Wie ein Trommelfeuer prasseln seit Monaten die Forderungen nach Verlängerung der Arbeitszeit auf uns ein. Der 8-Stunden-Tag soll vom Tisch, die Krankheitstage weniger werden, Teilzeitarbeitsplätze möglichst verschwinden, die Lebensarbeitszeit verlängert werden. Ob Arbeiter oder Angestellte, wir sind nach Ansicht der Herrschaften offensichtlich zu faul. Doch weil in einigen Bundesländern Wahlen anstehen macht es sich nicht gut, wenn ein großer Teil der Wähler so beschimpft wird. Nein, erklärt deshalb der Kanzler auf dem Parteitag der CDU, er meine nicht, dass die Beschäftigten faul seien. Doch es müssten sich halt alle mehr anstrengen, um das Land wieder nach vorne zu bringen. Als wäre die Wirtschaft in der Krise, weil Metaller oder Pflegekräfte, Lokführer oder Verkäuferinnen zu wenig arbeiten.
Es ist völlig widersinnig: Hunderttausende Arbeitsplätze wurden in den letzten Jahren vernichtet, die Arbeitslosigkeit mit offiziell über drei Millionen Erwerbslosen ist so hoch, wie seit über 12 Jahren nicht mehr. Doch die, die noch einen Job haben sollen länger schuften. Obwohl der Anlass für die Krise doch ist, dass weltweit zu viel hergestellt worden ist für die kaufkräftige Nachfrage und nicht zu wenig. Dass deshalb hierzulande vor allem die großen Autokonzerne ihre hochentwickelten Blechkisten nicht mehr im gewohnten Ausmaß loswerden, die Maschinenhersteller in der Folge weniger Maschinen, die Grundstoffindustrie weniger Grundstoffe verkaufen kann, die Logistikkonzerne weniger Fracht zu befördern haben usw. Der Kampf um Absatzmärkte wird deshalb mit immer härteren Bandagen geführt. Staaten wie die USA schotten sich mit Zöllen und anderen Handelsbeschränkungen ab, um die heimische Industrie vor jahrzehntelangen Überschuss an Waren vor allem auch aus Deutschland zu schützen. Da heißt es, die Konkurrenz zu unterbieten.
Doch der Profit, die Rendite für die Anteilseigner soll trotzdem stimmen. Das ist schließlich der Zweck der kapitalistischen Produktion. Deshalb sollen wir mehr schuften und so unsere Arbeitskraft für die Kapitalisten verbilligen. Weil immense Summen in die Rüstung gesteckt werden, um diesen Kampf um Absatzmärkte bei Bedarf auch militärisch führen zu können, und z.B. nicht in das Gesundheitswesen, sollen Krankenschwestern länger arbeiten. Dass diese schon jetzt oft am Ende ihrer Kräfte sind, ist egal. Weil die Herrschaften aus dem gleichen Grund auch nicht gewillt sind, mehr Geld in die Rentenkassen fließen zu lassen, soll jeder möglichst schuften, bis er ins Grab fällt.
meint der Kanzler. Opfer bringen für Profit und Kriegstüchtigkeit, darum geht es. Dafür sollen wir unsere Freizeit opfern, unsere Gesundheit und im Kriegsfall unser Leben und das unserer Kinder.
Da wäre es doch sehr viel sinnvoller ein paar Opfer für uns selbst zu bringen. Nicht zu schweigen, aus Angst aufzufallen, sondern den Mund aufzumachen. Nicht mit den Wölfen heulen, sondern widersprechen. Nicht stillhalten, um den Job nicht zu gefährden, sondern unsere Gewerkschaften lautstark auffordern, die Waffe der Arbeiterklasse auch zu benutzen, den Streik über alle Branchen hinweg. Gegen die Angriffe auf die Arbeitszeit. Für uns und unsere Zukunft.
gr