KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”
Wir veröffentlichen den wegweisenden Artikel der bedeutenden chinesischen Wissenschaftler Cheng Enfu und Li Wei in zwei Teilen. Dieser Artikel wurde einem internationalen Leserkreis in der ersten Nummer des World Marxist Review (auf Englisch) zugänglich gemacht. Er ist Ausdruck der Auseinandersetzung in der internationalen und chinesischen kommunistischen Bewegung um Klarheit und Ausrichtung angesichts der weltweiten wachsenden Aggressivität des Imperialismus gegen die sozialistischen Länder, gegen die Länder, die um ihre Unabhängigkeit ringen und gegen die Arbeiterklasse in den imperialistischen Ländern selbst.
Von den chinesischen Genossen werden dabei die ideologischen und begrifflichen Waffen auf den Prüfstand gestellt und geschärft: Privateigentum und Ausbeutung und deren Abschaffung, Klassenkampf, Diktatur des Proletariats, Revisionismus und die Bedeutung des Marxismus-Leninismus u.a.
Wir haben bei den Verweisen die chinesischen Quellen der Autoren angegeben. Dadurch können in der Übersetzung der Zitate von Marx, Engels, Lenin, Stalin oder Mao Tse-tung Abweichungen von den aus MEW etc. bekannten deutschen Werkausgaben auftreten. Falls dadurch Verfälschungen entstehen sollten, gehen sie zu Lasten der Übersetzer.
Unser Dank geht dabei an die Autoren und den Canut Verlag und auch an Prof. Dr. Eike Kopf mit seinem hervorragenden Beitrag bei der Herausgabe der Marx-Engels Werke in der Volksrepublik China.
Ernst Herzog, Conny Renkl
Zusammenfassung: Im Mittelpunkt dieses Artikels stehen zwei neue, kürzlich in China erschienene Sammlungen, die Gesammelten Werke von Marx und Engels und die Thematische Sammlung von Lenin. Er geht auf fünf zentrale theoretische Fragen ein: Er betont die Bedeutung von Marx und Lenin als Revolutionäre und Baumeister, stellt klar, dass es sich bei den beiden Sammlungen um wissenschaftliche Erkenntnismittel handelt, und erörtert wichtige theoretische Fragen wie den Zusammenschluss von Arbeitern und unterdrückten Nationen der Welt, den Sozialismus als Abschaffung der Klassen und der Beseitigung von Ausbeutung sowie die kommunistische Partei als Führer und Organisator des Proletariats.
Schlüsselwörter: Marxismus-Leninismus; Partei der Arbeiterklasse; die kommunistische Bewegung international; die Beseitigung der Ausbeutung und die Abschaffung der Klassen
Im Jahr 2009 wurden zwei neue Sammlungen in China veröffentlicht: Gesammelte Werke von Marx und Engels (10 Bände) und Thematische Sammlung von Lenin (5 Bände). Dies war eine lobenswerte Leistung im intellektuellen und kulturellen Bereich. In den 1980er und 1990er Jahren erlebte die internationale kommunistische Bewegung schwere Rückschläge, und die Förderung des Marxismus-Leninismus stieß weltweit auf beispiellosen Widerstand. In einem solchen internationalen Kontext initiierte und realisierte die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) ein solch großangelegtes Projekt der Herausgabe und Veröffentlichung marxistisch-leninistischer Werke und leistete damit einen spürbaren Beitrag zur Verbreitung und Entwicklung des Marxismus-Leninismus und zur Wiederbelebung der internationalen kommunistischen Bewegung, die eine Zeit lang auf einen Tiefpunkt gesunken war.
Auf dem Ersten Nationalen Volkskongress der Volksrepublik China (VRC) im Jahr 1954 verkündete Mao Zedong in seiner Eröffnungsrede feierlich vor dem chinesischen Volk und der ganzen Welt: „Die theoretische Grundlage, die unser Denken leitet, ist der Marxismus-Leninismus.“[2] Damit wurde nicht nur die Beziehung zwischen dem Marxismus-Leninismus und den Mao-Zedong-Ideen, von denen sich die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) leiten lässt, deutlich, sondern auch die Beziehung zwischen dem Marxismus-Leninismus und der Theorie des Sozialismus mit chinesischen Charakteristika, die den zeitgenössischen sozialistischen Aufbau in China leitet. Die Klärung dieses Verhältnisses ist von entscheidender Bedeutung für unser wissenschaftliches Verständnis des Marxismus-Leninismus, sowohl in der Ära der Neuen Demokratischen Revolution als auch in der Periode der gegenwärtigen sozialistischen Revolution und des sozialistischen Aufbaus. Es liegt auf der Hand, dass wir ohne Kenntnis und Verständnis der theoretischen Grundlagen des Leitgedankens der Partei und der Regierung diesen nicht wissenschaftlich anwenden und weiterentwickeln können. Die marxistisch-leninistischen Werke sind sehr umfangreich. Welche Artikel und Werke sollten wir zuerst lesen, um den Standpunkt, die Sichtweise und die Methode des Marxismus-Leninismus kennenzulernen? Die Herausgabe und Veröffentlichung der Gesammelten Werke von Marx und Engels und der Thematischen Sammlung von Lenin haben dem chinesischen Volk und den Gelehrten zusätzliche Texte zur Verfügung gestellt, um sich eingehend mit dem Marxismus-Leninismus zu befassen, und dies kann als eine weitere Errungenschaft betrachtet werden, die das chinesische Volk beim Studium des Marxismus-Leninismus erreicht hat. Eines der Themen, mit denen sich die chinesischen Marxisten beim Studium des Marxismus-Leninismus weiterhin beschäftigen, ist die Verbindung der Geschichte und der Erfahrungen unserer Vorgänger beim Erlernen des Marxismus-Leninismus, das ständige Studium und Verstehen des Marxismus-Leninismus und die Beantwortung und Lösung neuer Probleme, die sich in der Praxis ständig ergeben.
