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KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Für das Verständnis der heutigen Krise und ihrer Gefahren unverzichtbar

Mehr als ein Buch zum Faschismus

Endlich, weil schon lange nicht mehr verfügbar (auch in Antiquariaten nicht), und gerade rechtzeitig erscheint:
Kurt Gossweiler, Der Putsch, der keiner war – Die Röhm-Affäre 1934 und der Richtungskampf im deutschen Faschismus[1]

Rechtzeitig, nicht nur weil sich heuer die Röhm-Affäre zum 75. Mal jährt, sondern weil in diesem Buch gründlich die Vorgänge im Deutschland der Weltwirtschaftskrise von 1929-32 und dabei insbesondere die Auseinandersetzungen im deutschen Finanzkapital zum Ban­kenkrach im Juli 1931 analysiert werden. Die damalige tiefe Krise erreichte einen Höhepunkt – daraus wird auch der Bezug zu Heute sehr deutlich – u.a. mit der Verstaatlichung der Dresdner Bank und der Commerz(- und Privat) Bank. (vgl. Kasten: Wiederholt sich Geschichte doch?)

Aus Gossweilers Analyse wird die Konstellation deutlich, die 1933 in Deutschland zur Machtübertragung an die Hitlerfaschisten und zum Massaker am 30. Juni 1934 und in den Tagen danach führte. Es regierte der Mord direkt geleitet von Hitler, Göring und Himmler, geschützt und gedeckt durch die Spitzen der Reichswehr, direkt beteiligt die Generäle von Reichenau und Blomberg. Und Hitler brüstete sich: „An diesem Tag war ich der oberste Richter des deutschen Volkes!“ Ermordet wurden u.a. Hitlers „Kampfgefährte“, der SA-Chef Ernst Röhm, der Vorgänger Hitlers als Reichskanzler, General Schleicher, und seine Frau und viele Weitere. Schätzungen sprechen von mindestens 7.000 Opfern überwiegend aus dem rechten und faschistischen Lager, aber auch die Ermordung Erich Mühsams und Morde an Juden fallen in jene Tage, in denen die SS sich einen Schritt weiter zur hinterhältigen und brutalen Massenvernichtungstruppe entwickelte.

Die bürgerliche Geschichtsschreibung und der unvermeidliche Guido Knopp betrachten diese Ereignisse unter dem engen Blickwinkel eines Machtkampfs innerhalb der Nazipartei, bestenfalls noch als eine Auseinandersetzung zwischen der Reichswehr und der SA. Solchen Nazigrößen wie Gregor Strasser und Röhm werden gar sozialistische Motive unterstellt und Vorbereitung zu einer zweiten „Revolution“.

Einheit und Kampf der Kapitalfraktionen (Überschriften von uns)

„Demnach könnte es scheinen, dass sich die Frage nach den Ursachen des scharfen Kampfes zwischen Deutscher Bank und Dresdner Bank einfach genug mit dem Hinweis auf die Gesetze des kapitalistischen Konkurrenzkampfes beantworten ließe. Doch wäre eine solche Antwort wegen ihrer Allgemeinheit wenig befriedigend. Den Schlüssel zum vollen Verständnis des Kampfes zwischen diesen beiden Banken, der hier geschildert werden wird, kann erst die Beantwortung der Frage liefern, welche Rolle diese beiden Banken im System des deutschen Imperialismus spielten; welche spezifischen Interessen in den von ihnen geführten Finanzgruppen vereinigt waren und welche von diesen Interessen den Ausschlag gaben. Bevor wir daran gehen, diese Fragen zu beantworten, ist es notwendig, einige allgemeine Ausführungen über die gegenseitigen Beziehungen der Großbanken und der verschiedenen Finanzgruppen voran zustellen. Bei einer Untersuchung der Gegensätze innerhalb der Monopolbourgeoisie kann es leicht geschehen, dass die Tatsache verwischt wird, dass trotz aller Gegensätze und feindlichen Gruppierungen es sich um Gegensätze und Gruppierungen innerhalb einer Einheit, in unserem Falle des deutschen Imperialismus, handelt, und dass das allen Gruppen Gemeinsame stärker und entscheidender ist als alle Differenzen. Deshalb wäre eine solche Vorstellung, dass die um die Großbanken als Mittelpunkt, sozusagen als ihre Zentralsonne, gebildeten Finanzgruppen in sich geschlossene und scharf abgegrenzte Gebilde darstellten, völlig falsch. Genau so falsch ist jedoch die entgegengesetzte Meinung, dass nämlich im Imperialismus die gegenseitige Verflechtung und Verfilzung der verschiedensten Interessen und Finanzgruppen so weit voran geschritten sei, dass es gar nicht mehr zur Herausbildung scharfer gegensätzlicher Gruppierungen kommen könne – eine Auffassung übrigens, die mit der Verstärkung der imperialistischen „Integrations“-Bestrebungen, besonders der EWG, von den alten und neuen Revisionisten auch auf die internationale Ebene übertragen wurde ...“ (S. 96 f.)

