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Schlaglichter rund um die Corona-Politik

Die Ware Coronaimpfstoff oder die wunderbare Kapitalvermehrung

Die Umsätze und die Gewinne der Pharmakonzerne, die sich auf dem internationalen Impfstoffmarkt bewegen, gehen durch die Decke der „normalen“ Kapitalerwartungen. Die Lobeshymnen der Konzerne und der Aktionäre auf diese Entwicklung überbieten sich laufend. Dies betrifft Moderna genauso wie Johnson & Johnson und insbesondere BioNTech/Pfizer aber auch den britisch-schwedischen Konzern AstraZeneca. Die deutsch/US-amerikanische Kooperation von BioNTech und Pfizer, die sich unter dem schützenden Dach der deutschen Staatshilfen (finanzielle und politische) besonders prächtig entwickeln konnte, wollen wir hier näher beleuchten.

BioNTech hat von 2020 bis zum 1. Halbjahr 2021 ein Umsatzplus von 10.000 % zu verzeichnen! In dieser Zeit kletterte der Netto-Gewinn auf 3,9 Mrd. Euro! Der Börsenwert des Unternehmens stieg auf ca. 80 Mrd. Euro, was einer Kurswertsteigerung seit 2019 um 2500 % entspricht.[1] [2] Die Börsenerwartungen gehen aktuell davon aus, dass in 5-10 Jahren der Wert des Unternehmens auf ca. 430 Mrd. Euro ansteigen wird. Nach einer aktuellen Analyse dürfte der Umsatz von Pfizer und BioNTech sich dieses Jahr um drei Viertel auf mehr als 54 Mrd. US-$ steigern.3 Die mRNA-Spezialisten werden voraussichtlich 2022 ihre Erlöse nochmals verdoppeln! Die nur z. T. sinnvollen Auffrischimpfungen sowie die dauernd gehypte Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe und der Nachholbedarf weltweit tragen dazu bei. Parallel dazu werden im Rahmen der Kampagnen gegen Russland und China auch deren Impfstoffe systematisch in den westlichen Medien schlecht geredet.

Die Zwillinge Andreas und Thomas Strüngmann, der eine Arzt, der andere Betriebswirt, schon lange bekannt als Unternehmer von Generika-Pharmafirmen besitzen knapp 50% der Aktien von BioNTech und zählen jetzt zu den reichsten Deutschen. Aber auch Vorstandschef Ugur Sahin und Mitentwickler der mRNA-Technologie gehört mit seinen nur 15% und damit ca. 14 Mrd. Euro zwischenzeitlich zum Klub der 10 Reichsten im Land. Während die Firma BioNTech im Wesentlichen die m-RNA Technologie für den deutschen Impfstoff entwickelt hat, kam dann die Firma Pfizer helfend dazu, damit die Produktion und die Vermarktung im internationalen Maßstab bei den erwarteten Größenordnungen gewährleistet war. Der US-Konzern Pfizer ist einer der weltgrößten Pharmamonopole. Pfizer/BioNTech gehen davon aus, dass allein 2021 insgesamt 3 Mrd. Impfstoffdosen produziert werden können. Dank der partei- und länderübergreifenden Einsichten angefangen von Herrn Macron, der als Banker bei Pfizer kassierte, bis zur Pharmaunternehmersgattin von der Leyen und Altmaier, der nicht genug ‚nationale Champions‘ haben kann, und schließlich wegen des Privatbankflüsterers und Finanzministers mit Aufstiegschancen Olaf Scholz muss sich das Impfkartell ja keine Sorgen machen, dass sie ihre Lizenzen auch nur vorübergehend mit anderen Herstellern in Ländern des Südens teilen müssten. Das führt dazu, dass Pfizer mit einem Jahresumsatz von 80 Mrd. $ rechnen kann, wovon allein 33,5 Mrd. $ dem Impfstoff geschuldet sind.[3] [4]

