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Gedicht

Bundeslied

„Betet und arbeitet“! ruft die Welt.

Bete kurz denn Zeit ist Geld!

an die Türe pocht die Not,

bete kurz denn Zeit ist Brot.

Und du ackerst und du säest,

und du nietest und du nähst,

und du hämmerst und du spinnst,

sag, oh Volk, was du gewinnst?

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,

schürfst in Erz- und Kohlenschacht,

füllst des Überflusses Horn,

füllst es hoch mit Wein und Korn.

Doch wo ist dein Mahl bereit?

Doch wo ist dein Feierkleid?

Doch wo ist dein warmer Herd?

Doch wo ist dein scharfes Schwert?

Alles ist dein Werk, oh sprich,

alles, aber nichts für dich!

Und von allem nur allein,

die du schmiedest, die Kette, dein!

Mann der Arbeit aufgewacht

und erkenne deine Macht!

Alle Räder stehen still,

wenn dein starker Arm es will!

Brecht das Doppeljoch entzwei!

Brecht die Not der Sklaverei!

Brecht die Sklaverei der Not!

Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

Text: Georg Herwegh Musik: Peter Heinz

Als 1863 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet wurde, bat Ferdinand Lasalle den Dichter Georg Herwegh um ein „kämpferisches und zugkräftiges“ Bundeslied. Das ist das erste Lied der politisch organisierten deutschen Arbeiterbewegung.

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