Solidarität
Seit 2004 kämpfen die iranischen Arbeiterinnen und Arbeiter für die Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft (z.B. im Mai 2004 in der kurdischen Stadt Saggez), die iranische Presse musste allein im Zeitraum Oktober-Dezember 2005 von 2.000 Arbeiterprotesten verschiedenster Formen berichten.
Offiziell gibt es im Iran nur eine Arbeitervertretung: die islamischen Arbeiterräte. Diese vertreten aber nicht die Interessen der Arbeiter, sondern die des iranischen Arbeitsministeriums und die Interessen der Kompradorenbourgeoise, die jahrzehntelang den Iran in der Botmäßigkeit des Imperialismus gehalten haben, nicht zuletzt des deutschen.
Die unabhängige Gewerkschaft der Teheraner Busfahrer, die den Alleinvertretungsanspruch der islamischen Arbeiterräte ablehnt, wurde bereits bei ihrer Gründungsversammlung angegriffen, indem Leute des islamischen Arbeiterrats, darunter hochrangige Funktionäre, versuchten dem Vorsitzenden der Teheraner Busfahrergewerkschaft Mansour Ossanlou, die Zunge abzuschneiden. Diesem Angriff folgten weitere.
Am 22.12.2005 wurden acht Vertreter der Busfahrergewerkschaft – unter ihnen auch Ossanlou – auf dem Weg zur Arbeit vom iranischen Geheimdienst verhaftet. Das war der Startschuss für einen wahren Propagandafeldzug gegen die Gewerkschaft und ihre verhafteten Aktivisten durch den iranischen Staat. Sie wurden als politische Aufrührer und vom Westen beeinflusste Provokateure dargestellt und ihren Forderungen wurde jede Legitimität abgesprochen.
Die Teheraner Busfahrer traten daraufhin in den unbefristeten Streik und Teheran versank im Verkehrschaos. Nach 48 Stunden wurden alle Verhafteten frei gelassen - bis auf einen: Mansour Ossanlou. Da der Protest nicht abriss, genauso wenig wie die Solidarität, versuchte es der Teheraner Bürgermeister mit beruhigenden Worten: am 2. Januar lud er die Frühschicht mitsamt ihrer Familien in das größte Teheraner Stadion ein. Doch niemand der 12.000 hörte dem Bürgermeister zu. Die Kollegen hielten Transparente mit ihren Forderungen hoch und trugen Ebraim Madadi, den kurz vorher aus der Haft entlassenen stellvertretenden Vorsitzenden der Busfahrergewerkschaft, auf ihren Schultern durch das gesamte Stadium, während dieser eine Rede hielt.
Die Forderungen wurden nicht erfüllt, also riefen die Busfahrer Teherans zu einem weiteren Streik auf. Dieser wurde mit brutalsten Mitteln und unmittelbar angegriffen: Polizei, Armee und Geheimdienste verhafteten am 28. Januar über 1200 Menschen und brachten sie zum berüchtigten Gefängnis Evin – weil sie gestreikt hatten!
Mehrere Hundert von den Freigelassenen erhielten Hausverbot bei der Firma Vahed und haben ihre Arbeit verloren, doch nicht ihren Mut. Der Protest ging weiter: vor den Werkstoren, vor dem Arbeitsamt, vor den Gefängnissen. Das iranische Regime verlangte 100.000 EUR Kaution für eingesperrte Gewerkschaftsführer. Einer von ihnen, Mansour Hayat Qeiby, der mit Hilfe seiner Familie und Kollegen freigekauft werden konnte, wurde nach 24 Stunden erneut verhaftet! Viele Arbeiter sind noch immer im Gefängnis –Mansour Ossanlou ist seit 3 Monaten, ohne Anklage hinter Gitter.
Vor dem Hintergrund der Kriegsvorbereitungen gegen den Iran ist dieser Kampf der Arbeiter von großer Bedeutung. Wir wissen, dass in einem unterdrückten Land die Arbeiterklasse die einzige Kraft ist, die im Bündnis mit den Bauern, der städtischen Kleinbourgeoisie und der nationalen Bourgeoisie den Iran vom Imperialismus und seinen iranischen Lakaien, der Kompradorenbourgeoisie und ihren Mullahs befreien kann.
Das iranische Regime versucht sich durch „antiwestliche“ Demagogie und antisemitische Hetze zu retten. Sie will damit von den Klassenkämpfen im eigenen Land ablenken, einen reaktionären Klassenkompromiss, einen faulen Frieden im Innern schaffen und sich an die Spitze der moslemischen Welt stellen.
Die Befreiung von diesem Regime ist die Aufgabe des iranischen Volks.
Imperialisten – Hände weg vom Iran!
Mehr Informationen und Aktuelles unter: www.labournet.de oder www.vahed-center.de