So darf es nicht wundern, dass trotz aller Bekundungen gegenüber der WHO und der Covaxinitiative, die immerhin dafür sorgen sollte, dass die Bevölkerung der armen Länder wenigstens zu 20% geimpft sein sollte bis Ende des Jahres, sich die kapitalistische Profitlogik durchgesetzt hat. Bisher sind 80% der Impfstoffe in reichen und mittleren Staaten verimpft worden. Die reichen Industriestaaten haben im Schnitt schon über 50-60% ihrer Bevölkerung geimpft, während in armen Staaten im Durchschnitt höchstens 1% (!) geimpft ist, in Afrika bisher 3,6%! [5] Der Markt und nicht die Menschenrechte regelt auch hier die Verteilung. Wer die Monopolpreise nicht bezahlen kann, für den fallen bestenfalls Almosen ab. Die reichen Staaten haben sich so viel Impfstoff gesichert, dass sie jetzt einige Millionen Dosen der WHO spenden können, bevor diese verfallen! Es gibt insbesondere wegen der EU und den USA und Japan kein Recht auf gleichmäßige Verteilung der Impfstoffe auf dieser Welt. Der scheinheilige Ruf nach Menschenrechten verstummt plötzlich, wenn die Profitinteressen der Monopole tangiert werden.

Dass es eigentlich auch z. T. kurzfristig anders ginge, zeigt der Deal zwischen AstraZeneca, das einen Vektor- Impfstoff produziert und vermarktet, der an der Universität Oxford entwickelt worden war (siehe Kasten). Das Vereinigte Königreich verlangte für sich und andere, dass AstraZeneca den Impfstoff für eine bestimmte Zeit der Pandemie zum Selbstkostenpreis abgibt und die Lizenz auch an andere Hersteller wie z.B. in Indien abtritt. Dass dies keine reine Wohltätigkeitsveranstaltung sondern willkommene Reklame ist, zeigt sich daran, dass der Pharmakonzern trotzdem im ersten Quartal 2021 seinen Gewinn verdoppeln konnte (mit überteuerten Krebsmedikamenten) und in Zukunft mit der neuen Impfstofftechnologie und deren Weiterentwicklung noch herrliche Gewinne in den nächsten Jahren einfahren kann.[3]

Auch der US-amerikanische Pharmakonzern Johnson&Johnson möchte sein zuletzt ramponiertes Image verbessern und hat sich mit einer Selbsterklärung großzügig gezeigt, dass ihr Impfstoff zum Selbstkostenpreis vermarktet wird, solange die Pandemie wütet. Wann die beendet ist, legt dann der Konzern fest.

Diese unterschiedlichen Geschäftspraktiken schlagen sich dann auch in den Preisen nieder. Obwohl die ausgehandelten Preise eigentlich geheim sind, sickerten durch Indiskretion von der EU unbestätigte Preise pro Dosis durch: Moderna 15 Euro, BioNTech 12 Euro, AstraZeneca 1,78 Euro, Johnson&Johnson ca. 8,63 Euro, (außer bei J&J sind bei allen anderen Impfungen je 2 Dosen erforderlich).[6]

Der kometenhafte Aufstieg von BioNTech im Windschatten von Pfizer mit ihrem erfolgreichen mRNA-Impfstoff hat zwischenzeitlich schon dazu geführt, dass Mitbewerber wie der französische Pharmakonzern Sanofi die Entwicklung seines Corona-Impfstoffs auf mRNA-Grundlage auf halbem Weg eingestellt hat, da die Gewinnchancen insbesondere in den reichen Industriestaaten auf Grund der Konkurrenz als nicht sehr verlockend eingeschätzt werden.[7] Der weltweite Markt wird natürlich auch ärgerlicherweise durch die Impfstoffe aus Russland, China und Kuba eingeschränkt. Doch die Marktmacht von Pfizer/BioNTech und Moderna ist in den westlichen Industriestaaten derzeit noch so groß, dass sie im kommenden Jahr sogar noch tendenziell höhere Preise verlangen können.

