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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Rede von Joachim Bonatz, Vizepräsident des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden und Vorsitzender von ISOR e. V., am 24. 8. 2025 in Ziegenhals anlässlich des 81. Jahrestages der Ermordung Ernst Thälmanns

Zur Reichspräsidentenwahl 1932 sagte der Vorsitzende der KPD Ernst Thälmann voraus: „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg.“

14 Jahre waren vorüber, als der Erste Weltkrieg endete. Man spricht von 17 Millionen Menschen, die während des Krieges den Rüstungsprofiten geopfert worden waren. Man nannte den Krieg eine Materialschlacht.

Dieser Krieg fraß immense Massen von Geschossen, Waffen und Menschen, denen befohlen war, die Kanonen mit Geschossen zu füttern. Angesichts militärischer Notlagen – um schnelle neue Lieferungen bettelten, bezahlten die Regierungen jeden Preis. Die Profite der Hersteller und Lieferanten waren astronomisch. Die europäischen Waffenindustrien konnten gar nicht so viel produzieren, wie die Materialschlacht verbrauchte und die Militärs nachforderten. Die USA, zunächst neutral, verkauften beiden Seiten Waffen, erzielten starken Exportüberschuss und konnten damit die eigene Wirtschaft ankurbeln.

Es waren Menschen, die für Profite starben! Die Seuchen, der Hunger, die Zerstörungen, die Inflation und Hyperinflation sowie politische Verwerfungen brachten nach dem Kriegsende den Menschen noch mehr Tod. Geschichten, dass für ein Brot ganze Gebäude verkauft worden sind, entsprechen leider der Wahrheit und stellen die untere Ebene der Kriegsgewinnler dar.

Ernst Thälmann, der Hamburger Kommunist, bei Kriegsbeginn 1914 25 Jahre alt, kannte diese Not, kannte die Schuldknechtschaft aus der eigenen Familie und von vielen seiner Mitstreiter. Ernst Thälmann kannte die Grauen des Krieges. Er nahm an deutscher Seite an den wesentlichen Schlachten gegen Frankreich teil, erhielt Auszeichnungen und Verwundungen. Unmittelbar nach dem Krieg war er im Arbeiter- und Soldatenrat Hamburgs.

14 Jahre nach diesen Kriegsschrecken, 1932, waren ihm und vielen im Volk all diese Schrecken mehr als gegenwärtig. Ernst Thälmann hatte die Zusammenhänge von Krieg und Profit auf der einen Seite und von zweckgebundener Meinungsmache, Machtgier sowie Revanche, Raub und gnadenlosem Egoismus auf der anderen Seite kennengelernt. Dabei spielten die Erfahrungen der anderen betroffenen Länder, insbesondere der jungen Sowjetunion eine besondere Rolle. Europäische Interventionsheere versuchten, die Situation im vermeintlich extrem rückständigen, durch die Beseitigung des Zarentums destabilisierten Staates zu nutzen und sich Teile Russlands anzueignen.

All diese praktischen Erlebnisse und wissenschaftlichen Verallgemeinerungen haben Ernst Thälmann die Fähigkeit gegeben, die Vorhersage zu treffen: Wer Hitler wählt, wählt den Krieg.

Die deutsche Wirtschaft hatte sich durch Aufkäufe in der Inflationszeit auf Kosten des Volkes und einiger anderer Kapitalisten gestärkt. Es entstanden große Konzerne, die die Armut nutzen konnten zu Lohndumping und Ausweitung der Arbeitszeit. Der Fleiß gab schrittweise Hoffnung. Einige bauten sich etwas auf. Die ungleiche Entwicklung führte zu einem gewaltigen erneuten Konflikt zwischen den Wirtschaften der Staaten. Die Weltwirtschaftskrise, ausgebrochen am 25.10 1929 an der Börse in New York, sollte eine zwischenzeitliche Lösung werden.

