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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Marxistische Ökonomen tagten in Berlin

Zum 13. Forum der WAPE (World Association for Political Economy = Welt-Assoziation für Politische Ökonomie) kamen in Berlin vom 16. bis 18. Juli etwa 150 marxistische Wissenschaftler aus aller Welt zusammen. Ausschlaggebend für den Tagungsort Berlin waren der 200. Geburtstag von Karl Marx sowie der bevorstehende 100. Jahrestag der Ermordung Rosa Luxemburgs. Demgemäß war als Thema der Konferenz gewählt: „Karl Marx und Rosa Luxemburg: Denken, Vermächtnis und heutige Bedeutung.“

Inspiriert wurde die Gründung der WAPE 2006 von Prof. Cheng Enfu von der Akademie für Marxismus der CASS (Chinese Academy of Social Sciences= Chinesische Akademie der Gesellschaftswissenschaften), dem heutigen Vorsitzenden von WAPE. Die Bedeutung einer verstärkten marxistischen Theorieforschung war durch Hu Jintao, dem damaligen Vorsitzenden der KP China, auf einer Tagung des Politbüros im Mai 2005 unterstrichen worden. Dazu sollte der Austausch mit westlichen Marxisten organisiert und gefördert werden. Corell und weitere Genossen aus dem Umkreis der KAZ hatten 2010 mit der WAPE Kontakt hergestellt im Zusammenhang mit der Arbeit an der KAZ-Artikelserie bzw. dem Buch „Die Große Proletarische Kulturrevolution – Chinas Kampf um den Sozialismus”. Sie wurden zum Forum in Suzhou/VR China eingeladen. Die Treffen und der Austausch mit den Freunden und Genossen der WAPE erwies sich als fruchtbar, auch weil hier die ideologischen Waffen des Marxismus- Leninismus geschärft werden in der Auseinandersetzung mit neuen pseudo-marxistischen Tendenzen. Genossen aus sozialistischen Ländern, aus imperialistischen Ländern und aus unterdrückten Nationen lernen in der kritischen Auseinandersetzung voneinander.

Beim diesjährigen Forum war deshalb auch die starke Präsenz von Wissenschaftlern aus der VR China und Indien hervorstechend. Die chinesischen Teilnehmer berichteten über die Auseinandersetzungen vor allem mit neoliberaler Ideologie in ihrem Land und leisteten facettenreiche Beiträge, um deren Einfluss zurückzudrängen. Zum hohen Niveau der chinesischen Teilnehmer hat sicher auch die Neuformierung bzw. Neuausrichtung von „Schulen des Marxismus“ an den Universitäten im Land beigetragen, die seit 2017 von Partei und Regierung verstärkt vorangetrieben werden.

Über zwanzig Teilnehmer aus Indien ermöglichten durch ihre Vorträge einen Einblick in die Probleme des Riesenlands und seine Klassenkämpfe, die zu ihrer Lösung ausgefochten werden. Gerade in Indien, wurde hervorgehoben, ist die Klassenfrage vielfach überdeckt durch krasse Segmentierung in Kasten, Religionsgemeinschaften, Ethnien u.a. In der Vorbereitung der Konferenz war vier indischen Teilnehmern das Visum zur Einreise in die BRD durch die deutsche Botschaft in Neu-Delhi verwehrt worden. Nach hartnäckigen Interventionen bei Botschaft und Außenministerium – nicht zuletzt durch Gesine Lötzsch (PDL) – wurden schließlich die Visa erteilt und drei der „Verbotenen“ konnten schließlich doch noch am Forum teilnehmen.

Weitere Teilnehmer kamen aus Japan, den USA, Lateinamerika, Australien, Russland, Israel und aus vielen Ländern Europas, darunter Jenny Clegg, Jean-Claude Delauney, Henri Houben. Über 20 kamen aus der BRD aus dem Spektrum PDL, DKP und Kommunistische Arbeiterzeitung, darunter eines der Gründungsmitglieder von WAPE, Prof. Dr. Eike Kopf. Die deutsche Vizepräsidentin von WAPE, Prof. Christa Luft, war entschuldigt.

