KAZ
Lade Inhalt

60 Jahre Sieg der Roten Armee in Stalingrad

Warum noch heute dieser Schlacht gedenken, der Heldenhaftigkeit einer Stadt, die heute nicht mehr Stalingrad heißt, die scheinbar irgendwo in Russland liegt, einem Land, von dem man mehr als Russenmafia in der BRD sowieso nichts buchstabieren kann?

Vielleicht genau deshalb, weil der Dank an die Sieger und Befreier, besonders auch des deutschen Volkes, vom Nachkriegsdeutschland bis heute versagt wird.

Weil damals erstmals ein Teil der räuberischen Hitlerarmee materiell vernichtet wurde und damit erstmals die gerechte Sache der Völker über den Kadavergehorsam der imperialistischen Räuber siegte. Der Nimbus von der Unbesiegbarkeit des deutschen Militärs war gebrochen – ein Fanal für die Völker. Sie mussten und konnten ihre Anstrengungen und Opfer im Kampf gegen den deutschen Imperialismus verstärken, ihre Regierungen, die Jahre dem Treiben der Naziheere auf dem Weg in den Osten untätig zusahen, zwingen endlich die für die Sowjetunion so entlastende Westfront zu eröffnen.

Sogar Churchill und Roosevelt konnten ihre Bewunderung und Erleichterung über den Sieg in Stalingrad nicht verhehlen. So ließ der amerikanische Präsident Franklin Roosevelt Stalin eine Ehrenurkunde überreichen, in der es hieß: „Im Namen des Volkes der Vereinigten Staaten von Amerika überreiche ich der Stadt Stalingrad diese Urkunde, um unserer Bewunderung für ihre tapferen Verteidiger Ausdruck zu geben. Ihre Tapferkeit, ihr Mut und ihre Opferbereitschaft werden für immer die Herzen aller freien Menschen höher schlagen lassen ...“.

Die ganze Welt jubelte und nach 1945 schossen Straßen, Boulevards, Streets Stalingrad wie Pilze aus den Stadtplänen dieser Welt – außer in einem Land das sich nicht nur personell rühmen kann, fast alle Mörder, Schänder und Quäler aus der Nazizeit ohne Ansehen der Geburt in ihren warmen Schoß aufgenommen zu haben.

Die Schlacht

Stalingrad hatte 1939 bereits 446.000 Einwohner. In mehreren Hochschulen studiert die Jugend des sowjetischen Wolgagebietes. Das Sowjetvolk hatte riesige Stahlwerke und Traktorenfabriken betrieben. Die Stadt galt als wirtschaftliches und verkehrstechnisches Zentrum der Region und war der strategische Schlüsselpunkt zum Zugriff auf das Erdöl in der Kaukasusregion.

Zwar hatte der Größenwahn der Faschisten und ihrer Generäle, zunächst genährt durch die „Blitzkriegerfolge“ in Polen, Norwegen und Frankreich, einen herben Dämpfer in der Schlacht um Moskau erhalten, doch noch waren sie für die Sowjetunion eine ernsthafte Bedrohung:

Der ehemalige Frontberichterstatter der faschistischen Wehrmacht und spätere antikommunistische Erfolgsautor in der BRD, H.G. Konsalik, schildert die Ereignisse in Stalingrad – Bilder vom Untergang der 6. Armee folgendermaßen:

... „Am 5. Juli erreichte ihr Nordflügel der Heeresgruppe Süd den Don bei Woronesch, im Süden stößt die 4. Deutsche Panzerarmee über den unteren Donez und Don vor, am 23. Juli befiehlt Hitler den Angriff auf Stalingrad, am 24. Juli steht die 6. Deutsche Armee am Don westlich der Stadt. ...Über die Steppe greifen die Panzer an. Sie walzen über Gräben und Erdbunker, über Menschen und Tiere. Den Panzern folgt die Infanterie ... Am 19. August 1942 gibt Generaloberst Paulus seiner 6. Armee den Befehl zum Angriff auf die Stadt. ... Neben Artillerie, Panzern und Sturmabteilungen kommt der Tod auch aus der Luft. Pausenlos fliegen deutsche Bomber über Stalingrad, heulend stürzen sich die Stukas auf die Fabrikviertel, die Eisenbahnlinien, die Öltanks ... und die Häuser. ... Bald brennt es überall in der Stadt. ... Am 23. August, um 18.35 Uhr, steht die Spitze des deutschen Panzer-Grenadierregimentes 79 an der Wolga. ... Die Häuserfront der Stadt wird sichtbar. ...Haus um Haus, Keller um Keller, Stockwerk um Stockwerk, wird erobert und zurückerobert. ... Es gibt keine Straßen mehr – sie wurden zu Schützengräben. ... Vielfältig und oft mit großer Phantasie angelegt, sind die Verteidigungslinien der Sowjets. Nicht nur jedes Haus ist eine Festung, jeder Keller ein Bunker, jede Straße ein Schützengraben, jede Mauerruine eine Panzerdeckung ... auch unter die Erde kriechen die Verteidiger von Stalingrad und graben sich Gänge unter Häuser und Straßen. Aus gutgetarnten Ausschlupfen tauchen sie dann plötzlich im Rücken der deutschen Angreifer auf, bilden mitten unter ihnen neue Widerstandsnester und verwirren die Deutschen ...

