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Für Dialektik in Organisationsfragen

Dokumentation

Odak ist der Name einer sozialistischen Zeitschrift, die 1990 in der Türkei zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Odak bedeutet im Deutschen in etwa Focus, und der Name war gleichzeitig Programm. Odak wollte die Niederlage der türkischen Linken im Jahre 1980 gegenüber dem Militärputsch kritisch aufarbeiten, daraus Lehren ziehen und eine neue Linke Bewegung auf die Beine stellen. Trotz ihrer Kritik sah die Bewegung sich auch als ein Teil der sogenannten traditionellen revolutionären Linken der Türkei. Die Bewegung um die Zeitschrift Odak bemühte sich von Anfang an, einerseits eine selbstkritische Stimme der Linken Bewegung, andererseits auch die Stimme der Unterdrückten und der Arbeiterbewegung zu sein. Wie alle oppositionellen Bewegungen der Türkei erfuhr auch Odak starke Repressionen des Staates. Infolge dessen sind viele Aktivisten des Odak verhaftet worden oder aber auch ins Ausland geflüchtet. Die Gruppe versucht in Europa als Bildungs- und Solidaritäts-Bewegung an dem politischen Leben der hiesigen Länder teilzuhaben und sich einzumischen. Die Vereine der Bewegung haben einen Volkshaus-Charakter im traditionell linken Stil und sind offen gegenüber einem sehr breiten Linken Spektrum.

Rede für die Kundgebung

„Wir sind hier! Vereint gegen Rassismus“

am 29.02.2020

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen, die von der Mehrheitsgesellschaft als „nicht deutsch“ gelesen werden, ermordet. Das Motiv des Täters: RASSISMUS. Diejenigen, die stattdessen bewusst Begriffe wie „Fremdenfeindlichkeit“ oder „Ausländerfeindlichkeit“ benutzen, sind Teil der rassistisch denkenden Gesellschaft und machen dadurch deutlich, dass sie die Opfer als „Fremde“ wahrnehmen. Wir sind keine „Fremden“ – wir sind Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt hier in diesem Land haben.

Wir haben lange nach den richtigen Worten gesucht, die unsere Gedanken und Emotionen wiedergeben. Wie kann so eine Tat in Worte gefasst werden? Wie kann eine Ideologie in Worte gefasst werden, welche dafür verantwortlich ist, dass in diesem Land seit Jahrzehnten immer wieder Menschen kaltblütig umgebracht werden, weil sie als „nicht deutsch“ angesehen werden?

Diese Tatsache löst Wut, Trauer, Verzweiflung und Angst in uns aus. Es sind Gefühle, die wir nicht erst seit Hanau, nicht erst seit dem NSU und nicht erst seit Mölln & Solingen kennen.

Rassismus gehört zu unserem Alltag und hat viele verschiedene Facetten: Den Alltagsrassismus kennen und erleben wir alle. Manchmal ist es ein Gefühl, manchmal ein Blick, manchmal ein Witz, manchmal ein nett gemeintes Kompliment und manchmal sind es Vorurteile und Zuschreibungen, mit denen wir zu kämpfen haben. All diese Dinge können wir klar und deutlich als rassistisch identifizieren und benennen. Jedoch werden diese „harmlosen“ Formen des Rassismus von der Mehrheitsgesellschaft nicht als solche anerkannt und sogar geleugnet. Es ist auf persönlicher und emotionaler Ebene anstrengend Rassismus-Erfahrungen machen zu müssen, noch anstrengender ist es aber Menschen die nicht von Rassismus betroffen sind, davon zu überzeugen, dass diese Erfahrungen rassistisch sind.

Hier stellen wir uns die Frage: Wie entsteht der Alltagsrassismus? Er entsteht nicht aus individuellen Denk- oder Handlungsweisen, denn Rassismus ist ein System und hat eine Struktur. Er durchzieht alle Ebenen und Institutionen dieser Gesellschaft: Das Bildungssystem, den Arbeitsmarkt, den Wohnungsmarkt. Auch das Einwanderungsgesetz, das Asylgesetz und die Kriminalisierung von Seenotrettung sind Beispiele dafür, wie tief und fest der Rassismus in diesem Land und in ganz Europa verankert ist. Es sind politische Parteien wie die AFD und Politiker wie zum Beispiel Maaßen, Höcke und Merz, die den Nährboden für die rassistischen Morde geschaffen haben. Und in dieser Zeit, in der Rassismus und Gewalt sich immer mehr verbreiten – In dieser Zeit arbeiten die CDU und die FDP mit der AfD zusammen.

Es sind die rassistischen Polizeikontrollen, die Menschen immer wieder kriminalisieren und das Bild „des kriminellen Ausländers“ herstellen, welches dann von den Medien aufgenommen und verbreitet wird. Rassistische Anfeindungen, Überfälle und Morde sind das Produkt von verschiedenen Akteur*innen in diesem Land. Deshalb war der Anschlag in Hanau für viele von Rassismus betroffene Personen schockieren, aber nicht überraschend.

Wir können es daher sehr gut nachvollziehen, dass sich Menschen zurzeit zurückziehen und sich Gedanken darüber machen dieses Land zu verlassen und respektieren diese Entscheidungen. Wir jedoch, haben uns für einen anderen Weg entschieden: Einen Weg, der uns viele Nerven, viel Geduld und vor allem sehr viel Kraft kosten wird. Wir werden an persönliche und emotionale Grenzen stoßen. Wir werden jedoch immer wieder aufstehen und gemeinsam den Rassismus bekämpfen – egal was der Preis dafür sein wird. Weil wir daran glauben, dass eine andere Welt möglich ist!

Diese schmerzhaften Erfahrungen führen zu Wunden, zu Wunden die immer und immer wieder bluten. Einige Wunden werden mit der Zeit zu Narben, zu Narben die wir bis an unser Lebensende in uns tragen werden. Sie werden uns immer daran erinnern, dass es kein Vergeben und kein Vergessen geben darf!

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