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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

„Granatsplitter“ zum Überfall auf den Iran

Öl und Gas – da war doch was ...?

Wie bekannt ist Fracking-Öl erst rentabel gewinnbar, wenn der Ölpreis bei etwa 60 US-$[1] pro Barrel liegt. Vor dem Überfall auf den Iran drohte der Öl-Preis – an dem sich auch der Gas-Preis orientiert – unter diese Grenze zu fallen. Große und erst recht kleinere Produzenten dieses ziemlich giftigen Gases/Öls, das vor allem als Liquid Natural Gas (LNG) = Flüssigerdgas auf den Markt kommt (auf das wir uns im Folgenden vor allem konzentrieren), waren damit in der Gefahr, pleite zu gehen.

Was ist zu tun, damit der Preis nicht weiter fällt? Wie kann das erreicht werden? Die Nachfrage steigern! – Schade, die Konjunktur lahmt. Dann eben: Das Angebot muss sich (bei gegebener Nachfrage) vermindern. Wie geht das? Angebot/Anbieter aus dem Markt nehmen! Da geht natürlich keiner freiwillig. Aber da gibt es doch Mittel und Wege: Nord Stream in die Luft sprengen (wie im September 2022 gesehen). Diese und andere Pipelines kappen (wirft gerade Ungarn der Ukraine vor) oder Öl-/Gas-Felder bombardieren, Raffinerien in Schutt und Asche legen. Das passiert unter unseren Fernsehaugen – und die USA und Israel profitieren. Die USA und Israel? Da war doch noch was ...

Am 28. Februar 2026 überfielen US- und israelische Streitkräfte die Islamische Republik Iran. Wenn das damit verbundene Elend nicht so schrecklich für die iranische Bevölkerung wäre, könnte man sich freuen: Der Imperialismus legt die Maske von Demokratie, Völker- und Menschenrecht ab und zeigt ganz offen sein barbarisches Gesicht.

Von Israel wurde das größte bekannte Gas-Reservoir der Welt getroffen, das South Pars-/North Dome Feld, das unter Wasser im Persischen Golf liegt und z.T. dem Iran, zum Teil Katar gehört. Israel traf den iranischen Teil. Als Gegenschlag deckte Iran auch Katar mit Schlägen auf die Gasvorkommen ein. Während die Blicke auf die Sperrung der Straße von Hormus gelenkt wurden – und damit auf den stockenden Abtransport bereits geförderten Öls und Flüssiggases – gingen die verheerenden Zerstörungen an den Quellen (deren Reparatur von Experten auf mehrere Jahre berechnet und viele Milliarden kosten wird, deren Zerstörung also „nachhaltig“ ist) am Publikum vorbei. Aus gutem Grund. Die Spur führt nämlich zu den Kriegstreibern hinter den Kulissen, hinter den USA und Israel. Denn wer sind die wirklichen Nutznießer, wenn das Angebot sinkt und dadurch der Preis steigt. Natürlich die Energiekonzerne. Und „ganz zufällig“ sind die größten Lieferanten von Fracking-Gas (LNG) aus den USA ExxonMobil und Chevron.

„Ganz zufällig“ soll ab dem 2. Quartal 2026 die neuerrichtete Riesenproduktionsstätte für LNG „Golden Pass“ in Texas/USA liefern können. Die Eigentümer dort sind ExxonMobil (30%) und ... QatarEnergy (70%)[2]. Damit diese Quelle rentabel sprudelt, muss – wie gesagt – der Preis steigen, also Angebot vom Markt genommen werden. Israel bombt das weg und die dadurch provozierten Gegenschläge des Iran auf Katar bringen das gleiche Ergebnis. „Qatar Energy, der staatliche Energiekonzern Katars, hat nach iranischen Drohnenangriffen die Produktion in seinen Flüssigerdgas-Exportanlagen eingestellt. Dies führte zu einem massiven Anstieg der globalen Gaspreise und verdeutlichte die Anfälligkeit der Energiemärkte. Durch die Betriebseinstellung in den Industriekomplexen Ras Laffan und Mesaieed, die zusammen die größte LNG-Exportinfrastruktur der Welt bilden, fiel rund ein Fünftel der weltweiten Exportkapazität aus der globalen Lieferkette aus. ... Katars LNG-Exporte machten 2025 etwa 19–20 % der weltweiten Seefrachten aus. ... In Asien, wo Katar bis 2025 fast ein Drittel der chinesischen und einen bedeutenden Anteil der indischen und japanischen LNG-Importe geliefert haben soll, verschärft sich der Wettbewerb um alternative Lieferquellen. ... Große internationale Energiekonzerne mit Beteiligungen am katarischen LNG-Sektor, darunter ExxonMobil, Shell, TotalEnergies und Eni, beobachten die Entwicklungen genau ...“[3] Denn – muss man hinzufügen – die wirklich dicken Extraprofite machen sie, wenn sie das billig förderbare Öl/Gas aus den Ländern des sog. Mittleren Ostens zu den inzwischen hochgetriebenen Preisen verkaufen können.

