Für Dialektik in Organisationsfragen
Entsprechend § 13 Betriebsverfassungsgesetz BetrVG ist der Zeitraum der Betriebsratswahlen 2026 vom 1. März bis zum 31. Mai. Nachstehend auf der Basis der bis Anfang April erschienenen IGM- u. a. Presseberichte eine Zwischenbilanz zu den Ergebnissen bei den Autokapitalisten (die Wahlen bei Tesla in Grünheide haben wir in einem extra Kasten kommentiert). Offenbar haben die Wahlen bei allen „Großen“ bereits im März stattgefunden. Im Zusammenhang mit der Diskussion darüber stand hierbei bereits seit 2025 die Frage: Wie viel Stimmen holt der sich als „alternative Gewerkschaft“ aufplusternde Faschisten-Verein „Zentrum“ – vorher „Zentrum Automobil“ – in den Betrieben?
Wie in der IGM und generell in den DGB-Gewerkschaften mehr oder weniger bekannt, hat sich „Zentrum“ seit 2009/2010 hauptsächlich im Mercedes-Benz-Stammwerk, „beim Daimler“ in Stuttgart Untertürkheim eingenistet. Allerdings auch in einigen anderen Mercedes-Benz-Werken. Angeführt von seinem Gründer und Daimler-Arbeiter Oliver Hilburger tritt „Zentrum“ seit 2010 in Untertürkheim als BR-Wahl-Kandidaten-Liste auf. 2010 wurden hierbei 2 Betriebsratsmitglieder gewählt, die bei den nachfolgenden Wahlen über 4 und mit der Wahl 2022 auf 7 BR-Mandate gesteigert werden konnten. Oliver Hilburger – im Betrieb allgemein „der Olli“ – hatte bereits im April 2025 bei einer Pressekonferenz (DPA) in Hannover sozusagen eine Kriegserklärung verkündet. Bei der BR-Wahl 2026 ginge es zur Verbreiterung der betrieblichen Basis verstärkt ums Mitmischen. Dabei wäre es vor allem sein Ziel, „die Vormachtstellung der etablierten DGB-Gewerkschaften zu brechen“ und auch in VW-Betrieben zu landen. AFD-Fraktionsvorsitzender Jens Keller aus Hannover hat ihn hierbei mit der Aussage unterstützt: „Die Mitgliederzahlen der alten Gewerkschaften werden sich halbieren“ (Bericht KAZ 393). Um das in den Betrieben durchzusetzen, haben sich Zentrum und AFD zusammengetan und sich vor den Mercedes-Benz-Betriebstoren – z. B. in Sindelfingen und Untertürkheim – mit Wahlpropaganda zur Landtags- und Betriebsratswahl gegenseitig unterstützt. Wie auf Pressebildern zu sehen ist und berichtet wird, hat dabei auch die neben Ober-Faschist Höcke als rassistische und faschistische AFD-Gallionsfigur bekannte Alice Weidel – „diese Ausländer gehören hier nicht hin“ – in Untertürkheim mitgemischt.
Offensichtlich wird die Aufklärung über die ungeheuren Verbrechen der Hitler-Faschisten im 2. Weltkrieg, ihre Gewaltherrschaft sowie die Zerschlagung der Gewerkschaften durch sie am 2. Mai 1933 als gewerkschaftliche Aufgabe und Verpflichtung durch Schulungen und Veranstaltungen nicht mehr ausreichend in Erinnerung gehalten. Was dabei insbesondere für den Kampf und die Durchsetzung und wach zu haltende Forderung gilt: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg und daraus abgeleitet: Nie wieder Faschisten in den Betrieben!
