Für Dialektik in Organisationsfragen
Die Arbeiterklasse, die Lohnabhängigen müssen dringend begreifen, was Kapital und Regierung gerade gegen sie durchsetzt. Jahrelang hieß die Forderung der Arbeiterbewegung und in den Gewerkschaften: Kampf für die Verkürzung der Lebensarbeitszeit, mit 60 muss Schluss sein mit der Ausbeutung unserer Arbeitskraft und Ruinierung unserer Gesundheit durch die Kapitalisten. Dabei haben wir dafür geschuftet, dass sich unsere Lebensbedingungen so verbessern, dass wir auch noch einige Jahre etwas länger leben und etwas von unserer Rente haben. Vor Jahren hat es dazu bei der Rentenversicherung noch die sogenannte Faustregel gegeben: Ein Drittel stirbt vor Erreichen des Rentenalters, ein Drittel kurz danach und das andere Drittel darf sich noch etwas länger mit seinen Lieben „des Lebens freuen“. Weil unsere Lebenserwartung aufgrund der Verbesserung unserer Lebensbedingungen durch unsere Arbeit gestiegen ist, wollen sie uns jetzt die Erleichterungen streichen und wir sollen über die 67 hinausgehend dem Kapital unsere Arbeitskraft zur Ausbeutung zur Verfügung stellen. Das ist die Realität im kapitalistischen System.
Dazu hat die vor ca. einem halben Jahr eingesetzte Rentenkommission der Merz-Regierung am 23. Juni 2026 33 Vorschläge als angeblich große „Rentenreform“ übergeben. Nachstehend davon drei Punkte aus einer Pressemeldung von „News Politik Inland“, die sich aufs Längerarbeiten und Finanzieren beziehen: „Einschränkung der Frührente: Die vorgezogene Rente ohne Abschläge für Menschen mit mindestens 45 Berufsjahren soll entfallen. Auch mit Abschlägen soll man nicht vor 64 in den Ruhestand gehen können.“
Außerdem „Anhebung des gesetzlichen Rentenalters: Es soll über 67 Jahre hinaus in den nächsten Jahrzehnten in kleinen Schritten weiter steigen, gekoppelt an die Lebenserwartung.“
Für die Finanzierung der Rente ist die „Einführung“ einer sogenannten „Kapitalrente“ geplant und soll durchgesetzt werden. Die Rentenversicherung soll dafür gezwungen werden, mit in einen Fond einzuzahlender Rentenbeiträge der Lohnabhängigen an der Börse zu spekulieren. Eine Forderung, die immer wieder von der FDP aber auch von anderen, die nicht zur Arbeiterklasse gehören, erhoben wurde. Es ist eine unglaubliche Geschichte, die wieder die Frage nach dem von den Bundeskongress-Delegierten angedrohten „gesellschaftlichen Großkonflikt“ in den Vordergrund rückt, ohne dass er bisher mit Aktionen aus den Betrieben angeleiert wird.
Ludwig Jost
In den Veröffentlichungen des statistischen Bundesamtes heißt es dazu: „Die Lebenserwartung eines Landes oder einer Region ist eine wichtige demographische Messgröße. Eine hohe Lebenserwartung gibt zudem Hinweise auf einen hohen Lebensstandard und eine gute gesundheitliche Versorgung...
Der langfristige Trend der steigenden Lebenserwartung in Deutschland kann rückblickend seit der Veröffentlichung der ersten allgemeinen Sterbetafel von 1871/1881 für das damalige Reichsgebiet beobachtet werden. Damals betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt für Männer 35,6 Jahre und für Frauen 38,5 Jahre. Nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafel 2022/2024 liegen diese Werte bei 78,5 Jahren (Männer) beziehungsweise 83,2 Jahren (Frauen)...
Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland bei der Lebenserwartung keine Spitzenstellung ein – mehr als zwanzig Länder weisen derzeit höhere Werte auf. Darunter auch einige räumlich nahe gelegene wie Österreich, die Schweiz oder Frankreich. Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Lebenserwartung in vielen Ländern – auch in Deutschland gesunken.“
In einer Studie der OECD wird festgestellt: „In Deutschland ist die durchschnittliche Lebenserwartung trotz massiver Investitionen in den Gesundheitssektor mit 81,2 Jahren erstmals unter den Mittelwert der EU gesunken.“ Der EU-Mittelwert der 27 EU-Staaten liegt bei 81,7 Jahren.
Die Lebenserwartung bei den Reichen und Schönen?
Monaco steht bei der Lebenserwartung weltweit an der Spitze. „Im Jahr 2024 hatten die Bürger von Monaco mit rund 86,5 Jahren die weltweit höchste durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt. (...).
Am klarsten sprechen die verfügbaren Daten für einen Zusammenhang mit sehr hohem Wohlstand und guten Gesundheitsbedingungen. Für Monaco weist Statista ein BIP pro Kopf von 288.000 US-Dollar im Jahr 20242 aus. Ergänzend zeigt eine Monaco-spezifische Vermögensstatistik, dass dort im Jahr 2021 mehr als 27.000 Millionäre lebten. Statistas allgemeiner Kontext zur Lebenserwartung ordnet Wohlstand ausdrücklich als relevanten Treiber ein: Je wohlhabender eine Gesellschaft ist, desto höher ist in der Regel auch die Lebenserwartung“ (Aus dem Statistik-Portal statista)
Dazu ist zu sagen, dass die Millionärsdichte in der BRD bei etwas über 2 Prozent liegt, in Monaco bei ca. 71 Prozent. Damit diese Millionäre nicht arbeiten müssen, kommen täglich zehntausende Pendler aus Frankreich und Italien nach Monaco.
Was können wir aus der hohen Lebenserwartung der Monegassen schließen? Wenn unsere Ausbeutungsjahre wieder verlängert werden, dann verringert sich auch unsere Lebenserwartung. Der Feierabend nach unserem Arbeitsleben wird also von beiden Seiten beschnitten. Und sie geben erst Ruhe, wenn wir spätesten am Tag des Rentenbeginns den Löffel abgeben. Deshalb: Hände weg von unserer Rente! Wir schuften nicht noch mehr für Kapital und Militär!