„Denn Marx war vor allem ein Revolutionär. Seine eigentliche Lebensaufgabe bestand darin, auf die eine oder andere Weise zum Umsturz der kapitalistischen Gesellschaft und der von ihr geschaffenen staatlichen Institutionen beizutragen, zur Befreiung des modernen Proletariats, dem er als Erster seine eigene Lage und seine Bedürfnisse, die Bedingungen seiner Emanzipation bewusst machte. Der Kampf war sein Element. Und er kämpfte mit einer Leidenschaft, einer Hartnäckigkeit und einem Erfolg, mit dem nur wenige mithalten konnten ... Folglich war Marx der meistgehasste und verleumdete Mann seiner Zeit. Regierungen, sowohl absolutistische als auch republikanische, deportierten ihn aus ihren Territorien. Bürgerliche, ob konservativ oder ultrademokratisch, wetteiferten darin, ihn mit Verleumdungen zu überhäufen. All dies wischte er beiseite, als wären es Spinnweben, ignorierte es und antwortete nur, wenn die äußerste Not ihn dazu zwang. Und er starb geliebt, verehrt und betrauert von Millionen revolutionärer Genossen – von den Bergwerken Sibiriens bis Kalifornien, in allen Teilen Europas und Amerikas -, und ich wage zu sagen, dass er zwar viele Gegner hatte, aber kaum einen persönlichen Feind.“[3] Diese Rede von Engels am Grab von Marx ist sozusagen ein Kommentar nicht nur zu Marx, sondern auch zu der Sache, die proletarische Revolutionskämpfer wie Lenin und andere zeitlebens verfolgten, und zu ihrer gesamten Tätigkeit und ihrem Denken. Um den Marxismus-Leninismus zu lernen und zu beherrschen, muss man wie sie sein; und nur wer wie Marx und Lenin ist, kann den Marxismus-Leninismus wirklich lernen.
In den mehr als hundert Jahren seit der Entstehung des Marxismus-Leninismus wurde der Marxismus-Leninismus in zahlreichen Ländern und von Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Lagern immer wieder reflektiert und diskutiert und von einer Vielzahl von zeitgenössischen Denkern innerhalb und außerhalb des marxistischen Lagers für überholt oder tot erklärt. Wenn der Marxismus-Leninismus jedoch für veraltet und tot erklärt wird, ist dies nicht ein Zeichen für seine kraftvolle Existenz und seine Widerstandskraft? Sind diese wiederholten Angriffe und die Ablehnung des Marxismus-Leninismus aus dem antimarxistischen und nichtmarxistischen Lager nicht gerade ein starker Ausdruck seiner unwiderstehlichen und kraftvollen Vitalität? Ist dies nicht eine eindrucksvolle Verkörperung seines großen Einflusses und seiner äußerst tiefgreifenden Bedeutung über Zeit und Raum hinweg? Die immer wiederkehrenden Debatten über den Marxismus-Leninismus zeigen deutlich, dass es diejenigen gibt, die ihn brauchen, und diejenigen, die ihn fürchten. Die beiden großen Klassen und Lager, die in dieser Welt nebeneinander existieren und sich gegenüberstehen – das Proletariat und die Bourgeoisie, der Sozialismus und der Kapitalismus – lassen sich anhand ihrer Haltung zum Marxismus-Leninismus erkennen und unterscheiden.
Nach den drastischen Veränderungen in der Sowjetunion und in Osteuropa wurde der Marxismus-Leninismus in der westlichen intellektuellen Welt weitgehend als „veraltet“ und „bankrott“ verurteilt. Doch nicht lange danach brach die Finanzkrise 2008 in den Vereinigten Staaten aus und führte zu einer globalen Wirtschaftskrise, die die westliche intellektuelle Welt dazu zwang, den Klassikern des Marxismus, insbesondere Marx’ Werk „Das Kapital“, Aufmerksamkeit zu schenken und die theoretische und wissenschaftliche Weitsicht von Marx anzuerkennen, die praktische Aufklärung und Anleitung für die Analyse der aktuellen Krise bot. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass in der westlichen Welt ein dramatischer Wandel von der wiederholten Behauptung, der Marxismus sei überholt, hin zu Diskussionen über die „Wiederbelebung“ des Marxismus zu beobachten ist. Warum wird der Marxismus im Westen wiederbelebt? Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass der Marxismus eine wissenschaftliche Weltanschauung und Methodologie mit einer enormen kognitiven und praktischen (transformativen) Funktion ist, eine Theorie der Revolution und des Aufbaus. Das oft diskutierte zeitlose Thema des Marxismus-Leninismus – „die Befreiung der Menschheit“ – macht seine Wiederbelebung auch historisch unausweichlich. Bei der Betrachtung dieser beiden Sammlungen dürfen wir weder eine Reihe von historischen Ereignissen mit weitreichendem Einfluss übersehen, die sich seit der Geburt des Marxismus-Leninismus ereignet haben, noch können wir die neuen Veränderungen und Fortschritte ignorieren, die im weltgeschichtlichen Prozess stattgefunden haben. Gegenwärtig sehen wir die dringende Notwendigkeit, diese beiden Sammlungen, die das Wesen des Marxismus-Leninismus widerspiegeln, zu studieren, unser Niveau und unsere Fähigkeit, den Marxismus-Leninismus anzuwenden, zu verbessern und die andauernde westliche Finanz- und Wirtschaftskrise gründlich zu beobachten und wissenschaftlich zu analysieren und die neuen Entwicklungsrichtungen der Welt vorherzusagen.
