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Buchbesprechung

Die Rolle der Deutschen

Nach der Lektüre dieses Buchs fragt man sich vor allem eines: wie kann es sein, dass all diejenigen, die die Öffentlichkeit zur Vorbereitung des Angriffskrieges gegen Jugoslawien so systematisch belogen haben, dafür noch nicht zur Verantwortung gezogen wurden? Ob Rambouillet, Racak oder „Hufeisenplan“ – wer bis jetzt nur wusste, dass da doch irgendetwas faul gewesen war, der weiß es nun genau. Elsässer hat Quellen benutzt und im Anhang teilweise auch dokumentiert, die nun wirklich keine Interpretationen mehr zulassen. Besonders ,am Herzen’ liegt ihm die Aufdeckung der keineswegs zweitrangigen Rolle der Deutschen in diesem Krieg: die bequeme Parole ,Amerika ist schuld’, die von weiten Teilen der so genannten Friedensbewegung hier zu Lande bereitwillig verbreitet wurde und wird, hat hier keine Chance. Wie sollte sie auch, wenn z.B. die finnische Pathologin Helena Ranta, deren Ärzteteam die Toten von Racak untersuchte, Äußerungen wie diese macht: „Grund­sätzlich habe ich in der Racak-Zeit meine Instruktionen vom deutschen Außenministerium bekommen. Botschafter Christian Pauls hat mich kurz vor der Pressekonferenz instruiert [...].[1]? Oder wenn es im Rapport des Auswärtigen Amtes vom 8.2.99 heißt, die Verhandlungen von Rambouillet seien, anders als die von Dayton, „nicht amerikanisch geprägt[2]? Dem österreichischen Verhandlungsführer Petritsch, der eigentlich „die EU“ repräsentieren sollte, wird im gleichen Papier ohne Umschweife seine tatsächliche Rolle zugeschrieben: „Die Deutschen [...] für sie spricht [...] der Österreicher.[3] Den Verbindungen zwischen Deutschland und Österreich, mit dem Zweck der Unterstützung von Sezessionsbestrebungen auf dem Balkan, widmet Elsässer übrigens einige Unterkapitel.

Dem Buch ist anzumerken, dass es hier jemand genau wissen wollte, um dem Herumspekulieren, Herausreden und Verdrängen ein Ende zu bereiten. Auch und gerade denjenigen, die jede Verurteilung des Angriffskriegs im gleichen Atemzug mit dem Hinweis relativierten, irgendetwas müsse aber schon „gegen Milosevic“ getan werden, sei es deshalb dringend empfohlen. Es hilft nichts, die Bösen sitzen weder nur in Washington noch in Belgrad, sondern hier.

1 zitiert nach: J.Elsässer: Kriegsverbrechen.(...) Hamburg: KVV konkret, 2000 (konkret texte 27)

2 ebd.

3 ebd.

Jürgen Elsässer: Kriegsverbrechen. Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Konflikt.

konkret texte 27, ISBN 3-930786-29-X, 26,80 DM

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