KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

„Unsere Oligarchen“

Spitzen des deutschen Finanzkapitals

Die folgenden Beiträge erschienen ab März 2016 in monatlicher Abfolge in „Unsere Zeit“ (UZ), Zeitung der DKP mit dem Hinweis „von Richard Corell und Stephan Müller, die seit den 1970er Jahren zum Thema recherchieren und u. a. in KAZ und junge Welt schreiben.“

Zur Verfügung stand begrenzter Platz, so dass keine Unternehmensbiographien entstanden, wohl aber 12 Portraits, die dem deutschen Finanzkapital ein Gesicht geben. Zum Auftakt umrissen wir unsere Fragestellung:

In der Bundesrepublik Deutschland hängen Macht und Herrschaft am Eigentum von Produktionsmitteln. Hier, wie in jedem kapitalistischen Land, hängt die Produktion des materiellen Lebens davon ab, dass die privaten Eigentümer sich davon Profit versprechen und investieren. Voraussetzung dazu ist „Freiheit“, ein freier Markt auf dem sie Maschinen und Rohstoffe kaufen können, vor allem aber Arbeitskraft. Die Besitzer der Arbeitskraft werden diese in der Regel nur verkaufen, wenn sie selbst keine Produktionsmittel haben. Dieses gesellschaftliche Verhältnis, das Kapital, deckten Karl Marx und Friedrich Engels auf. Sie zeigten, wie sich aus der Feudalgesellschaft die beiden Hauptklassen des Kapitalismus im Klassenkampf herausbilden und weiterentwickeln. Kapital kann nicht ohne Krisen existieren, in denen „je ein Kapitalist viele andere totschlägt“ und die die Arbeiterklasse, wenn sie sich nicht organisiert, zu armen Teufeln machen. Resultat im 20. Jahrhundert: Wenige Großkapitalisten bestimmten das Feld und streben Monopole an.

Die Macht unserer Gegner verteilt sich nach der Größe des Kapitals und Lenin fragt: nach was sonst? Um ihr Überleben im gegenseitigen Totschlagen zu sichern, verbünden sich die industriellen Großkapitalisten immer enger mit ihren Großbanken. Sie bilden, wie Lenin sagt, eine imperialistische Finanzoligarchie, die um die Aufteilung der Welt kämpft und sich dabei den Staat mehr und mehr dienstbar macht. Folge: Zwei Weltkriege, ausgelöst durch die deutschen Imperialisten; Revolutionen, zum Teil erfolgreich, eine Zeit lang. In Westdeutschland gelang der zweimal geschlagenen deutschen Finanzoligarchie nach 1945 im Windschatten des US-Imperialismus der Wiederaufstieg und schließlich auch die Konterrevolution in der DDR.

Wer sind nun im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts konkret die deutschen Finanzoligarchen, die zum dritten Anlauf um die Weltmacht ansetzen? Wir wollen zwölf davon, die die Szene bestimmen, in der hier beginnenden monatlichen Kolumne vorstellen: Oft sind es die Erben der Finanzoligarchen, die die Weltkriege angezettelt haben. Sie haben dazugelernt: Diesmal soll die Frage nach der Weltmacht erst offen ausgesprochen werden, wenn nach der wirtschaftlichen auch die politische und militärische Hegemonie in Europa gesichert ist, durch das „Friedensprojekt“ EU. Wir wollen zeigen: Worauf gründet sich ihre ökonomische Macht? Wer sind ihre Bündnispartner im In- und Ausland, wo spannen sie ihre Netzwerke, wer sind ihre Hauptkonkurrenten? Die 12 heißen Siemens und Porsche, Quandt und Mohn (Bertelsmann), Kröner (Fresenius) und Oetker, Bosch und Plattner (SAP), Voith und von Brandenstein-Zeppelin, Schäffler und Henkel. Wir hoffen, mit der Spitze den Eisberg Finanzkapital sichtbar zu machen.

