Zunyi). – Oktober/Dezember 1935 Errichtung des Stützpunktgebiets Shaanxi-Gansu-Ningxia mit Yenan/Yan‘an als Zentrum.

1936 Zwischenfall von Xian. Ende des 10 Jahre dauernden Bürgerkriegs.

Am 25.11. Antikominternpakt zwischen Japan und Deutschland (Italien tritt 1937 bei).

Periode des Widerstandskriegs gegen die japanische Aggression (bis 1945)

1937 Am 7. Juli Zwischenfall an der Marco-Polo Brücke bei Peking. Beginn der japanischen Großoffensive. Massaker von Nanjing. Sieg über die japanischen Truppen am Pingxingguan-Pass. Unterstützung (auch militärisch) durch die Sowjetunion.

Mao Tse-tung schreibt „Über die Praxis“, Über den „Widerspruch“.

1938 Japanische Truppen werden von SU am Dschanggaofeng (Chassansee) zurückgeschlagen.

Der Stellvertreter Chiang Kai-sheks Wang Jingwei geht offen auf die Seite der Japaner über.

1939 Japanische Truppen werden von SU im Nomonhan-Gebiet (Chalchin Gol) zurückgeschlagen. 1. September: Deutschland überfällt Polen.

1940 Antikommunistische Kampagne Chiang Kai-sheks. Mao Tse-tung „Über die Neue Demokratie“. August: Beginn der „100 Regimenter Offensive“ der 8. Route-Armee (bis 1941)

1941 22. Juni: Überfall Deutschlands auf die SU. Bis Juli: Japan besetzt die französischen Kolonien in Indochina. Am 7. Dezember Überfall Japans auf Pearl Harbour.

1942 Verteidigung der Stützpunktgebiete gegen wütende Angriffe der Japaner, ihre chinesischen Marionettentruppen und gegen Truppen der Kuomintang.

1943 Kampagne Chiang Kai-sheks, diesmal direkt auf Yan‘an gerichtet.

1944 Die KPCh fordert die Bildung einer demokratischen Regierung.

1945 7. Parteitag der KPCh in Yenan. Am 14. August erklärt Japan die bedingungslose Kapitulation. China hat 35 Millionen Opfer zu beklagen. Delegation unter Leitung von Mao Tse-tung nach Chongqing. Mit Chiang Kai-shek die Einberufung einer Politischen Konsultativkonferenz vereinbart. Kaum ist diese Vereinbarung abgeschlossen, eröffnet die Kuomintang eine Offensive gegen die befreiten Gebiete, die aber im Oktober zurückgeschlagen wird. Die Kuomintang verliert 110.000 Mann.

1946 Am 1. März lehnt das ZK der Kuomintang die in Chongqing getroffenen Vereinbarungen ab. Ab April startet Chiang Kai-shek mit massiver Unterstützung der USA die Offensive.

Beginn des 3. revolutionären Bürgerkriegs (bis 1949)

Die Armeen Chiang Kai-sheks 4,3 Mio, Mann, die VBA 1,3 Mio Kämpfer.

1947 Die Offensive der Kuomintang erreicht im Januar ihren Höhepunkt. Ab Juli geht die Volksbefreiungsarmee von der strategischen Defensive in die strategische Offensive über. 1948 Aufruf der KP vom 1. Mai, eine neue Politische Konsultativkonferenz zu bilden.

1949 Am 23. April wird die Kuomintang-Hauptstadt Nanjing befreit, es folgen Shanghai, Wuhan (Mai), Kanton (15. Oktober).

Am 1. Juli wird der Artikel Maos veröffentlicht „Über die demokratische Diktatur des Volkes“.

Am 21. September wird die Politische Konsultativkonferenz des Chinesischen Volks eröffnet. Peking wird zur Hauptstadt erklärt. Am 1. Oktober wird von Mao Tse-tung die VR China ausgerufen. Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur UdSSR und zur DDR (27. Oktober).