Wo soll man mit dem Studium des Marxismus-Leninismus beginnen? Marx bemerkt: „Die theoretischen Schlussfolgerungen der Kommunisten beruhen in keiner Weise auf Ideen oder Prinzipien, die von diesem oder jenem Möchtegern-Weltreformer erfunden oder entdeckt worden sind.“[4] Engels erklärte öffentlich, dass der Marxismus „keine fertigen Vorschläge zu unterbreiten hat“; „unsere Ansichten über die Unterschiede zwischen einer künftigen, nichtkapitalistischen Gesellschaft und der heutigen sind strenge Schlussfolgerungen aus den bestehenden historischen Tatsachen und Entwicklungen und haben keinen Wert – weder theoretisch noch praktisch -, wenn sie nicht im Zusammenhang mit diesen Tatsachen und Entwicklungen dargelegt werden.“[5]
Der Marxismus, die theoretische Quintessenz der proletarischen Revolution und des sozialistischen Aufbaus, ist keineswegs das Ergebnis von Marx und Engels, die in einem Zimmer saßen und nachdachten, sondern die Aufzeichnung und Zusammenfassung ihrer aktiven revolutionären Tätigkeit, des „theoretischen Ausdrucks der proletarischen Bewegung“, an der sie beteiligt waren. Ihre theoretische Aufgabe besteht darin, die historische Mission des modernen Proletariats – die Sache der Befreiung der Menschheit und der Welt -, ihre historischen Bedingungen sowie das Wesen dieser Sache selbst eingehend zu untersuchen. Damit „der jetzt unterdrückten proletarischen Klasse eine volle Kenntnis der Bedingungen und des Sinns der großen Tragweite ihres Handelns zu vermitteln, zu deren Vollbringung sie berufen ist“.[6] Das gilt auch für den Leninismus.
„Die Marxsche Lehre, die unmittelbar der Aufklärung und Organisation der fortgeschrittenen Klasse in der modernen Gesellschaft dient, zeigt die Aufgaben auf, vor denen diese Klasse steht, und verdeutlicht die unvermeidliche Ablösung des gegenwärtigen Systems durch eine neue Ordnung (aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung) – kein Wunder, dass diese Lehre sich im Laufe ihres Lebens um jeden Schritt nach vorn kämpfen musste.“[7] Was im Kampf errungen wird, kann nur im Kampf wirklich verstanden und angewendet werden. Wir sollten verstehen und begreifen, wie Marx und Lenin zu denken und Probleme zu lösen pflegten, die sich aus ihrer gesellschaftlichen Tätigkeit ergaben. Jegliche Interpretation der Texte – rein auf Basis dieser Texte oder akademisch – wird sich nur immer weiter vom Marxismus-Leninismus entfernen.
In der Geschichte des Studiums des Marxismus-Leninismus durch das chinesische Volk und auch heute noch ist es nicht ungewöhnlich, eine Ansicht zu hören, die dem einen oder anderen vorwirft, nicht ausreichend auf die Theorie vorbereitet zu sein und etwas falsch zu machen. Diese Sichtweise ist unwissenschaftlich, da sie den Fragen nicht standhält, was „theoretische Vorbereitung“ bedeutet, wie man sich vorbereitet und inwieweit eine Vorbereitung als angemessen angesehen wird. Gibt es in der Geschichte des revolutionären Kampfes Fälle, in denen die Theorie „gut vorbereitet“ ist? Da das Problem der unzureichenden theoretischen Vorbereitung aufgeworfen wird, können wir dann von der Person, die diese Ansicht vertritt, verlangen, dass sie die in Zukunft benötigten Theorien vorbereitet? Das wird natürlich nicht funktionieren und widerspricht dem gesunden Menschenverstand des Lebens und der Geschichte. Mao Zedong hat eine solche Situation kritisiert: „Die richtige und unerschütterliche Strategie der Kommunistischen Partei kann nicht von ein paar in einem Raum sitzenden Individuen hervorgebracht werden; sie muss aus dem Prozess des Massenkampfes entstehen, das heißt, sie kann nur aus der praktischen Erfahrung abgeleitet werden.“[8] Dieses Verständnis beantwortet wissenschaftlich, woher die revolutionäre Theorie des Marxismus kommt und wie die marxistische Theorie „vorbereitet“ wird. Die Theorie geht aus der Praxis hervor, und ihre Bedeutung liegt in der Beantwortung der von der Praxis aufgeworfenen Fragen. Die enge Verflechtung von Theorie und Praxis ist die Quelle und die Triebkraft in der Entwicklung des Lebens des Marxismus. Deshalb haben die Begründer des Marxismus immer wieder darauf hingewiesen, dass die theoretischen Prinzipien der Kommunisten „tatsächliche Verhältnisse sind, die aus einem bestehenden Klassenkampf, aus einer historischen Bewegung, die unter unseren Augen vor sich geht, hervorgehen.“[9] und dass „die praktische Anwendung der Prinzipien, wie das Manifest selbst sagt, überall und zu allen Zeiten von den gegenwärtig bestehenden historischen Bedingungen abhängen wird“[10]. Wir sollten es nicht „in doktrinärer und dogmatischer Weise als etwas behandeln, das was einmal mechanisch gelernt wurde ausreichend ist für diesen oder jeden Zweck“.[11] Der Marxismus ist kein Dogma, sondern ein Leitfaden für das Handeln.
