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Gedicht

Die Schänder Deutschlands

Kaum begann der Puls der Welt zu schlagen

Wieder schwach nach schwerem Aderlass,

Kaum begann die Welt sich zu vertragen,

Säten sie von neuem Blut und Hass.

 

Kaum das mit dem Lächeln der Genesung

Volk um Volk einander zugewandt,

Wieder aus den Sümpfen der Verwesung

Brach die Unterwelt mit Mord und Brand.

 

Aus dem Schlamm der Zeit emporgeschwemmter

Fauler Auswurf stahl sich in die Macht.

Setzte sein Geschmeiß in alle Ämter;

Was im Weg stand, wurde umgebracht.

 

Kein Verbrechen, das sie nicht begangen!

Keine Schandtat, die sie nicht getan!

Ihre Zeit hat wieder angefangen

Bei Herodes und bei Dshingis-Khan.

 

Alles, was an feigen Ungeheuern

Und Verbrechern aus dem Schatten trat,

Durfte nun gesetzlos abenteuern;

Und der Mörder saß im höchsten Rat.

 

Als zum großen Mord aufbrach die Bande,

Jagte sie halb Deutschland aus dem Bett;

Und ein großes Plündern war im Lande,

Und die Mörder wurden reich und fett.

 

Nicht nur Deutschland haben sie geplündert,

Halb Europa kam in ihren Sack.

Und da keiner sie daran gehindert,

Kam das Raubtier recht auf den Geschmack.

 

„Da ist noch ein Riesenreich zu holen.

Das noch nicht nach unserer Pfeife tanzt!

Da sind Frucht und Korn und Öl und Kohlen,

Da wird unsere Fahne aufgepflanzt!“

 

Halt, Gesindel! Diese Erde haben

Unsere Väter einst mit Blut getränkt!

Diese Erde wird euch nur begraben!

Diese Erde wird euch nicht geschenkt!

 

Unerbittlich schlagen wir euch nieder!

Hier muss eure Macht zugrunde gehn!

Dann, von einem Volk zum andern, wieder

Wird Europas freier Atem wehn!

Erich Weinert – Juli 1941

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