Die soziale Demagogie dieser Nazis bleibt aus gutem Grund im Dunkeln. Dazu hat Kurt Gossweiler einige Aspekte in einem Büchlein „Die Strasser-Legende“ (mit einem Vorwort von Gregor Gysi) Anfang der 1990er Jahre zusammengefasst, die auf dem nun wieder aufgelegten Buch beruhten. Und noch mehr im Dunkeln gehalten wird die ökonomische und politische Situation und die Kämpfe, die innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der Finanzoligarchie um die „Richtlinien für die Politik“ der Nazis und die Weichenstellung in Richtung Aufrüstung und Krieg gingen. Auch verdunkelt wird der Widerstand aus der Arbeiterklasse und der wichtigsten antifaschistischen Kraft, der KPD.

Kurt Gossweiler bringt Licht in dieses Dunkel und räumt mit von interessierter rechter und faschistischer Seite gebildeten Legenden auf.

Seine große Leistung besteht vor allem darin, dass er den Prozess deutlich macht, wie aus ökonomischen Interessen und ihren Kollisionen Politik entsteht. Aus diesen Interessen setzt er facettenreich das Gesicht des Klassenfeinds zusammen und macht transparent, wie sich durch die Widersprüche innerhalb der herrschenden Klasse hindurch, innerhalb des Finanzkapitals die gemeinsame politische Linie herausbildet. Die gemeinsame Linie, die in der historischen Konstellation konsequent zum abenteuerlichen Kurs auf den Revanchekrieg und zur Machtübertragung an die Hitlerbanditen, die für die aggressivsten Teile des deutschen Finanzkapitals die offene terroristische Diktatur errichteten.

Und es ist immer wieder frappierend, wie so viele Jahre danach immer noch die gleichen Unternehmen ihre Geschäfte machen, die Deutsche Bank, die Allianz und Münchener Rück, die Siemens, die BASF und Bayer, die damals unter dem Dach der IG Farben vereinigt waren usw., usf.

„Alldeutsche“ und „Amerika-Fraktion“ (Überschrift von uns)

„Soweit die Konzeption dieses Teils der deutschen Monopolbourgeoisie darauf hinauslief, die USA gegen Frankreich auszuspielen, um dem deutschen Imperialismus seine Handlungsfreiheit wiederzugewinnen, entsprach sie dem Gesamtinteresse des deutschen Imperialismus; soweit sie aber auf seine Unterordnung unter den amerikanischen Imperialismus hinauslief, stieß sie auf heftige Ablehnung des größten Teiles der deutschen Finanzbourgeoisie. Dieser Teil gruppierte sich vor allem um die Deutsche Bank und die Disconto-Gesellschaft. Mit diesen beiden Banken waren mit wenigen Ausnahmen die wichtigsten Konzerne verbunden, auf denen die Macht des deutschen Imperialismus beruhte und die von jeher hinter der alldeutschen Propaganda nach dem „Platz an der Sonne“, und wie all die anderen Umschreibungen für die Forderung nach Weltherrschaft hießen, standen: die Mehrzahl der Gründerkonzerne der Vereinigten Stahlwerke sowie Mannesmann, Hoesch, Haniel und Klöckner in der Ruhr-Schwerindustrie; der IG-Farben-Konzern und Siemens in der Chemie- und der Elektroindustrie. Natürlich konnte sich nach dem ersten Weltkriege kein deutscher Imperialist der Einsicht verschließen, dass Deutschland für längere Zeit aufgehört hatte, eine Großmacht zu sein. Aber das bedeutete keineswegs den Verzicht auf die Absicht, wieder Großmacht, und sogar die erste Großmacht der Welt, zu werden. Zunächst allerdings sah sich der deutsche Imperialismus heftigen und gefährlichen Angriffen sowohl seitens des französischen wie des englischen, besonders aber seitens des amerikanischen Finanzkapitals ausgesetzt, Angriffen, die zum Ziele hatten, auf dem Wege der Durchdringung und Überfremdung der deutschen Wirtschaft Hand an die Grundlagen der Selbständigkeit und Macht des deutschen Imperialismus zu legen und ihn damit für immer zu einem Satelliten der eigenen imperialistischen Politik zu machen.“ ... (S. 103 f.)

„Der Einbruch des USA-Kapitals in die Ruhrschwerindustrie spaltete diese in zwei feindliche Lager auf: die einen, die man als „alldeutsches Lager“[*] bezeichnen könnte, und zu denen außer Hoesch, Haniel, Mannesmann und Klöckner auch Teile des Stahlvereins mit Kirdorf und Vögler an der Spitze sowie Krupp gerechnet werden müssen, hielten an dem Grundsatz fest, dass die deutsche Schwerindustrie vor übermäßiger Überfremdung bewahrt werden müsse und suchten nach Mitteln und Wegen, das eingedrungene USA-Kapital aus seinen beherrschenden Positionen wieder herauszudrängen. Die anderen, die ich als „amerikanische Gruppe“ bezeichnen möchte (exakter wäre noch der Ausdruck „Morgan-Gruppe“), waren an der Erhaltung des starken amerikanischen Einflusses interessiert, weil auf ihm die Stärke ihrer eigenen Stellung gegenüber den deutschen Konkurrenten beruhte. Hier ist in erster Linie Thyssen zu nennen.