Zu mir. Meine beiden Großväter waren im 1. WK Soldaten. Ich wuchs bei beiden auf. Rudolf, der Großvater (Fleischermeister) mütterlicherseits war von 1914 bis 1918 Kutscher, begonnen an der Front vor Verdun. Er hatte nachts Munition und Furage an die vordersten Gräben mit dem Pferdewagen zu fahren. Er hatte seine Lösung zu überleben, teilte sie mir neben vielem anderen mit. Willi, der Großvater väterlicherseits (Malermeister) war damals für die Hochtechnologie zuständig. Er sicherte erst an der frz., dann an der russischen Front die Feldtelefonie. Beide überlebten, und ich bin froh, denn sonst gäbe es mich nicht.

Großvater Willi hatte einen großen Auftrag Januar 1929, nahm Kredite, das große Unternehmen wurde insolvent und mein Großvater mit. Bis 1936 fand er keine Arbeit und musste durch Heimarbeit Pfennige zum Leben für sich, seine Frau und vier Kinder in einer verlatteten Dachkammer erwerben.

Großvater Rudolf verlor in Folge der Weltwirtschaftkrise seine gut gehende Fleischerei, konnte als Besitzer eines Mehrfamilienhauses, Pächter von Land, einer kleinen Bauernwirtschaft sowie Fuhrdiensten einigermaßen seine fünfköpfige Familie ernähren. Seine erste Frau starb, wie ebenfalls die von Großvater Willi, in Folge der Nachkriegsseuchen.

1932 hatten sich die Bosse der deutschen Industrie auf die Lösung Hitlers eingeschossen. Deutschland im Lichte des mehrheitlich als Unrecht empfundenen Versailler Friedensvertrags wieder kriegsfähig machen bedeutete, von den potentiellen Gegnern wirtschaftlich unabhängig zu werden. Die Weltwirtschaftskrise war ein Motor für das Eigenständigmachen. Alles geschah auf Kosten der deutschen Bürger. Lohndumping, Not in den Stuben und soziale Spannungen wurden von den Faschisten mißbraucht, und sie bekamen auf Grund der Versprechungen Zulauf. Ernst Thälmann mahnte vor der Reichstagswahl 1932: „Wer Hitler wählt wählt den Krieg!“

Weshalb gehe ich so ausführlich auf die Situation damals ein? Die Forderung von Kriegstüchtigkeit bedeutet heute im Jahr 2025 das präventive Abwälzen von Kriegslasten aufs Volk. Die Schulden des Staates allein fordern das, UND in den Ankündigungen der Politik sieht man erste Umsetzung.

Im Wahlkampf 1932 sagte Ernst Thälmann auch: Wir sagen nicht: Wählt Thälmann, dann habt ihr Brot und Freiheit. Wir sagen, um Brot und Freiheit müßt ihr kämpfen!

Gilt das nicht auch im Heute und Jetzt? Ja, das wissen wir und das wissen die Betreiber der Politik. Sie haben dazu ihre Waffen geschärft. Gesetze, die außergesetzlichen Maßnahmen der „Disziplinierung“, Meinungsmanipulation sind es nicht allein. Geschickt und manipulierend werden „Brandmauern“ zur Machtsicherung errichtet, wird mit staatlichem „Gegen Rechts“ der Weg auch gegen linke Kräfte geführt, die eine Kriegstüchtigkeit nicht unterstützen.

Heute ist es anders als 1932, und doch existieren sichtbar viele Parallelen!

Ernst Thälmann sagte: Die Wahrheit lässt sich auf Dauer nicht verfälschen, es gibt nichts Unerbittlicheres als die Tatsachen.

Welche meine ich? Unter russophoben Behauptungen spricht die NATO offen aus, sie will Kaliningrad schnell erobern! 1990 im Zusammenhang mit dem 2+4-Vertrag wurde der sowjetischen Führung in die Hand versprochen: „Keine NATO-Osterweiterung“. Deutschland hat der NATO-Osterweiterung zugestimmt und setzt dies maßgeblich fort.

