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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Von der Ampel zur Fußgängerampel – Was kommt nach Soz-Grün?

Gute Nachrichten – auf den ersten Blick! Lindner entlassen. Der selbstgefällige Fatzke mit dem Anspruch angetreten, den besonders verkalkten und verspießerten Teil des deutschen Kleinbürgertums und des „Mittelstands“, als „Start-up“ zu verkaufen, endlich ins Aus befördert. Lindner, der als Ausweg aus der Misere anbietet: Einschlagen auf Gewerkschaften, auf Löhne und Arbeitsbedingungen, auf Alles, was die Not der Armen abmildern könnte. Ein Mann, der „Schuldenbremse“ wie eine Monstranz vor sich herträgt, um dem Feldzug gegen die Werktätigen den Schein des Unvermeidlichen und wissenschaftlich Begründeten zu geben. Festzuhalten bleibt auch: SPD-Führung und Grüne hatten gewusst, mit wem sie sich einlassen und haben den Herrn Lindner und seine Partei gerne als Ausrede genutzt, für ihre Politik zugunsten des Großkapitals, zu Lasten der Arbeiterklasse.

Und, wie losgelassen, trat dann Kanzler Scholz am 13. November 2024 im Bundestag auf und versprach vollmundig:

Ich will vermeiden, dass es zu Verteilungskämpfen ‚Jeder gegen Jeden‘ kommt. Ich will nicht, dass das eine gegen das andere ausgespielt wird. Ich will, dass unser Land und unsere Demokratie stark bleiben. Und natürlich gehört dazu, dass wir mehr in Sicherheit investieren. Das tun wir; daran soll kein Zweifel bestehen. Aber ich sage mit der derselben Klarheit: Das darf nie zulasten unseres Zusammenhalts gehen, niemals zulasten von Rente, Gesundheit oder Pflege. Sicherheit und Zusammenhalt – das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Das habe ich am letzten Mittwoch gesagt, und ich wiederhole es hier: Ich werde die Bürgerinnen und Bürger niemals vor die Wahl stellen: Entweder wir investieren in unsere Sicherheit oder in gute Arbeitsplätze und Wirtschaft und Infrastruktur, entweder wir geben Geld für die Bundeswehr, oder wir haben sichere Renten, entweder wir unterstützen die Ukraine, oder wir investieren in Deutschland. Dieses Entweder-oder ist falsch und führt unser Land in die Irre. Dieses Entweder-oder ist ein Konjunkturprogramm für Populisten und Extremisten. Das schadet und zerreißt Deutschland. Dieses seltsame Entweder-oder und die entsprechenden Vorschläge kommen übrigens fast immer nur von Leuten, die nicht rechnen müssen, ob das Geld oder die Rente bis zum Monatsende reicht, von Leuten, die sich keine Gedanken machen müssen über die neue Waschmaschine, den Jahresurlaub oder die Klassenfahrt der Kinder.[1]

Das ist zwar offensichtlich gelogen, denn die Herstellung von „Kriegstüchtigkeit“ wird ja gerade mit massivem Drohneneinsatz gegen Gesundheit, Pflege, Bildung, Kunst, gegen Löhne und Gehälter durchgeführt. Aber: Das ist immerhin nicht die offene Kampfansage an die Arbeiterklasse, das ist der Versuch, die Gewerkschaften bei der Stange zu halten. Ihnen zurufen. Lasst uns ruhig aufrüsten und Krieg führen. Es geht ja Euch nicht an den Kragen. Bleib ruhig, Michel! Hinter vorgehaltener Hand allerdings: Die Kürzungen machen wir dann wie bei Hartz/Agenda 2020 als Programm zur „Sicherung des Standorts Deutschland“/Agenda 2030 und direkt schon mal – dass der Zusammenhang Rüstung und Sozialraub nicht so auffällt – werden die Länder und Kommunen rasiert. Während bei Panzern, U-Booten oder Munition Milliarden mit lockerer Hand ausgeschüttet werden, werden etwa in der Bundeshauptstadt (mit CDU/SPD-Regierung) große Summen für Kitas, marode Schulen, Radwege oder die Ausstattung von Volksbühne, Puppentheater etc. weggespart.