Bisher hatte die Führung im Kampf gegen die Überfremdung bei der Schwerindustrie gelegen, die in dieser Frage fast immer geschlossen aufgetreten war. Jetzt war diese Geschlossenheit zerstört. Die Führung im Kampf gegen die Überfremdung ging damit auf jene Monopole und Industriezweige über, die dem ersten Ansturm des USA-Kapitals besser standgehalten hatten, auf die Chemie- und Elektroindustrie.“ (S. 109)

„Somit wurden die IG-Farben die Erben Stinnes‘ in den Bemühungen, einen kontinentaleuropäischen Block unter deutscher Führung mit Deutschland und Frankreich als Kern und mit der doppelten Stoßrichtung Sowjetunion und USA zustande zu bringen. Die Verständigung der deutschen und französischen Chemiekonzerne auf dem Gebiet der Teerfarben und des Stickstoffs sollten den Kristallisationskern für diese Blockbildung abgeben. Sie sollte gleichzeitig den Grund legen für ein deutsch-französisches Militärbündnis gegen die Sowjetunion. Mit erstaunlichem Freimut offenbarte der IG-Direktor Duisberg diese aggressive antisowjetische Zielsetzung der deutsch-französischen „Verständigung“, als er 1931 in einer Rede vor bayrischen Industriellen erklärte, die Enge des nationalen Wirtschaftsraumes müsse durch übernationale Wirtschaftsräume überwunden werden, und dann fort fuhr, um das europäische Problem endgültig zu regeln, sei „noch die Frage der wirtschaftlichen Verständigung mit Frankreich zu lösen und ein geschlossener Wirtschaftsblock von Bordeaux bis Odessa (!) als Rückgrat Europas zu schaffen.“ Wo immer im imperialistischen Deutschland Worte über deutsch-französische Verständigung und Großraumwirtschaft laut werden, darf man sicher sein, die Stimme der IG zu vernehmen!“ (S. 112 f.)

Die Alldeutsche Fraktion im deutschen Monopolkapital. Hier zwei besondere Förderer Hitlers: Emil Kirdorf und Gustav Krupp als Vertreter der rheinischen Schwerindustrie.

* Der Ausdruck “alldeutsch“ wird von mir nicht in dem engen Sinne der Übereinstimmung mit allen Auffassungen und Zielen des damals noch bestehenden “Alldeutschen Verbandes“ gebraucht, sondern zur Kennzeichnung jener Gruppe der deutschen Monopolbourgeoisie, die das Ziel der Eroberung der Weltherrschaft für den deutschen Imperialismus, diesen innersten Wesenskern des “Alldeutschtums“ nie aus den Augen verlor und zielstrebig auf seine Erreichung hinarbeitete, im Gegensatz zu solchen Gruppen, die bereit waren, durch Unterordnung unter den stärksten, den amerikanischen Imperialismus, ans Ziel ihrer europäischen und außereuropäischen Expansionswünsche zu gelangen.

Gossweiler kommt die große Gelegenheit zugute, dass die Akten der Bourgeoisie in einem imperialistischen Land zu einem guten Teil in die Hände des Proletariats fallen und damit die Vorgänge „hinter den Kulissen“ ausgeleuchtet, ausgewertet und verstehbar gemacht werden können. Aber welch eine Arbeit! Tausende von Dokumenten sichten und auswerten, um aus diesen Puzzlesteinchen ein Gesamtbild entstehen zu lassen.

Von herausragender Bedeutung sind natürlich die Hinweise/Erkenntnisse im Buch, die für die Analyse der derzeitigen Krise von Nutzen sind.

Der Bankenkrach von 1931, die Nutzung des Staates im Kampf der Deutschen Bank gegen ihre Konkurrenten, das Agieren der verschiedenen Fraktionen des Finanzkapitals, die „Amerika-Fraktion“ und die „Alldeutsche“-Fraktion, die in der Kontinuität heute unter den „Transatlantikern“ bzw. „Europäern“ (unter deutscher Vorherrschaft) gefasst werden können. (Vgl. Kasten „Alldeutsche“ und „Amerika-Fraktion“). Bei allen Differenzierungen und Kämpfen zwischen den Fraktionen des Finanzkapi­tals verliert Kurt Gossweiler nie den Blick auf die wesentlichen Klassengemeinsam­keiten, nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, von den „vernünftigen“ Monopolisten zu sprechen, wie es in falscher Anwendung der Erkenntnis von Kapitalfraktionen in den 1970er Jahren von einigen Marxisten vertreten wurde: „vernünftige“ Kapitalisten, die die Exis­tenz des sozialistischen Lagers anerkennen und für eine friedliche Lösung der Konflikte eintreten würden. Damit wurde u.a. die unselige „Entspan­nungspolitik“ begründet, die am Ende der imperialistischen Unterwanderungspolitik „Wandel durch Annäherung“ nichts mehr entgegen zu setzen hatte. (vgl. Kasten: Einheit und Kampf der Kapitalfraktionen)

Schacht und Thyssen

„Demgegenüber war die Dresdner Bank das Leitzentrum jenes Teils der deutschen Monopolbourgeoisie, der sich bereits in die Abhängigkeit vom amerikanischen Finanzkapital, insbesondere von Morgan, begeben hatte und bereit war, sich bei der bevorstehenden zweiten kriegerischen Neuaufteilung der Welt, die mit der Niederwerfung und Zerstückelung der Sowjetunion beginnen sollte, mit der Rolle eines Juniorpartners der USA zufrieden zu geben, um dafür die Sicherheit einzuhandeln, nicht erneut das Risiko eines Zweifrontenkrieges zu laufen.[1]