Die Aufgaben der Revolution und des Aufbaus des Sozialismus und des Kommunismus in China und in der Welt sind noch nicht alle erfüllt, im Gegenteil, es liegt noch ein langer Weg vor uns. Es besteht kein Zweifel: Wenn wir unser Leben nicht wie Marx und Lenin leben, „auf die eine oder andere Weise zum Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der staatlichen Institutionen, die sie ins Leben gerufen hat, beitragen, zur Befreiung des modernen Proletariats“, sondern uns vom revolutionären Kampf des Proletariats als Alternative zum Kapitalismus, von der konkreten Praxis der sozialistischen Revolution und des sozialistischen Aufbaus, in der die breiten Volksmassen die Hauptstütze sind, abkoppeln und den Marxismus-Leninismus nur hinter verschlossenen Türen studieren, dann wird der Marxismus-Leninismus zu einer leblosen Antiquität. Mehr noch: Er könnte sogar zu seinem Gegenteil führen.
Um sich von zahllosen Formen der Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien und allen Arten von Leid zu entgehen, hat die Menschheit Jahrtausende lang Entbehrungen auf sich genommen und dennoch nie aufgehört, nach einem „idealen Staat“ und einer „idealen Welt“ zu streben. Selbst die modernen bürgerlichen Ökonomen und die großen utopischen Kritiker des Sozialismus haben, obwohl sie Anerkennung für all ihre Studien verdient haben, während sie im Dunkeln tappten, keinen wirksamen Weg zur idealen Gesellschaft entdecken können, haben ihn nicht gefunden. Vor dem Aufkommen des Marxismus wurde das Proletariat von bürgerlichen Gelehrten und utopischen Sozialismuskritikern bestenfalls als eine zutiefst bedauernswerte und mitleidswürdige Schicht behandelt, als eine Schar von Armen, denen einige soziale Philanthropen Almosen gaben oder die der Barmherzigkeit bedurften. Selbst den hartnäckigen genossenschaftlichen Reformern, wie den englischen Oweniten, die versuchten die schlechten Bedingungen der Arbeiter zu ändern, gelang es letztendlich nicht, für das Proletariat einen schnellen Ausweg aus seiner Misere zu finden. Ihrer Meinung nach waren diese schlechten Bedingungen durch das irrationale Produktionssystem verursacht, weshalb sie neue soziale Pilotprojekte angingenwie die Rational Society, wie Harmony Hall, die Rochdale Pioneers Cooperative usw.Doch sie hatten weder das Wesen der Lohnsklaverei im kapitalistischen System vollständig dargelegt noch die Gesetze der kapitalistischen Entwicklung vollständig entdeckt und waren somit nicht in der Lage, die sozialen Kräfte zu entdecken, die in der Lage sind, Schöpfer einer neuen Gesellschaft zu werden. Der Marxismus hat eine vollständige Revolution im Bereich des menschlichen Denkens herbeigeführt. Marx und Engels haben den Materialismus übernommen und weiterentwickelt, indem sie seine Anwendung von der Erkenntnis der Natur auf die Erkenntnis der menschlichen Gesellschaft ausdehnten und den Materialismus bis zum Ende verfolgten. Der von ihnen entdeckte und begründete historische Materialismus ist eine der größten Errungenschaften des wissenschaftlichen Denkens, da er das Chaos und die Willkür, die bis dahin in den Ansichten über Geschichte und Politik geherrscht hatten, durch eine bestechend ganzheitliche und harmonische Wissenschaftstheorie ersetzt hat.[12] Der historische Materialismus enthüllt und verdeutlicht die einfache Tatsache, die lange Zeit durch ein Wirrwarr von Ideologien verdunkelt wurde, dass die Menschheit zuerst essen, trinken, Unterkunft und Kleidung haben muss, bevor sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. betreiben kann; dass also die Produktion der unmittelbaren materiellen Mittel und folglich der Grad der wirtschaftlichen Entwicklung, den ein bestimmtes Volk oder eine bestimmte Epoche erreicht hat, die Grundlage bilden, auf der die staatlichen Institutionen, die Rechtsauffassungen, die Kunst und sogar die religiösen Ideen des Volkes entwickelt worden sind.[13] Mit der Methode des historischen Materialismus untersuchten Marx und Engels die gesamte Geschichte der Menschheit und ihres gesellschaftlichen Lebens, entdeckten den in der Warenproduktion verborgenen Mehrwert, lüfteten das Geheimnis der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital und entdeckten so die Bewegungsgesetze der modernen kapitalistischen Produktion und der von ihr hervorgebrachten bürgerlichen Gesellschaft, indem sie klarstellten, dass „die ganze Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen, von Kämpfen zwischen ausgebeuteten und ausbeutenden, zwischen beherrschten und beherrschenden Klassen auf verschiedenen Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung gewesen ist; dass dieser Kampf jedoch jetzt ein Stadium erreicht hat, in dem die ausgebeutete und unterdrückte Klasse (das Proletariat) sich nicht mehr von der Klasse, die sie ausbeutet und unterdrückt (die Bourgeoisie), emanzipieren kann, ohne gleichzeitig die gesamte Gesellschaft für immer von Ausbeutung, Unterdrückung und Klassenkämpfen zu befreien.“[14]