Mit der Wahl von „Zentrum“ durch Teile der Belegschaften geschieht das genaue Gegenteil davon. Damit wird den sogenannten Rechtsradikalen, den Faschisten und ihrer seit einiger Zeit stark von der AFD und ihren Funktionären bestimmten und beeinflussten Ideologie in den Belegschaften und Betriebsräten nicht nur der Boden bereitet, sondern ihre Anwesenheit in den Betrieben zum Normalzustand erklärt. Beim „Daimler“ in Untertürkheim haben sich 207 Belegschaftsangehörige aus den einzelnen Betriebsbereichen bereit erklärt, für „Zentrum“ zu kandidieren. Ihre Liste wurde von 2.323 Belegschaftsangehörigen gewählt. Möglicherweise mit dem Gedanken im Kopf – „lass uns doch wieder“ oder „jetzt mal das Kreuz beim Olli machen“. Vielleicht als Warnung an IGM und Betriebsrat gedacht oder auch nur, um ihnen „Eine zu verpassen“, um sie zu ärgern. Ob es solche Überlegungen und über die Spaltung der Belegschaft durch die Listenwahl Auseinandersetzungen im Betrieb gegeben hat, wissen wir nicht. „Olli“ (Oliver Hilburger) hat mit der Liste dabei auf jeden Fall fast 21 Prozent der Stimmen geholt. Die Zahl der Betriebsratsmitglieder für „Zentrum“ ist damit von 7 auf jetzt 9 von insgesamt 43 gestiegen.
Mit einem Stimmenanteil von rund 70 Prozent hat die IGM-Liste 31 von 43 Sitzen im Betriebsrat erhalten. Im Verhältnis zu 2022 hat sie hierbei 5 Prozent der Stimmen und wie berichtet wird, 5 BR-Sitze verloren. Von den übrigen 3 Mandaten gehen 2 auf die UAG 78, die Liste „Unabhängige“ und ein Mandat an die CGM, die Christliche Gewerkschaft Metall.
Ähnliches gilt für die IGM-Listen bei den Mercedes-Benz-Werken in Sindelfingen und Rastatt, wo „Zentrum“ ebenfalls als Liste zur Wahl gestanden hat. Im Werk Sindelfingen wurde sie hierbei mit 47 Kandidaten aus der Belegschaft von 1.338 Kolleginnen und Kollegen gewählt. Damit wurde der Stimmenanteil von „Zentrum“ von 3,9 % im Jahr 2022 auf 6,1 Prozent und die Zahl seiner Mandate von 2 auf 3 von insgesamt 57 Betriebsratsmitgliedern im Jahr 2026 gesteigert.
Einen Stimmenanteil von 80,39 Prozent, in Mandaten gerechnet sind das 48 von 57 Betriebsratsmitgliedern, hat die IGM-Liste im Werk in Sindelfingen erhalten. Das war auch im Mercedes-Benz Betrieb in Rastatt nicht anders. Dort ist das AFD-nahe „Zentrum“, wie es heute nur noch genannt wird, als „Zentrum Rastatt“ aufgetreten und hat drei von 35 Betriebsratssitzen gewonnen.
Laut IGM gingen 85 Prozent der Mandate in den 11 VW-Konzern-Betrieben an die IG Metall. Die IGM-Kandidaten-Listen haben hierbei von 359 zu vergebenden Betriebsratssitzen 304 erhalten. Mit dem o. g. Stimmenanteil von 85 Prozent haben die IGM-Listen im Verhältnis zu 93 Prozent bei der Wahl 2022 Verlust gemacht. Der wird in IGM-Info vom 14.03.2026 als „in der jetzt auslaufenden Wahlperiode als überschaubarer Rückgang um 8 Prozent“ bezeichnet.
„Überschaubarer Rückgang“ heißt im VW-Stammsitz Wolfsburg: deutliche Verluste für die IGM-Liste.
„Ein ‚hochrangiger IG-Metall-Insider‘ hatte der WirtschaftsWoche vor der Wahl gesagt, falls die anderen Listen in Wolfsburg bis zu 30 Prozent bekämen, sei das ein „großes Beben“. Für Cavallo (BR-Vorsitzende, d.Verf.) wäre ein solcher Absturz „ein klares Misstrauensvotum“ (23.03.26, Info aus wsws.org). Das große Beben hat stattgefunden.