Vor dem eigentlichen Programm war eine Stadtführung geboten, die u.a. an die Humboldt-Universität führte, an der Marx studiert hatte. Zum Abschluss legten die Teilnehmer auf dem Friedhof der Sozialisten rote Nelken auf die Gräber von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Ernst Thälmann u.a.

Das Forum in Berlin wurde eröffnet mit dem Pflanzen eines Ginkgo-Baumes auf dem Gelände der gastgebenden Hochschule für Wirtschaft und Recht. Conny Renkl trug in deutsch und englisch das wunderbare Gedicht von Goethe, „Ginkgo Biloba“ aus dem „West-östlichen Diwan“ vor, ein Schmankerl der Dialektik und eine Liebeserklärung an die Zusammengehörigkeit von Orient und Okzident. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Prof. Cheng kamen die Vertreter der Hochschule und des dort angesiedelten Instituts für Internationale Politische Ökonomie zu Wort. Es folgten Vertreter der unterstützenden Organisationen, der Marx-Engels-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Nach ihnen kam auch Hans-Peter Brenner, der stellvertretende Vorsitzende der DKP, zu einem gehaltvollen Grußwort ans Rednerpult. Die Medienpartnerschaft hatte die jungeWelt übernommen (s. auch den Bericht von Arnold Schölzel)

Die Diskussionen in den Panels spiegelten auch die unterschiedlichen Strömungen in der Linken „im ökonomischen Gewand“: Versöhnung mit dem Keynesianismus oder der neu angestrichene Reformismus, jetzt Transform genannt, oder auch seminarmarxistische und trotzkistische Einflüsse waren erkennbar, mit denen sich die marxistisch-leninistisch orientierten Kräfte zu messen hatten. Klare Grenzen ziehen und solidarisch sich auseinandersetzen, die Widersprüche anerkennen und sich entwickeln lassen, um sie fassbar zu machen – das war auf dieser Konferenz zu spüren.

Die Abschlusserklärung – siehe unten Kasten – ist ein Kompromiss. Sie enthält dennoch wertvolle Feststellungen zur Orientierung und schließt:

Marx wies darauf hin, dass der Kapitalismus nicht ewig dauern würde. Seine Widersprüche würden schließlich dazu führen, dass er durch eine höhere Gesellschaftsform ersetzt wird, in der der durch Arbeit geschaffene Reichtum unter allen geteilt wird, anstatt von einer kleinen wohlhabenden Klasse angeeignet zu werden. Dieser Übergang wird erreicht durch die Kämpfe der Opfer kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung. Diese Erwartung einer anderen Welt wird auch weiterhin viele Menschen auf der ganzen Welt anspornen.“

Den Abschluss des Forums gestalteten Gina und Frauke Pietsch mit ihrem fulminanten Programm zu Marx und Luxemburg, das mit dem gemeinsamen Singen der Internationale beendet wurde.

Nach dem erfolgreichen Abschluss dieses Forums wird die Gründung einer deutschen Sektion von WAPE geprüft. Bei Interesse bitte melden: herzog-schmidt@t-online.de

R. Corell

Wir trauern um den bekannten Ökonomen und Revolutionär Samir Amin. Als Mitglied von WAPE hatte er zuletzt noch an den Foren in Patjala/Indien (2016) und Moskau (2017) teilgenommen. In Patjala hatte der 1931 geborene Ägypter noch vorwärtsweisend zum Thema gesprochen: „Kommunisten, engagierte Revolutionäre wie Lenin und Mao konfrontiert mit den Herausforderungen der Geschichte“. (jungeWelt und KAZ berichteten). Er starb am 12. August 2018.

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