Wie zu Zeiten eines Gnäus Pompejus, dem zeitweiligen Kompagnon von Julius Cäsar; scheint die Adria ein Tummelplatz für Schmuggler und Piraten zu sein.
Die italienische Zeitschrift „Espresso“ (vom 9. September 1999) behauptet, daß das italienische Apulien zu einer Balkanprovinz geworden sei. Zwischen Januar und August 1999 hätten fast 500 bewaffnete Zusammenstöße zu Wasser und zu Land zwischen italienischen Streitkräften und Schmugglern stattgefunden. Die Schmuggler würden nicht mehr wie früher flüchten, sondern die Auseinandersetzung annehmen. Durch Piraten beschädigte Motorboote von Touristen, zerstörte Autos – die apulischen Behörden zählen die Einzelfälle schon nicht mehr. 75 Personen wurden bei solchen Auseinandersetzungen verletzt. Viel Geld sei im Spiel; mehr als eine Milliarde US-Dollar allein im Zigarettenschmuggel. Mit Zigaretten, so wird behauptet, verdiene die Mafia mehr Geld als mit Drogen oder Erpressungen. Die Täter, so scheint es, kommen aus Montenegro, Kroatien, Bosnien, Albanien; die Hintermänner, so scheint es: die italienische Mafia. Und die gewöhnliche Dumpfbacke (im Verein mit interessierten Kreisen des italienischen Imperialismus) kann leicht in Versuchung geraten, mehr Polizei, mehr Militär zu verlangen und mit der Forderung nach Trockenlegung des Sumpfes die Besetzung der Balkanländer fordern, um die mit „Ruhe und Ordnung“ zu beglücken.
Des Pudels Kern ist allerdings in ganz anderen Teilen der Welt zu suchen und dort bei den sog. besseren Kreisen von Wirtschaft und Gesellschaft.
Die anglo-amerikanischen Tabakkonzerne, die den Weltmarkt beherrschen, verkaufen Jahr für Jahr immer weniger an die europäischen staatlichen Tabakmonopole und immer mehr an unabhängige Importeure, die ihre Firmensitze zwischen östlicher Adria und Ägäis haben. Dort sind die Lieferanten der Schmuggler zu suchen. Bei Philip Morris etwa ist der europäische Gesamtumsatz gleich geblieben, während die Verkäufe an die europäischen Staatsmonopole erheblich zurückgegangen sind. Die Staatskasse von Montenegro hat aus dem ganz legalen Geschäft zwischen Tabakkonzernen und unabhängigen Händlern heute um das Achtfache höhere Steuereinnahmen als 1992. Dagegen klagt man in England, daß bereits über 15% des verkauften Tabaks Schmuggelware sei.
Die Geschäfte werden natürlich durch Banken zwischenfinanziert, durch Banken mit entsprechend internationalen Verbindungen, in der Regel also durch honorige Geldhäuser mit Sitz in ebenso honorigen Ländern wie BRD, Österreich, Schweiz, Italien, USA etc. Und um den ganzen Schmuggel abzuwickeln, braucht man auch noch schnelle Motorboote. Da hilft dann wieder die amerikanische Firma Omc und die deutsche Firma Mann, die an der Mole von Bar in Montenegro die größten Werkstätten in der Adria unterhalten und für Verkauf und Unterhalt der Boote sorgen. Und für den „braven Bürger“ kommt bei dem Geschäft etwas ‘rüber z.B. durch Vermietung von Lagerraum.
Das kapitalistische Staatsmonopol hat sich in Verletzung der heiligen Gesetze des Marktes an der Sucht der Raucher bedient, die kapitalistische Liberalisierung und Privatisierung führt darüberhinaus zu offener Kriminalität. Eine vollständige Liberalisierung kann nicht durchgeführt werden – nicht nur wegen damit noch weiter sinkender Staatseinnahmen –, sondern weil dann auch die Zerschlagung nicht nur der staatlichen Tabakmonopole, sondern die der privaten Tabakmonopole, also von Philip Morris, von BAT, von Reemtsma auf die Tagesordnung gesetzt werden müßte. Und die privaten Monopole sind bekanntlich noch heiliger als die heiligen Gesetze des Marktes.
Da hilft nur noch Kommunismus – oder? Bis dahin, liebe Raucher, frohen Herzens genießen – hoffentlich gute und billige Schmuggelware.
Corell