Die wichtigsten Repräsentanten dieses Teiles der deutschen Monopolbourgeoisie waren Schacht und Thyssen. Diese Zusammenhänge erklären auch, weshalb Schacht 1933 heftig gegen den Vorschlag der „Bildung eines Blockes europäischer Mächte, die unabhängig von Amerika zusammenarbeiten sollten“, polemisierte und stattdessen eine Politik empfahl, die das amerikanische Finanzkapital davor zu bewahren bestimmt war, mit der zusammengefassten Wirtschaftskraft des kapitalistischen Europa in Wettbewerb treten zu müssen: „Die eine große Wahrheit, welche uns die Amerikaner mitgeteilt haben“, so erklärte er, sei, „dass jedes Land für sich seine eigene Aufgabe zu erfüllen habe“.[2]

Für Thyssen ist charakteristisch, dass er in dem Moment aus dem Boot des deutschen Imperialismus ausstieg, d.h. ins Ausland ging, da seine monopolistischen Mitbrüder und Rivalen Hitler gestatteten, den zweiten Weltkrieg als Krieg gegen die Westmächte, statt gegen die Sowjetunion, zu beginnen[3] und dass er nach Deutschland zurückkehrte,[4] nachdem die deutschen Armeen die Sowjetunion überfallen hatten, Hitler also das Versprechen einlöste, für das Thyssen ihn seinerzeit bezahlt hatte.“ (S. 117)

Die „Amerika“-Fraktion im deutschen Monopolkapital. Hier zwei besondere Förderer Hitlers: Am Mikrofon Fritz Thyssen neben Göring und Hitler im Industrieklub, Düsseldorf, 1932.

Hjalmar Schacht, Dresdner Bank, Vertrauensmann des Morgan Trusts, Reichsbankpräsident und schließlich Wirtschaftsminister in der Hitlerregierung.

1 Nach alledem können einige Feststellungen Dieter Kleins in seiner sehr wertvollen Arbeit über die Deutsche Bank (vgl. Einheit 11 von 1960) nur mit erheblicher Skepsis aufgenommen werden, vor allem seine Darstellung der Deutschen Bank als der Zentrale des USA-Einflusses in Westdeutschland. Grundsätzlich können derartige Feststellungen nur durch Vergleiche gewonnen werden; bei Klein fehlt jedoch jeder Hinweis auf die Rolle der anderen Monopolbanken. Ungewollt läuft eine Einteilung, wie sie Klein getroffen hat, auf eine Verharmlosung der Rolle jener Monopolbank hinaus, die in der Tat seit jeher am stärksten den USA-Einfluss in Deutschland verkörpert, nämlich der Dresdner Bank.

2 S. Frankf. Zeitung Nr. 496-498 v. 7.7.1933.

3 Vgl. Fomin, S. 95. Lochner, a.a.O., S. 264 f.

4 Nach außen hin wurde diese Rückkehr als „Verhaftung“ und „Auslieferung“ an Deutschland durch die Vichy-Regierung getarnt (vgl. Lochner, a.a.O., S. 265). Bezeichnenderweise wurde Thyssen nach seiner „Verhaftung“ kein Haar gekrümmt – abgesehen davon, dass er pro forma in „Haft“ gehalten wurde - obwohl er inzwischen im Ausland das Buch „I paid Hitler“ veröffentlicht hatte, das einem gewöhnlichen Sterblichen den Kopf gekostet haben würde.

Unschätzbar sind die eingearbeiteten Kurzbiographien der Nazigrößen und ihre Verbindungen zu den Konzernen. Das ist einer nicht nur akribischen, sondern auch geradezu detektivischen Arbeit geschuldet – da genau diese Zusammenhänge von der Bourgeoisie direkt geleugnet und vertuscht wurden und werden. Genauso wie das Pendant dazu: die Verwicklungen der Wirtschaftsbarone zu den Nazis. Hier sei vor allem auch auf die Erkenntnisse zu Thyssen hingewiesen, der gelegentlich sogar als widerständisch gegen die NSDAP beschrieben wird durch sein in den USA 1941 veröffentlichtes Buch „I paid Hitler!“ (Ich bezahlte Hitler). Dass ihn nur ein „kleines Detail“ von den anderen Mächtigen trennte, kann man bei Kurt Gossweiler nachvollziehen: Thyssen wollte den Krieg gegen die Sowjetunion zusammen mit den USA – nicht gegen sie! (vgl. Kasten: Schacht und Thyssen)

Wie aus alledem der Nachweis geführt wird, dass der Putsch kein Putsch war, sondern die Liquidierung einer politischen Option im deutschen Finanzkapital und im reaktionär-faschistischen Lager war, dem soll hier nicht vorgegriffen werden. Es sei dem Leser empfohlen, der verstehen will, wie es zur deutschen Katastrophe kam, und der seinen Blick auf die heutigen Entwicklungen schärfen will, und der eingreifen will, damit sich Geschichte nicht wiederholt.

Nie wird es einem bei der Lektüre langweilig, gerade weil Gossweiler die Dialektik im his­torischen Materialismus beherrscht und das Verhältnis von Ökonomie und Politik nicht als Einbahnstraße sieht, sondern die Wechselwirkungen berücksichtigt. Nach der Lektüre möchte man die Zeit haben, es noch mal richtig zu studieren. Dem Autor, der es schafft, solche Spannung bei dieser gemeinhin als „trocken“ angesehenen Materie zu erzeugen, dem gebührt höchste Anerkennung.