Doch auf dem innovativen Gebiet der Protein-basierten-Impfstoffe gehen die Bemühungen von Sanofi zusammen mit Glaxo-Smithkline (GSK) um neue Absatzmärkte weiter. Hier ist der US-amerikanische Pharmaneuling Novavax bisher am weitesten. Während bei der relativ teuren und aufwendigen mRNA-Technologie der menschliche Körper das Spike-Protein des Coronavirus selbst noch herstellen muss (und nur der „Bauplan“, die mRNA, gespritzt wird), wird bei dem deutlich einfacheren und preiswerteren Impfstoff auf Proteinbasis das Spike-Protein zunächst in großem Stil industriell hergestellt und dann dem Menschen direkt gespritzt. Diese billigere Technologie könnte dann auch einfacher von der WHO weltweit eingesetzt werden. Der Profit wäre trotzdem nicht zu verachten, der Umsatz bei Milliarden Menschen macht’s!

Grundsätzlich könnte spätestens bis Mitte 2022 die ganze Welt gegen Covid19 geimpft sein. Das Know-how und die Produktionskapazitäten wären vorhanden, wären da nicht die Behinderungen und Einschränkungen der auf Kapitalverwertung getrimmten Pharmakonzerne und der sie schützenden Staaten. Dieser kapitalistische Wahnsinn und Widersinn hat Methode. Er birgt einerseits tagtäglich die Gefahr der Entstehung von neuen und noch gefährlicheren Virusvarianten, auf der anderen Seite eröffnet diese verantwortungslose Strategie aber auch potentielle neue Absatzmärkte und Gewinnmöglichkeiten mit neuen Impfstoffen, die dann auf die Virusvarianten zugeschnitten sind. Die neuen mRNA – und Protein-Technologien eröffnen dabei die Möglichkeit, relativ rasch auf eine solche Entwicklung zu reagieren. Der eigentliche technologische Fortschritt wird zum Fluch durch den kapitalistischen Verwertungszwang.

Nicht von ungefähr laufen bei BioNTech/Pfizer schon Studien mit einem neuen Impfstoff, der speziell auf die Delta-Variante zugeschnitten ist. Die Zulassung wird nicht lange auf sich warten lassen und die Produktion wird schon vorbereitet und an der Börse steigen die Erwartungen weiter.

Novavax hat gerade eine Notfallzulassung bei der WHO für seinen Impfstoff auf Proteinbasis beantragt und erwartet „mehrere Milliarden Dollar“ Umsatz über die kommenden zwölf Monate. Für Afrika will das Unternehmen nur drei Dollar je Dosis nehmen, und dennoch rechnen die Analysten im Schnitt noch mit einem Milliardengewinn. Die Zulassungsanträge in den USA und der EU folgen bald.

AG Corona

„Universität Oxford und AstraZeneca-Deal und Bill Gates“

Die Impfstoffentwickler von der Universität Oxford haben sich zusichern lassen, dass ihr Produkt der Welt zu Gute kommt, ohne Profit zu erzielen. Wenn die von AstraZeneca gemeldeten Selbstkosten um ein Fünftel zu hoch ausfallen, drohen Vertragsstrafen. Eigentlich wollten die Oxford-Forscher sogar einen noch radikaleren Bruch mit den Regeln der Pharmaindustrie durchsetzen und ihre Formel lizenzfrei zur Verfügung stellen – „Open Source“ für ein globales öffentliches Gut! Damit jeder weltweit darauf zugreifen und den Impfstoff herstellen kann. Doch Bill Gates machte mit seiner Stiftung Druck, für den Produktionsstart einen etablierten Konzern zu gewinnen. Die britische Regierung verlangte einen aus der Heimat, und so kam AstraZeneca zum Impfstoffgeschäft, das wegen der hohen Stückzahl immerhin etliche Milliarden Euro abwerfen wird.[8]

1 de.statista.com/infografik/25502/kennzahlen-von-biontech/

2 www.zeit.de/news/2021-08/09/biontech-mit-deutlichem-gewinn-und-umsatzsprung.

3 Handelsblatt 21.10.2021, S. 18.

4 www.manager-magazin.de/unternehmen/pharma/corona-impfstoffe-die-aussicht-auf-gewinne-fuer-pfizer-biontech-moderna-a-e4d29f5e-a508-465b-ac3c-72f1cee01dc9

5 www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/pfizer-impfstoff-prognose-erhoeht-101.html

6 Africa, CDC (Ärzteblatt 24.09.2021).

7 www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/impfstoff-geld-verdienen-101.html

8 Handelsblatt, Donnerstag, 30. September 2021, Nr. 189, S. 20.

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