Die NATO hat bisher Angriffskriege geführt und sich außerhalb ihrer Grenzen militärisch engagiert. Sie macht den Menschen vor, für Verteidigung eintreten zu müssen und widerspricht sich selbst. Die regierenden Politiker sprechen von Freiheit und Demokratie, sprechen von ihrem Engagement fürs Wohl des Volkes, und das Volk sieht und hört das Gegenteil. Ernst Thälmann gab 1932 die Perspektive, indem er sagte:

Erst wenn wir den Sozialismus in Deutschland haben, ... erst dann werden die Notleidenden und Unterdrückten ein Vaterland haben, ein Vaterland, das uns gehört, erst dann werden sie eine sozialistische Heimat haben.

Thälmann und unzählige Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen, Antifaschisten wurden, weil sie sich gegen den Krieg stellten, inhaftiert und ermordet.

Statt dem Einberufungsbefehl zu folgen, verdingte sich mein Vater, 17-jährig, seit drei Jahren Seemann, auf einem US-Schiff. Sein Versteck in Danzig wurde verraten. Die Gestapo holte ihn, brachte ihn zum Verhör nach Berlin und dann ins KZ Fuhlsbüttel nach Hamburg. Nach vier Monaten wurde er an die vorderste Front geschickt, die Kompanie, in der er war, hatte nach jedem Fronteinsatz 90 bis 95% Verluste. Immer wieder. Bis zum 10. Mai 1945, also noch nach offiziellem Kriegsende hatten seine Kommandeure Bericht zu ihm zu geben. Richtig, nicht 8. oder 9. Mai, nein am 10. Mai floh mein Vater aus der noch immer geschlossenen Division, die sich von Prag aus in die amerikanische Zone bewegte. Vier schwere Verwundungen, eine ein Halsdurchschuss mit einem Granatsplitter.

Man spricht von 27 Millionen getöteter Sowjetbürger im 2. Weltkrieg, von knapp 60 Millionen Opfern dieser Krieges, der die Kassen der Rüstungskonzerne, insbesondere der US-amerikanischen hat klingeln lassen. Rechnet man jedoch die Opfer in Japan, China und des gesamten asiatischen Raumes hinzu, sprechen die Quellen von 100 Millionen Toten. Ich kannte viele Deutsche, die im zweiten Weltkrieg waren und schwere dauerhafte Verletzungen hatten. Ein kommender Krieg wäre nicht vergleichbar!

Ich meine, im Heute geht es vor allem um Eines: die Eskalationsspirale zu stoppen. Ein Krieg heute bedeutet, Deutschland existiert nicht mehr! Das unterscheidet einen Krieg im Atomzeitalter mit seinen zugleich hochwirksamen konventionellen Waffen von dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg!

Was mich erstaunt, ist, dass viele dies nicht begreifen. Es geht wirklich ums Überleben. Jedem sollte klar werden, kriegstüchtig hoffen nur die Rüstungsprofiteure zu werden.

Was wollen sie mit Profiten, wenn sie nur kurze Zeit im atomwaffensicheren Bunker in einer weit entfernten Ecke der Erde weiterleben können? Nur ein kurzer Blick, worum es geht, wenn Atomwaffen zum Einsatz kommen:

Wer will im Lichtblitz, der kurzzeitig die Hitze im Brennpunkt von 1000 Sonnen erzeugt- nur noch der sprichwörtliche Schatten an einem unzerstörten Hintergrund sein? Wer das Glück hatte, diesen Lichtblitz zu überleben, der ist dem Hagel vom Mitgerissenen alles Berstenden in der Druckwelle der Explosion ausgesetzt.

Die Druckwelle zerreißt Lunge und Trommelfelle. Nach der Überdruckwelle folgt die Implosion, die Unterdruckwelle. Sie zerstört die Rudimente der noch stehenden Gebäude und schädigt Lebewesen durch Aufplatzen unter innerem Überdruck.

Wer das überlebt hat, ist einem Feuersturm ausgesetzt. Alles Brennbare wird binnen Stunden bis Tagen zerstört in einer Weise, die nicht verglichen werden kann mit bisher bekannten Wald- oder Stadtbränden.

Aktuelle Bunkersuche ist lächerlich bei solchen Waffenwirkungen.

