Wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation Hitlerdeutschlands fand im Stadthaus von Berlin am 17. Juni 1945 die erste große Gewerkschaftsversammlung statt. Eine 1965 am Haus angebrachte Erinnerungstafel verschwand „spurlos“ mit dem Ende der DDR. Ein Stück Berliner Identität und deutscher Geschichte wurde demontiert, wie vieles andere der Nachkriegs- und DDR-Geschichte.
Zu dieser erwähnten Gewerkschaftsversammlung kamen aus allen 20 Berliner Verwaltungsbezirken 579 Gewerkschafter, teils zu Fuß, teils auf klapprigen Fahrrädern durch mit Trümmern übersäte Straßen zum Versammlungsort. Einige hatten durch Mundpropaganda und einige durch den bereits in Betrieb genommenen Berliner Rundfunk davon erfahren. Es waren Gewerkschafter, die vor 1933 verschiedenen Verbänden angehört, untereinander konkurriert und sich auch bekämpft hatten. Jetzt einte sie der Wille zur Überwindung der Spaltung der Gewerkschaftsbewegung, der aus dem gemeinsamen Kampf von Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern aller politischen Richtungen gegen die faschistische Terrorherrschaft – illegalen Widerstand, im Exil, in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern – entsprang.
Überall dort, wo die kämpfenden sowjetischen Truppen und die der alliierten Weststreitkräfte die faschistischen Armeen besiegten, Städte und Dörfer und ihre Bevölkerung von der faschistischen Herrschaft befreiten, war der Weg aus der Illegalität in die freie organisatorische und politische antifaschistische Tätigkeit geebnet, begann der Aufbau demokratischer Parteien und Gewerkschaften.
Historisch bedeutsam und lehrreich war der gewerkschaftliche Neubeginn in Berlin, der Hauptstadt Deutschlands, dem Zentrum der faschistischen Diktaturherrschaft und Ausgangspunkt für die Vernichtung von Millionen Menschen, für den Überfall auf andere Länder und für eine verbrecherische Kriegspolitik. Sie war aber auch jene Stadt, die von den Sowjettruppen in opfervollen Kämpfen befreit wurde und das Hitlerregime zur bedingungslosen Kapitulation zwang.
Der Tag der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch Vertreter der besiegten faschistischen Armee und den Vertretern der Streitkräfte der Antihitlerkoalition, der 8. Mai 1945, war für die DDR immer der Tag der Befreiung des deutschen Volkes von der faschistischen Diktatur, an dem der Sieg der Alliierten, insbesondere der Anteil der sowjetischen Truppen, gewürdigt und der Opfer des Faschismus gedacht worden ist, ganz im Gegensatz zur Entwicklung in der Altbundesrepublik.
Sie Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) war die erste Besatzungsmacht, die bereits am 10. Juni 1945 mit dem Befehl Nr. 2 die Tätigkeit antifaschistischer Parteien, anderer demokratischer Organisationen und der Gewerkschaften genehmigte. Ausdrücklich wurde betont, dass der werktätigen Bevölkerung der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland „das Recht zur Vereinigung in freien Gewerkschaften und Organisationen zum Zweck der Wahrung der Interessen und Rechte der Werktätigen zu gewähren“ ist. Und hinzu gefügt wurde, dass ihnen das Recht zu geben ist, „Kollektivverträge mit den Arbeitgebern zu schließen, sowie Sozialversicherungskassen und andere Institutionen für gegenseitige Unterstützung, Kultur-, Bildungs- und andere Aufklärungsanstalten und -organisationen zu bilden“.
Der Befehl 2 der SMAD gab den Weg frei für den Wiederaufbau demokratischer Parteien und Gewerkschaften in der sowjetischen Besatzungszone einschließlich Berlins. Es waren die KPD und die SPD, die sich unmittelbar nach Verkündung dieses Befehls mit Aufrufen an ihre Mitglieder und ans schaffende Volk in Stadt und Land wandten und ihr Programm für den antifaschistisch – demokratischen Neuaufbau unterbreiteten. Beide Parteien bekräftigten den festen Willen zur aufrichtigen Zusammenarbeit, zur Überwindung der Spaltung. Eine weitgehende Übereinstimmung bestand in Grundfragen des gemeinsamen Kampfes für eine antifaschistisch – demokratische Republik. Die sich herausbildende Aktionsgemeinschaft von KPD und SPD stärkte das gewerkschaftliche Einheitsstreben.