Von den rd. 60.000 wahlberechtigten VW-lerinnen und VW-lern haben sich nur 58 Prozent an der BR-Wahl beteiligt. Mit 26.000 haben dabei weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten die von der Gesamt-BR-Vorsitzenden Daniela Cavallo als Spitzen-Kandidatin angeführte IGM-Liste gewählt. Damit kommt die IGM-Liste auf 52 von 67 Betriebsratssitzen. Die verbleibenden 15 Sitze verteilen sich auf drei weitere Listen. Davon hat die stärkste und offensichtliche Opposition, die sich „Andere Liste“ nennt, und von Frank Patta angeführt wird, mit fast 5.000 Stimmen ihre Mandate von 4 auf 10 gesteigert. Die CGM, die Christliche Gewerkschaft Metall kam auf drei Mandate und die „Gewerkschaft für Transformation“ (GFT) und „Die Alternative“ auf je ein Mandat.
Hierbei gibt und gab es bisher keine Aussagen über rechte Listen im Wolfsburger VW-Stammwerk. Umso mehr hat Mitte März die Schlagzeile reingehauen; „Rechte Arbeitnehmergruppe Zentrum zieht erstmals in VW-Betriebsrat ein“. (z.B. WirtschaftsWoche 16. März 2026)
Mit dieser oder ähnlichen Aussagen hat die Presse den Wahlerfolg von „Zentrum“ zum „Hammer“ bei den Betriebsratswahlen erklärt. Auf der Basis von 6,5 Prozent Zustimmung ist es der Liste gelungen, mit den darauf präsentierten zwei Kandidaten im VW-Betriebsrat im Werk in Braunschweig zu landen. Damit hat „Zentrum“ beim größten deutschen Auto-Kapitalisten 2 Ansprechpartner, die offiziell und erstmalig unter seinem Namen auf gesetzlicher Grundlage (BetrVG) gewählt sind. Laut Info vom 13.03.2026 hat die IGM-Liste mit 78,5 Prozent Zustimmung 28 von 35 Betriebsratsmandaten erhalten. Die übrigen 7 gehen mit den 2 für „Zentrum“ an andere Listen. Der „überschaubare Rückgang“ für die IGM-Liste drückt sich dabei im Verhältnis zur Wahl von 2022 mit dem Verlust von fünf BR-Mandaten aus.
Für dieses wie auch für alle anderen hier angeführten Ergebnisse ist klar: Noch stellen die IGM-Listen die Mehrheit in den Betriebsräten bei VW. Bei der generellen Freude darüber stellt sich aber die Frage, welcher Erfolg gefeiert wird, wenn die Wahlbeteiligung unter 60 Prozent sinkt oder in der Regel nie weit darüber lag. Aber mehr noch, wenn dabei auch noch die Zahl der Belegschaftsmitglieder immer mehr ansteigt, die mit „Zentrum“, mit „Bündnis freier Betriebsräte“ und ähnlicher Listen, Faschisten wählen. Darauf gibt die IGM-Führung in ihrer Auswertungs-Info keine Antwort. Die Existenz dieser Listen und ihre Wahlbeteiligung, „Zentrum“ bei VW-Braunschweig oder das Bündnis bei VW Zwickau kommen nicht vor, es gibt sie nicht. Es ist offensichtlich beschlossen, sie ganz bewusst nicht zu erwähnen, sie als gedachte Problemlösung einfach tot zu schweigen. Als Problem wird dabei die Wahlbeteiligung festgestellt: „Die Wahlbeteiligung ist der Wahlverlierer“ heißt es. „... In der Konzernzentrale Wolfsburg liegt die Wahlbeteiligung nunmehr seit drei Betriebsratswahlen bei unter 60 Prozent. Gerade einmal drei von fünf machen also noch mit.“
Aus Sicht der über die Jahre immer wieder mit massenweisen Lohn-, Arbeitszeit- und anderen Opfern überfallenen Belegschaft gibt es dafür sicher eine Menge Argumente in den Köpfen. Konzernchef Blume hat mit dem zwischenzeitlich allgemein bekannten McKinsey-Gutachten bereits den nächsten Zukunftstarif, vielleicht wie 2024 wieder ein „Weihnachtswunder“, in die Spur gelegt. Mit der Gutachten-Empfehlung: Acht VW-Werke schließen und nur noch VW-Wolfsburg und Audi in Ingolstadt übrig zu lassen, sollen Belegschaft, sowie Betriebsrat und IGM als die Verhandlungspartner unter Druck gesetzt und für Zugeständnisse weich gekloppt werden. Die Zeitschrift „Der Aktionär“ schrieb, der an die Presse weitergeleitete McKinsey- Vorschlag diene als „Signalfeuer für die Belegschaft“. Das Signalfeuer hat bereits 2014 einmal funktioniert. Da hieß der Konzernchef noch Winterkorn. Er hatte der Belegschaft wie jetzt Blume ebenfalls die McKinsey-Berater ohne Information des Betriebsrates an den Hals gehetzt. Sie haben den Betrieb nach kurzem Aufenthalt wieder verlassen, nachdem Osterloh, der damalige Konzern-BR-Vorsitzende erklärt hatte: „Wir können das ohne externe Berater am besten.