Die anderen dagegen, der „Bürgerblock“ von CSU/CDU, FDP bis zu den Faschisten in der AFD fordern mehr oder weniger offen: Dem Michel müssen Beine gemacht werden. Opfer muss er bringen, damit „wir“ die Konkurrenten wieder besser aus dem Feld schlagen können, wieder auftrumpfen können in Europa und der Welt. Oder im Nazi-Jargon: „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen“ oder – anders ausgedrückt: Deutschland muss leben, auch wenn wir keine Wohnung, keine Heizung, kein Brot mehr haben. Diese reaktionäre Kritik an der „Fußgängerampel“ mit Scholz, Habeck und Co. droht jetzt mit Merz und Söder die Wahlen zu gewinnen und sich so vom desorientierten Michel noch die Legitimation zu holen, ihn für Nato-Krieg und Sozialabbau, für „Kanonen statt Butter“ reif zu machen. Eine fortschrittliche Kritik dagegen fordert: Runter mit der Rüstung! Schluss mit Militarisierung und Krieg! Die Reichen sollen zahlen! Eine fortschrittliche Kritik wird gegen die in diesem System immer wiederkehrende Drohung mit Faschismus und Krieg die Eigentumsfrage und die Machtfrage stellen: Sozialismus statt Barbarei!

Versucht sich Scholz noch als Gemäßigter zu präsentieren, der vor jeder Eskalation gegen Russland demonstrativ zögert (um dann doch die Waffen an das Kiewer Regime zu liefern), steht Pistorius für den Teil der SPD-Führung, der alles für einen „Siegfrieden“ der Ukraine tun möchte und hofft, dadurch nicht nur bei den Wahlen zu punkten (und damit vielen Abgeordneten seiner Partei den Abtrieb von den Futtertrögen der Politik zu ersparen). Er buhlt um die „Arbeitsgemeinschaft“[2] mit dem Militär und den Kräften im Monopolkapital, die für eine Politik der Stärke (im Gegensatz zu einer Politik des Ausgleichs) gegenüber der Russischen Föderation, aber mittelfristig auch gegenüber dem US-Imperialismus sind.

Die Kampagne für Pistorius wurde massiv von Bild-Zeitung und „Welt“, Dreckschleudern des Springer-Konzerns, geführt. Immer neue Umfragen wurden verbreitet, die die Beliebtheitswerte von Scholz klein und die von Pistorius groß schrieben. Sie wollten mit Pistorius die rosarot getünchte Kriegstüchtigkeit, das vorletzte Aufgebot der Sozialdemokratie in der Verantwortung halten, um die relative Ruhigstellung der Arbeiterklasse so lange wie möglich zu gewährleisten. Dabei wird – so das Kalkül – die SPD-Führung den Niedergang ihrer eigenen Partei forcieren und die Entwaffnung der Arbeiter und aller Werktätigen als handlungsfähiger Teil der Gesellschaft, als Klasse vorantreiben. Sie soll die Militarisierung vorantreiben, die Gesetze machen, die dann von den Ultrarechten und Faschisten und ihrem Mob genutzt werden können, um den Übergang zu einer offen terroristischen Diktatur als „Notstand“ und seine Überwindung zu tarnen. Denn: Zunehmende Krise und Erwerbslosigkeit, Lähmung von Parlament und Regierung – „Unregierbarkeit“, Schüren von Hoffnungslosigkeit und Wurstigkeit – das soll dann der von der SPD-Führung vorbereitete Boden sein, auf dem nach der „Starken Hand“, dem „Aufräumen“, den „Notverordnungen“ und wenn nötig dem Faschismus gerufen werden kann. Und dann braucht es nur noch einen neuen Kriegsherd, ein großes Attentat .... Das „Kochen der Volksseele“ besorgen dann schon CSU und AfD und die Döpfners von Springer, die Mohns von Bertelsmann ... Und im Untergrund sammeln sich die bewaffneten Schergen des Faschismus, die seit langem schon herangezogen werden bei KSK, Uniter, Nordkreuz ... Noch ist der Faschismus nicht ums Eck. Aber wie sehr die Bande und ihr dreistes Auftreten schon zur Normalität wird, dafür haben wir doch die Zeichen: Die Meloni, die Le Pen – wie sie inzwischen auch von relevanten Großkapitalisten hofiert werden – und bei uns in Landtagswahlen schon bald 30% für die AfD, ohne dass die Gewerkschaften ernsthaft die Gegenwehr vorbereiten. Wir wären schlecht beraten, wenn wir im Kampf um den Frieden und gegen die schändliche Rolle der SPD-Führung die faschistische Gefahr unterschätzten. Das ist der Hintergrund der Kampagne für Pistorius. Ob und wann sich die entscheidenden Kräfte im deutschen Monopol- und Finanzkapital von der Sozialdemokratie, vom Kurs der „Sozialpartnerschaft“ verabschieden, ist in diesen Kreisen selbst umstritten. Das zeigt sich derzeit bei den Auseinandersetzungen zwischen VW-Vorstand und Gewerkschaftsführung. Der Tarifabschluss mit fünf Jahren Stillhalten bei den Löhnen zeigt: Der Preis für das Erhalten der „Arbeitsgemeinschaft wird vom Kapital ständig erhöht. Der „Standort Deutschland“ und die „internationale Konkurrenzfähigkeit“ werden mit der Sozialdemokratie nur noch „gemeinsam“ dadurch gesichert, dass den Arbeitern das Messer an die Kehle gesetzt wird.

