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Prof. Dr. Lothar Berthold (30. August 1926 – 12. September 2007)

Im Gedenken an Prof. Dr. Lothar Berthold

„Lothar Berthold ist gestorben“, diese Nachricht machte viele betroffen und nach gedanklichem Zögern kam ihre Antwort: „Ein schwerer Verlust“, schrieb und lehrte er doch maßgeblich die Geschichte derer, die sie wirklich machen, der Volksmassen.

Als seine Ehefrau - ohne die er das was er geschaffen hat, nach Lothars eigenen Worten, nie hätte schaffen können - mir die schmerzliche Nachricht von seinem Tod mitgeteilt hatte, griff ich zu seinem Buch aus dem Jahre 1976 „Wer macht Geschichte?“.

Lothars lebhafte, allgemeinverständliche Darstellung, bereichert durch zeitgenössische Dokumente, Gedichte und Grafiken, macht dieses Buch zu einer interessanten, spannenden aber vor allem lehrreichen Lektüre, wie viele seiner Schriften.

Lothar, Marxist-Leninist, berichtet in diesem Buch über europäische Revolutionen seit dem Mittelalter und weist nach, dass es immer die Volksmassen waren, die in härtesten Klassenauseinandersetzungen die revolutionären Kämpfe ausgefochten haben.

Lothar war ein realer Historiker und hat seit 1989 unermüdlich mit geschichtlichem Blick und aus eigener bitterer Erfahrung vor Rechtsruck und Krieg gewarnt.

Für ihn war „der entscheidende Teil ‚neuen Denkens‘, alte Wahrheiten zu verbreiten“, also die Lehren von Marx, Engels, Lenin und anderen bedeutenden Revolutionären und Klassikern, die „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“, an deren Niederschrift er entscheidenden Anteil hat, sowie auch an der „Biographie ‘Ernst Thälmann“. Im Sinne dieses deutschen und internationalen Arbeiterführers wirkte Lothar Berthold aktiv für das Kuratorium „Gedenkstätte Ernst Thälmann“ e.V. in Hamburg und besonders für den Freundeskreis „Ernst Thälmann Gedenkstätte“ e.V. in Ziegenhals, dessen Vorstand er längere Zeit und dessen Ältestenrat er bis zuletzt angehörte. Für sie und etliche linke Publikationen schrieb er buchstäblich bis zum letzten Atemzug.

Ende des Jahres 2006 fand eine wissenschaftliche Konferenz des Freundeskreises im Berliner Karl-Liebknecht-Haus statt. Hier sprach Lothar zum letzten Mal auf einer Veranstaltung über Thälmanns Kampf gegen den Faschismus und besonders über die Bedeutung der Rede, die dieser auf der „Illegalen Tagung des ZK der KPD“ am 7. Februar 1933 im Sporthaus Ziegenhals gehalten hat sowie über die Einmaligkeit der Gedenkstätte, die diesem historischen Ereignis an authentischem Ort gewidmet ist. Ausführlich befasste er sich mit dieser Thematik in seiner letzten großen Arbeit, die dem Leser und den Besuchern der Gedenkstätte die Gewissheit vermittelt, von einer Zukunft wie sie Max Zimmering in Lothar Bertholds Anfangs erwähntem Buch schildert:

Es beginnt erst der Mensch,
Wo die Ausbeutung endet,
Wo das Brot, das du isst,
Keinen würgt,
Wo die Frau ihren Pfennig
Nicht tausendmal wendet,
Wo das Leben
Das Leben verbürgt.

Es beginnt erst der Mensch,
Wo das Sterben verständlich,
Weil die Jahre
Zur Neige gelebt,
Und wo endlich
Der menschliche Friede unendlich,
Wo das Schwert
Keine Gräber mehr gräbst.

Es beginnt erst der Mensch,
Wo die Herzen erklingen,
Wo die Flamme der Menschlichkeit
Brennt,
Wo die Hände
Die toten Gesteine bezwingen,
Wo der Mensch
Sich zum Menschen bekennt. 

Heinz Schmidt
Königs Wusterhausen

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