“ Das Ergebnis dabei waren 400 Seiten Verbesserungsvorschläge aus der Belegschaft, durch die der VW-Konzern 5 Milliarden Euro einsparen konnte. Es ist keine Frage, dass Blume mit dem McKinsey-Einsatz ebenfalls auf solche Ergebnisse, auf die auch im Betrieb von der BR-Vorsitzenden Cavallo als notwendig erklärten Effizienz-Programme setzt. Er hat dabei Mitte März mit der Erklärung, dass sich der Konzern bis 2030 von 50.000 Arbeitsplätzen trennen muss, mitgeteilt, dass er im Mai seine Pläne öffentlich machen wird. Für die Belegschaft geht es hierbei darum, über die Organisierung von Streiks nachzudenken, „die dieses Land noch nie gesehen oder erlebt hat“. Die Ankündigung, die 2024 so bzw. ähnlich vom IGM-Bezirksleiter und der BR-Vorsitzenden ausgesprochen wurde. Im Mai geht es hierbei mit darum, dass sie sich vom versprochenen und zur Auszahlung kommenden Bonus von 1250 Euro nicht einlullen lässt, sondern sich auf die eigene Stärke als Teil der in der IGM als Kampforganisation organisierten Arbeiterklasse besinnt. Dazu könnte es z. B. eine gute Übung sein, sich der Resolution der Kölner Ford-Vertrauensleute anzuschließen (siehe Kasten) und sie in den Autobelegschaften zu verbreiten und durchzusetzen.
Wenn diese Konsequenzen nicht aus den Ergebnissen der BR-Wahlen gezogen werden, dann werden die „überschaubaren“ Niederlagen der IGM und die „überschaubaren“ Erfolge der Faschisten sich zu einer nicht mehr kontrollierbaren Katastrophe für die Gewerkschaftsbewegung entwickeln.
Ludwig Jost
Mercedes-Benz Untertürkheim. Andreas Brandmeier und Michael Schöffler, die zum Kreis der Zentrum-BR-Mitglieder zählen, haben bei Kommunalwahlen für die AFD kandidiert. Brandmeier ist seit 2023 als Vertreter der AFD Mitglied im Bezirksbeirat in Zuffenhausen. (Info: Christa Hourani in UZ 20.03.2026)
Mercedes-Benz Sindelfingen. BR-Mitglied Kay Rittweg ist AFD-Mitglied, Mitglied des Gemeinderats in Oberndorf am Neckar (Heckler & Koch und Rheinmetall-Standort) und seit der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg Mitglied der AFD-Landtagsfraktion. (Info: Christa Hourani in UZ 20.03.2026)
Mercedes-Benz Rastatt: Spitzenkandidat und Listenführer von „Zentrum Rastatt“ Tobias Gerstner ist „langjähriger Aktivist der badischen Neonazi-Szene und gehörte der ‚Kameradschaft Rastatt‘ an.“ (Info: www.endstation-rechts.de/news/rechte-betriebsraete-gewaehlt, 05.03.2026)
Das mussten wir im Vorwort der „metall – Dein Magazin“ Jan./Feb. 2026 lesen: „Deutschlands Industrie steht massiv unter Druck. Zwischen US-Zöllen und subventionierten Importen aus China droht unser Standort unser Industriestandort zerrieben zu werden. Damit steht nicht nur unser Exportmodell auf dem Spiel, sondern auch Wohlstand, Beschäftigung und demokratische Stabilität sind in Gefahr. ... Wir brauchen jetzt eine gemeinsame Zukunftsstrategie in Deutschland, mit einem klaren Ziel, das den Menschen Orientierung und Zuversicht gibt. Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen jetzt zusammen eine Initiative starten. Die Beschäftigungssicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz und Wohlstand verbindet. Zukunft muss in den Regionen entstehen. Entscheidend ist ein klares Bekenntnis zum Industriestandort sowie der Mut, in neue Technologien, Produkte und Produktionsverfahren einzusteigen, um Leitmärkte und Innovationen hier bei uns zu entwickeln und zu industrialisieren“.