Danke Kurt Gossweiler! Danke PapyRossa-Verlag!

Corell

Hier die vollständigen bibliographischen Angaben und der Hinweis auf den Subskriptionspreis bis 30.9.2009:
Kurt Gossweiler, Der Putsch, der keiner war – Die Röhm-Affäre 1934 und der Richtungskampf im deutschen Faschismus , etwa 550 Seiten, ISBN 978-3-89438-422-7, PapyRossa Verlag, Köln
Subskriptionspreis:
EUR 22,40 [D] / EUR 23,10 [A] / SFR 39,90; ab 01.10.09: EUR 28,00 [D] / EUR 28,80 [A] / SFR 49,00 erscheint im Herbst 2009

Wiederholt sich Geschichte doch?

Der Bankkrach von 1931 und seine Auswirkungen auf den Kampf der beiden Monopolbanken (Überschrift im Original)

„Im Juli 1931 mussten zwei der größten deutschen Banken, die Darmstädter und Nationalbank und die Dresdner Bank, ihre Zahlungsunfähigkeit erklären und wurden vor dem völligen Zusammenbruch nur durch die Hilfestellung des Reiches bewahrt.[1] Auch die anderen Berliner Großbanken – die Deutsche Bank und Diskontogesellschaft und die Commerz- und Privatbank – mussten die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zu früheren Hilfsaktionen des Staates wurde die Sanierung der Großbanken in der Weise durchgeführt, dass das Reich bzw. die öffentliche Hand Großaktionär aller gestützten Banken wurde. Am Ende der komplizierten Stützungstransaktionen war das Reich direkt oder indirekt (über die der Reichsbank unterstellte Golddiskontbank) an den Großbanken in folgendem Umfang beteiligt:[2]

Diese Ziffern bringen nicht nur die grundlegende Tatsache des Staatseingriffs zugunsten des Finanzkapitals, sondern auch das Ergebnis des erbitterten Konkurrenzkampfes der Großbanken, vor allem der beiden größten von ihnen, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank, zum Ausdruck.

Als Anfang Juli die Leiter der Danat-Bank die Unausweichlichkeit des Zusammenbruchs ihrer Bank erkannten, wandte sich Jakob Goldschmidt zunächst an die Konkurrenz, an die Deutsche Bank, mit dem Vorschlag der Fusion beider Banken. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil sich die Danat-Bank mit diesem Angebot nicht an die Dresdner Bank wandte, zu der sie in enger freundschaftlicher Beziehung stand.

Die Deutsche Bank, die erst zwei Jahre zuvor durch Fusion die Disconto-Gesellschaft geschluckt hatte und dadurch zur führenden Bank auch in der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie geworden war,[3] lehnte das Fusionsangebot der Danat strikt ab, desgleichen jede Solidaritätsaktion der Großbanken für die Danat-Bank.

Die Ablehnung der Fusion hatte ihren guten Grund. Wer die Danat übernahm, übernahm vor allem ihre Verluste, deren Ausgleich die Kräfte selbst der stärksten Bank, der Deutschen Bank, bei weitem überstieg. Das war der Grund, weshalb auch die Dresdner Bank die ihr bezeichnenderweise vom Vertreter der Deutschen Bank, Wassermann, vorgeschlagene Fusion mit der Danat zunächst ablehnte; dies umso mehr, als die Dresdner selbst bereits schwer zu kämpfen hatte, um sich über Wasser zu halten. Wassermanns „Anregung“ konnte in dieser Situation keine andere Bedeutung haben, als der Dresdner Bank mit der Danat-Bank einen Mühlstein um den Hals zu hängen. Schacht – seit 1930 nicht mehr Reichsbankpräsident – wurde am 12. Juli 1931 zu den Verhandlungen der Regierung mit den Großbankenvertretern hinzugezogen. Er sprach sich ebenfalls gegen eine Fusion der Danat mit der Dresdner und für die Liquidierung der Danat-Bank aus. Das allerdings hätte die Interessen der ausländischen, vor allem amerikanischen Kreditgeber der Danat-Bank in Mitleidenschaft gezogen und wäre nur möglich gewesen, wenn diese sich bereitgefunden hätten, der Liquidierung zuzustimmen, ohne eine sofortige Rückzahlung ihrer Kredite zu verlangen.[4] Schacht schlug deshalb weiter vor, zusammen mit der Liquidierung der Danat sofort ein Moratorium für Auslandszahlungen zu erklären. Das Ziel dieses Vorschlages war klar: eine solche Zustimmung zu erreichen schien nur möglich unter einem Reichsbankpräsidenten, der nicht Luther, sondern Schacht hieß! Darauf wollte aber die Regierung Brüning nicht eingehen, sondern unternahm den Versuch, die wegen der ausländischen Gläubiger erwünschte Mitwirkung Schachts dadurch zu erreichen, daß sie ihm die Berufung zum Reichskommissar für das Bankwesen anbot (13.7.31). Schacht, dem natürlich klar war, daß damit nur die Wirkung seines Namens in Anspruch genommen werden sollte, ohne ihm wirklich entscheidenden Einfluss einzuräumen, lehnte mit dem Hinweis ab, solche Aufgaben fielen dem Reichsbankpräsidenten zu, womit er unmissverständlich die Bedingung für seine Mitwirkung, nämlich seine Wiederernennung zum Reichsbankpräsidenten zum Ausdruck brachte.[5] Schachts Weigerung versperrte den Weg zur Liquidierung der Danat, weshalb zunächst die Reichsregierung die Garantie für die Verpflichtungen der Danat übernahm und damit ihre Wiederaufrichtung ermöglichte.