Der Aufbau der Volksrepublik

1950-53 Korea-Krieg mit chinesischen Freiwilligen

1950-58 enge Kooperation mit der Sowjetunion und dem sozialistischen Lager

1956 20. Parteitag der KPdSU und 8. Parteitag der KPCh

1957 Mao Tse-tung „Über die richtige Behandlung der Widersprüche im Volk“

1958-62 Großer Sprung nach vorn. Auseinandersetzungen auf der Lushan-Konferenz (1959)

1960 Rückzug der SU entgegen dem 1959 abgeschlossenen Vertrag. China wird isoliert. Vertrauen auf die eigene Kraft.

1964 US-Überfall auf Nord-Vietnam (Golf v. Tongking). Chinas Atombombe getestet.

1966-76 Große Proletarische Kulturrevolution

1968 Sowjetische Truppen in der CSSR

1969 Grenzzwischenfall mit der SU am Wusuli/Ussuri (1991/95 zugunsten der VRC geregelt)

1971: Resolution 2758: „Die Vollversammlung der Vereinten Nationen ... beschließt, all die Rechte der Volksrepublik China instandzusetzen und die Vertreter ihrer Regierung als die einzigen legitimierten Vertreter Chinas in den Vereinten Nationen anzuerkennen und von nun ab die Vertreter Chiang Kai-sheks von dem Platz zu entfernen, den sie zu Unrecht in den Vereinten Nationen und all ihren Organisationen einnehmen.“ – Den Weg dafür hatte ein Antrag Albaniens vom 25.09.1971 freigemacht. Die Abstimmung fand statt, als die DDR und die BRD noch nicht Mitglied in den UN (erst ab 1973) waren.

1972 Besuch US-Nixons in der VR China

1975 Befreiung und Wiedervereinigung Vietnams

1975 Tod Zhou Enlais, Zhu Des und Mao Tse-tungs. Verhaftung der „Viererbande“. Hua Guo-feng wird Vorsitzender der KPCh. Deng Xiaoping wird wieder in seine Funktionen eingesetzt.

1 Mao Tse-tung spricht davon in seiner Schrift „Dem Volke dienen“: „Der Tod ist jedem beschieden, aber nicht jeder Tod hat die gleiche Bedeutung. In alten Zeiten gab es in China einen Schriftsteller namens Sima Tjiän. Dieser sagte einmal: ‚Es stirbt allerdings ein jeder, aber der Tod des einen ist gewichtiger als der Tai-Berg, der Tod des anderen hat weniger Gewicht als Schwanenflaum.‘ Stirbt man für die Interessen des Volkes, so ist der Tod gewichtiger als der Tai-Berg; steht man im Sold der Faschisten und stirbt für die Ausbeuter und Unterdrücker des Volkes, so hat der Tod weniger Gewicht als Schwanenflaum.“(Hervorheb. CoR)

2 Georgi W. Plechanow, Die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte – www.max-stirner-archiv-leipzig.de/dokumente/Plechanow-Ueber_die_Rolle_der_Persoenlichkeit_in_der_Geschichte.pdf – 28.12.25

3 sog. Xinhai-Revolution 1911/12. Xinhai bezeichnet das Jahr 辛亥 „Xīnhài“ des chinesischen Lunisolarkalenders (30.Januar 1911 bis 17.Februar 1912, Jahr des Metall-Schweins = 48. Mondjahr). Sie endete mit der Abdankung des sechsjährigen Kaisers Puyi (s. den Film von Bertolucci)

4 Als Gründungsdatum gibt die heutige Kuomintang (als die lange führende Partei in Taiwan) den Kongress der Vorgängerorganisation Xingzhonghui (Gesellschaft zur Wiedererweckung Chinas) in Honolulu vom 24.11.1894 an. Die KP Chinas verwendet in den letzten Jahren „Wiedererweckung Chinas“ (rejuvenation) häufig als Ziel der derzeitigen chinesischen Entwicklung.

5 Agnes Smedley, Der große Weg, Berlin 1958, S. 244

6 Auf Initiative W.I. Lenins 1921 gegründet (Auflösung 1938) zur Ausbildung revolutionärer Kader nicht-russischer Abstammung. Aus ihr ausgegründet wurde im Oktober 1925, fußend auf Initiativen Sun Yat-sens und auf der Grundlage der engen Zusammenarbeit von Guomindang und KPCh, die Sun-Yat-sen-Universität.

7 A. Smedley, a.a.O. S. 271

8 siehe dazu die ausführlichen Erläuterungen in Abgrenzung und in Übereinstimmung mit dem dialektischen und historischen Materialismus bei Mao Tse-tung, Über die Neue Demokratie, AW Bd. 2, S. 423  ff.

