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Solidarität

Solidaritätsaktion

„Kuba darf nicht verstummen’’

Kubanische Genossen halten Wort – Dritter Band der „Geschichte Kubas“ erschienen

Die Vorgeschichte zur Herausgabe der fünfbändigen „Historia de Cuba“ ist zwar länger, aber kurz berichtet. 1992/93 erfuhren Conny Renkl und Christian Lehsten während ihres Aufenthalts in Kuba von folgender Situation: An der ersten zusammen­fassenden Darstellung der Geschichte Kubas hatten seit Anfang der achtziger Jahre mehrere hundert Historiker und viele Helfer aus der Bevölkerung gearbeitet. Davon lagen inzwischen große Teile im Manuskript bzw. im Entwurf vor.

Aufgrund der verschärften Blockade durch die USA und nach dem Zusammenbruch der Wirtschaftsbeziehungen zur Sow­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­jetunion und den Ländern des RGW fehlten Papier bzw. Devisen, um solches zu beschaffen. Eine Herausgabe schien in der damaligen Situation unmöglich.

Wir entschlossen uns, Spenden zu sammeln mit folgendem Aufruf:

„Kuba darf nicht verstummen
Es ist wahr, Kuba leidet Not an vielem: an Brennstoffen, an Ersatzteilen, an Medikamenten, an Lebensmitteln. Es ist wahr: In Kuba ist die Pressefreiheit bedroht – durch Papiermangel. Der Papiermangel ist so groß, dass eine seit längerem vom Historischen Institut in Havanna vorgelegte fünfbändige ,Geschichte Kubas’ nicht gedruckt werden kann. Auf diese Weise soll Kuba stumm gemacht werden. Das kubanische Volk soll seine Geschichte nicht mehr kennen und damit seine Identität, die Wurzeln seiner Widerstandskraft...“

Der Aufruf wurde u.a. in der Kommunistischen Arbeiterzeitung, in der Cuba libre, in den Netzwerknachrichten veröffentlicht. Unterstützung fand die Sache auch bei der Taller de Solidaridad, bei der Jugend der IG Medien und nicht zuletzt bei Hanne Hiob-Brecht. Im Frühjahr 1994 waren DM 21.000,- auf dem Spendenkonto eingegangen, was damals 12.150,- US-Dollar entsprach. Im Rahmen einer kleinen Feier am Sitz des Historischen Instituts wurde dieser Betrag persönlich an den Präsidenten des Instituts, Manuel López Díaz, übergeben.

Ende 1994 konnte mit französischer Unterstützung der I. Band erscheinen (Die Kolonie – Von den Anfängen bis 1867), ebenso 1996 der II. Band (Die Kämpfe um nationale Unabhängigkeit 1868 bis 1898). 1999 wurde der III. Band aufgelegt: Die Neokolonie 1899 bis 1940. In einer Präambel weisen die Autoren und Herausgeber auf den „entscheidenden finanziellen Beitrag“ von deutschen Organisationen und Persönlichkeiten, der auf Grund unseres Aufrufs erbracht werden konnte. Und sie drücken ihren „tief empfundenen Dank für diese schöne Geste der Solidarität“ aus.

Von allen Bänden erhielten wir Belegexemplare.

In dem Begleitschreiben zur Übergabe des III. Bandes an uns heißt es:

„Der Genosse Lopez konnte die Gelegenheit nicht auslassen, dass der Genosse Oscar Martinez, Sohn unseres Botschafters in Deutschland, in euer Land reist und dachte, dass es so leichter sein wird als für uns hier, mit euch in Kontakt zu treten...

Unsererseits können wir euch informieren, dass die Vorstellung des III. Bandes im Historischen Institut Anfang des Jahres stattgefunden hat und ein voller Erfolg war. Man hatte gespannt auf das Erscheinen gewartet und es nahmen mehr als 400 Personen teil. ...

