Am 7. Februar 1933 hielt der Vorsitzende der KPD, der Transportarbeiter Ernst Thälmann, auf der illegalen Tagung des ZK der KPD in Ziegenhals seine letzte Rede vor seiner Verhaftung und Ermordung. Diese Rede hatte große strategische Bedeutung für die deutschen Arbeiter und die internationale Arbeiterbewegung im Kampf gegen den Faschismus (siehe der Artikel „Über den Bürgerkrieg des Kapitals“ in KAZ Nr. 295, S. 37/38). Mit dieser Rede wurde erstmals – zwei Jahre vor dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale und der Brüsseler Konferenz der KPD – in Erwägung gezogen, dass der gewaltsame Sturz des Faschismus nicht unbedingt identisch sein muss mit der sofortigen Errichtung der alleinigen Macht der Arbeiterklasse, mit dem Aufbau des Sozialismus. Gleichzeitig warnte Thälmann energisch vor der Illusion, dass der Faschismus an der Macht von allein „abwirtschaften“ würde und anders beseitigt werden könnte als durch seinen revolutionären Sturz.
Es wird immer notwendiger, sich mit den strategischen und taktischen Erfahrungen aus dem Kampf der Arbeiter und ihrer Verbündeten gegen den Faschismus zu beschäftigen. Die Rede Ernst Thälmanns war wichtig genug, dass der Ziegenhalser Tagung 1953 unter Mithilfe der Bevölkerung mit der Gedenkstätte ein Denkmal gesetzt wurde. Die Einverleibung der DDR hat diese Gedenkstätte stark gefährdet, aber dank des Wirkens des Freundeskreises „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ noch nicht zerstört. Helft mit, dass das auch nicht geschieht – dazu haben wir den folgenden Brief des Freundeskreises abgedruckt.
Die Rede Ernst Thälmanns – oder besser gesagt, der Teil, der davon erhalten ist – ist beim Freundeskreis erhältlich, oder im Internet, wo man auch sonst sehr viel über die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte erfahren kann: www.yupp.de/ziegenhals/ .
Redaktion der
Kommunistischen Arbeiterzeitung
Königs Wusterhausen, 1. Oktober 2000
Liebe Freundinnen und Freunde!
Wir wenden uns an euch mit der Bitte, helft uns mit all euern Mitteln und Möglichkeiten die „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ in Ziegenhals bei Berlin zu erhalten und ihre Ausstrahlungskraft zu erhöhen.
Diese Gedenkstätte bildet mit dem „Sporthaus Ziegenhals’’(einer Gaststätte), in dem sie sich befindet, eine historische Einheit und ist seit der Kündigung der ehemaligen Pächterin und besenreinen Übergabe des Objektes an die Treuhandliegenschaft, im Januar 1998, dem Verfall preisgegeben. Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass die denkmalgeschützte Gedenkstätte erhalten und für Veranstaltungen und Besucher zugängig bleiben musste und muss.
Die Aussage der Gedenkstätte ist höchst aktuell und nimmt an Bedeutung zu. Fand hier doch in den schicksalsentscheidendsten Tagen für Deutschland und die Völker Europas, eine Woche nach Hitlers Machtantritt, am 7. Februar 1933, die als „Illegale Tagung des ZK der KPD“ in die Geschichte eingegangene Zusammenkunft führender Funktionäre dieser Partei statt. Einen Monat später begann das elfeinhalbjährige Martyrium des, zum Symbol des Kampfes gegen Faschismus und Krieg gewordenen, Arbeiterführers in den Kerkern der Nazis. Als diese ihr Ende kommen sahen, wurde er auf Befehl Hitlers und Himmlers, als einziger Führer einer deutschen Partei, heimlich und heimtückisch im KZ-Buchenwald ermordet. Die bedeutsame Rede Thälmanns auf der Ziegenhalser Tagung wies den einzig möglichen Weg zum Sturz des Hitler-Regimes, der bestimmend wurde für den gesamten antifaschistischen Widerstand, während alle anderen immer noch davon redeten, dass sich Hitler schon von allein abwirtschaften wird, oder diesem gar zujubelten.
Somit ist diese Tagung und damit auch die Gedenkstätte nicht nur von nationaler sondern auch von internationaler Bedeutung.
Liebe Freundinnen und Freunde,
macht den Erhalt der Gedenkstätte zu eurer ureigensten Angelegenheit, unterstützt den parteiunabhängigen Freundeskreis „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ e.V. bei seinem edlen Vorhaben, das er seit seiner Gründung im Jahr 1990, im Interesse und unter Zustimmung vieler Menschen unseres Landes vertritt.
Was wir dringend brauchen, ist ein Käufer oder Mieter des Objektes „Sporthaus Ziegenhals“, der bereit ist die Auflagen, die dem Erhalt der Gedenkstätte dienen, zu erfüllen und der, ob der hohen Investitionen, der Unterstützung vieler bedarf.
Was erachten wir im Moment als dringend nötig und erfüllbar?
1. Besuche der Gedenkstätte, die zu jeder Zeit stattfinden können. Wir bitten nur, diese möglichst eine Woche vorher anzumelden bei:
Heinz Schmidt, Telefon 03375/290637 oder Heinz Maether, Telefon 030/423 3146
Bewährt haben sich Tagesreisen mit Bus oder eigenem Fahrzeug, die mit einer Fahrt zu Stätten der Erinnerung an die Befreiung vom Faschismus, den antifaschistischen Widerstandskampf, an die revolutionäre Arbeiterbewegung und die DDR verbunden werden und im Karl-Liebknecht-Haus, der Wirkungsstätte Thälmanns als Vorsitzender der KPD, enden. Alle Einzelheiten, Versorgung usw. können bei der Anmeldung abgesprochen werden.
2. Finanzielle und materielle Hilfe, da der Erhalt der Gedenkstätte und die Wahrung ihrer Traditionen seit 1998 bedeutend aufwandsreicher geworden sind. Wir sind mehr denn je auf Sponsoren und auf Spenden angewiesen. Unterstützt uns auch in dieser Hinsicht. Spenden können überwiesen werden an:
Deutsche Bank AG, Konto-Nr. 3302254 (BLZ 12070024)
3. Unterstützung bei der Popularisierung der Gedenkstätte und ihres bedeutsamen Hauptanliegens im In- und Ausland. Vertreter des Freundeskreises sind auch jederzeit bereit in euern Zusammenkünften über Anliegen, Tätigkeit und Probleme des Freundeskreises zu sprechen oder euch durch Videovorträge mit der Gedenkstätte und unserem Wirken vertraut zu machen.
Heinz Schmidt
Vorsitzender
Kontaktadresse: Heinz Schmidt, Käthe-Kollwitz-Straße 23, 15711 Königs Wusterhausen