9 Die Schule existierte in dieser Form bis 1926. Sie wurde von der Konterrevolution mehrfach umbenannt und verlegt, zuletzt 1949 nach Taiwan.

10 Der Adoptivsohn von Chiang Kai-shek(Wei-kuo) war übrigens während der NS-Zeit zur Ausbildung als Gebirgsjäger in Nazideutschland (Fahnenjunker 1938/39?). Ab 1939 in den USA.

11 Patriotische Massenbewegung gegen die imperialistischen Übergriffe von britischen Polizisten am 30.05.1925 in der “internationalen Konzession“ in Shanghai verbunden mit Massenstreiks im ganzen Land. Auch Proteste in UK: „Hands off China!“

12 Das war auch der Name (ironsides) der puritanischen Kerntruppe in Cromwells „New Model Army“ im englischen Bürgerkrieg von 1642-51 – In China wurde der Name dann auf die berühmte Vierte Rote Armee übertragen.

13 Im Jahr 1934 wurde die Lage zunehmend gefährlich, und Qu konnte nicht länger in Shanghai bleiben, weshalb er in das zentrale revolutionäre Stützpunktgebiet der Kommunisten in Ruijin, Provinz Jiangxi, ging. Als die Rote Armee den Langen Marsch begann, blieb Qu im Süden, um den Guerillakampf zu führen. Qu setzte die Herausgabe von „Rotes China“, der offiziellen Zeitung der Chinesischen Sowjetrepublik, bis Januar 1935 fort.

1934 wurde Qu in Changting, Fujian, verhaftet und ein Jahr später zum Tode verurteilt. Während seiner Verhaftung wurde Qu von den Guomindang-Schergen gefoltert im Auftrag der Regierung, die verschiedene Mittel anwandte, um ihn zur Kapitulation zu bewegen. Doch er blieb standhaft in seinen Überzeugungen und hielt stand. Er wurde am 18. Juni 1935 erschossen – ungebeugt! vgl. en.wikipedia.org/wiki/Qu_Qiubai – 20.03.2026)

14 s. german.cri.cn/21/2005/05/08/1@29395.htm – 12.01.26 Von diesen Vorgängen erfährt das deutsche Publikum z.B. aus dem Vorwärts, der Zeitung der SPD-Führung, vom 9. September 1927, dass „die Nanking-Regierung gegründet worden“ sei, um die „Kuomintang von den Kommunisten zu reinigen“. (s. W. Adolphi, Das Blättchen, 17.03.2023) Am 7. Juni 1928 soll sich dann – laut sozialdemokratischem Der Abend, die Spätausgabe des Vorwärts – der neue militärische Führer „mit aller Schärfe gegen die kommunistische Bewegung und alle kommunistischen Einflüsse in der Kuomin Tang“ kehren. (a.a.O.)

15 Das Füßebinden und die damit verbundene Verstümmelung von Frauen – als „Lotosfuß“ (etwa Schuhgröße 17) verherrlicht um Tippelschritt zu erzwingen –, war seit dem 10. Jahrhundert nach Null eine in China weit verbreitete Sitte, die erst 1949 gesetzlich per Gesetz der gerade gegründeten Volksrepublik endgültig verboten und unterbunden wurde.

16 vgl. Mao Tse-tung, Probleme des Krieges und der Strategie, AW 2, S. 261 f. „Wir treten dafür ein, daß der Krieg abgeschafft wird, wir wollen keinen Krieg; man kann aber den Krieg nur durch Krieg abschaffen, und wenn man will, daß es keine Gewehre mehr geben soll, muß man das Gewehr in die Hand nehmen.“ (S. 262)

17 thechinaproject.com/2021 05/ 10/zhu-was-first-the-rise-and-fall-of-commander-in-chief-zhu-de/ -17.02.2026

18 Agnes Smedley, a.a.O. S. 362  ff.

19 www.chinadaily.com.cn/a/ 201110/09/WS5a2f8abaa3108bc8c6726a28.html – 21.02.2026

20 Fußt auf R. Corell, Die Große Proletarische Kulturrevolution – Chinas Kampf um den Sozialismus, Frankfurt 2009; hier korrigiert und ergänzt

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