Es wird das Leben eines Arbeiterkindes aus München geschildert, das durch den Faschismus seiner Jugend beraubt und zum „Graduierten der Universität KZ“ (S. 11) wurde. Ungebrochen ging Otto Kohlhofer seinen Weg nach der Befreiung, doch nicht wie erhofft in einer proletarischen Demokratie, sondern in einer bürgerlichen. Er bestand darauf, dass der Faschismus nicht vom Himmel gefallen ist, sondern von „bestimmten ökonomischen und politischen Verhältnisse als mögliche Herrschaftsform hervorgebracht“ (S. 11) wird.
In der Adenauer-Zeit hat er seine Kraft der Errichtung der Gedenkstätte KZ Dachau gewidmet. Trotz vielfältiger Anfeindungen hat er seine Überzeugung gelebt, dass es den „Geist der Lagerstraße – dass es bei allen politischen Differenzen grundsätzliche Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen gibt, die zukünftig nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen.“ (S. 161) – als das Vermächtnis der KZ-Opfer gerade auch den nächsten Generationen zu vermitteln gilt.
Ich habe das Buch mit großem Gewinn gelesen. Nicht nur wegen der einfühlsamen Schilderung von Ottos Leben und der klugen Einbettung ins Zeitgeschehen, sondern auch wegen der Einarbeitung seiner eigenen Stellungnahme, die er in ausgiebigen Interviews geben konnte. So hat der Leser die Möglichkeit, der Stimme eines Zeitzeugen zu lauschen.
Umfangreiche Fußnoten erleichtern nicht nur das Verstehen, sondern geben auch Einblick in die aufwendige Recherchearbeit, die die Verfasser geleistet haben.
Renrew