Und da sind auch noch „ganz zufällig“ im östlichen Mittelmeer im Einflussbereich der US-Söldner-Kolonie Israel große Gas-Vorkommen (die Felder mit den Namen Gaza Marine, Tamar, Leviathan, Aphrodite) und dabei dominiert ein Konzern nämlich Chevron[4] und um den Reigen der Kartellschwestern voll zu machen. BP ist seit dem Krieg von 2003 im Irak, Nachbarland des Iran, wieder maßgeblich beim größten irakischen Ölvorkommen Rumaila involviert. Und hat gerade massiv in Kirkuk investiert, im kurdischen Teil des Irak.

Selbst dieser noch ganz unvollständige Einblick in die Rolle der Öl- und Gas-Monopole zeigt, worum es in diesem Krieg geht. Nicht um einen verrückten Trump, auch nicht um „Mullahs“, Emire und Scheichs oder gar die immer wieder bemühten „Juden“ geht es, sondern um nackte Profitinteressen, um die Aufteilung der Energiequellen unter ein paar Riesenkonzerne, um die Kontrolle über Öl und Gas, immer noch Schlüsselfaktoren in einer vom Kapital beherrschten Weltwirtschaft.

Alle diese Konzerne verzeichnen seit Beginn der Bombardements Höhenflüge an der Börse. Blut für Öl – das schmiert die Kurse.


Katar oder die Befindlichkeit zwischen den Stühlen

Bereits vor Beginn des Kriegs in der Ukraine entstand der „Eindruck, Doha nähere sich der entstehenden Achse China-Russland an. Dieses Signal kam durch eine Reihe langfristiger LNG-Lieferverträge mit chinesischen Abnehmern. Der erste Vertrag wurde im März 2021 abgeschlossen, als Sinopec und Qatar Petroleum ein Zehnjahresabkommen über 2 Millionen Tonnen LNG pro Jahr vereinbarten. Im Dezember desselben Jahres folgte ein weiterer Vertrag, diesmal zwischen Qatar Energy und der Guangdong Energy Group Natural Gas Co., der eine Lieferung von 1 Million Tonnen pro Jahr von 2024 bis 2034 mit Verlängerungsoption umfasste. Mehrere ähnlich umfangreiche Verträge wurden in rascher Folge unterzeichnet. Peking und Moskau waren lange davon ausgegangen, dass Katar sich auf ihre Seite schlagen würde, nicht zuletzt, weil das Emirat gemeinsam mit Teheran, einem strategischen Partner beider Mächte, über das größte Gasvorkommen der Welt verfügt – das North Field/North Dome auf katarischer und South Pars auf iranischer Seite.“ (a.a.O.)

Mit dem Krieg gegen den Iran zeigt der US-Imperialismus auch dem katarischen Herrscher-Clan der Al Thanis den „großen Stock“. Denn: „Katar geriet bald unter zunehmenden Druck aus Washington, London und Paris[5], seine intensivere Energiepartnerschaft mit China zu reduzieren und stattdessen langfristige Lieferverpflichtungen mit Europa, vor allem mit Deutschland, dem wirtschaftlichen Zentrum der Europäischen Union (EU), einzugehen.“ Man erinnert sich vielleicht an den Besuch des Herrn Habeck in Katar und seine devote Verbeugung. LNG sollte nach D fließen. Verträge wurden unterzeichnet, dass ab 2026 geliefert werden soll. 2026? Da war doch was. ... Katar kann gerade nicht liefern, weil seine Anlagen zerstört sind und das ganze Gasfeld in seiner komplexen geologischen Struktur bedroht ist. Dafür kann jetzt Qatar Energy zusammen mit Exxon vom texanischen „Golden Pass“ aus (s.o.) amerikanisches Fracking Gas zu Höchstpreisen liefern. Und kleiner „Nebeneffekt“: Da ist die Abhängigkeit der BRD vom russischen Gas und von Gazprom auf wundersame Weise ersetzt worden – nicht etwa durch Katar – sondern durch ExxonMobil und die anderen Räuberkonzerne. Und das – ganz Monopolwirtschaft – zu wesentlich höheren Preisen. Insofern wurde der „große Stock“ nicht nur den Kataris, sondern auch dem deutschen Imperialismus gezeigt.