Während also Kapital und Regierung aufrüsten und die Militarisierung der Gesellschaft mit dem Ziel, kriegstüchtig und kriegsfähig zu werden, vorantreiben, predigt die IGM-Führung den Metallerinnen und Metallern die Zusammenarbeit mit den Kriegstreibern. Die Vertrauensleute bei Ford in Köln haben in dem Zusammenhang an die Aufgaben der IGM erinnert:
„Nein zur Kriegswirtschaft – Wir geben unsere Kinder nicht für Kriege!“
Der IG Metall Vertrauenskörper der Ford-Werke in Köln schaut mit großer Sorge auf die weltweite Aufrüstung und zunehmenden Kriege. In Deutschland werden bereits erste Werke zur Umstellung auf Rüstungsproduktion gesucht. Wer uns damit Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie auszunutzen. Aufrüstung sichert nicht den Frieden, sondern bereitet Kriege vor. Wenn die Regierung einen „Notstand“ ausruft, wird das Streikrecht beschnitten, gibt es Arbeitsverpflichtung und Anordnungen zu extremer Arbeitszeitausdehnung. Im „Kriegsfall“ kommt laut „Arbeitssicherstellungsgesetz“ (ASG) eine Zwangsverpflichtung unter Androhung von Gefängnis für sogenannte Spezialisten aller Berufsgruppen hinzu. In den Schützengräben der Welt sterben Menschen wie du und ich nicht für höhere Werte, sondern für die Interessen großer Kapitaleigner. Die Rüstungsindustrie jubelt über explodierende Gewinne. Die Wiederaktivierung der Wehrpflicht ist in Vorbereitung, um künftig auch unsere Kinder in Kriege zu schicken.
Diese Entwicklung machen wir nicht mit!
Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen und unserer Familien und widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen. Unterstreichen wir unsere Losung „Kampf um jeden Arbeitsplatz!“ und setzen wir uns aktiv für unser Ziel „Frieden, Abrüstung und Völkerverständigung“ ein. (Satzung unter §2 „Aufgaben und Ziele der IG Metall“.)
Und wir rufen den IG Metall Vorstand und alle Mitglieder auf: Nein zum Umbau auf Kriegswirtschaft!