Im Zusammenhang mit der Stützungsaktion für die Danat und die Dresdner Bank warf der Reichsfinanzminister Dietrich, Vertrauensmann der IG-Farben,[6] und damit auch der Deutschen Bank, am 16. Juli 1931 im Kabinett die Frage auf, ob die Regierung nicht dort, wo sie für Fehler in der privaten Wirtschaftsführung haften solle, auch Einfluss und Kontrollmöglichkeiten haben müsse; dabei wurde, wie es in der darüber veröffentlichten Verlautbarung vorsichtig hieß, „der Gedanke erörtert, wichtige Zweige der Privatwirtschaft der staatlichen Aufsicht zu unterstellen“. Wer hinter solchen Projekten steckte, verriet die weitere Meldung, für den Posten eines Reichskommissars für die Wirtschaft sei Generaldirektor Schmitz von der IG-Farben (zugleich Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Bank!) genannt worden.[7] Zwar dementierte die Regierung umgehend diese Meldung, aber die Hartnäckigkeit, mit welcher der Name Schmitz im Zusammenhang mit der Einrichtung des Amtes eines Wirtschaftskommissars in diesen Wochen immer wieder genannt wurde, spricht dafür, daß derartige Pläne sehr ernsthaft erwogen wurden.[8] Sie ließen sich allerdings – sicherlich auf Grund des starken Widerstandes von schwerindustrieller Seite – nicht in die Tat umsetzen. Stattdessen wurde lediglich das Amt eines “Reichskommissars für das Bankwesen“ eingerichtet, das dem Reichswirtschaftsminister unterstellt wurde. Zum Reichskommissar wurde am 23.9.1932 Friedrich Ernst berufen, der dieses Amt später auch unter Hitler beibehielt.[9] Die Befugnisse des Bankenkommissars waren allerdings recht begrenzt; er war mehr zur Beschwichtigung der allgemeinen Empörung über das Treiben der Großbank-Leiter denn zur Verwirklichung der Forderungen Dietrichs eingesetzt worden.

Die Kontrolle über die Dresdner Bank, die von der Deutschen Bank angestrebt wurde, hatte diese inzwischen schon auf andere, wirkungsvollere Weise eingeleitet. Trotz des Widerstandes Schachts wurde nämlich die Lösung, die Wassermann von der Deutschen Bank angeregt hatte – Fusion der Danat mit der Dresdner Bank – durchgesetzt. Als auch die Dresdner vor dem Zusammenbruch stand und um Stützung durch das Reich nachsuchen musste (12.7.1931), war die Gelegenheit für die Deutsche Bank gekommen, der Dresdner Bank auf dem Umweg über die von ihr, der Deutschen Bank, beherrschte Reichsregierung ihre Bedingungen zu diktieren. Das geschah durch einen Vertrag, der im August zwischen dem Reich, vertreten durch den Reichsfinanzminister Dietrich, und der Dresdner Bank abgeschlossen wurde.[10] In diesem Vertrag wurde festgelegt, daß die Stützung der Dresdner Bank nicht auf dem bisherigen Wege von Darlehen oder Zuschüssen, sondern durch Erhöhung des Kapitals der Dresdner Bank von 100 auf 400 Millionen und Übereignung der neugeschaffenen 300 Millionen Vorzugsaktien der Bank an das Reich erfolgte. Dafür erhielt die Dresdner Bank in gleicher Höhe Schatzanweisungen des Reichs.[11] Die Bank musste sich ferner verpflichten, „jederzeit auf Verlangen des Reiches durch im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen bestellte Persönlichkeiten oder Organe die Geschäftsführung der Dresdner Bank prüfen zu lassen“, was nichts anderes bedeutete, als der Deutschen Bank Einblick in die intimsten Geschäftsgeheimnisse der Dresdner Bank zu gewähren. Im § l waren überdies bezeichnenderweise auch Regelungen für den Fall der Liquidation der Dresdner Bank vorgesehen. Dieser Vertrag war ein nahezu vernichtender Schlag gegen die Dresdner Bank und löste deshalb auch in ihrer Generalversammlung, die am 29. August stattfand und über Annahme oder Ablehnung beschließen sollte, einen Entrüstungssturm aus. Ein Vertreter von Schweizer Aktionären der Bank beschwor die Versammlung, gegen den Abschluss des Vertrages zu stimmen; die Dresdner Bank dürfe ihren Charakter als Privatbank nie und nimmer verlieren, wenn nicht die internationale Kreditwürdigkeit Deutschlands zunichte gemacht werden solle. Wenn die Dresdner Bank den Vertrag schließe, empfehle er, die heutige Generalversammlung zu einer Bestattungsfeier zu machen. In der erregten Debatte wurde auch unumwunden ausgesprochen, daß die treibende Kraft, die die Dresdner Bank in diese Lage gebracht habe, die Deutsche Bank sei. Der Vorsitzende musste indessen mitteilen, daß die Dresdner Bank nicht mehr lebensfähig sei, wenn der Vertrag abgelehnt werde, so daß der Versammlung keine Wahl blieb: sie musste dem Vertragsabschluß zustimmen. Das hatte einschneidende Änderungen in der Zusammensetzung des Vorstandes und des Aufsichtsrates zur Folge. Die Bank musste in ihren Vorstand den bisherigen Direktor der Commerz- und Privatbank, Goetz, aufnehmen. In den Aufsichtsrat mussten ebenfalls neue Mitglieder aufgenommen werden, darunter Ritscher von der Reichskreditgesellschaft; Pilster, der früher bei der Compri-Bank war; Robert Pferdmenges, Mitglied des Ausschusses für die rheinisch-westfälischen Filialen und 1930 noch Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Bank;[12] schließlich noch Vertreter der Reichsbehörden, da ja das Reich jetzt rd. 90 % der Aktien der Bank besaß.

