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Spieglein, Spieglein an der Wand

Ein Volksverhetzer erhält den Friedenspreis des Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Seit 1950 verleiht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Berufsorganisation der Verlage und Buchhandlungen in Deutschland, einen Friedenspreis. „Im Friedenspreis wird die Verpflichtung des Buchhandels, mit seiner Arbeit der Völkerverständigung zu dienen, eindrucksvoll sichtbar. Niemals fand ein von einem Berufsstand entwickelter und praktizierter Gedanke solch weltweite Anerkennung“, so die Selbstbeschreibung. So weit, so gut. Seit Monaten findet ein bewaffneter Konflikt in der Ukraine statt, der eine lange – vor dem Februar 2022 liegende – Vorgeschichte hat, eine von den USA und der Bundesrepublik unter Inanspruchnahme faschistischer Kräfte befeuerte Auseinandersetzung zwischen ukrainischen Bürgern über die Zukunft der Ukraine. Die USA und Deutschland wollen und wollten die Ukraine unter ihren Machtbereich bringen, als Vorposten und Brückenkopf gegen Russland. Eine der ersten Aktionen zur Einflussnahme in der Ukraine war die sogenannte Orangene Revolution im Herbst 2004. „65 Millionen Dollar an US-Steuergeldern fließen seit 2002 allein vom US-Außenministerium für die Wahl in der Ukraine (...) ‚Wir wissen nicht genau, wie viele Millionen oder Dutzende Millionen Dollar die Regierung der USA für die Präsidentenwahl in der Ukraine ausgegeben hat‘, bemängelt der republikanische Abgeordnete Ron Paul in Washington: ‚Aber wir wissen, dass der Großteil des Geldes zur Unterstützung eines bestimmten Kandidaten gedacht war‘ – Wiktor Juschtschenko.“ (Der Spiegel, 13. November 2005). Juschtschenko war der Kandidat des Westens, der mit Nachdruck den Beitritt der Ukraine in die NATO betrieb. (Focus Online, 24. August 2008) Mittendrin und von Anfang an dabei in dieser auch von Faschisten geführten und gegen Russland gerichteten Bewegung: Serhij Zhadan.

Zhadan lebt in Charkiw. In seinem aktuellen Buch „Himmel über Charkiw“ bezeichnet Zhadan die Russen als „Horde“, „Verbrecher“, „Tiere“, „Unrat“. Und es geht weiter: „Die Russen sind Barbaren, sie sind gekommen, um unsere Geschichte, unsere Kultur, unsere Bildung zu vernichten.“ Er schreibt: „Brennt in der Hölle, ihr Schweine.“ Dafür wurde er mit dem Friedenspreis ausgezeichnet.

Laudatorin war Sasha Marianna Salzmann, die in anderem Zusammenhang 2018 bemerkte: „Sprache ist unser aller Spiegel, sie zeigt, wer wir sein wollen und wie wir zueinanderstehen.“ (Die Zeit, 7. Juni 2018) Nicht nur Serhij Zhadan sollte in den Spiegel schauen – v. a. die Jury des Börsenvereins des deutschen Buchhandels.

RW

Am 4. November stimmte die Bundesrepublik erstmals gegen eine UN-Resolution, die sich gegen Faschismus und Rassismus wendet. Diese Resolution drückt „tiefe Besorgnis über die Verherrlichung der Nazibewegung, des Neonazismus und ehemaliger Mitglieder der Waffen-SS in jeglicher Form aus, einschließlich der Errichtung von Denkmälern und Gedenkstätten und der Durchführung öffentlicher Demonstrationen im Namen der Verherrlichung der Nazivergangenheit, der Nazibewegung und des Neonazismus“. Es fordert die Staaten außerdem auf, jegliche Feierlichkeiten zu Ehren des Naziregimes, seiner Verbündeten und der mit ihm verbundenen Organisationen zu verbieten. Tiefe Besorgnis wird über Fälle geäußert, in denen Denkmäler für Kämpfer gegen das Naziregime geschändet oder abgerissen werden. Die Resolution wird seit Jahren eingebracht und in der Vergangenheit enthielt sich die BRD immer der Stimme. Nun die Kehrtwende der Bundesregierung. Die BRD stimmte dagegen. Man hat schließlich Werte!

RW

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