Noch vor Ende der Kämpfe in Berlin und unmittelbar danach nahm eine Arbeitsgruppe der KPD, die aus dem Exil in der Sowjetunion zurückgekehrt war und im Bezirk Lichtenberg ihre Arbeitsräume bezog, unter Leitung von Walter Ulbricht Kontakte zu ehemaligen leitenden Funktionären aller Gewerkschaftsrichtungen auf. Als erster kam Roman Chwalek, ein im Kampf bewährter Funktionär des Deutschen Eisenbahner Verbandes, Sekretär des Reichskomitees der RGO und kommunistischer Abgeordneter des Reichstages bis 1933. Er hatte den faschistischen Terror als Häftling im Zuchthaus von Luckau und im KZ Sachsenhausen überlebt und war aktiv tätig im antifaschistischen Widerstand. Er begann in den Maitagen im Neuköllner Stadtteil Britz ehemalige Gewerkschafter für den Wiederaufbau der Wirtschaft zu aktivieren, war am Aufbau demokratischer Verwaltungsorgane mitbeteiligt und fand nach einem beschwerlichen Weg von Britz nach Lichtenberg die Arbeitsgruppe der KPD. „Du hast Erfahrungen in der Gewerkschaftsarbeit ..., für die Arbeiterrechte gekämpft – mach dir Gedanken darüber, wie die Gewerkschaften aufgebaut werden können“, sagte ihm Walter Ulbricht, und er fügte hinzu: „Es müssen neue einheitliche freie Gewerkschaften sein, die die Mitglieder aller früheren Gewerkschaftsrichtungen zusammenschließen. Mach dich an die Arbeit, such dir Mitstreiter!“
R.Chwalek traf in der sowjetischen Kommandantur in Pankow Paul Walter, den er aus der Zeit gemeinsamer Tätigkeit in der RGO und im Deutschen Reichstag kannte, der aktiv im Metallarbeiterverband tätig und leitendes Mitglied des Betriebsrats des AEG-Konzerns war. Auch er hatte illegal gegen den Faschismus gekämpft, überlebte die Qualen im Zuchthaus St.Georgen, die Verhöre und Folter im KZ Sachsenhausen und den Todesmarsch mit tausenden Häftlingen dank der Befreiung am 21. April 1945 durch sowjetische Soldaten. Zwei Freunde und Kampfgenossen umarmten sich, glücklich, dem faschistischen Terror entronnen zu sein, und sie setzten gemeinsam die Sache nach weiteren Kämpfern fort.