Es ist bei dieser Gelegenheit notwendig zu erwähnen, daß die Beziehungen zwischen Deutscher Bank und Reichskreditgesellschaft, der Bank der in Reichsbesitz befindlichen Industrie-Unternehmungen (Aktienkapital 40 Mio. RM), außerordentlich freundschaftlich waren, was sich z. B. darin zeigte, daß die Deutsche Bank einem Mitglied ihres Aufsichtsrates (Schmitz) gestattete, gleichzeitig auch dem Aufsichtsrat der Reichskredit anzugehören, was sonst nur bei solchen Instituten erlaubt wurde, die zum direkten Einflussbereich der Bank gehörten.[13] Dieses freundschaftliche Verhältnis geht ferner auch aus einer Notiz des Direktors der Deutschen Bank, Solmssen, vom 6. Oktober 1931 über eine Unterhaltung mit dem o.g. Ritscher hervor. In diesem Gespräch erklärte Ritscher, die Dresdner Bank mache ihm große Sorgen und er wisse nicht recht, wie er dort weiter operieren solle; er spielte dabei „vorsichtig auf die Frage an“, ob „die Deutsche Bank eventuell zur Übernahme bereit sein“ würde. Aber Solmssen wehrte ab, wobei sein weitaus wichtigstes Argument die Erklärung war, er könne sich „keinen Vers darauf machen, wie die Liquidität hergestellt werden solle“.[14] Natürlich hatten die Direktoren der Deutschen Bank, die ja schon so viele andere Banken verschluckt und verdaut hatte, nichts dagegen, daß ihre Bank auch die Dresdner Bank verschlang; aber sie waren nicht gewillt, auch deren Verluste mit zu übernehmen; deshalb wählten sie den Weg über den Staat. Damit die Dresdner Bank noch stärker auf die Hilfe des Staates angewiesen war, wurde ihr die Fusion mit der Danat-Bank aufgezwungen.

Am 19. März 1932 wurde der Fusionsvertrag zwischen Dresdner Bank, Danat-Bank und Reichsregierung abgeschlossen, der am 24. März 1932 vom Aufsichtsrat der Dresdner Bank genehmigt wurde.[15] Diese Fusion verstärkte die Kontrolle der Dresdner Bank durch die Deutsche Bank in außergewöhnlicher Weise, nämlich wie folgt: als die Reichsregierung im Juli 1931 der Danat-Bank Hilfestellung gab, hatte sie zwei Treuhänder für die Danat-Bank ernannt, deren einer der Vertrauensmann der Deutschen Bank, der Staatssekretär a. D. Carl Bergmann war.[16] Als die Dresdner Bank nun mit der Danat-Bank fusionierte, musste sie es sich gefallen lassen, daß Bergmann in seiner Eigenschaft als Reichstreuhänder für die Danat im Vorstand der Dresdner Bank Platz nahm! Den Preis für diesen Erfolg der Deutschen Bank musste wiederum die Reichsregierung – in Wirklichkeit also der Steuerzahler – bezahlen, indem das Reich sich verpflichtete, der Dresdner Bank erneut Schatzanweisungen zur Verfügung zu stellen „zur Minderung von Verlusten“, die in der Gewinn- und Verlustrechnung der Dresdner Bank aufgrund der Fusion mit der Danat ausgewiesen werden mussten.[17] Alles in allem hatte es die Deutsche Bank verstanden, die Bankenkrise dazu auszunutzen, ihrer schärfsten Konkurrentin eine vernichtende Niederlage beizubringen; die Dresdner Bank wurde nunmehr von der Reichsregierung kontrolliert, die ihrerseits unter der Kontrolle der Deutschen Bank stand bzw. im wesentlichen deren Instrument war; außerdem aber hatte die Deutsche Bank durch Bergmann sogar im Vorstand der Dresdner Fuß gefasst und in ihren Aufsichtsrat mehrere ihrer Vertrauensleute eingeschleust.“ (S. 120 ff.)