1872, im ersten Jahr nach dem Scheitern der Pariser Kommune und angesichts einer mächtigen kapitalistischen Welt, in der das Kapital die Arbeit besiegt hatte, gab Marx den ersten Band des Kapital neu heraus und erklärte öffentlich, das Kapital sei eine gnadenlose Kritik des Kapitals. Es „vertritt eine Klasse, deren Berufung in der Geschichte der Sturz der kapitalistischen Produktionsweise und die endgültige Abschaffung aller Klassen ist – das Proletariat.“[15] Ausgehend vom Standpunkt des Proletariats, von einer verborgenen Tatsache des kapitalistischen Gesellschaftslebens, sahen Marx und Engels eine Entwicklungstendenz, die keine Kraft aufhalten konnte, nämlich dass „das Proletariat nicht nur eine leidende Klasse ist; dass es in der Tat die unwürdige wirtschaftliche Lage des Proletariats ist, die es unwiderstehlich vorwärts treibt und es zwingt, für seine endgültige Emanzipation zu kämpfen. Und das kämpfende Proletariat wird sich selbst helfen. Die politische Bewegung der Arbeiterklasse wird die Arbeiter unweigerlich zu der Erkenntnis führen, dass ihre einzige Rettung im Sozialismus liegt. Andererseits wird der Sozialismus nur dann eine Kraft werden, wenn er zum Ziel des politischen Kampfes der Arbeiterklasse wird.“[16] Als eine Gruppe von sozialen Träumern, ja sogar von einigen Genies, die außerhalb der Massenbewegung der Arbeiter standen, meinte, man müsse nur die Herrschenden und die herrschenden Klassen von der Ungerechtigkeit der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung überzeugen, dann wäre es ein Leichtes, ein wahrhaft menschliches System des Friedens, der Harmonie, der Freiheit, der Fairness, der Gerechtigkeit und des Wohlstands auf der Erde zu etablieren. Als diese Leute von einem Sozialismus ohne Kampf träumten, waren es Marx und Engels, die darauf hinwiesen, dass die Arbeiterklasse und ihre Forderungen eine notwendige Folge des gegenwärtigen Wirtschaftssystems sind, das zusammen mit der Bourgeoisie zwangsläufig das Proletariat hervorbringt und organisiert. Dass nicht die wohlmeinenden Bemühungen edelgesinnter Einzelner, sondern der Klassenkampf des organisierten Proletariats die Menschheit von den Übeln, die sie jetzt unterdrücken, befreien werden. Dass der Sozialismus keine Erfindung von Träumern ist, sondern das Endziel und notwendige Ergebnis der Entwicklung der Produktivkräfte in der modernen Gesellschaft. Dass die gesamte bisherige Geschichte eine Geschichte des Klassenkampfs, der Abfolge der Herrschaft und des Sieges bestimmter sozialer Klassen über andere ist. Dass dies so lange andauern wird, bis die Grundlagen des Klassenkampfes und der Klassenherrschaft – das Privateigentum und die Anarchie der gesellschaftlichen Produktion – verschwunden sind. Dass die Interessen des Proletariats die Zerstörung dieser Grundlagen erforderlich macht, und deshalb der bewußte Klassenkampf der organisierten Arbeiter dagegen gerichtet sein muss.[17] Die Abschaffung des Privateigentums und der damit verbundenen Konzepte ist das, was das Manifest der Kommunistischen Partei als den wesentlichen Unterschied zwischen der kommunistischen Bewegung und anderen sozialen Bewegungen hervorhebt.
Der historische Materialismus und die Mehrwerttheorie sind zwei epochale historische Beiträge von Marx und Engels für die Menschheit. Die philosophisch materialistische Weltanschauung des Marxismus hat das Proletariat von der geistigen Sklaverei der betrügerischen Bourgeoisie befreit, während die ökonomische Theorie des Marxismus die wahre Stellung des Proletariats im allgemeinen System des Kapitalismus erklärt hat[18] und so „die Arbeiterklasse gelehrt hat, sich selbst zu erkennen und sich ihrer selbst bewusst zu sein, und die Wissenschaft an die Stelle der Träume gesetzt hat“[19].
Der Marxismus-Leninismus ist die theoretische Grundlage aller Leitgedanken des chinesischen Volkes und der KPCh. Die vollständige materialistische philosophische Weltanschauung, die sich aus dem dialektischen Materialismus und dem historischen Materialismus zusammensetzt, ist die theoretische Grundlage des Marxismus-Leninismus. Die Beherrschung dieser theoretischen Grundlage ist entscheidend und unverzichtbar, um sich zum Marxismus-Leninismus zu bekennen.