Beide stellten zunächst eine Liste mit Namen ehemaliger führender Gewerkschafter auf, in der Hoffnung, dass sie noch am Leben und für die Arbeit am Aufbau der Gewerkschaften zu gewinnen sind. „Zuerst besuchten wir den Genossen Brass“, erinnerte sich Roman Chwalek, „er gehörte der SPD an und war in der Zeit des Faschismus für die Einheitsfront der Arbeiterklasse eingetreten. Deshalb waren wir überzeugt, dass er unser Vorhaben unterstützen würde. Er enttäuschte uns nicht ...“
Otto Brass hatte seit 1933 aktiv an der illegalen Arbeit der Widerstandsgruppe „Volksfront“ teilgenommen und wurde 1938 verhaftet. Im Zuchthaus Brandenburg-Görden erlebte er die rettende Solidarität der Häftlinge verschiedener politischer Anschauungen und leistete mit vielen anderen Häftlingen nach der Befreiung am 1.Mai 1945 den Schwur, für die Arbeitereinheit zeitlebens zu kämpfen. Er kannte vor allem viele sozialdemokratische Gewerkschafter und vermittelte Aussprachen mit ihnen. Bedeutsam waren die Zusammenkünfte mit Hermann Schlimme. Auch er, einst Sekretär des Bundesvorstandes des ADGB, wurde kurzfristig 1933 verhaftet, leistete illegale Arbeit gegen den Faschismus, gehörte den Widerstandsgruppen um Wilhelm Leuschner an, war Häftling im Zuchthaus Brandenburg-Görden und Amberg und folgte 1945 der Mahnung Leuschners, die er kurz vor seiner Hinrichtung den sozialdemokratischen Gewerkschaftern und Freunden zurief: „Schafft die Einheit!“
Durch ihn konnten auch die Kontakte zu Bernhard Göring hergestellt werden, der bis 1933 Sekretär im Vorstand des AfA-Bundes war, sich am antifaschistischen Widerstand beteiligte und nach mehrmaligen Verhaftungen die Zeit der faschistischen Terrorherrschaft überlebte. Durch seine frühere Gewerkschaftsarbeit und durch die Zusammenführung ehemaliger Gewerkschafter im antifaschistischen Widerstand waren ihm viele sozialdemokratische Gewerkschafter bekannt, die für den Neuaufbau gewonnen werden konnten.
Durch ihn und Hermann Schlimme war es schließlich auch möglich, Jakob Kaiser, 1933 Sekretär des Christlichen Gewerkschaftsbundes und Ernst Lemmer, einstiger Generalsekretär der liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, in die Gespräche um den gewerkschaftlichen Neuaufbau einzubeziehen.
Zu diesem Personenkreis zählte auch Hans Jendretzky, ein in Berlin bekannter kommunistischer Gewerkschafter. Auch er hatte an der antifaschistischen Widerstandsbewegung teilgenommen, überlebte die unmenschlichen Schikanen im Zuchthaus in Luckau und im KZ Sachsenhausen, wurde noch im Sommer 1944 mit dem Aktenvermerk „R.u.“ (Rückkehr unerwünscht) ins Nürnberger Gefängnis verbannt. Mitte April 1945 gelang ihm die abenteuerliche Flucht, und er erreichte am 9.Mai Berlin, wo er schnell den Kontakt zur Arbeitsgruppe des ZK der KPD fand.
Damit hatte sich in den Maitagen in Berlin jene bedeutsame Gruppe ehemaliger führender Gewerkschafter aller Richtungen zusammengefunden, mit denen die Gruppe Ulbricht gemeinsam organisatorische und programmatische Grundfragen der Neugründung einheitlicher, freier Gewerkschaften beriet. In langwierig kritischen, aber sachlich geführten Auseinandersetzungen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der deutschen Gewerkschaftsbewegung wurde bis Ende Mai 1945 der gewerkschaftliche Gründungsaufruf ausgearbeitet – noch vor dem Erlass der SMAD.
Am 13. Juni kamen die an seiner Ausarbeitung beteiligten Vertreter aller früheren Gewerkschaftsrichtungen überein, einen Vorbereitenden Gewerkschaftsausschuss für Groß–Berlin zu bilden. Er trat einen Tag später zu seiner ersten Sitzung zusammen. Ihm gehörten die zuvor genannten acht Initiatoren der Vorbereitung der Gründung einheitlicher Gewerkschaften an.