Quelle: www.friedenkoeln.de/?p=19552
1. „Die besondere Gefährlichkeit des Militarismus ist dargelegt Dem Proletariat steht er als bis an die Zähne bewaffneter Räuber gegenüber, dessen Ultimatum aber nicht lautet: la bourse ou la vie – Geld oder Leben! Sondern, die Räubermoral übertrumpfend: la bourse et la vie – Geld und Leben! Er ist außer der großen künftigen eine stets gegenwärtige, stets verwirklichte Gefahr, auch wenn er gerade nicht zuschlägt. Nicht nur ist er der Moloch des Wirtschaftslebens, der Vampir des kulturellen Fortschritts, der Hauptfälscher der Klassengruppierung. Er ist auch der geheime oder offenbare letzte Regulator der Form, in der sich die politische und gewerkschaftliche Bewegung des Proletariats abspielt, der Klassenkampftaktik, die sich in allen wichtigen Fragen nach ihm als dem Hauptpfeiler der brutalen Macht des Kapitalismus richtet ...“
2. „Gewiß möchte auch die herrschende Klasse des Kapitalismus ihre Profitinteressen ganz gern in voller Gemütlichkeit wahrnehmen. Da sich diese Gemütlichkeit aber weder mit der kapitalistischen Konkurrenz, der nationalen und internationalen, verträgt, noch auch dem Geschmack derjenigen dauernd entspricht, aus deren Haut der Kapitalismus Riemen schneidet, so errichtet der Kapitalismus zum Schutze der Lohnsklaverei um das Allerheiligste des Profits eine waffenstarrende, grausame Festung der Gewaltherrschaft. Und wenn der Militarismus für den Kapitalismus eine Lebensnotwendigkeit ist, so liegt ihm natürlich an den Riesenkosten des Militarismus an und für sich nichts, im Gegenteil, sie sind ihm gewiß herzlich unangenehm. Aber da es heutzutage nicht mehr möglich ist, nach dem alten akademischen Rezept Zähne zu säen und bewaffnete Soldaten aus dem Boden wachsen zu lassen, so bleibt nichts übrig, als sich mit der Molochnatur des Militarismus abzufinden und seine unersättliche Gefräßigkeit zu füttern ...“
Anmerkungen:
Beide Zitate sind aus Karl Liebknecht: Gesammelte Reden und Schriften, Band I, Dietz Verlag Berlin 1983
Zitat 1: S. 319, Zitat 2: S. 440.
Moloch, der Name, den Karl Liebknecht dem Militarismus verpasst, bedeutet so viel wie: Inbegriff für etwas, das ständig und unersättlich Opfer fordert – siehe www.dwds.de/wb/Moloch.
Tesla Grünheide: IG Metall strauchelt von Prozess zu Prozess. Aber:
Wer Anfang Mai vorigen Jahres auf der 6. Konferenz Gewerkschaftliche Erneuerung der Rosa-Luxemburg-Stiftung war, wird sich mit Freude daran erinnern, wie zum Schluss der ganze Saal, 3.000 Kolleginnen und Kollegen, den Tesla-Arbeitern mit stehenden Ovationen für ihren Kampf dankten – einen Kampf nicht nur für die Tesla-Arbeiter, sondern für alle Ausgebeuteten.
Nun wissen wir noch von der Corona-Pandemie, dass Beifall für die am meisten gebeutelten Lohnabhängigen (aus welchen Gründen auch immer er gegeben wird) keine Butter aufs Brot bringt.
Es wird Zeit für ernsthafte, materielle Solidarität der gesamten IG Metall, all ihrer Mitglieder. Was ist geschehen:
Erstens: Ende 2024 beantragte die IG Metall beim Arbeitsgericht Frankfurt/Oder die Amtsenthebung der Betriebratsvorsitzenden bei Tesla, die im Auftrag der Geschäftsleitung gegen die IG Metall im Betrieb und im Betriebsrat arbeitet. Der Prozess wurde verschleppt, sowohl durch Teslas Anwälte als auch durch „Personalmangel“ des Gerichts. Das Gerichtsverfahren sollte erst im Mai 2026 stattfinden – also nach den Betriebsratswahlen, so dass der Prozess sinnlos wäre. Deshalb zog die IG Metall ihren Antrag zurück und beklagte sich: „Teslas Zeitspiel vor Gericht zerstört Vertrauen in Rechtsstaat“. (Pressemitteilung der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, 18.12.2025)
Was wäre denn schlimm am Verlust des „Vertrauens in den Rechtsstaat“, d.h. in diesen Klassenstaat, wenn man es ersetzen würde durch das Vertrauen in die eigene Kraft der gesamten IG Metall und ihrer Mitglieder! Aber wenn man das unterlässt, dann treibt das schon den ein oder anderen in die Arme der faschistischen Reaktion!
Und es ging noch weiter.