Nathalie von Siemens

Seit 2015 vertritt Nathalie von Siemens die ca. 300 Siemens Erben im Aufsichtsrat der Siemens AG, als Nachfolgerin von Gerd von Brandenstein, ebenfalls Gründer-Ururenkel, der seinerseits nach Peter von Siemens kam. Der hatte das Prinzip öffentlich gemacht, mit dem die Siemens Erben als Großaktionär mit ihren 6 Prozent Aktienanteil die Führung beanspruchen: Mehr Profit als General Electric (GE), aber ohne die Einbindung der Gewerkschaftsvertreter in die „Sozialpartnerschaft“ zu gefährden.

Damit repräsentiert Siemens die derzeitige Leitkultur des deutschen Imperialismus wie schon seit dem Aufstieg um 1900, Hand in Hand mit dem Staat. Gründer Werner S. nutzte seine Position in der preußischen Telegraphenkommission um eine Telegraphen-Bau-Anstalt zu gründen. Bald baute sie auch am russischen Telegraphennetz. Zur Telekommunikation kamen Kraftwerke, Bahntechnik, Rüstung und Korruptionsskandale.

Siemens‘ Kampf um den Weltmarkt mit Edisons GE Gruppe diente Lenin als Beispiel für den „Imperialismus…“. 1939 war Siemens der größte Elektrokonzern der Welt, dann am Standort Deutschland mit Rüstung voll ausgelastet. Produziert wurde jetzt auch im KZ „Siemenslager Ravensbrück“ und in Auschwitz. 1945 wurde der damalige Erbenchef Hermann von S. als Kriegsverbrecher verhaftet, konnte aber bald wieder am Wiederaufstieg arbeiten. Die Leitkultur verlangte jetzt Einstieg in Atomtechnologie und Datenverarbeitung. Wie bisher wurden Firmen im Dutzend geschluckt. Auch rechtzeitiges Abstoßen von profitschwachen Bereichen mitsamt Belegschaft hat bei Siemens Tradition: „Entlassungen sind Gift für den sozialen Frieden“ heißt es im Management. „Die Drecksarbeit überlässt man anderen“ formulierte ein IG Metaller. Selbst in der Kette der aufgeflogenen Korruptionsaffären zeigt sich das Leitmotiv: Profit und Weltmarktanteile rauf, Betriebsrat ruhigstellen.

Bemerkenswert war der Ausstieg bei der französischen Areva, als sich zeigte, dass dort keine strategische Position im Atomgeschäft zu erreichen war. Telefonie und auch der diskrete 49 Prozentanteil an der Panzerschmiede KMW sind passé, Halbleiter sind an Infineon und Lampen an Osram ausgegliedert, die Bahntechnik steht zur Diskussion. Neu gekauft sind mehrere Turbinenbauer und natürlich Softwareproduzenten für die digitale Fabrik und den Cyberwar. Das Projekt „Industrie 4.0“ wird mit der Deutschen Telekom, Bosch, SAP, Merkel, Gabriel und EU-Kommissar Oettinger vorangetrieben; die Führung in Europa ist Voraussetzung, um der seit 1945 erduldeten US Dominanz zu entkommen. Nathalie von Siemens will „die Tradition der Gründerväter lebendig halten“: ein klares Drohprogramm nicht nur für die 350.000, die den Siemens-Profit erarbeiten. Das Management hat verstanden und bekennt blumig eine „kontinuierliche Selbstreflexion in Bezug auf Wertschöpfungspotenziale“ (Handelsblatt, 31.1. 2016).

Porsche und Piëch

Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch heißen die Zuchtmeister der beiden Familienstämme von Ferdinand Porsches 36 Urenkeln. Der Clan kontrolliert die Volkswagen AG, das größte deutsche Unternehmen mit 600.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 200 Milliarden Euro; der Profit lag zuletzt bei 11 Milliarden Euro. Er hält über die Porsche Automobil Holding über 73 Prozent der Stimmrechte am zweitgrößten Autobauer der Welt und stellt mit Wolfgang Porsche den Aufsichtsratsvorsitzenden.

