Die Kommunistische Arbeiterzeitung ist wieder da. Jubel? Die Zeiten sind nicht so. Kommunistisch - längst widerlegt und 1989 abgedankt? Arbeiter - gibt’s die noch? Und Zeitung - jetzt wo doch neue Medien da sind?
Zeitung! Wir gehen immer noch davon aus, daß nicht das „Medium die Botschaft ist“ (MacLuhan), sondern der Verbreitung einer Aussage Analyse und Klärung vorausgeht. Das Bedürfnis danach scheint eher anzuwachsen, zumindest wenn man die andere Seite der Medaille sieht: Die Hinwendung vieler Menschen zu Esoterik, zu alten Religionen und zu neuen Göttern aus Film-, Musik- und Sportindustrie... Das heißt: Diese Zeitung wird gegen die Hoffnungslosigkeit anschreiben, die Verhältnisse durchschauen und verändern zu können.
Arbeiter! Daß in den Industrieländern rd. 90% der Erwerbsbevölkerung Lohnabhängige sind, scheint unbestritten. Daß sich die wenigsten dieser Lohnabhängigen als Arbeiter d.h. als Teil einer Klasse und Totengräber des Kapitalismus verstehen, ist Stand der Dinge. Dieser Zustand ist zum einen selbst Produkt der dem Kapitalismus eigenen Klassendifferenzierung. Zum anderen ist er vorläufiges Ergebnis nicht nur des Niedergangs und der Zerschlagung der sozialistischen Länder, sondern auch der Vorherrschaft des Sozialdemokratismus in der Arbeiterbewegung der imperialistischen Länder, der durchaus „erfolgreich“ - mit einem ersten Höhepunkt 1914 - versucht hat, die Interessen der Arbeiterklasse mit den Interessen der Nation, des „Standorts“, des Unternehmens in „Einklang“ zu bringen und damit an allen entscheidenden Wendepunkten dieses Jahrhunderts das Proletariat der Bourgeoisie untergeordnet und ausgeliefert hat. Das heißt: Diese Zeitung wird versuchen, das Gemeinsame in der Verschiedenheit der Werktätigen herauszuarbeiten als Voraussetzung zur selbstbewußten Formierung der Arbeiter als Klasse. Sie wird das Proletariat in seiner Stellung zu den übrigen Klassen der Gesellschaft als die Kraft kenntlich machen, die allein in der Lage ist, das Joch des Imperialismus abzuschütteln und die Ausgebeuteten und Unterdrückten zum Sturz der Klassenherrschaft der Bourgeoisie zu führen und so das Werk des antifaschistischen und antiimperialistischen Widerstands, das Werk der Oktoberrevolution mit dem Ziel der klassenlosen Gesellschaft fortführen.
Kommunistisch! Erstmals in der Geschichte gibt es Krisen nicht aus Mangel, sondern aus (relativem) Überfluß. Erstmals ist auch die Gattung Mensch bedroht, nicht durch den Menschen selbst, sondern durch die Konzentration der Produktions- und Destruktionsmittel im Eigentum der Kapitalistenklasse. Selbst Riesenkonzerne, große Staaten sind zu klein, um den Produktivkräften Raum zu geben. Niedermachen, Aufkaufen, Einverleiben, Unterwerfen - so „lösen“ die Kapitalisten und ihre Staaten das Problem untereinander. Ausbeuten, Auslutschen, Wegwerfen - das sind die Maximen, denen diese „Ordnung“ gegenüber den Werktätigen und der Natur folgt. Diese Klasse ist nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich wie ein Kropf. Das System dieser Klasse seinem Selbstlauf zu überlassen, heißt die Augen fest vor der Logik des Kapitals zu verschließen. Den Widerstand gegen die Barbarei verstärken, den Klassenkampf organisieren auf der Grundlage des proletarischen Internationalismus und dabei die Eigentumsfrage „als die Grundfrage der Bewegung“ hervorheben - darin sehen wir heute die Aufgabe der Kommunisten und dazu will diese Zeitung beitragen.
Wir leben in der BRD, die immer deutlicher seit der Einverleibung der DDR 1989/90 aus dem Windschatten des US-Imperialismus heraustritt und mit dem entscheidenden Anstoß für die Zerschlagung Jugoslawiens erstmals wieder seit dem 2. Weltkrieg massiv ihre Eigenständigkeit im Kampf der imperialistischen Mächte um die Vorherrschaft unter Beweis gestellt hat. Die historische Besonderheit des deutschen Imperialismus als zu spät und zu kurz gekommener Räuber und die daraus folgende besondere Aggressivität erhält noch freieren Lauf, seit die DDR, die Sowjetunion, der Warschauer Pakt getilgt wurden. Die Neuaufteilung des Ostens unter die imperialistischen Länder wird genutzt, um das Gleichgewicht in Europa zugunsten der BRD zu verschieben und die Länder in Westeuropa unter die Hegemonie des deutschen Imperialismus zu zwingen. Alles was er im Osten gewinnt, wird zum Drohpotential gegen den Westen. Der in allen möglichen Maskeraden auftretenden Aggression nach außen entspricht die Aggression nach innen. Mit der Rachejustiz in der DDR werden die gesamten Rechtsgrundlagen selbst der bürgerlichen Demokratie außer Kraft gesetzt. Daß es in Deutschland einmal einen antifaschistischen und antiimperialistischen Staat gegeben hat, der der Herrschaft von Junkern und Monopol die Grundlage entzogen hat, der es gewagt hatte, das kapitalistische Privateigentum anzutasten - diese Spur soll verwischt werden. Hitler gleich Stalin, Nationalsozialismus gleich Bolschewismus - diese Geschichtsklitterungen sollen uns unter den Begriffen Totalitarismus und Verbrecherregime verkauft werden, damit nur das Ziel erreicht wird: die Reinwaschung von den Verbrechen des deutschen Imperialismus und seiner tragenden Monopole (Siemens, AEG-Daimler, Krupp, Thyssen, Bayer, BASF, Hoechst usw.), in deren Diensten doch Kaiser, Weimar, Hitler, Bonn nur handelten. Reinwaschung, damit die „Umwertung aller Werte“ umso besser gelingt: Krieg und Militarismus erscheinen als humanitäre Mission, der Abbau demokratischer Rechte als Sicherung der Demokratie, der Rassismus als Damm gegen „Überflutung“, der deutsche Chauvinismus als Beglückung der Menschheit. Lohnraub und die Liquidierung von sozialen Positionen, die die Arbeiterbewegung in diesem Land erreicht hatte und die sich nun nach 1989 immer mehr als abhängige Größen der wirtschaftlichen und politischen Konjunktur herausstellen, werden als Reform, als Innovation, als Sieg des Fortschritts über verkrustete Strukturen hingestellt und die industrielle und soziale Verwüstung der DDR als „Aufschwung Ost“.
