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Elftausend Kinder und die Deutsche Bahn

Die Organisation „Fils et Filles des Deportés Juifs de France“  /FFDJF (Söhne und Töchter der jüdischen Deportierten Frankreichs) baten die Deutsche Bahn um Stellplätze für eine Fotoausstellung über das Schicksal von 11.000 bahndeportierten Kindern.

Sie waren in Drancy (bei Paris) auf einen 52-stündigen Schienenweg geschickt worden, der über Saarbrücken, Homburg, Kaiserslautern, Mannheim, Frankfurt am Main, Fulda und Dresden direkt nach Auschwitz führte.

Diese Ausstellung wurde in den letzten Jahren auf zahlreichen Bahnhöfen in Frankreich gezeigt und bei der Ausstellungseröffnung im Pariser Gare du Nord (Nordbahnhof) hielt der Vorstandschef der SNCF im Juli 2004 eine Eröffnungsansprache, in der er sich zur Verantwortung der französischen Staatsbahnen für deren Beteiligung an der Deportation jüdischer Kinder bekannte.

Die Ausstellung sollte anlässlich des sechzigsten Jahrestages der Befreiung von Auschwitz durch die Sowjetarmee (27. Januar) in den Bahnhöfen gezeigt werden, durch die der Todeszug „DA-901“ geführt worden war.

Beate Klarsfeld, die bekannte Sprecherin der FFDJF begründet in einem Interview „unsere Ausstellung soll eben die junge Generation aufklären, sie soll den Kampf gegen Antisemitismus weiterführen und den kommenden Generationen über Auschwitz, über die ,Endlösung der Judenfrage’ berichten. In Frankreich stand sie auf den Bahnhöfen. Es sind viele Menschen daran vorbeigelaufen, die sich nur ihre Fahrkarte kaufen wollten, sie haben die Ausstellung gesehen, sie haben die Deportationen im Gedächtnis behalten. Das wäre auch in Deutschland wichtig.

Beate Klarsfeld

Geb.13.02.1939 in Berlin als Beate Künzel.

Ging 1961 als Au-pair-Mädchen nach Paris. 1963 lernt sie dort Serge Klarsfeld kennen und heiratete ihn. Die Eltern ihres Mannes waren von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden.

Bekannt wurde sie durch eine Ohrfeige, die sie dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger am 7.11.68 auf dem Parteitag der CDU gab. Als ehemaliges NSDAP-Mitglied war er für sie ‚ein Symbol für die endgültige Freisprechung’ derer, die Hitler gefolgt seien. Das Bereitschaftsgericht des Amtsgerichts Tiergarten verurteilte Beate Klarsfeld noch am gleichen Abend zu einer einjährigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung wegen Körperverletzung und Beleidigung. 1969 wurde die Strafe auf vier Monate mit Bewährung reduziert.

Zusammen mit ihrem jüdischen Mann machte es sich Beate Klarsfeld zur Lebensaufgabe ungeahndete NS-Verbrechen aufzudecken.

Ihren Aktivitäten ist es mit zu verdanken, dass das deutsch-polnische Zusatzabkommen über die Strafverfolgung von Naziverbrechern beschleunigt wurde und dem ehemaligen Pariser Gestapochef, Kurt Lischka, 1980 in Köln der Prozess gemacht wurde.

Seit 1971 bemühte sie sich um die Auslieferung des in Bolivien lebenden Gestapochefs in Lyon, Klaus Barbie alias Altmann, der 1983 in Lyon verurteilt wurde. Das war das „wichtigste Ergebnis ihrer Aktionen“.

„Es muss Deutsche geben, die nicht einfach nur Gras wachsen lassen und alles unter den Teppich kehren.“ Das gilt auch für die Deutsche Bahn![1]

1 Text nach www.beepworld.de/members81/freuenbiografien14/beateklarsfeld.htm

Die Deutsche Bahn lehnte ab, wegen „fehlender sowohl personellen als auch finanzieller Ressourcen.“ Eine bundesweite Wanderausstellung komme auf dem Schienengelände der DB AG nicht in Frage. Auch müsste die Ausstellung der französischen FFDJF „inhaltlich“ umgearbeitet werden, heißt es in einem Schreiben der Abteilung „Kommunikation“ der DB AG vom 17.12.2004. Bereits zuvor hatte das Unternehmen ein Angebot des hessischen „Arbeitskreises Christen-Juden“ zurückgewiesen und sich die Errichtung einer Gedenkstätte am Hauptbahnhof der Stadt Hanau verbeten. Die Deutsche Bahn AG weigert sich die Beihilfe ihrer Vorgängerorganisation zum Massenmord an den Orten des Verbrechens zu dokumentieren und zu ihrer Verantwortung zu stehen.

Die Reaktion auf diese Ablehnung ist nicht nur Entsetzen auf Seiten der FFDJF. Dr. Nathan Durst drückt es in einem Interview so aus: „ich verlange von der Deutschen Bahn AG nicht einmal irgendeine Form der Entschädigung. Das Minimum, das ich erwarte ist, dass alles unterbleibt, was das öffentliche Gedenken behindern könnte; das ist das mindeste, was die Erben der ,Endlösung’ den Opfern schulden. Die Züge rollten damals schnell, pünktlich und zielstrebig von überall in Europa an ihre Vernichtungsziele. Das Lob, das die deutsche Bahn damals dafür von den Mördern empfing, muss jetzt zurückgegeben werden, verwandelt werden in das Eingeständnis, an grauenvollen Taten beteiligt gewesen zu sein. Die deutsche Bahn kann unsere Verletzungen nicht übergehen. Wenn das Unternehmen die Vergangenheit weiter leugnet, dann verleugnet es die Morde an unseren Familien, die einer anderen Religion angehörten.

Auch Widerstand macht sich bemerkbar. Ein „Offener Brief“ an die DB AG fordert die Bekennung der Mitverantwortung für die Durchschleusung der Todestransporte und die Ermöglichung der Ausstellung noch während des Jahres auf Bahngelände. Unter diesen Brief kann sich jeder eintragen unter elftausendkinder@web.de.

Gleichzeitig wurde dazu aufgerufen, Aktionskomitees an allen betroffenen Bahnhofsstädten sowie an anderen Orten zu bilden, um das Gedenken an die verschleppten Menschen angemessen, würdig und entschlossen durchzusetzen.

Diesem Aufruf wurde an mehreren Orten gefolgt. Beate Klarsfeld antwortete auf die Frage, was sie davon halte: „Ich finde das wunderbar. Von den 11.000 jüdischen Kindern sind mehr als 500 in Deutschland geboren worden. Die Juden haben damals Deutschland verlassen, weil sie sich in Frankreich sicher fühlten, und wurden dann von den Nazis in Frankreich eingeholt und deportiert. Irgendwie muss Deutschland sich auch mal zu seinen jüdischen Kindern bekennen. ... Sie sind in Deutschland. Wer sich dort erinnern will, hat das Recht, das zu tun. Erinnerung kann man nicht verbieten.

Und Dr. Nathan Durst zur Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen: „eine praktische, aktive Hilfe. Die Menschen guten Willens in Deutschland werden unserem stummen, verzweifelten Schrei all dieser Jahre eine Stimme geben.

Weitere Informationen finden sich unter www.german-foreign-policy.com.

Renrew

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