„Ihr“ Werk wurde im Auftrag der Nazis nach der Zerschlagung des ADGB mit der enteigneten Gewerkschaftskasse gebaut. Dazu durften die Arbeiter, nun Zwangsmitglieder der Naziorganisation „Kraft durch Freude“, Spargelder liefern für den KdF-Wagen, den Ferdinand Porsche entworfen hatte. Gebaut wurden im Werk aber Kübelwagen und anderes Kriegsgerät. Anton Piëch, Nazi der ersten Stunde, hatte 1928 Porsches Tochter geheiratet und leitete von 1941–45 das Stammwerk mit angegliedertem KZ. Am 10. April 1945 flieht der Betriebsführer und Volkssturmkommandeur mit der Kasse nach Zell am See aufs „Schüttgut“ der Porsches, wo sich auch heute noch die Erben treffen, um die Marschroute abzusprechen. Mitbekommen hatten sie von Anton und Ferdinand, die kurz als Kriegsverbrecher einsaßen, auch deren asoziale Skrupellosigkeit. Im „Kalten Krieg“ waren Rüstungsbetriebe gefragt und die Nazibande, die sie betrieb, war den Briten willkommen: Die Erben schöpften bald wieder aus den Profitquellen des VW-Werks.

1950 wurde VW an den Adenauer-Staat und nicht etwa an den DGB „rück“übereignet. 1961 dachte sich Erhard die „Volksaktie“ aus: 60 Prozent der VW-Anteile wurden an „kleine Leute“ verkauft; Niedersachsen übernahm 20 Prozent, die das Land heute noch hat. Die Proletarier verkauften die Aktien meistens, weil sie inzwischen z. B. einen VW brauchten. Unter den Käufern waren auch die Porsche- und Piëch-Erben. Die hatten gewaltig profitiert von Lizenzgebühren, lukrativen Entwicklungsaufträgen und günstigen Zulieferungen und über die Porsche Automobil AG in Salzburg, das heute größte europäische Autohandelsunternehmen mit Vertriebsmonopol für VW in Österreich und Osteuropa.

Diese für den Clan so lukrative Zusammenarbeit managte Ferdinand, der Sohn des KdF-KZ-Managers Anton Piëch, von 1993 bis 2015 erst als Vorstands-, dann als Aufsichtsratsvorsitzender. Er tat sich insbesondere mit der Einbindung von SPD, IG Metall und Betriebsrat hervor: Stichworte Schröder, Hartz und Brasilien-Volkert. Berthold Huber wurde sogar sein Nachfolger als Aufsichtsratschef nach dem plötzlichen Rücktritt im April 2015.

Da war VW schon fest in Oligarchenhand: Bis 2009 hatte sich der Clan mit gerichtsnotorischer Skrupellosigkeit in den Besitz der Mehrheit der Stimmrechte gebracht. Einen Gegner haben sie vielleicht unterschätzt: Mit der überfallartigen Abwerbung eines Opel-Teams wurde General Motors in Deutschland geschwächt. Der Angriff auf GM in den USA mit „Clean Diesel“ hat nun unerwartet harte Gegenwehr erzeugt. Die IG Metall ist diesmal nicht bereit, den Preis für den Clan zu bezahlen.

Oetker – Pudding für die Heimatfront

Wer den Namen Oetker hört, denkt erst mal an Pudding und Kuchen. Wir werden sehen, wie aus Backpulver nicht nur Torten wachsen können, sondern Macht und Milliarden.

