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Antimilitaristen in Aktion!

Die Geschichte des antimilitaristischen Kampfes war und wird immer ein fester Bestandteil des Kampfes gegen Ausbeutung und Entrechtung sein.

Mit dem Wiedererstarken des deutschen Imperialismus nach 1945 waren die fortschrittlichen Menschen erneut gefordert. Die Pläne für eine neue Armee stießen auf den erbitterten Widerstand großer Teile der Bevölkerung. Nur durch Verfolgung, Kriminalisierung, Verbot und Unterdrückung gelang es, die Remilitarisierung durchzuführen.

- Verbot der Volksbefragung 1951,

- Verbot der FDJ (Freie Deutsche Jugend) 1951, die sich konsequent gegen die neue Armee einsetzte,

- Emordung des jungen Gewerkschafters und Kommunisten Philipp Müller auf einer Antikriegsdemonstration am 11. Mai 1952,

- Verbot der KPD am 27. August 1956, 23 Tage nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.

In den 70er bzw. 80er Jahren knüpften junge Arbeiter, Schüler und Studenten an die besten antimilitaristischen Traditionen der Arbeiterbewegung an. In zahlreichen westdeutschen Städten entstanden antimilitaristische Komitees, wurden neue Widerstandsformen gegen die Bundeswehr ausgearbeitet und erprobt. Und wie immer reagierten die Militaristen mit Drohungen und Verfolgung.

Im folgenden sind einige wenige dokumentiert.

„Wird mit Alarm die Marschbereitschaft für den Krieg befohlen, marschieren wir nach Bonn.“

1980 erschien der Soldatenaufruf „Für den Frieden – Erklärung gegen den Krieg.“

Hintergrund war der waghalsige Versuch der US-Amerikaner mit Gewalt die US-Geiseln aus dem Iran zu befreien. Das Manöver schlug fehl. Der US-Imperialismus trieb die Kriegshetze auf die Spitze. Die Verbündeten der USA, voran der deutsche Imperialismus, standen Gewehr bei Fuß. In dieser Situation entschlossen sich 127 aktive Soldaten und Reservisten einen Aufruf herauszugeben. Vor allem der Satz „Wird mit Alarm die Marschbereitschaft für den Krieg befohlen, marschieren wir nach Bonn“ hatte es den Oberen angetan.

Vier Jahre später zerrten sie den presserechtlich Verantwortlichen Carl Ebell auf die Anklagebank. Am 5. Juli 1984 war es soweit.

57 Soldaten und Reservisten marschierten zum Kolenzer Gericht, um auch sich selbst anzuklagen. Die Schlacht wurde gewonnen: Freispruch für den Soldatenaufruf und Carl Ebell.

Daher gilt auch beim Bund: Allein machen sie dich ein - gemeinsam sind wir unausstehlich.

Ist Petrus Antimilitarist?

Stellvertretend für zahlreiche gute und nützliche Aktionen – gepaart mit Wiefheit, die den Militaristen großes Kopfzerbrechen bereitete und meist Polizei und Justiz auf den Plan rief – sei die Aktion im November 1985 des Regensburger Soldatenkomitees gegen das öffentliche Gelöbnis zum 30-jährigen Bestehen der Bundeswehr genannt.

Die „Rührt Euch- Extra“, die Zeitung des Regenburger Soldatenkomitees, fiel vom Himmel. Hören wir den Bericht der „Woche“ vom 21. November 1985:

„Die polierten Soldatenstiefel (sehr warm, wenn sie eine halbe Stunde auf der Heizung stehen, so ein Spieß) sind fast genau an der Pflastersteinkante ausgerichtet – fast. ,Der vierte Mann, vorn, mit dem rechten Fuß noch einen Zentimeter zurück – rechts hab ich gesagt, nicht links, wissen Sie nicht wo rechts und links ist, so – Stillgestanden.’ Der General kommt, der Spieß ist mit der Stiefellinie zufrieden.

Bekannte Kommandos, eingebleute Bilder. Die Väter sehen auf die Köpfe ihrer Söhne und sehen in das Gesicht ihrer Vorgesetzten. Nur noch ganz wenige Väter sind darunter, die den Treueeid für Führer, Volk und Vaterland leisteten. Die Mehrzahl der Ehrengäste gehört der Nachkriegsgeneration an und tat Dienst in der Bundeswehr, so wie es ihre Söhne nun auch tun müssen.

Mit einem gewaltigen Aufgebot von Polizei, Feldjägern und Eisenzaun wurde der Gelöbnishof abgeriegelt. Die Fernmelde-, Flak-. Feldartillerie-, Beobachtungs- und Sanitätssoldaten sollten vor vermeintlichen Ruhestörern geschützt sein. Alles und jeder wurde kontrolliert. Auch die Pressevertreter konnten erst nach Namensnennung und Ausweiskontrolle in das militärische Sperrgebiet Thon-Dittmer-Palais.

Deswegen ärgerte es die Verantwortlichen der Sicherheitsmannschaft besonders, daß es einem jungen Mann und seiner Freundin trotz aller Kontrollen gelang, Flugzettel auf die stramm ausgerichteten Soldaten zu streuen. Ausgerechnet im feierlichsten Moment, als die Soldaten die Fahne faßten und dumpfer Trommelwirbel die Soldatenherzen rührte, flatterten die Blätter hundertfach auf die Häupter der Verteidiger. Da ist es kein Wunder, daß die Feldjäger mit hochroten Köpfen, im Laufschritt durch das Palais nach den Übeltätern hasteten.

Brigadegeneral Hans Scriba, ein altgedienter kühler Militär, beobachtete das Papiergestöber nur aus den Augenwinkeln, ließ sich keinen Lidschlag aus der Ruhe bringen und appellierte an die Kameradschaft der Rekruten. ,Kameradschaft kann nicht befohlen werden, sie ist eine Angelegenheit des Herzens’, so der Herr mit dem goldenen Stern auf der Achselklappe.“

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