In einem Land, von dem Krieg und Faschismus ausgegangen sind, haben wir die besondere Verpflichtung der deutschen Monopolbourgeoisie den Weg zu neuem Unheil zu versperren. Die Revolutionäre, die den Klassencharakter dieser Entwicklung erkennen, müssen zur Kampfeinheit der Arbeiterklasse beitragen über die Grenzen von Ideologien, Religionen, Nationalitäten und Parteien hinweg. Dazu ist eine Stärkung der Gewerkschaften notwendig, sie also wieder zu einer Kampforganisation der Arbeiterklasse zu machen gegen den sozialpartnerschaftlichen Kurs der Gewerkschaftsführung. Im Kampf um die Einheit der Klasse wird die revolutionäre Partei des Proletariats entstehen als Voraussetzung nicht für den Kampf, sondern für den Sieg in der sozialen Revolution.
Trotz Niederlagen und Niedergeschlagenheit spricht die historische Entwicklung für die Sache der Arbeiterklasse, für den Kommunismus. Der Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium schafft selbst alle Voraussetzungen mit dem hohen Grad der weltweiten Vergesellschaftung der Produktion und der dadurch erreichten Produktivkraft. Er treibt Millionen auf Wanderschaft und in die Flucht und eröffnet ganz wider Willen die Perspektive der Verschmelzung der Völker und Nationen. Er will durch die Gruppenarbeit noch mehr aus der Arbeitskraft herauspressen, und zeigt dadurch gerade die Notwendigkeit der Herausbildung des gesellschaftlichen Individuums und der Beseitigung der knechtenden Unterordnung unter die Teilung der Arbeit. Er kündigt an, daß im 21. Jahrhundert nur noch ein Viertel der heutigen Werktätigen gebraucht werden für die Produktion, er kündigt damit hunderte von Millionen weiterer Erwerbsloser oder Toter an, und sagt doch damit nur, daß niemand mehr darben müßte, daß die Arbeit Bedürfnis werden kann und immer weniger als Sicherung des Anspruchs auf Lebensmittel. Er fordert geradezu heraus, den Kampf aufzunehmen für die Sicherung und Verbesserung der Lebensgrundlagen gegen die Zerstörung der Quellen des Reichtums: Erde und Arbeiter.
Die Hindernisse auf diesem Weg sind mächtig und heißen in diesem Land deutscher Imperialismus. Seine Gewalt zu brechen ist Notwendigkeit, Aufgabe und Befreiungstat zugleich.
Dazu will die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) beitragen.
1968 Gründung der Arbeiter-Basis-Gruppen in München.
1970 Erscheinen der ersten Ausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ).
1973 Die KAZ wird Zentralorgan des Arbeiterbunds für den Wiederaufbau der KPD. Bis 1980 erscheint die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) monatlich (für längere Zeit auch zweiwöchentlich).
1980 Neues Erscheinungsbild der Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ). In den folgenden Jahren kann ein regelmäßiges Erscheinen nicht mehr gewährleistet werden.
1991 Der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD (KAZ-Fraktion) gibt die Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) regelmäßig monatlich heraus.[1]
1996 Umbenennung des Arbeiterbunds für den Wiederaufbau der KPD (KAZ-Fraktion) in Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ).[2]
Grundlage unserer Arbeit war und ist die Theorie, wie sie von Marx und Engels entwickelt und von Lenin, Stalin und Mao Tse-tung sowie von anderen revolutionären Genossen und Parteien angewandt und dadurch weiterentwickelt wurde. Wir sehen es als unsere Aufgabe, das Werk Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts, Ernst Thälmanns und der vielen tausenden Genossen der KPD fortzusetzen und zu verteidigen.
Redaktion der Kommunistischen Arbeiterzeitung
1 Von den Genossen des anderen Teils des Arbeiterbunds für den Wiederaufbau der KPD werden unter dem Namen Kommunistische Arbeiterzeitung vorwiegend Flugblätter herausgegeben.
2 Diese Namensänderung wurde in der Hoffnung durchgeführt, daß damit normale Beziehungen zum anderen Teil möglich werden. Im Herbst 1996 faßte die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) folgenden Beschluß:
„Die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung ermöglicht in ihren Reihen
1. die praktische und theoretische Arbeit für den Wiederaufbau der KPD,
2. die Mitgliedschaft in anderen linken Parteien, ohne die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung zu verlassen.
Die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung will weiterhin die Kommunistische Arbeiterzeitung herausgeben.“