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Solidarität

Über Schuld und Schulden – 175 Jahre deutsche Eisenbahn

Am 27. Juni eröffnete die Deutsche Bahn in Kiel die Feierlichkeiten zu 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland. „Seit 175 Jahren bringt die Eisenbahn Menschen zusammen, das wollen wir feiern“, sagte der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube im Vorfeld.

Im Laufe des Jahres sollen weitere bunte Bahnhofsfeste in mindestens 15 Großstädten folgen.

„Schuld und Schulden“

Während die DB AG in Kiel feiern ließ, gedachten die überlebenden Opfer der Mordbeihilfe des DB Vorgängers: Im Juli genau vor 68 Jahren wurden aus Kiel (und Hamburg) über 1.500 Menschen mit der „Reichsbahn“ deportiert. Die Waggons fuhren in das KZ Theresienstadt (Terezin). Insgesamt mehr als 3 Millionen Gefangene lieferte der DB-Vorgänger dem Tod aus. Die „Deutsche Reichsbahn“ bereicherte sich an den Transporten. Die Beihilfe des Staatsunternehmens, dessen Erbin die Bundesrepublik Deutschland ist, wurde nie gesühnt. Noch immer warten Opfer auf ein öffentliches Schuldbekenntnis der „Reichsbahn“-Nachfolger – ebenso wie die Begleichung der Schulden. Sie betragen 445 Millionen Euro heutiger Währung.“ (www.zug-der-erinnerung.eu)

Seit Jahrzehnten wurden die Restitution der Überlebenden und das Gedenken an die Verbrechen verweigert.

Erst jetzt nachdem sich erneut Überlebende an die Öffentlichkeit wandten, kommt „Bewegung“ in die Sache.

Die letzten wenigen Überlebenden der „Reichsbahn“ Deportationen sollen entschädigt werden.

Es ist unsere Aufgabe, genau aufzupassen, dass es nicht doch noch bei leeren Worten bleibt und mal wieder auf den Faktor Zeit gesetzt wird.

Gemeinsame Erklärung der internationalen und nationalen Organisationen der ehemaligen NS-Opfer

(Warschauer Erklärung)

Vor 65 Jahren kapitulierte Nazi-Deutschland. Integraler Bestandteil des NS-Zwangsregimes war die „Deutsche Reichsbahn“. Sie verschleppte Millionen Menschen aus ganz Europa in den Tod oder in ein Sklavendasein. Ohne die „Deutsche Reichsbahn“ und ihre Massentransporte wären die Morde, die Ausbeutung und die unmenschlichen Leiden der Opfer unmöglich gewesen. Die Wagen der „Deutschen Reichsbahn“ wurden für Hunderttausende zu rollenden Särgen.

Wir sind Überlebende dieser Todestransporte. Für unseren Weg in Vertreibung, Gefangenschaft und Vernichtung hat die „Deutsche Reichsbahn“ Kilometer für Kilometer Gebühren erhoben. An den Massenverbrechen hat sie sich bereichert.

Auch 65 Jahre danach ist die Verbrechensbeihilfe der „Deutschen Reichsbahn“ nicht abgegolten. Eine angemessene Ehrung der Millionen, die von den Transporten mit der „Deutschen Reichsbahn“ nicht zurückkehrten, wäre längst an der Zeit gewesen. Den bedürftigen Überlebenden zu helfen, sollte selbstverständlich sein.

In diesem Jahr feiern die „Reichsbahn“-Erben ihr 175. Jubiläum. Es ist höchste Zeit, dass sie sich der eigenen Geschichte stellen. Die historischen Nachfolger der „Deutschen Reichsbahn“ müssen ihrer moralischen und finanziellen Pflicht endlich nachkommen.

Wir appellieren an die deutsche und internationale Öffentlichkeit, sich an die Seite der Überlebenden zu stellen und für Aussöhnung und Gerechtigkeit einzutreten.

Warschau, den 26. März 2010

Weißrussland: Nina A. Lycz, Weißrussische Vereinigung ehemaliger Minderjähriger NS-Häftlinge Michail A. Treister, Weißrussische Gesellschaftliche Organisation der Juden – Ghetto- und NS-Konzentrationslagerhäftlinge Elwina Siemakowa, Weißrussische Gesellschaftliche Organisation der „Ostarbeiter“ Aleksanda W. Borisowa, Weißrussische Vereinigung ehemaliger Häftlinge Deutscher Konzentrationslager und Antifaschistischer Widerstandskämpfer während des Krieges

Polen: Józef Sowa, Vereinigung der durch das Dritte Reich Geschädigten Polen Stanislaw Zalewski, Polnischer Verband ehemaliger Politischer Häftlinge der NS-Gefängnisse und Konzentrationslager Tomasz Miedzinski, Vereinigung der Jüdischen Kombattanten und Geschädigten im Zweiten Weltkrieg Czeslaw Cywinski, Weltverband der Soldaten der Heimatarmee Edmund Baranowski, Verband der Warschauer Aufständischen Dionizy Smyk, Rat der Kombattanten und Verfolgten in Kleinpolen, Polnischer Verband der Soldaten der Bauernbataillone, Abteilung in Krakow Benedykt Wietrzykowski, Vereinigung der Ausgesiedelten aus Gdynia Zdzislaw Rakoczy, Vereinigung der ehemaligen Polnischen Politischer Häftlinge, Abteilung in Kleinpolen, Krakau Edward Szczesniak, Vereinigung der „Grauen Reihen” [konspirative Pfadfinderbewegung] in Warschau Jerzy J. Kowalewski, Gesellschaft zur Pflege des Andenkens an Auschwitz, Abteilung in Warschau Roman Kwiatkowski, Vereinigung der Sinti und Roma in Polen Wlodzimierz Woloszynski, Vereinigung der Kriegskinder in Polen

Russland: Nikolai A. Makhutow, Internationaler Verband der minderjährigen NS-Opfer Nikolai Dorozynski, Russischer Verband der minderjährigen NS-Häftlinge

Ukraine: Markian D. Demidow, Ukrainischer Verband der Häftlinge – Opfer des Nazismus Dr. Boris Zabarko, Ukrainischer Verband der Juden – ehemaliger Ghetto- und NS-Konzentrationslagerhäftlinge Witalij Kaczanowski, Organisation der Antifaschistischen Widerstandsbewegung

Die Kommunistische Arbeiterzeitung fordert Euch auf:
Unterstützt die Warschauer Erklärung und unterschreibt den Appell!
(www.zug-der-erinnerung.eu)

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