Dabei hat der Firmengründer August Oetker das Backpulver gar nicht erfunden, aber er verkaufte es ab 1891 in 10-Pfennig-Tüten in seiner Apotheke zu Bielefeld. Im Jahr 1900 wurde dort die Fabrik errichtet, in der nun auch Puddingpulver, Aromen u. a. hergestellt wurde. Im 1. Weltkrieg warb Oetker mit: „Deutsche Hausfrauen! Kauft von jetzt an nur noch das deutsche Gustin statt des englischen Mondamin.“ Lukrative Heeresaufträge versüßten den Alltag an der Heimatfront, während Sohn Rudolf bei Verdun sein Leben ließ. Die Inflation nach dem Krieg machte das Unternehmen schuldenfrei. Und mit der Stabilisierung der Währung ging die Expansion richtig los. Der eingeheiratete Geschäftsführer Kaselowsky knüpfte Verbindungen u. a. zu Henkel und saß in verschiedenen Aufsichtsräten, nicht zuletzt bei der Deutschen Bank. Die Weltwirtschaftskrise überstand das Unternehmen mit wenigen Blessuren.

Nach der Machtübertragung an die Faschisten ließ Kaselowsky 1933 an der Bielefelder Kunsthalle ein riesiges leuchtendes Hakenkreuz und ein Hitler-Porträt anbringen. Er selbst war Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer SS“. Die Oetker-Produktion florierte im Krieg dank Ausbeutung von Zwangsarbeitern, der Absatz wurde durch Puddingpulver auf Lebensmittelkarte garantiert. Unvergessen sind die Proteste der Bielefelder Antifaschisten, als 1968 die Kunsthalle in Bielefeld nach Kaselowsky benannt werden sollte. Sie führten dazu, dass der Ministerpräsident von NRW Heinz Kühn und der Komponist Werner Henze ihre Teilnahme an der Einweihungsfeier absagten. Kaselowskys Nachfolger Rudolf August Oetker war als SS-Offizier beim Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion dabei. Er war bis 1947 interniert. Ab 1950 saß er in Bielefeld wieder fest im Sattel. Bekannt wurden seine Spenden für die NPD. Als 1998 (!) die SPD-Grünen-Stadtratsmehrheit den Namen Kaselowsky tilgte, ließ R. A. Oetker sämtliche Bilder-Leihgaben aus der Kunsthalle abholen.

Und Oetker florierte: die Reederei-Sparte wurde ausgebaut (heute unter den zehn größten Containerflotten der Welt), die Biermarken Dortmunder Actien Bräu, Binding und Berliner Kindl wurden aufgekauft. Luxushotels kamen dazu. Inzwischen gehören z. B. Henkell und Selters zu Oetker, Radeberger (nach dem Raubzug in der DDR) und Bionade; und mit dem Bankhaus Lampe auch die eigene Geldschöpfungsanlage.

Heute gehören rund 400 Firmen zum Oetker-Konzern. Über 28.000 Werktätige sorgen für 11 Milliarden Euro Umsatz (2014). Sie schaufelten dem Clan die Profite in die Tasche, zu denen noch immer keine Angaben gemacht werden müssen, da die Holding die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft hat und damit bei der Aufsichtsratsmitbestimmung außen vor bleibt. Das Vermögen der Erben wird auf 7,7 Milliarden Euro taxiert.

Mit der Finanzoligarchie sind die Oetkers fest verbunden und mischen sichtbar mit u. a. im Präsidium der Monopolverbände BDI und BDA, in der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, in der Atlantik-Brücke, in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, in der Trilateralen Kommission und auch als Mitglieder und Großspender der CDU.

Liz Mohn – Leitkulturschaffende

Deutschlands Medienoligarchin Liz Mohn kann auf einen Aufstieg zurückblicken, der sich für die Boulevard-Presse eignet: Als Telefonistin im Bertelsmann-Konzern wurde sie eine der Geliebten des Bertelsmann Erben Reinhard Mohn, 1963 Scheinehe mit einem Bertelsmann-Lektor, 1982 wurde sie Mohns zweite Ehefrau, um ihn 2009 zu beerben.

