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Editorial

Nachdem wir in KAZ 304 den Drang der deutschen Monopole nach Osteuropa als „traditionelles Expansionsgebiet“ etwas genauer untersuchten, beschäftigt sich der in dieser Ausgabe vorliegende Artikel „Der deutsche Drang nach Osten stößt auf Hindernisse“ mit den Widersprüchen zwischen den Imperialisten im Kampf um die Beute. Der einzige imperialistische Staat, der in Folge der Konterrevolutionen 1989 seine Grenzen veränderte, sein Territorium und dadurch seinen Machtbereich vergrößerte, war die Bundesrepublik Deutschland. In Vergessenheit gedrängt und verschwiegen wird die Tatsache, dass die vielfältigen Grenzveränderungen in den letzten 14 Jahren alle in einem Gebiet der Erde stattgefunden haben, das der deutsche Imperialismus seit jeher als sein angestammtes Expansionsgebiet angesehen hat – Mittel-, Ost- und Südosteuropa sowie die ehemaligen Sowjetrepubliken im Kaukasus.

Bundeskanzler Schröder sprach im Zuge der EU-Osterweiterung von einem „historischen Tag“ für Deutschland, was wir ihm als Vertreter deutscher Monopolinteressen auch gerne glauben, von Europa als einem Ort „sozialer Interaktion und kulturellen Reichtums“, was mehr der Regie des Schauspiels für die Öffentlichkeit geschuldet ist.

Haben nun die USA, die in der letzten Zeit von den bürgerlichen Medien hier zu Lande ja praktisch als Inkarnation imperialen Gehabes und Hegemoniestrebens gekennzeichnet worden sind, der man alles Schlechte zutrauen kann, das „Europa des Friedens, der Demokratie und des Wohlstandes“ gespalten? Oder muss man nicht eher, um das Ganze verstehen zu können, den ganzen bürgerlichen Schwulst, der da zur Beruhigung und Täuschung der Völker um Europa herum gewoben wird, einerseits, die bürgerliche Reduzierung des Imperialismus auf die USA anderseits bei Seite lassen und sich anschauen, welche Hegemoniebestrebungen es diesseits des Atlantiks gibt und welche Widersprüche sie hervorrufen?

Fast ein eigener Artikel ist unser „Hintergrundmaterial“ über das Hauen und Stechen der Imperialisten untereinander, das jegliche Hoffnungen auf „friedliche Lösungen“ schwinden lässt.

Wie sehr das ganze schwülstige Gerede von Menschenrechten und Gleichberechtigung als Herrenrechte und politische Wühlarbeit gesehen werden muss, belegt der Artikel „EU-Osterweiterung und die neue Rolle des Revanchismus“. Hier wird am Beispiel der Sudetendeutschen und Schlesischen Landsmannschaften die politische Sprengkraft des alten/neuen Revisionismus in Tschechien und Polen sichtbar. „Zündeln in Augsburg“ verdeutlicht die Gewalt, die hinter dieser Rhetorik steht, die Anerkennung der territorialen Ansprüche des deutschen Imperialismus zu erzwingen.

Was das Monopolkapital im eigenen Land unbedingt benötigt, ist eine schwache und an sie gefesselte Arbeiterbewegung. „Sozialpartnerschaft oder Volksgemeinschaft“ erklärt die Bedeutung eines Streites unter Gleichgesinnten, wenn es um die Gewerkschaften geht – die gegenwärtig wichtigste Form der Massenorganisation des Proletariats im Kapitalismus.

Mit den Ausführungen zur „Grünen“ Gentechnik schließen wir die in KAZ 304 begonnene Auseinandersetzung mit der Thematik erst einmal ab.

Das Schnitzel vom Metzger, das Brot vom Bäcker? Womit aber wird die Sau gefüttert, die das Schnitzel liefern soll und woher kommt der Weizen für’s Mehl, woher das Saatgut, aus dem der Weizen werden soll? Die „Grüne Gentechnik“ wird inzwischen auf Grundbausteine unserer Lebensmittel angewandt. Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind das Ergebnis. Wem aber gehören diese GVOs?

Dass man sie im Brot nicht wirklich schmeckt und sie auch nach den neuen Kennzeichnungsvorschriften der EU voraussichtlich nicht einmal auf dem Beipackzettel finden wird, ist eine Sache. Dass das Brot immer penetranter nach Kapital schmeckt – die andere. Saatgut, Düngemittel, Pestizide, Herbizide und die Labore, in denen die GVOs entwickelt werden, die darauf erhaltenen Patente - in wessen Hand sie sind und welche Folgen sich daraus ergeben, darüber gibt der Artikel Auskunft.

Antworten auf die Frage: Woher kommt der Hunger und wie kann Gentechnik zu seiner Beseitigung beitragen, bietet der Artikel „Hungerdebatte in der Endlosschleife“ an.

Wir schrieben schon in KAZ 304: „Die Materie ist komplex, die Verwendung von Fachbegriffen manchmal unvermeidlich. Statt zu fluchen, gibt es die Möglichkeit an die AG zu schreiben. Die stellt gerne ergänzendes Material zur Verfügung, antwortet auf Fragen, stellt sich der Diskussion.

Die AG ist zusammengesetzt aus Ärzten, die z.T. selbst an der Genforschung beteiligt sind, und aus Ökonomen, darunter einer Agrarökonomin. Die Artikel sind Ergebnis einer gemeinsamen Auseinandersetzung der Autoren, die keineswegs von einheitlichen Standpunkten aus geführt wurde, aber viele Gemeinsamkeiten entwickelt hat.“

Redaktion der
Kommunistischen Arbeiterzeitung

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