1 Zum Bankkrach vgl. Horkenbach, 1931, S, 240 ff. – G. Reimann, Der kapitalistische Staat als „Retter“ von Banken und Trusts, in: Die Kommunistische Internationale, 1932, S. 290 ff. Hans E. Priester, Das Geheimnis des 13. Juli, Berlin 1932. –Erich Welter, Der Krach von 1931, Frankfurt/M., 1932. Die weiter unten geschilderten Einzelheiten sind im wesentlichen diesen Quellen entnommen.

2 Entnommen dem Artikel von G. Reimann, a.a.O., S. 293.

3 Die Disconto-Gesellschaft war schon vor dem ersten Weltkrieg vor allem mit den Unternehmungen Stinnes’ und Kirdorfs eng verbunden (vgl. Lenin, Hefte zum Imperialismus, Berlin 1957, S. 8; Ufermann, Der deutsche Stahltrust, S. 46 f., 94 ff. ).

4 „Von allen Banken hatte die Darmstädter und Nationalbank ... sich am ärgsten mit Auslandskrediten verschuldet.“ (Schacht, Abrechnung, S. 6).

5 Schacht, a.a.O., ders., 76 Jahre, S. 359 ff. Bei der Lektüre der Erinnerungs- und Reinwaschungsbücher Schachts muß man stets dessen eingedenk sein, daß Schacht, wie es einer seiner Gegenspieler, Schwerin-Krosigk, in seinem Rechtfertigungsbuche ausdrückte, „die Wahrheit (streckte), bis er als der einzige erschien, der in allem richtig gehandelt hatte“; (Krosigk, S. 185).

6 Vgl. J. Kuczynski, Die Barbarei ..., a.a.O., S. 1502.

7 Horkenbach 1931, S. 249.

8 Vgl. z. B. Horkenbach, S. 264. S. a. Helmut Wiekel, IG-Deutschland, Berlin 1932, S. 208 f.

9 Ernst war bis dahin Ministerialdirektor im Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe (Horkenbach, 1931, S. 432). 1941 wurde er Teilhaber des Bankhauses Delbrück-Schickler & Co, das über die Metallgesellschaft eng mit der Deutschen Bank verbunden war und ist. Die Erfahrungen dieses Hitlerschen Reichskommissars wurden nach 1945, wie sich von selbst versteht, auch von der Adenauer-Regierung wieder in Anspruch genommen (vgl. G. Baumann, Eine Handvoll Konzernherrn, Berlin 1953, S.47 ff.).

10 Eine beglaubigte Abschrift dieses Vertrages befindet sich in der Akte 11 147 des RWiM im DZAP, B1. 54 ff. S. a. den Geschäftsbericht der Dresdner Bank für 1931.

11 Bald danach wurde das auf 400 Millionen erhöhte Kapital auf 220 Millionen herabgesetzt, was nichts anderes bedeutet, als dass das Reich nunmehr statt nominell 300 Millionen RM Dresdner-Bank-Aktien nur noch 165 Millionen besaß, also der Dresdner Bank 135 Millionen Steuergelder geschenkt hatte !

12 Adressbuch 1930 11, S. 353 ff. 1931 trat er – offenbar im Auftrage der Deutschen Bank (vgl. DWI-Bericht 15/1961, S. 10) – als Teilhaber in die mit der Deutschen Bank befreundete Kölner Privatbank Sal. Oppenheim ein, um kurz danach von Brüning als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat der Dresdner Bank dirigiert zu werden. Darüber berichtete Pferdmenges selbst: „Im August 1931 wurde ich von Brüning nach Berlin gebeten, um mit ihm über die weitere Sanierung der mit der Dresdner Bank vereinigten Danat-Bank zu beraten. Dr. Brüning bat mich, ihm ständig als Berater zur Verfügung zu stehen, wozu ich mich bereit erklärte. Im Rahmen dieser Beratung wurde ich auf Veranlassung von Brüning stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Dresdner Bank.“ (Zit. nach DWI-Bericht 11-12/1956, S. 10). In dieser Position konnte er sich allerdings nicht lange halten; ab 1933 war er wieder nur Mitglied des Aufsichtsrates der Dresdner Bank. Die Angaben über die Generalversammlung sind einem Bericht aus den Akten der Deutschen Bank, D 5937 (Fotokopie des Originals im DWI), entnommen.

13 Akten Deutsche Bank, 5961/60, Notiz Mosler für Generalsekretariat v. 7.2.1934 (Fotokopie des Originals im DWI).

14 Deutsche Bank, 5937, a.a.O.

15 Vgl. Horkenbach 1932, S. 73 und 86. Ferner DZAP, B1. 68 ff.

16 Carl Bergmann trat bereits 1901 in den Dienst der Deutschen Bank, unternahm 1903/04 im Auftrage der Deutschen Bank eine Studienreise in die USA und wurde 1911 stellvertretender Direktor dieser Bank. Während des ersten Weltkrieges übernahm er als Vertrauensmann der Deutschen Bank wichtige Reichsämter. Nach dem 1. Weltkrieg war er zeitweilig Staatssekretär im Reichsfinanzministerium; nach seinem Ausscheiden aus dem Reichsdienst diente er bis 1924 der Reichsregierung als Sachverständiger bei den Reparationsverhandlungen. Bis zu seiner Ernennung zum Reichstreuhänder für die Danat-Bank war er Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Bank (Vgl. Adressbuch der Direktoren und Aufsichtsräte 1930; Horkenbach 1931, S. 500).

17 RWiM 11 147, B1. 68 ff.

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