Sofern man weit genug weg ist und somit eine nukleare Welle überlebt, ist man der Strahlung ausgesetzt. Alpha-Strahlung belegt alles trink- und eßbare. Dies aufzunehmen bedeutet den Tod. Mit Schutzmitteln kann man dieser Strahung begegnen. Man muss jedoch die verseuchte Gegend verlassen und entseucht werden. Beta-Strahlung durchdringt schwache Schutzmittel und endet als Strahlung wie die Alphastrahlung relativ schnell. Gammastrahlung und Neutronenstrahlung durchdringt fast alles und verseucht auf lange Zeit. Der Erfinden der Neutronenbombe in den USA bezeichnete einst den Vorgang als „Versaften“ der lebenden Zellen. Strahlenkrankheit ist nicht heilbar. Überlebende quälen sich je nach erlittener Strahlendosis bis ans Ende ihres Lebens.

Unter solchen Bedingungen bleibt bei einer politischen Verwendung des Begriffs „Kriegstüchtigkeit“ nur eines – sich dagegen zu wehren. Denn bedeutet deutsche „Kriegstüchtigkeit“

– direkt an der Grenze zu Russland und Belarus deutsche Truppen mit deutschen Angriffswaffen demonstrativ „drohen“ und „üben“ zu lassen?

– bedeutet die Rede des NATO-Befehlshabers „Kaliningrad zu erobern“, dies widerspruchslos unter Einsatz deutscher Soldaten umzusetzen?

– bedeutet die Behauptung des leitenden Bundeswehrgenerals Freudig, „Freiheit“ sei, alles für Freiheit aufzugeben, also das Leben für die Freiheit zu opfern, ohne dabei zu sagen, wer denn davon einzig und allein profitiert?

In der heutigen Zeit ist für jeden Kommunisten der Erhalt des Lebens, des Friedens – wie damals zu Ernst Thälmanns Zeit – Schwerpunkt.

Identisch zu damals ist auch das Schaffen von umfangreichen Bündnissen für das Überleben Deutschlands, ohne Krieg zu führen, ohne Menschen zur „Kriegstüchtigkeit“ zu bringen.

Deutschland, Polen, das Baltikum, Rumänien und andere als nachrückende Stellvertreter im Krieg gegen Russland nach dem Ausbluten der Ukraine, das darf nicht unser Schicksal werden.

Ein Stellvertreterkrieg im Interesse des Kapitals und zur Unterwerfung der Hauptgegner China und Russland, wie die NATO diese als solche definiert, bedeutet die Bereitschaft, einen nuklearen Konflikt zu führen. Schon die heutigen teilautomatisierten Mordmaschinen auf den Schlachtfeldern sind in ihrer Zerstörungswirkung nicht vergleichbar mit denen im 2. Weltkrieg.

Die atomare globale Kriegsführung, zu der es kommt, wenn die NATO ihren Kurs beibehält, bedeutet das Ende der Zivilisation auf dieser einzigartigen Erde.

Im Thälmannschen Sinne sehe ich sein Vermächtnis, nicht nur im Gedenken, sondern auch im Handeln. Dazu rufe ich mit der Rede auf.

Hans Schwart, Mitglied des Vorstandes von ISOR e.V., spricht fast zeitgleich in Halle zum Gedenken an Ernst Thälmanns. Seine Rede legt einen Schwerpunkt in den thälmannschen Traditionen der Arbeiterschaft Halles sowie natürlich in den Schlussfolgerungen fürs heute. Jedes Gedenken an Ernst Thälmann ist nicht nur ein Blick in die Geschichte. Es ist zugleich auch ein Lernen und Anwenden im Heute.

Als junger Mensch hörte ich Irma Gabel-Thälmann sprechen. Sie war im Alter meiner Eltern.

Sie ging von dem Wirken ihres Vaters über zum antifaschistischen Kampf der KPD. Sie vermittelte die feste Überzeugung der Kommunisten vom Sieg über den Faschismus und kam dann zu den Aufgaben, die aktuell die Zeit stellte.

Das war auch Grundlage meines Redekonzeptes.

Danke für Eure Aufmerksamkeit

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