In den 1960er Jahren äußerte sich Mao Zedong zu akademischen Materialien, die von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der KPCh zusammengestellt worden waren: „Ohne die Beschäftigung mit der Philosophie kann unsere Arbeit nicht gelingen.“[20] Dies ist das erste Mal in der Geschichte des marxistischen Denkens, dass die Beschäftigung mit der Philosophie, die Verbesserung des philosophischen Denkens und der analytischen Fähigkeiten mit dem Erfolg oder Misserfolg der kommunistischen Sache in Verbindung gebracht werden. Als Mao Zedong diese Behauptung aufstellte und sie vor der gesamten Partei verkündete, hat er nicht übertrieben, sondern eine Lehre aus der Geschichte der internationalen kommunistischen Bewegung und der chinesischen Revolution gezogen. Die sozialistische Bewegung der Zweiten Internationale, die sich ab den 1880er Jahren entwickelte, erreichte ihren Höhepunkt in den 1890er Jahren und ging zu Beginn des 20. Jahrhunderts Bankrott. Dieses historische Ende begann damit, dass die Führer der Zweiten Internationale, angeführt von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die philosophisch-materialistische Weltanschauung des Marxismus veränderten und verrieten. Nach Engels Tod starteten bürgerliche Denker einen breiten Angriff auf die marxistische Philosophie. Damals wandten sich bürgerliche Professoren, vertreten durch Barthes und Simmel, offen gegen die materialistische Geschichtskonzeption. Sie verunglimpften und verfälschten die marxistische Auffassung des historischen Materialismus in einer Reihe von Fragen, die die Wechselbeziehung des gesellschaftlichen Bewusstseins, das durch das gesellschaftliche Sein bestimmt wird, die Gesetze (Gesetzmäßigkeiten) der Gesellschaft, die Rolle der Massen und des Individuums in der Geschichte, das Wesen und die Wechselwirkung der verschiedenen Formen des gesellschaftlichen Bewusstseins (Kunst, Religion), die relative Unabhängigkeit der Entwicklung des Denkens usw. betrafen. Die Argumente, mit denen die Gegner die marxistischen Ansichten konfrontierten, wurden von den Revisionisten der Zweiten Internationale unterstützt. Sie akzeptierten die idealistische Weltanschauung dieser Gegner, die vulgäre Evolutionstheorie und die Art und Weise, den historischen Materialismus zu „kritisieren“, vollständig. Die Revisionisten hatten sich an den Wagen des Idealismus gebunden und versuchten, jede Art von idealistischer Lehre mit dem Marxismus zu „versöhnen“. Eine Gruppe von Theoretikern der Zweiten Internationale, vertreten durch Bernstein, forderte die Rückkehr zu Kant und verkündete, dass der Marxismus mit dem Kantianismus und dem „Sozialdarwinismus“ versöhnt und mit dem Neokantianismus und dem Machismus verschmolzen werden sollte.
Lenin lieferte sich eine heftige Debatte mit den Theoretikern der Zweiten Internationale, wobei er sie gnadenlos bloßstellte und kritisierte: „Auf dem Gebiet der Philosophie folgte der Revisionismus der bürgerlichen professoralen ‚Wissenschaft‘ nach.“[21] Die philosophische Front ist eines der Schlachtfelder, auf denen die Bolschewiki unter der Führung von Lenin die Opportunisten der Zweiten Internationale erbittert bekämpften. In diesem Kampf, in dem es darum ging, die bürgerliche idealistische Philosophie zu kritisieren und die marxistische materialistische Philosophie zu verteidigen, schrieb Lenin mehrere philosophische Werke wie „Marxismus und Revisionismus“ und „Materialismus und Empiriokritizismus“, in denen er die bürgerliche idealistische Philosophie verwarf und die theoretischen Grundlagen der marxistischen Bewegung in Russland verteidigte. Im Gegensatz dazu „stießen die Angriffe der Revisionisten gegen die Theorie des Marxismus innerhalb der Zweiten Internationale oft auf keinen ernsthaften Widerstand. Revolutionäre Marxisten wie Paul Lafargue, Wilhelm Liebknecht und Franz Mehring unterschätzten die Gefahr, die von der revisionistischen Strömung und insbesondere von Bernsteins Kampf gegen den marxistischen Materialismus ausging. Paul Lafargue neigte dazu, Bernsteins ‚Kritik‘ am Marxismus als Folge seiner ‚intellektuellen Überforderung‘ zu betrachten. Wilhelm Liebknecht sprach vom Bernsteinianismus als einer intellektuellen Strömung, die nicht berücksichtigt werden sollte. Franz Mehring vertrat die Auffassung, dass der Revisionismus nicht durch die sozialen und historischen Bedingungen der Entwicklung der Arbeiterbewegung hervorgerufen wurde. ‚Der Revisionismus ist in Deutschland nie mehr als eine Stimmung gewesen’, schrieb er.“[22] Wie konnten die revolutionären Marxisten innerhalb der Zweiten Internationale mit einer solchen philosophischen Vision und einem solchen ideologischen Niveau den Kampf gegen das revisionistische Denken nicht verlieren? Der Bankrott der Zweiten Internationale ist ein typischer Fall für Mao Zedongs Aussage, dass „unsere Arbeit nicht gelingen kann, wenn wir uns nicht auf die Philosophie beziehen“. Die vergangenen Praktiken und historischen Erfahrungen des scharfen philosophischen Kampfes zwischen Lenin und dem Revisionismus der Zweiten Internationale sind das, worüber wir chinesische Marxisten nachdenken und Lehren daraus ziehen sollten, wenn wir den Marxismus-Leninismus studieren.
Die chinesischen Kommunisten, die von Mao Zedong repräsentiert werden, haben den Kampfstil und das ideologische Erbe des Leninismus gelernt und geerbt, um die marxistische theoretische Grundlage zu verteidigen, und sie haben die Vermittlung und Popularisierung der marxistischen Weltanschauung innerhalb der KPCh stets als einen wichtigen Aspekt des Parteiaufbaus betrachtet, was nicht übersehen werden sollte. Bereits in der Pionierzeit des revolutionären Krieges Anfang der 1930er Jahre schrieb Mao Zedong den Artikel „Gegen die Buchgläubigkeit“, um zu verhindern, dass der Dogmatismus den Aufbau der revolutionären Basisgebiete beeinträchtigt. Er wies darauf hin, dass „wir den Idealismus ausrotten und uns vor allen opportunistischen und putschistischen Irrtümern hüten müssen, bevor es uns gelingen kann, die Massen zu gewinnen und den Feind zu besiegen. Der einzige Weg, den Idealismus auszurotten, besteht darin, sich anzustrengen und die tatsächliche Situation zu untersuchen“, und er gab die Parole aus: „Keine Untersuchung, kein Recht zu etwas zu sagen“.[23] Anlässlich des Ausbruchs des Widerstandskrieges gegen die japanische Aggression schrieb Mao Zedong sorgfältig die berühmten Abhandlungen Über die Praxis und Über den Widerspruch, die die Grundlage der philosophischen Theorie für die ideologische Umgestaltung der gesamten Partei und die Formulierung neuer Strategien und Taktiken bildeten.