Denn schließlich: Katar, insbesondere über seinen Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA), ist mit geschätzten Investitionen von über 25 Milliarden Euro einer der bedeutendsten ausländischen Investoren in Deutschland. Die strategischen Beteiligungen konzentrieren sich auf führende deutsche Konzerne; darunter sind beachtliche Anteile an Volkswagen (ca. 10,5% Stammaktien), RWE (ca. 9%), Deutsche Bank (6,1%), Siemens (rund 3%) und Hapag-Lloyd. Katar ist Abnehmer von Leopard-Panzern.

Um es deutlich zu sagen: Katar ist ein Marionetten-Staat im Dienst der bekannten Ölmonopole, der versucht aus einer Schaukelpolitik zwischen China/Russland und dem imperialistischen Lager einerseits, und unter Ausnutzung der Differenzen zwischen den imperialistischen Ländern andererseits noch höhere Provisionen aus seinen natürlichen Reichtümern zu schlagen zum Nutzen der halbfeudalen Herrscher-Familie und deren Kompradoren-Hofstaat. Die ist stets bereit die Interessen der arabischen „Brüder und Schwestern“ zu verkaufen – und ist damit ein würdiger Partner von Monopol-Deutschland.


Dritter Anlauf ins Desaster

Als die USA und die israelische Netanjahu-Regierung am 28. Februar über den Iran herfielen, äußerte sich Kanzler Merz in denkwürdiger Weise. Merz sprach von einem „Dilemma“, weil „gegen ein Regime, das atomar aufrüstet und das eigene Volk brutal unterdrückt, mit dem Völkerrecht „offensichtlich nichts zu bewirken ist“.

Mit der Verurteilung iranischer Rechtsbrüche und mit umfangreichen Sanktionspaketen habe man über Jahrzehnte nur wenig ausrichten können, sagte Merz. „Das hat auch daran gelegen, dass wir nicht bereit waren, grundlegende Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen.“ Deshalb sei nun „nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren“.[6]

Deutsche Tradition mit Völkerrecht

Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hatte die vertragliche Garantie der Neutralität Belgiens am 4. August 1914 gegenüber dem englischen Botschafter in Deutschland „als Fetzen Papier“ bezeichnet (scrap of paper).

Hitler 1920: „Haben wir erst die Macht, dann zerreißen wir diesen Fetzen – gemeint ist der Friedensvertrag! Ihr kennt uns Deutsche nicht.“[7]

Hitler am 23.11.1939 vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht: „Verletzung der Neutralität Belgiens und Hollands ist bedeutungslos. Kein Mensch fragt danach, wenn wir gesiegt haben.[8]

Berüchtigt: „Deutsche Treue ...“

Nichtangriffsvertrag mit Polen 1934 – gebrochen 1939

Münchner Abkommen (Sept. 1938) – gebrochen mit dem Angriff auf die CSR (März 39)

Deutsch-Sowjetischer Nichtangriffsvertrag (August 1939) gebrochen am 22. Juni 1941

Und so hat’s beim letzten Mal geendet

Da wir die Wolfsnatur der deutschen Machthaber kennen, die Verträge und Abkommen als einen bloßen Fetzen Papier betrachten, haben wir keinen Grund, ihnen aufs Wort zu glauben. Seit heute morgen jedoch haben deutsche Truppen in Verwirklichung der Kapitulationsurkunde begonnen, in Massen die Waffen zu strecken und sich unseren Truppen gefangen zugeben. Das ist schon kein bloßer Papierfetzen mehr.“ (Ansprache von Generalissimus Josef Stalin am 9. Mai 1945)


Reiche um Hilfe bitten?

Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass Frau Reiche den Autofahrern zu Hilfe kommt. Sie schaltet das Kartellamt ein, bekannt als zahnloser Tiger ohne Biss gegen Ölmonopole. Sie verfügt, dass die Preise nur einmal pro Tag erhöht werden. Die Konzerne folgen ihr aufs Wort – und das gewaltig, täglich mit einem Schlag. Sie ist das „Gesicht“ der deutschen Energiewirtschaft im Bundeskabinett, Abgesandte des E.On-Konzerns (als vordem Vorstandsvorsitzende der zu diesem Konzern gehörigen Westenergie AG). Eine „Wirtschaftsweise“ springt ihr bei und erklärt sich gegen eine Übergewinnsteuer auf die massiven Profitsteigerungen der Konzerne und erzählt: „Die Regierung muss die Preise wirken lassen, damit die Energie-Nachfrage sinkt.“[9] Die Märchenerzählerin heißt wirklich Grimm, Veronika Grimm, und steht dem Wirtschaftsrat der CDU als Beraterin bei.