Am 13. September meldete der „Völkische Beobachter“ schon siegesgewiss: „Die Festung der Bolschewiken zu Füßen des Führers! Stalingrad vor dem Fall! Die Stadt durchlebt ihre letzten Stunden!“ So berauschen sich die Angreifer.

Währenddessen plant das sowjetische Hauptquartier unter Führung der Generale Shukow und Wassilewski die Gegenoffensive. „Der Plan sah Angriffe an den Flanken der Stalingrader Front weit im Rücken der Hauptgruppierung der Wehrmacht vor. Hierdurch sollten die in der Stadt selbst konzentrierten faschistischen Elitetruppen zunächst ausmanövriert und schließlich in einem großen Kessel möglichst weit entfernt von den rückwärtigen Basen eingeschlossen werden.“ (nach „Krieg im Osten“, Pahl-Rugenstein-Verlag, 1981)

Die Gegenoffensive der roten Armee kam für die Deutschen völlig überraschend. Am 23. November schloss sich die riesige sowjetische Zange um Stalingrad .... Ein sofortiger Rückzug der eigenen Truppen stand für Hitler zu keinem Moment zur Disposition. Bestärkt wurde er in seiner Haltung durch die großsprecherischen Reden Görings, der eine vollständige Luftversorgung der eingeschlossenen Truppen zusagte. Stalingrad sollte um jeden Preis gehalten werden, um nach Bewältigung der Krise als Sprungbrett für die weitere Offensive zu den Erdölquellen zu dienen.“ (ebenda)

Die neugegründete „Heeresgruppe Don“ unter Feldmarschall von Manstein sollte diese Pläne realisieren. Am 12. Dezember begann der Angriff mit hohen Verlusten auf beiden Seiten, blieb dann nach vier Tagen stecken, die deutschen Panzer waren bis auf 40 km am Kessel von Stalingrad.

Der Oberbefehlshaber General Paulus hatte mehrfach Hitler um die Genehmigung eines Ausbruchs gebeten. Hitler lehnt strikt ab. Mansteins Truppen waren bis Ende Dezember weiter zurückgedrängt und damit verschlechterte sich die Luftversorgung rapide. Anfang Januar ist die Lage der Eingeschlossenen völlig ausweglos.

Am 8.1.1943 fordert das sowjetische Oberkommando die Kapitulation, die nicht nur im Vergleich zu den barbarischen Vernichtungs- und Säuberungsmaßnahmen der Nazis in den eroberten Gebieten, mehr als großzügig war: „... Angesichts der für die deutschen Truppen aussichtslosen Lage schlagen wir Ihnen zur Vermeidung unnützen Blutvergießens vor, folgende Kapitulationsbedingungen anzunehmen:

1. Alle eingekesselten deutschen Truppen mit Ihnen und Ihrem Stab haben den Widerstand einzustellen. 2. Alle Wehrmachtsangehörigen haben sich organisiert zu ergeben. Alle Waffen, die gesamte technische Ausrüstung und das Heeresgut sind in unbeschädigtem Zustand zu übergeben.

Wir garantieren allen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, die den Widerstand aufgeben, Leben und Sicherheit sowie bei Kriegsende die Rückkehr nach Deutschland oder auf Wunsch der Kriegsgefangenen in ein beliebiges anderes Land.

Alle Wehrmachtsangehörigen der sich ergebenden Truppen behalten ihre Uniform, ihre Rangabzeichen und Orden, die persönlichen Gebrauchs- und Wertgegenstände. Den höheren Offizieren werden Degen und Seitengewehr belassen.

Den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, die sich gefangen geben, wird sofort normale Verpflegung verabreicht. Allen Verwundeten, Kranken und Frostbeschädigten wird ärztliche Hilfe zuteil. ...

Oh, welch großzügiges Volk, das keine Demütigungen kennt, dem Junkermilitär neben Leib und Leben auch noch die Insignien ihrer Macht belässt.

Aber Paulus erfüllt treu und ergeben die Befehle aus dem „Führerhauptquartier“ und lehnt ab. Dieser Kadavergehorsam kostet weitere unzählige Opfer und Paulus wird mittels Funkspruch zum Generalfeldmarschall ernannt.

Am 2. Februar hat die Rote Armee endgültig gesiegt. Von den im November eingekesselten 400.000 schleppen sich 90.000 in die Gefangenschaft. Nur 6.000 überleben den Hunger-, Krankheits- und Erfrierungstod.