Die Spende von euch, die ursprünglich für die Ausgaben von Band III und IV ausreichen sollte, reichte zu heutigen Konditionen nur noch für den Band III, der uns ungefähr US$ 12.000.- kostete. Das war auf die steigenden Papierpreise zurückzuführen. Damit ihr das Problem genau einschätzen könnt, kann ich euch mitteilen, dass uns der Band II US$ 12.181.- kostete, fast das doppelte wie Band I mit US$ 5.544,51...“

In einem Antwortschreiben an das Historische Institut heißt es:

„Die Herausgabe des dritten Bandes ist nicht nur ein weiterer Beweis, dass Kuba, seine Institutionen, seine Arbeiter und Intellektuellen trotz aller Schwierigkeiten zu ihren Versprechen stehen. Es ist auch Beweis, zu welch großen Leistungen sie fähig sind.

Der III. Band umfasst die Periode von 1899 bis 1940, also einer Zeit, in der Kuba nach dem 2. heroischen Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien (der 1895 noch unter der Führung von José Martí und Antonio Maceo begonnen worden war) in die Abhängigkeit vom US-Imperialismus geriet und zu seiner Halbkolonie wurde. Besonders schwierig ist in dieser Zeit zu analysieren und darzustellen: die Differenzierung der kubanischen Gesellschaft und ihrer Klassenkräfte: die Herausbildung einer Kompradorenbourgeoisie und einer nationalen Bourgeoisie, die Differenzierung zwischen dem städtischen Kleinbürgertum und der Bauernschaft, die Entwick­lung des Proletariats auf dem Lande und in der sich entwickelnden Industrie, das Entstehen von Lumpenproletariat. Dies vor dem Hintergrund der kaum überwundenen Sklaverei. Ebenso schwierig zu analysieren: der Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft unter den Bedingungen des diese Entwicklung hemmenden Imperialismus; die Verstärkung der Zucker-Monokultur durch den 1. Weltkrieg und den damit entstehenden Zuckerboom sowie die Nachkriegsbaisse des Zuckerpreises mit ihren verheerenden Folgen für Kuba. Nicht minder schwierig: die Analyse des Wechsels der politischen Formen von Demokratie und Diktatur, immer unter der latenten Diktatur des US-Finanzkapitals; der Widerstand der revolutionären Klassen und die Auseinandersetzungen um die Führung in diesem Kampf. Euer Werk ist des ernsthaften Studiums wert und eine Übersetzung in andere Sprachen der Welt kann eine Hilfe für alle sein, die am antiimperialistischen Befreiungskampf teilnehmen bzw. ihn unterstützen: Den Feind und seine Manöver besser erkennen und von den vielfältigen Formen des kubani­schen Widerstandes lernen.

,Kuba darf nicht verstummen’ – das war und ist unser gemeinsames Anliegen. Denn jeder Tag, den Kuba dem Imperialismus Widerstand leistet, ist für die Völker der Erde ein Tag der Hoff­nung und Zuversicht; Hoffnung darauf, dass die ,Kleinen’, wenn sie zusammen­halten und sich unter revolutionärer Führung organisieren, sich den ,Großen’, den scheinbar Übermächtigen, nicht beugen müssen. Wir sind euch, den Kubanern, zu Dank verpflichtet, die ihr heute noch die Hauptlast in diesem Kampf tragt und mit eurem großen internationalistischen Herzen immer an der Seite der Unterdrückten und Ausgebeuteten steht (wie zuletzt im Jugoslawien-Krieg).

Wir empfinden es als große, allzu große Ehre, dass ihr unseren kleinen Beitrag nicht nur in eurem Brief, sondern auch im Band III an herausragender Stelle hervorhebt. Unser Dank gilt euch, die ihr aus schnödem Geld revolutionäre Funken schlagt und so die Identität des kubanischen Volks und aller revolutionär gesinnten Menschen auf der Welt festigt.“

Die Initiatoren der Aktion „Kuba darf nicht verstummen“ möchten auf diesem Weg den Dank der kubanischen Freunde an alle Spender weitergeben.

Corell

Spenden unterstützen die Herausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung
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