Und der Mann, der die SPD an die 5%-Klausel herangeführt hat, Lars Klingbeil mit Kriegskrediten von 1 Billion Euro gepolstert, jammert über klamme Kassen. Wie das nur die armen Polen, die Spanier usw. machen? Die senken die Steuern, damit der Benzinpreis fast auf Vorkriegsniveau bleibt.

Wie die das machen? Preisobergrenze, Steuern auf Öl und Gas runter! In der BRD dagegen hat der Staat bei steigenden Preisen Öl und Gas erstmal zusätzlich Steuereinnahmen. Auf den Liter Benzin etwa kommen etwa 65,45 Cent Energiesteuer. Die CO2-Abgabe nochmal 17 Cent. Und darauf dann, alles fein addiert, kommen dann nochmal 19 Prozent Mehrwertsteuer. Und damit: Je höher der Preis desto höher die Mehrwertsteuereinnahmen des Staates. Neben den Ölmonopolen gibt es also noch einen großen Kriegsgewinnler: den deutschen Staat. Und der will ja schließlich „kriegstüchtig“ werden – bis ihm das Handwerk gelegt wird.

Arbeitsgruppe Öl und Gas: Conny Renkl, Flo, S. Müller, O‘Nest

Merken: Deutschland wieder „gewaltbereit“!

„Appelle aus Europa, auch aus Deutschland, die Verurteilung iranischer Rechtsbrüche und selbst umfangreiche Sanktionspakete haben über Jahre und Jahrzehnte hinweg wenig ausgerichtet. Das hat auch daran gelegen, dass wir nicht bereit waren, grundlegende Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen.“ (Bundeskanzler Merz, Pressekonferenz vom 02.03.2026, www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-statement-naher-osten-2409172)

1 Es werden auch höhere sog. break-even prices genannt von 80 bis 90 US-$. Fracking Gas ist besonders schwierig zu gewinnen; zudem wird dabei auch noch die Vergiftung und Verschandelung der Umwelt in Kauf genommen; für deren Sanierung hinterher niemand mehr zuständig sein will. Es geht also um exzessiven Raubbau, der vor allem den USA vorübergehend eine Stellung als Netto-Exporteur von Öl und Gas verschafft. Dafür muss das viel günstiger gewinnbare Gas, z.B. aus den Quellen der arabischen Länder, „aus dem Markt gedrängt“ werden.

2 www.offshore-energy.biz/10-billion-us-lng-project-comes-online-in-texas-one-train-down-two-more-left-on-mcdermott-and-chiyodas-list/ -- „Darüber hinaus werden voraussichtlich weitere knapp 13 Millionen Tonnen LNG pro Jahr aus Katars 70-prozentiger Beteiligung am Golden-Pass-LNG-Exportprojekt stammen, das Katar gemeinsam mit dem US-amerikanischen Unternehmen ExxonMobil betreibt. Nach Fertigstellung wird das 18-Millionen-Tonnen-Projekt in Texas voraussichtlich eine der größten LNG-Exportanlagen der USA sein und dazu beitragen, dass die USA ihre Position als weltweit größter LNG-Exporteur behaupten können.“ (oilprice.com/Energy/Natural-Gas/Qatars-Latest-LNG-Mega-award-Signals-a-Full-Strategic-Turn-to-the-West.html – 04.03.2026)

3 thearabianpost.com/strike-linked-fire-disrupts-uae-aws-hubs/ – 04.03.2026

4 vgl. KAZ 386: „Was hat der Gaza-Krieg mit Öl und Gas zu tun?“ und KAZ 393: Bomben auf Teheran – es geht ums Öl

5 D.h. von ExxonMobil, Chevron (für Washington), BP, Shell (für London) und Total (für Paris)

6 www.t-online.de/nachrichten/tagesanbruch/id_101154566/iran-krieg-und-voelkerrecht-die-brutalen-saetze-des-kanzlers-friedrich-merz.html – 04.03.2026)

7 www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1963_3_4_phelps.pdf, S. 314 – 04.03.2026

8 (www.zeit.de/1964/34/ein-fetzen-papier – 04.03.2026)

9 www.t-online.de/finanzen/aktuelles/wirtschaft/id_101198142/spritpreise-zu-hoch-ricarda-lang-ist-fuer-mehr-homeoffice.html – 04.04.2026

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