In der völlig zerstörten Stadt gingen die Kinder schon bald wieder zu Schule, auch wenn das Klassenzimmer nur zwei Wände hatte.

Wäre es nach den Plänen Himmlers gegangen, so hätte die „nicht-deutsche Bevölkerung des Ostens ... keine andere Schule als die vierklassige Volksschule“ besucht. Himmler forderte in einer Niederschrift 1940: „Das Ziel dieser Volksschule hat lediglich zu sein: Einfaches Rechnen bis höchstens 500, Schreiben des Namens, eine Lehre, dass es ein göttliches Gebot ist, den Deutschen gehorsam zu sein und ehrlich, fleißig und brav. Lesen halte ich nicht für erforderlich.“ (nach „Krieg im Osten“...).

Kriegsgefangene waren für die deutsche Wehrmacht nur Freiwild, besonders die russischen Gefangenen. Nach der Befreiung Stalingrads, wurde auch das nahe gelegene Dorf Bolschaja Rossoschka befreit. Die sowjetischen Soldaten fanden ein Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht. Von den ursprünglich 2000 Gefangenen lebten nur noch 20.

Warum sie Krieg führen

In ihrer arroganten und maßlosen Art öffnen sich die Herren Imperialisten und ihre Lakaien und „Gröfaze“ manchmal selbst dem Publikum und warum man für sie Kriege führen und im Zweifel sterben muss.

Hitlers Rede über die angebliche Einnahme von Stalingrad, 8.11.1942

Ich wollte zur Wolga kommen, und zwar an einer bestimmten Stelle, an einer bestimmten Stadt. Zufälligerweise trägt sie den Namen von Stalin selber.

Aber denken Sie nur nicht, dass ich aus diesem Grund dorthin marschiert bin – sie könnte auch ganz anders heißen – sondern weil dort ein ganz wichtiger Punkt ist. Dort schneidet man nämlich 30 Millionen Tonnen Verkehr ab, darunter fast 9 Millionen Tonnen Ölverkehr. Dort floss der ganze Weizen aus diesen gewaltigen Gebieten der Ukraine, des Kubangebietes zusammen, um nach Norden transportiert zu werden. Dort ist das Manganerz befördert worden; dort war ein gigantischer Umschlagplatz. Den wollte ich nehmen und – wissen Sie – wir sind bescheiden, wir haben ihn nämlich! Es sind nur noch ein paar ganz kleine Plätzchen da. Nun sagen die anderen: ‚Warum kämpfen sie denn nicht schneller?’ – Weil ich dort kein zweites Verdun haben will.“ Quelle: Michalka, W.(Hrsg.): Das Dritte Reich. Bd. 2. dtv - Dokumente. München 1985, S.78

Den Kadavergehorsam nicht als einzigen Ausweg zu sehen, dazu leisteten deutsche Antifaschisten wie Erich Weinert, Walter Ulbricht und Willi Bredel einen wichtigen Beitrag. Mit Lautsprecherdurchsagen an die Eingekesselten sich zu ergeben, Flugblattabwürfen, z.B. von dem Kapitulationsangebot, hielten sie auch die deutsche Propaganda auf Trab, banden dadurch deren Kräfte.

Nach dem Sieg in Stalingrad wirkten sie unter den Gefangenen Soldaten und Offizieren. Das „Nationalkomitee Freies Deutschland“ und der „Bund deutscher Offiziere“ gründete sich, u. a. mit Paulus und dessen Gegenspieler Seydlitz im Vorstand. Zwei wichtige Organisationen im Sinne der Wehrkraftzersetzung der noch folgenden zwei Jahre Krieg. Aber auch eine Chance für die deutschen Soldaten, sich nicht als Opfer zu beklagen, sondern die eigenen Verbrechen zu erkennen und die Konsequenzen für den Aufbau eines friedlichen Deutschlands nach Kriegsende zu ziehen.

Da verwundert kaum der Umgang mit „diesen“ Veteranen von Seiten der Bundeswehr nach 1945. Das „Nationalkomitee Freies Deutschland“ soll auch Thema in der nächsten Ausgabe werden, wenn wir uns mit Stalingrad – Trauma des Nachkriegsdeutschlands befassen.

Die Sowjetunion, die siegreiche Schlacht um Stalingrad lehrte und lehrt, dass der imperialistische Feind nicht unterschätzt werden darf – aber eben auch nicht unbesiegbar ist. Dies fand in Stalingrad seinen materialisierten Ausgang!

Kein Vergeben dem deutschen Militarismus!
Ehre dem Nationalkomitee – Nieder mit dem Kadavergehorsam!

Dank Euch Ihr Sowjetsoldaten!

Arbeitsgruppe Faschismus

Spenden unterstützen die Herausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung
Email Facebook Telegram Twitter Whatsapp Line LinkedIn Odnoklassniki Pinterest Reddit Skype SMS VKontakte Weibo