KAZ-Fraktion „Ausrichtung Kommmunismus“

So geht Meinungsmache für Pistorius

Interessant ist, wer die von Bild und Co breitgetretenen Umfragen macht? Die Umfragen werden meist von Insa aus Erfurt fabriziert. Insa steht für „Institut für neue soziale Antworten“. Die Bild-Zeitung ist ihr bester Kunde z.B. mit der „Politischen Sonntagsfrage“. Chef und Inhaber ist Hermann Binkert. Bei Bild wird er den großen Propaganda-Instituten wie Allensbach (das ja mit seiner Gründerin Noelle-Neumann noch direkt bei Goebbels in der Lehre war), Forsa, GfK, Infas vorgezogen. Da kriegt man vermutlich leichter die Ergebnisse, die man will, für weniger Geld. Und das geht so: „Insa kauft die Daten von YouGov, reichert sie an und veröffentlicht die verarbeiteten Ergebnisse anschließend in der Bild.“ Die Wundertäter „reichern an“!

Nicht nur Bild – mit seinen Kunden ist Binkert generell nicht wählerisch. Bekannt geworden sind Spenden, Redeentwürfe schreiben, Beratungstätigkeit von Binkert mit seinem Firmengeflecht für die AfD, dessen Landesverband Thüringen (Vorsitz „Berndt“ Höcke) ihm besonders am Herzen liegt. 50.000,- Euro z.B. stellte Binkert der AfD für eigene Umfragen 2014 in Rechnung. Bekannt geworden sind auch Beziehungen des Herrn Binkert zu den Faschismus-nahen Hetzplattformen wie Junge Freiheit und Deutschland Kurier. Cicero gibt ihm noch die seriös-konservative Deckung. Auf der website von Insa sieht man allerdings – offenbar bewusst – als Referenz die AfD nicht, dafür aber die „Junge Freiheit“, ein Sprachrohr des Faschismus. Und mit der zusammen das Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales des Freistaats Bayern (samt Staatswappen), den Strommonopolisten RWE, die AOK und neben Gliederungen von CSU/CDU und FDP– man stutzt – SPD und die Partei Die Linke.

Der Wessi Binkert kommt aus der CDU und hatte es dort bis zum Staatssekretär in Thüringen gebracht, bevor er sich 2009 dem profitableren Geschäft mit eigenen Firmen zur Meinungsmache zuwendete. Was ist schon ein Demagoge gegen ein ganzes Institut für Demoskopie!

Bild und Binkert – so etwas stellt die Umfrageergebnisse für Pistorius her und vor. Da kann man ahnen woher der Wind weht: die SPD in die deutschnationale Ecke bringen, um sie dort dann vorführen und verschleißen zu können und als Pflasterstein für die faschistische „Zeitenwende“ auszunutzen.

Aus der verdienstvollen Kampagne, maßgeblich gestaltet von Klaus Staeck und Günter Wallraff, 1980 gegen die Bild-Zeitung und auch als Teil des Bundestagswahlkampfs gegen Strauß als Führer des Rechtskartells

1 www.bundesregierung.de/breg-de/suche/regierungserklaerung-von-bundeskanzler-olaf-scholz-2320314 – 11.12.2024

2 Dieser Begriff wurde geprägt für den geheimen Ebert- (damals Vorsitzender der Mehrheits-SPD und Mitglied im Rat der Volksbeauftragten) -Groener (damals Chef der Obersten Heeresleitung – OHL) – Pakt vom 10. November 1918, also einen Tag nach der Novemberrevolution. Darin wurde die Zusammenarbeit von SPD-Führung und Militär gegen Links und den Sozialismus vereinbart. Er wurde 1925 durch die Aussage von Ebert beim sog. Dolchstoßlegenden-Prozess bekannt. „Arbeitsgemeinschaft“ wird dementsprechend auch für die Zusammenarbeit der SPD-Führung mit der Großbourgeoisie generell verwendet (etwa von Dimitroff und der KI in der Faschismusanalyse).

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