Eine Gemeinsamkeit zwischen Lenin und Mao Zedong besteht darin, dass sie der Prüfung marxistischer Methoden große Bedeutung beimessen. Lenin betonte: „Die Marxisten entlehnen der Marxschen Theorie vorbehaltlos nur die wertvollsten Methoden, ohne die eine Aufklärung der gesellschaftlichen Verhältnisse nicht möglich ist.“[24]
In den Jahren des harten Kampfes Mao Zedongs um die Führung der Revolution und den Aufbau der KPCh widmete er der Innovation und dem Aufbau der Denk- und Arbeitsmethoden der KPCh besondere Aufmerksamkeit. Er formulierte und diskutierte persönlich die Verabschiedung des ersten „Beschlusses des Zentralkomitees der KPCh über Arbeitsmethoden“. Er schrieb eine Reihe von methodologischen Werken über Politik, Wirtschaft, Militär und Gesellschaft, wie z. B. „Über die Berichtigung falscher Ansichten in der Partei», „Wie man die Klassen in den ländlichen Gebieten unterscheidet», „Kümmern wir uns um das Alltagsleben der Volksmassen, achten wir auf die Arbeitsmethoden», „Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China» „Einige Fragen zu den Methoden der Führung», „Arbeitsmethoden der Parteikomitees» und „Sechzig Punkte zu den Arbeitsmethoden» usw. Mao Zedong wusste, dass die Methode vor allem in der Philosophie keine Kleinigkeit war, denn die Methode ist die Seele jedes philosophischen Systems und hat in jedem ernsthaften System eine entscheidende Bedeutung.[25]
Nach der Gründung der Volksrepublik China förderte Mao Zedong das Studium der marxistischen Philosophie und verlieh ihr im Rahmen des sozialistischen Aufbaus und der Entwicklung einen höheren Stellenwert. Im Jahr 1955, als die sozialistische Revolution und der sozialistische Aufbau allseitig vorangetrieben wurden, sprach Mao Zedong auf dem Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinas die Frage der Schaffung einer gemeinsamen Sprache für die gesamte Partei und die gesamte Nation klar an und wies deutlich darauf hin: „Ich empfehle euch Genossen, Philosophie zu lesen. Viele Menschen interessieren sich nicht für Philosophie und haben sich nicht angewöhnt, sie zu lesen. Sie können mit der Lektüre von Flugblättern oder kurzen Artikeln beginnen und, nachdem ihr Interesse geweckt ist, Bücher mit einer Länge von 70.000 und 80.000, später sogar mehreren hunderttausend Wörtern in Angriff nehmen. Der Marxismus besteht aus mehreren Wissenszweigen: Marxistische Philosophie, marxistische politische Ökonomie und marxistischer Sozialismus, d.h. die Theorie des Klassenkampfes, aber die Grundlage ist die marxistische Philosophie. Wenn man das nicht begreift, hat man weder eine gemeinsame Sprache noch eine gemeinsame Methode, und man kann weiter hin- und herdiskutieren, ohne die Dinge klarer zu machen. Wenn man den dialektischen Materialismus begriffen hat, wird man sich viel Ärger ersparen und viele Fehler vermeiden können.“ Mao Zedong rief die gesamte Partei auf, „einen Plan für die Bildung eines solchen Korps mit mehreren Millionen Menschen auszuarbeiten, die das Studium des dialektischen Materialismus und des historischen Materialismus, der theoretischen Grundlage des Marxismus, aufnehmen und alle Schattierungen des Idealismus und des mechanischen Materialismus bekämpfen. Gegenwärtig gibt es viele Kader, die theoretische Arbeit leisten, aber es gibt immer noch kein Korps von Theoretikern, geschweige denn ein starkes Korps. Ohne ein solches Korps kann die Sache der gesamten Partei, die sozialistische Industrialisierung und die sozialistische Umgestaltung unseres Landes, die Modernisierung unserer Landesverteidigung und unsere Forschung im Bereich der Atomenergie nicht vorankommen oder gelingen.“[26]
Die Philosophie ist der Grundstein für die Entstehung und Entwicklung des nationalen Denkens und die direkte Verkörperung der Fähigkeit einer Nation zum theoretischen Denken. Die Geschichte des menschlichen Denkens zeigt, dass die Philosophie die Nahrung und der Anstoß ist, der die Menschen von Zuschauern zu Akteuren macht; eine Nation ohne fortgeschrittene Philosophie ist eine Nation ohne Zukunft. Auf der Grundlage seiner Beherrschung und Anwendung der Denkmethode des marxistischen dialektischen und historischen Materialismus erschloss Lenin den Bereich ihrer wissenschaftlichen Anwendung und schuf so den Leninismus, der zum Sieg der Großen Oktoberrevolution und zur Eröffnung einer neuen Ära in der Entwicklung der menschlichen Geschichte führte. Die Geschichte der Reduzierung Chinas auf eine Halbkolonie ist auch die Geschichte des Niedergangs der chinesischen Philosophie und der chinesischen Fähigkeiten. China war eine Nation, die reich an Philosophie war und ein stolzes und großartiges Erbe besaß. Doch im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert befand sich China bereits in einer Situation, in der, wie es heißt, „es schwierig ist, dem Tang-Staat nur mit einer Hand zu helfen“ und „alter Mann vergießt Tränen im Angesicht der Trommel und der Hornlampe“.[27] Die Armut des Landes und die Gefährdung der Nation zwangen Chinas intellektuelle Gemeinschaft, „Nieder mit dem Kongjiadian (spekulativer Konfuzianismus)“ zu rufen und wütend ihre eigenen „Ahnengräber“„ zu schaufeln! Zu dieser Zeit war die chinesische Philosophie, die durch die Verehrung von Konfuzius und die Befürwortung alter Riten repräsentiert wurde, kein Rivale mehr für den westlichen Kapitalismus. Sie war nicht nur nicht in der Lage, die Nation voranzubringen, sondern ging auch eine „kulturreaktionäre Allianz“ mit dem Imperialismus ein und lehnte neue Gedanken und neue Kulturen ab. Die Weltgeschichte hat wiederholt gezeigt, dass im Zeitalter der imperialistischen Expansion und Herrschaft der Aufstieg und Fall der Philosophie und der Aufstieg und Fall der Nation eng miteinander verbunden sind. Die Erfahrung des Leninismus in Sowjetrussland ist auch die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Sowjetunion. Die tragischen Realitäten in Jugoslawien und anderen Ländern sind stets Fußnoten in der Geschichte von Ruhm und Schande der Philosophie.
