KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”
Pünktlich zum Eingreifen in den Libanon-Konflikt - nicht zuletzt mit deutscher Beteiligung - liefert Papst Benedikt XVI. die Begleitmusik. In seiner Regensburger Rede vom 14. September diskreditiert er den Islam unter Rückgriff auf eine Aussage des byzantinischen Kaisers Manuel II. Der Kaiser habe vor mehr als 600 Jahren gemeint – 50 Jahre bevor Konstantinopel durch die muslimischen Osmanen erobert wurde –, Mohammed habe nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht. So zitiert der Papst, der sonst so sehr darauf besteht, alles (vor allem auch seinen eigenen Lebensweg) aus seiner Zeit und Geschichte her verstehen zu müssen, völlig unvermittelt den Kaiser eines untergegangenen Reiches, um die päpstliche Verdammung des Djihad zu begründen. War da nicht etwas von Kreuzzügen und Zwangsbekehrungen der Ureinwohner eines ganzen Kontinents?
Dass hiermit nicht nur die Muslime provoziert werden sollten, sondern gleichzeitig ein Fingerzeig an die orthodoxe Kirche gegeben wurde, ist den meisten Kommentatoren entgangen. Neben den eher faden Anmerkungen zu Vernunft und Glauben in seiner Rede ist die Berufung auf das griechische Erbe des Christentums viel bemerkenswerter und seine Anmerkungen zur „Enthellenisierung“ des Christentums. Die Orthodoxie wird eingeladen, mitzuwirken bei der Rekolonialisierung der Seelen im Osten und an der Schnittstelle zur islamischen Welt. Das ist auch der Hauptzweck des Papst-Besuches in der Türkei Ende November 2006.
In unserem Buch haben wir Joseph Ratzinger als Mann der Doppelbotschaften charakterisiert. Wer es liest, versteht mehr vom Doppelspiel der weltlichen Interessen und ihrer geistlichen Förderer im Vatikan.
Im Übrigen: Es ist nicht unser Anliegen, in die Auseinandersetzungen zwischen dem Islam und dem Katholizismus als Religionen einzugreifen. Dazu stehen wir mit Marx auf dem Standpunkt:
„Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. ... Die Forderung, die Illusionen über einen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.“[1]
Wenn aber führende Repräsentanten von Religionsgemeinschaften sich in den Haaren liegen, hat das weltliche Ursachen: Die Menschen gegeneinander aufzubringen; sie nach Nation, Hautfarbe und eben Religion zu spalten statt sie von ihrer Klassenlage her zu einen.
Richard Corell, Ronald Koch
im Oktober 2006
1 Marx Engels Werke, MEW Bd. 1, Berlin, S. 378 f.
Richard Corell, Ronald Koch
ISBN 3-88975-140-7
Umfang 367 Seiten
Preis: 15 €
Ansprechpartner:
Giuseppe Zambon
Tel. 069-779223
zambon@zambon.net
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