KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”
Joseph Ratzinger ist mit seinen peinlichen Ausflüchten zur Vertuschung der Verantwortung der katholischen Kirche ins Rampenlicht getreten. Doch unter wem ist Ratzinger groß geworden und in die Stellung des Vorsitzenden der Glaubenskongregation berufen worden, zum Großinquisitor des Vatikan? Von Papst Johannes Paul II., heiliggesprochen im Jahr 2014 („santo subito!“)! Als Karol Wojtyla, ein verbissener Antikommunist und wichtiges Bindeglied bei der Niederlage des Sozialismus in Europa und in seiner Heimat Polen, hat er die Haltung des Vatikan zum Hintergehen und schändlichen Behandlung der Opfer wesentlich geprägt. Wir entnehmen die Ausführungen zum exemplarischen Fall Curran dem Buch unseres Autors Richard Corell, Papst ohne Heiligenschein? – Joseph Ratzinger in seiner Zeit und Geschichte, S. 224 ff.
„Eine dieser exemplarischen Verurteilungen war der Fall Curran, der wohl Kirchengeschichte gemacht hat.
Den Fall Curran fand Ratzinger im Vatikan vor, als er 1981 Inquisitor wurde. Interessant war für Ratzinger, dass der Amerikaner Curran in seiner Heimat eine breitere Anhängerschaft hatte als Küng in Europa und dass so ein Exempel statuiert werden konnte.
Curran hatte in den 60er Jahren im Stil der Zeit die Sexualethik der Kirche quasi selbstverständlich als überholt kritisiert. Als er 1965 Professor der Katholischen Universität von Amerika werden sollte, wie Allen[1] sagt, dem Flaggschiff der kath. Universitäten in den USA, braucht er die päpstliche Lehrerlaubnis, denn es ist eine Hochschule im Besitz der Kirche. Curran bleibt bei seiner Kritik und 1967 wird sein Vertrag nicht erneuert. Laut Washington Post hatte der päpstliche Gesandte Vagnozzi die Kündigung ausgelöst.[2] Als Folge streikten Studenten und Dozenten der Universität gemeinsam. Die Universitätsleitung gab nach, Charles Curran wurde wieder eingesetzt.
Aus heutiger Sicht hat das Nachgeben des Vatikan wohl mit der hohen Zahl der Kindesmissbrauchsfälle in den USA zu tun, die der Kirche damals intern bekannt wurden und die Montini[3] damals absolut außerhalb der Öffentlichkeit abwickeln wollte.
Im Sommer 2003 wurde bekannt, dass in den Archiven des Vatikan ein Bericht der Diözese Boston von 1962 lag, klassifiziert als „streng geheim“, worin es um einen Strafverfolgungsantrag gegen Amtsträger der US-katholischen Kirche ging wegen Behinderung der Strafverfolgung in Fällen von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester. Das Problem war ein vatikanisches Dokument von 1962 über die Behandlung von sexuellem Missbrauch, mit dem Titel „Crimen Sollicitationis“ (lateinisch: das Verbrechen der Verführung), das gewisse Geheimhaltungsregeln und die alleinige Zuständigkeit der Glaubenskongregation erklärte. Es gelang dem Vatikan aber juristisch glaubhaft zu machen, dass sich diese Vorschriften nur auf die kirchliche Seite des Problems bezögen und die bürgerliche Justiz nicht beträfe.[4] Mittlerweile versucht man, die Missbrauchsfälle in den Ländern mit „schwierigen“ Gerichten, vor allem den USA, mit viel Geld in den Griff zu bekommen.
Curran wurde durch den siegreichen Streik zur Symbolfigur. Auf formaler Ebene, der Ebene der Inquisition, begann der Vatikan aber nun, gegen Curran zu ermitteln. Curran erfuhr erst 1979 offiziell von der Untersuchung der „Kongregation für die Glaubenslehre“. Charles Curran schreibt nach Rom, stellt Fragen, erhält aber keine Antworten. Schließlich erreicht Ratzinger 1987, dass er entlassen wird. Entscheidend sei nicht, dass Curran eine abweichende Meinung zu Verhütung, Homosexualität, voreheliche sexuelle Handlungen, Scheidung und Wiederverheiratung habe, sondern dass er abstreitet, dass der Vatikan, bzw. die Kongregation, bzw. der Papst in diesen Punkten absolut entscheiden könnten. Curran hatte eine Richtlinie verlangt, nach der entschieden werden könnte, ob eine Meinung im Einzelfall eine Abweichung ist oder nicht. Er geht davon aus, dass dann die Menschen mit ihrem Menschenverstand entscheiden können, ob es richtig ist, was sie tun – im Rahmen der katholischen Richtlinien! – oder nicht. Hier sieht Ratzinger den Kern der Abweichung.[5] Die Kirche interpretiert nicht, sie stellt fest, was ist. Alles andere ist Relativismus, das theologische Hauptkampfwort von Ratzinger. Dem Relativismus setzt er – unausgesprochen – den Absolutismus entgegen, den Anspruch der Kirche auf den Besitz der absoluten Wahrheit. Im Prinzip erweitert Ratzinger hier die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes.
Nachdem das Exempel statuiert ist, kommt die offizielle Lehrmeinung. In zwei Texten von 1989 und 1990 definiert Ratzinger die Pflichten des katholischen Theologen. Es wird, zum Teil in Form eines Glaubensbekenntnisses, ein Treueid gefordert. Darin geht es vor allem darin, die Kritik zu unterbinden, die gegen die Politik Wojtylas aufgekommen war.
Es wird festgestellt, dass es nicht die Aufgabe der Theologen ist, die Kirche zu lenken, sondern dass Papst und Kongregation allein entscheiden, was richtig und falsch ist, und zwar endgültig. Absolut und nicht relativ. Die Entscheidung des Vatikan ist keine Sichtweise, sondern beschreibt, hier bezieht sich Ratzinger wieder auf Augustinus, die Welt, wie sie ist. Wer diese Fakten nicht anerkennt, verlässt die communio, die Gemeinsamkeit der Kirche, ist also exkommuniziert und hat die Folgen zu tragen.“
Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass der Vatikan zur Bezahlung seiner Schuld an den Opfern schreitet!
1 Allen, Joseph Ratzinger S. 287.
2 Ebenda
3 Papst Paul VI, alias Pillenpaul wegen seines Verbots der Empfängnisverhütung, Zivilname Giovanni Montini, Papst von 1963 bis 1978, vom aktuellen Papst Franziskus 2018 heiliggesprochen.
4 Artikel von John Allen, Joseph Ratzinger im National Catholic Reporter 2. Jan. 2004.
5 Allen, Joseph Ratzinger S. 285 ff.