Der von ihm einmütig beschlossene Gründungsaufruf knüpfte an die besten Traditionen der deutschen und internationalen Gewerkschaftsbewegung an und berücksichtigte wichtige Lehren ihres jahrzehntelangen Kampfes, kennzeichnete den 1. Mai 1933 als den schwärzesten Tag ihrer Geschichte und umriss Ursachen, die zur Errichtung der faschistischen Diktatur und zur Zerschlagung der Gewerkschaften geführt hatten. Der Aufruf spiegelte das einmütige Streben nach Überwindung der verhängnisvollen Spaltung der Arbeiterbewegung und ihrer Gewerkschaften wider. Bedeutsam für die neuen freien Gewerkschaften war, dass im Gründungsdokument „zur völligen Vernichtung des Faschismus und zur Schaffung eines demokratischen Rechts der Arbeiter und Angestellten“ aufgerufen und zugleich ermahnt wurde: „Wieder, wie 1918, liegt das Schicksal der Heimat in unserer Hand. Wir dürfen diesmal nicht versagen. Beweisen wir der Welt, dass die geeinte Arbeiterschaft, durch die Vergangenheit belehrt, sich ihrer besten gewerkschaftlichen Traditionen bewusst, gewillt ist, ein antifaschistisches Bollwerk zu schaffen; dass sie entschlossen ist, sich mit ganzer Kraft einzusetzen für die Schaffung eines demokratischen Deutschlands, für ein friedliches Zusammenleben mit anderen Völkern.“
Der Gründungsaufruf legte dar, dass die Gewerkschaften als Interessenvertreter der Arbeiterklasse ihren Aufgaben nur gerecht werden können, wenn sie ihr Bemühen um die Schaffung besserer Arbeits- und Lebensbedingungen mit dem entschlossenen Kampf um eine Macht Veränderung zugunsten des Volkes durch die Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung verbinden.
Der Gewerkschaftsausschuss wurde tags darauf vom sowjetischen Stadtkommandanten, Generaloberst N. E. Bersarin, empfangen und bestätigt. Damit war auch die Genehmigung erteilt, sich mit dem Aufruf an die Werktätigen zu wenden. Der mit dem15. Juni 1945 datierte und von allen Mitgliedern des Ausschusses unterzeichnete Gründungsaufruf wurde zur Geburtsurkunde des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB)[1]. Für den 17. Juni wurde die eingangs erwähnte Konferenz ins Berliner Stadthaus einberufen. Sie wurde von Otto Brass eröffnet. Über die Aufgaben und die Plattform der zu bildenden Einheitsgewerkschaft referierte im Auftrag des Ausschusses Roman Chwalek, der den Gründungsaufruf verlas und erläutere. Vorbehaltlos stimmten die Konferenzteilnehmer dem Aufruf und dem Organisationsplan für den Neuaufbau einheitlicher Gewerkschaften zu.
Ein bedeutsamer Schritt auf dem Weg, die Einheitsgewerkschaft auf neuer Grundlage, mit neuem Inhalt und neuen Zielen zu schaffen, war mit der Berliner Gewerkschaftskonferenz eingeleitet worden. Frei und ungehindert, ohne Zwang und Bevormundung, ohne Unterdrückung der Meinungsfreiheit schufen Arbeiter und Angestellte unmittelbar nach Kriegsende den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund in Berlin.
Seine Gründung ging von Aktivitäten in den Betrieben aus. Neu war die Durchsetzung des Prinzips: „Ein Betrieb – eine Gewerkschaft“, was oftmals noch zu Unverständnis und Auseinandersetzungen führte. Der gewerkschaftliche Organisationsaufbau war aufs engste verbunden mit den vielfältigen Aktionen zur Überwindung der Kriegsschäden, zur Ingangsetzung der Produktion, zur Durchsetzung des gewerkschaftlichen Mitbestimmungsrechts, zur Entnazifizierung in den Betrieben und Verwaltungen und vor allem zum Aufbau antifaschistisch-demokratischer Selbstverwaltungsorgane, was wesentlich dazu beitrug, die Machtpositionen der Arbeiterklasse gegenüber den noch agierenden alten Kräften des Monopolkapitals zu stärken.
Eine bereits für den September 1945 einberufene Konferenz zur Konstituierung des FDGB für Gesamtberlin musste verschoben werden, weil westliche Vertreter der alliierten Kommandantur formelle Einwände zu den vorbereiteten Kongressmaterialien hatten und in ihren Sektoren die Wahl von Delegierten untersagten. Erst das Eingreifen der sowjetischen Vertreter und klärende Gespräche ermöglichten es, dass die erste Gesamtberliner Delegiertenkonferenz am 2.Februar 1946 durchgeführt, die Leitungsorgane gewählt und gewerkschaftliche Grundsätze für die einheitliche Berliner Organisation beschlossen werden konnten. Roman Chwalek wurde zum 1.Vorsitzenden des FDGB Berlin gewählt. Damit war der Prozess der Herausbildung des FDGB, der mit dem Gründungsaufruf vom Juni 1945 begonnen hatte, abgeschlossen.