Die Entwicklungs- und Theoriegeschichte des Marxismus zeigt ein solches Phänomen in der Konstruktion und Innovation des theoretischen Denkens: „Ohne Dialektik, ohne den Geist eines Philosophen, ist es für einen Schriftsteller unmöglich, ein gutes ökonomisches Werk zu schreiben. Marx konnte das ‚Kapital‘ und Lenin den ‚Imperialismus‘ schreiben, weil beide Philosophen waren, ausgestattet mit dem Geist eines Philosophen und der Waffe der Dialektik“.[28] Methodische Innovationen sind das Kennzeichen für die Entstehung und Entwicklung einer philosophischen Idee oder eines Systems. Die vollständige philosophisch-materialistische Weltanschauung des Marxismus ist ein großartiges Werkzeug der Erkenntnis. Marx gab der Menschheit, insbesondere der Arbeiterklasse, dieses großartige Werkzeug in die Hand und zeigte ihr, wie sie sich aus der intellektuellen Knechtschaft befreien kann, unter der alle unterdrückten Klassen bis heute gelitten haben. Der Marxismus-Leninismus ist ein großes Werkzeug der Erkenntnis, ein Fernrohr und Mikroskop für das Proletariat, um die Welt zu beobachten und zu verändern.
(Fortsetzung folgt)
1 WORLD MARXIST REVIEW 2024, VOL. 1, NO. 1, 5-30 dx.doi.org/10.62834/ys15be11 – verlegt von CANUT-PRESS
2 Mao Zedong. 1999. Gesammelte Werke, Bd. 6. Peking: People’s Press, S. 350
3 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 24. London: Lawrence & Wishart S. 468-469
4 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 6. London: Lawrence & Wishart, S. 498
5 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 24. London: Lawrence & Wishart, S. 325
6 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 24. London: Lawrence & Wishart, S. 325
7 Lenin 2009. Thematische Sammlung von Lenin, Bd. 1: Über den Marxismus. Beijing: People’s Press, S. 148
8 Mao Zedong. 1991. Ausgewählte Werke, Bd. 1. Beijing: People’s Press, S. 115
9 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 6. London: Lawrence & Wishart, S. 498
10 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 26. London: Lawrence & Wishart, S. 518
11 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol 47. London: Lawrence & Wishart, S. 531-532
12 Lenin 2009. Thematische Sammlung von Lenin, Bd. 1: Über den Marxismus. Beijing: People’s Press, S. 68
13 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 24. London: Lawrence & Wishart, S. 467-468
14 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 26. London: Lawrence & Wishart, S. 118
15 Marx, K., F. Engels. 2010. Marx/Engels Collected Works, Vol. 35. London: Lawrence & Wishart, S. 16
16 Lenin 2009. Thematische Sammlung von Lenin, Bd. 1: Über den Marxismus. Beijing: People’s Press, S. 55
17 Ebd., S. 52
18 Ebd., S. 71
19 Ebd., S. 53
20 Mao Zedong 1996. Manuskripte von Mao Zedong seit der Gründung der Volksrepublik. Beijing: Central Literature Publishing House, S. 148
21 Lenin 2009. Thematische Sammlung von Lenin, Bd. 1: Über den Marxismus. Beijing: People’s Press, S. 150
22 Chagin, B. A., 1976. Ausgewählte philosophische Werke von Georgi Plechanow, Bd. 2. Moskau: Progress Publishers, S. 10
23 Mao Zedong 1991. Ausgewählte Werke, Bd. 1. Beijing: People’s Press, S. 112 und 109
24 Lenin 2009. Thematische Sammlung von Lenin, Bd. 1: Über den Marxismus. Beijing: People’s Press, S. 300
25 Mao Zedong 1991. Ausgewählte Werke, Bd. 5. Peking: People’s Press, S. 160
26 Mao Zedong 1999. Gesammelte Werke, Bd. 6. Peking: People’s Press, S. 396
27 Yan Suicheng (Qing-Dynastie): Sanchuigang. 1996. in Manuskripte von Mao Zedong seit der Gründung der Volksrepublik, Bd. 10. Beijing: Central Literature Publishing House, S. 225 Wohl in dem Sinn zu verstehen:Mit halber Kraft ist keine Rettung mehr möglich und Jammern, wie früherdoch alles besser war ...
28 Mao Zedong. 1999. Gesammelte Werke, Bd. 8. Peking: People’s Press, S. 140