Dieser Artikel ist ebenfalls schon in der UZ im Laufe des Januar 2022 erschienen. Der Artikel wird hier in etwas aktualisierter Form abgedruckt.
Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat gerade noch vor Weihnachten den neuen Coronaimpfstoff der US-amerikanischen Firma Novavax für Europa zugelassen. Der neue Impfstoff wird voraussichtlich Ende Februar 2022 erstmals in Deutschland zur Verfügung stehen. Die Aktiennotierungen von Novavax schießen schon seit einiger Zeit erwartungsvoll in die Höhe. Nach allem, was man weiß, ist die Wirksamkeit sehr vergleichbar mit den bisher in der EU zugelassenen Impfstoffen. Der neue Impfstoff NuvaxovidR macht unter Impfskeptikern derzeit Furore, weil er scheinbar ohne Gentechnologie auskommt und einem keine RNA oder gar DNA gespritzt wird. Was ist nun das „Neue“ und der Unterschied und wie wirken eigentlich die Impfstoffe?
Die neuen gentechnologischen Impfstoffe:
– Bei den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna wird der genetische Bauplan (mRNA) zur Produktion des Corona-Spike-Proteins (CSP) oder auch nur eines Teils davon in den Oberarmmuskel gespritzt. Das CSP ist der gefährlichste Teil des Coronavirus, da es damit in die menschlichen Zellen eindringen und sich dann vermehren kann. Nun bauen Immunzellen im Körper genau nach Bauplan dieses Protein, gegen das dann andere Immunzellen einerseits Antikörper andererseits Immungedächtniszellen bilden und so eine Immunität gegen das Coronavirus aufbauen. Die gespritzte mRNA wird danach sofort vom Körper wieder vernichtet. (Weil die mRNA im Körper sehr instabil ist, gelang es lange Zeit nicht, damit einen Impfstoff herzustellen. Erst als es gelang, die mRNA in kleinste Nanopartikel von Fett zu verpacken und damit kurzfristig zu schützen, war man erfolgreich mit dieser Form der Impfung.)
– Bei den Vektorimpfstoffen von Astrazeneka, Johnson&Johnson, dem russischen Sputnik oder dem chinesischen CanSino, wird die genetische Information für das CSP in die DNA eines nicht krankmachenden Virus eingebaut. Diese sogenannten nicht-pathogenen Viren funktionieren dabei als Transportvehikel (Vektor). Wenn dieses Virus per Impfen in den Körper gelangt, werden zunächst von den Körperimmunzellen diese Viren aufgenommen und sie selbst produzieren dann die entsprechende mRNA, den entsprechende Bauplan, der dann wie gerade bei den mRNA-Impfstoffen beschrieben die weitere Immunreaktion auslöst.
Während die Vektorimpfstoffe schon länger gegen Ebola und Dengue erprobt sind, sind die mRNA Impfstoffe erstmals gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 mit großem Erfolg eingesetzt worden. Der Vorteil insbesondere der mRNA Impfstoffe besteht darin, dass man sie schnell und relativ einfach auf neue Virusvarianten anpassen kann. Der Nachteil für einen weltweiten Transport besteht in der erforderlichen Kühlkette bei tiefen Temperaturen. Wenn die Hersteller zunächst davon ausgegangen sind, dass nur 2 Impfungen für eine volle Immunität erforderlich sind, weiß man heute, dass auch bei diesen neuen Impfstoffen drei Impfungen notwendig sind.
Die „alten“ Impfstoffe:
Bei den Totimpfstoffen werden abgetötete Viren oder Teile davon verabreicht, die oft zusätzlich für eine verstärkte Immunreaktion mit einer aktivierenden Substanz kombiniert werden. Bewährte Beispiele sind Impfungen gegen Polio, Grippe, Keuchhusten oder gegen das aktuelle Coronavirus die chinesischen Impfstoffe der Firmen Sinopharm und Sinovac. Auch der Totimpfstoff „Valneva“ einer französisch-österreichischen Firma steht kurz vor der Zulassung in Europa. Bei solchen Impfungen sind in der Regel 2-3 Injektionen für einen vollen Impfschutz erforderlich. Der Vorteil dieser Technologie besteht darin, dass das Know-how weltweit seit Jahrzehnten zur Verfügung steht.
Bei einer neuen speziellen Form von „Tot-Impfstoff“ wird direkt mit einem künstlich hergestellten Virusprotein/Virusbestandteil geimpft, das ebenfalls mit einem Wirkverstärker verbunden ist. Dabei wird nicht der genetische Bauplan, die mRNA, z.B. des Corona-Spike-Proteins, sondern das Spike-Protein oder Teile davon direkt gespritzt. Dieses Spike-Protein wird vorher durch gentechnologisch veränderte Zellen, durch sogenannte rekombinante Gentechnologie hergestellt. Bei dem neuen Impfstoff der Fa. Novavax wird z.B. das Spikeprotein von genetisch umprogrammierten Insektenzellen künstlich hergestellt. Ganz so neu ist diese Form des Impfstoffherstellung aber gar nicht! In Kuba haben die Ärzte schon länger Erfahrung mit dieser Art der Gentechnologie und sie sind dabei weltweit führend. Die kubanischen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 werden auf diese Weise gentechnologisch hergestellt wie z.B. Soberana 02 und Abdala, die in Kuba, Venezuela, Nicaragua, Vietnam und Iran schon zum Einsatz kamen. Der Vorteil gegenüber den mRNA Impfstoffen besteht darin, dass keine aufwändigen Kühlketten erforderlich sind und der Proteinimpfstoff im normalen Kühlschrank lange stabil ist. Der Nachteil ist, dass er nicht so schnell an neue Virusvarianten angepasst werden kann wie die mRNA Impfstoffe, da die entsprechenden Zellkulturen erst aufgebaut und „umtrainiert“ werden müssen. Daher hat die Fa. Novavax angekündigt, dass sie mit Hochdruck an einer Anpassung ihres Impfstoffs gegenüber Omikron arbeitet.
Robert Profan