Berlin war bis 1933 als deutsche Hauptstadt Zentrum der nationalen und internationalen Gewerkschaftsbewegung. Alle Ereignisse der Nachkriegszeit in dieser Stadt hatten ihre Auswirkungen auf Entwicklungsprozesse in ganz Deutschland. In den Ländern der sowjetischen Besatzungszone konnten bereits bis Ende September 1945 Delegiertenkonferenzen durchgeführt und die Landesverbände aufgebaut werden. Ihre gewerkschaftlichen Grundsätze stimmten weitgehend mit dem Gründungsaufruf des FDGB überein. Ähnlich, wenn auch nicht im gleich starken Maße, vollzog sich die gewerkschaftliche Entwicklung im Westen Deutschlands, wobei, wie bekannt, die gewerkschaftlichen Aktivitäten zur demokratischen Neugestaltung und zur Bildung von Einheitsgewerkschaften von den westlich – imperialistischen Besatzungsorganen eingegrenzt und behindert wurden.
Resümee: Die hier dargelegten Fakten belegen, dass der Sieg der Truppen der Antihitlerkoalition über die deutsche faschistische Armee das deutsche Volk vom Faschismus befreit hatte und damit Voraussetzung schuf für den Neubeginn der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Aus der Sicht aktueller Auseinandersetzungen mit dem Neofaschismus und mit den Aktivitäten der NPD und anderer nationalistischer Vereinigungen, vermittelt gerade dieser Abschnitt der Nachkriegsentwicklung mit der Herausbildung einheitlicher Gewerkschaften wertvolle Lehren.
Die sich formierende Einheitsgewerkschaft bekannte sich zum Potsdamer Abkommen, das die Politik der Alliierten gegenüber Deutschland festlegte. Sie sah in ihm eine wichtige Grundlage des Kampfes der Gewerkschaften für eine antifaschistisch-demokratische Entwicklung. Das Potsdamer Abkommen räumte dem deutschen Volk das Recht ein, ein Leben auf einer demokratischen und friedliebenden Grundlage neu aufzubauen, enthielt aber zugleich die Verpflichtung, den Nazismus konsequent zu bekämpfen, faschistisch-rassistische Propaganda und Organisationen nicht zu zulassen, niemals mehr Nachbarvölker zu bedrohen. Es wäre schön für unser Land, für die Sicherung der viel gepriesenen freiheitlich-demokratischen Ordnung angebracht, wenn sich Macht ausübende Politiker und auch Richter und Staatsanwälte im Streit um das Für und Wider eines Verbots der NPD auf die Verpflichtungen rück erinnern, die uns 1945 auferlegt wurden.
Es ist höchste Zeit, den Schwur von Buchenwald „Nie wieder Faschismus“, der millionenfach in der Nachkriegszeit aufgegriffen wurde und auch der Gründung des FDGB zugrunde lag, umzusetzen und die Mahnung von Julius Fucik: „Menschen seid wach, wehret den Anfängen!“ zu beherzigen.
Prof. em. Dr. sc. phil. Alfred Förster[2]
1 Eigentlich sollte ja das 13-Punkte-Programm des FDGB Aachen eine solche Geburtsurkunde sein. Aber der Organisation, die von der Gewerkschaftsbewegung in Aachen schon im März 1945 geboren worden war, wurde zu diesem Zeitpunkt bereits wieder das Lebensrecht genommen. Siehe dazu der vorstehende Artikel zur Gründung des FDGB Aachen. (Anmerkung der Arbeitsgruppe „Stellung des Arbeiters in der Gesellschaft heute“)
2 Der Autor war Dozent und Lehrstuhlleiter für Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung an der Gewerkschaftshochschule Fritz Heckert des FDGB in Bernau und ist Mitautor der „Geschichte des FDGB“.