Zweitens: Die Betriebsratswahlen fanden unter massiven – vom Gesetz verbotenen – Störungen statt. „Schon seit Ende letzten Jahres beschweren sich Kolleginnen und Kollegen bei uns, dass Vorgesetzte und Werkleitung damit drohen, dass es keinen Werksausbau mehr gibt, wenn die IG Metall die Mehrheit gewinnt. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viele haben das nicht als freie Wahl empfunden, sondern als Erpressung.“ Das berichten zwei Betriebsrats-Kollegen der Gruppe „IG Metall-Tesla Workers GFBB“.
Und hier noch einige weitere Beispiele: „Leuchtwerbung an der Fassade des Tesla-Werks wurde nur der arbeitgebernahen Liste gestattet, dieselbe Aktion der IG Metall-Liste wurde dagegen sofort unterbunden.
Vorgesetzte verteilten Anstecker mit der Aufschrift ‚Giga Ja Gewerkschaft Nein‘ und trafen dahingehende Aussagen, dass es mit der IG Metall weniger Geld gäbe oder unmissverständliche Aufforderungen an die Belegschaft, beispielsweise: ‚Ich kann Euch nur raten, nicht die rote Liste zu wählen.‘
Besonders hervorzuheben ist, dass dieses Verhalten maßgeblich bei Vorgesetzten und Werksleitern beobachtet wurde. Ihnen kommt genau wie dem CEO von Tesla, Elon Musk eine besondere Stellung im Unternehmen zu, die diese dazu genutzt haben, die Wahl in unzulässiger Weise zu beeinflussen.“ (Alle Fakten und Aussagen zur Behinderung der BR-Wahl sind aus Pressemitteilungen des IGM-Vorstands und der IGM Berlin-Brandenburg-Sachsen vom 25.03.2026)
Die Wahlen brachten den vom Kapital erwünschten Erfolg: Die IG Metall bleibt in der Minderheit, die Wasserträger der Geschäftsleitung sind in der Mehrheit, die Betriebsratsvorsitzende bleibt wie gehabt.
Die IG Metall hat Klage eingereicht, um eine Wiederholung der Wahl zu erreichen.
Und das ist alles? Wo doch das „Vertrauen in den Rechtsstaat“ (den Klassenstaat) erschüttert ist? Geht es hier nicht um einen Angriff auf die gesamte Gewerkschaftsbewegung (und da ist das Tesla-Kapital nicht der einzige Angreifer!)? Hat uns die jahrzehntelange Illusion der Klassenversöhnung vollkommen den Schneid abgekauft? Hieße es nicht jetzt, zum Schutz unserer Gewerkschaft, in den Solidaritätsstreik zu treten?
Aber das ist doch verboten?
Dann darf also das Kapital, die Geschäftsführung von Tesla, alles Mögliche Verbotene – weil sie es kann. Dann dürfen wir doch wohl auch streiken – weil wir es können! Nur so kann die Gleichheit vor dem Gesetz wieder hergestellt werden, und nicht durch eine Klassenjustiz, die „Sachzwänge“ vor sich herschiebt, um Anliegen der Arbeiter versemmeln zu können (auch wenn ein Prozess ohne Illusionen, nur als zusätzliches Mittel nicht falsch sein muss). Bürgerliche Demokratie, Recht und Gesetz wieder herzustellen, das wäre jetzt Aufgabe der gesamten Gewerkschaft (wobei übrigens das „Streikverbot“ nicht dazu führen kann, dass irgendein am Streik Beteiligter in den Knast muss!). Das ist keine Revolution, sondern sollte normaler gewerkschaftlicher Alltag sein, wie er in anderen Ländern durchaus üblich ist. Und der notwendig ist, damit wir nach dem jahrzehntelangen Gift der Klassenversöhnung der Gefahr von Faschismus und Krieg begegnen können und die Kraft gewinnen, uns von den Ausbeutern überhaupt zu befreien. Das alles können die Gewerkschafter bei Tesla nun wirklich nicht allein stemmen.
Praktische Solidarität tut not. Darüber sollten sich Gewerkschafter klar sein und den Einsatz der Kampfkraft der gesamten IG Metall einfordern.
E.W.-P.