Ihre Medienmacht gründet sich auf die Kontrolle der Bertelsmann SE & Co. KGaA, Gütersloh, einem der zehn großen Medienkonzerne der Welt, in Europa der größte mit gut 17 Milliarden Euro Umsatz (2015) durch über 100.000 Beschäftigte. Der Gewinn ist nicht zu ermitteln, weil die Mohns den Konzern über eine nicht börsennotierte Konstruktion kontrollieren. Alle Stimmrechte liegen bei der Bertelsmann Verwaltungs GmbH (BVG), die sechs Gesellschafter hat, drei davon Mohns. Der vierte, Dieter Vogel, hat sich in seiner Karriere bei Bertelsmann als zuverlässiger Strohmann des deutschen Finanzkapitals bewährt. Nr. 5, Jürgen Strube, war BASF-Chef und Aufsichtsrat unter vielen anderen bei BMW und Allianz. Er hat den Überblick, damit in der „Meinungsfreiheit“, d. h. der Freiheit der Mohns ihre Meinung zu verbreiten, die Interessen des deutschen Finanzkapitals umfassend berücksichtigt werden. Nr. 6, Werner J. Bauer war Verwaltungsrat bei Nestlé und L’Oreal. Der Bettencourt-Clan, der L’Oreal mit Nestlé kontrolliert, spielt seit Generationen in der französischen Politik eine ähnliche Rolle wie Bertelsmann in Deutschland: Maximale Unterstützung der jeweils reaktionärsten Europa-Politiker, ob sie Petain oder Hitler, Sarkozy oder Merkel heißen. Die Frankreich-Connection ist für das Teekränzchen interessant, das Liz Mohn mit ihrer Konkurrentin, der bekennenden Transatlantikerin Friede Springer und Angela Merkel pflegt.

Über die diskrete BVG wird steuergünstig der Geldfluss zur gemeinnützigen(!) Bertelsmann-Stiftung gesteuert. Dort wird die „Leitkultur“ des deutschen Finanzkapitals auf die Schiene gesetzt, zunächst in Gesprächskreisen der Konzern-und Politik-“Eliten“. Deren Ziele werden von gesponserten Wissenschaftlern mit geeigneten Statistiken unterfüttert und in internationalen Studien in einen Rahmen gestellt, in dem sie alternativlos erscheinen. Verbundene Medien und davon abhängige Politiker setzen die Empfehlungen um. Ihr bisher größter Erfolg war die Agenda 2010. Über das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) nimmt Bertelsmann derzeit massiv Einfluss auf Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen, nicht zuletzt über die sogenannten Rankings.

Die Bertelsmann-Stiftung spielt sich die Bälle zu mit den Konzerngruppen, wo das Geld gemacht wird: Die RTL Group hat 32 Sender europaweit und 200 Millionen Zuschauer pro Tag. Gruner + Jahr, der größte europäische Printverlag (Stern etc.) hat Kooperationen mit Holtzbrinck (Zeit, Handelsblatt etc.) und eine Sperrminorität von über 25 Prozent im Spiegel Verlag. Random House ist die weltweit führende Buchverlagsgruppe mit ca. 120 Einzelverlagen: z.B. DVA, wieder mit Kooperationen mit Holtzbrinck Verlagen wie Rowohlt, S. Fischer, usw. Arvato, einer der weltgrößten IT-Dienstleister, liefert z.B. sämtliche Module für das Management von Kunden- aber auch Bürgerbeziehungen, für öffentliche Verwaltungen. Der Einstieg in öffentliche Verwaltungsaufgaben, auch im Bildungsbereich, ist eines der wichtigsten Umsatz-Wachstumsziele. Für ausführliche Info zur Manipulationskrake Bertelsmann empfehlen wir nachdenkseiten.de.

Aufstieg und Sinkflug des Zeppelin-Clans

Der Aufstieg der Zeppelins als Oligarchen begann mit dem Absturz des Fluggerätes des Grafen Ferdinand 1908. Die als Folge ausgerufene nationale Zeppelinspende erbrachte sechs Millionen Mark, dem heutigen Goldpreis entsprechend gut 60 Millionen Euro. So wurde sozusagen per Crowdfunding im Rahmen der ersten Großaufrüstung des deutschen Imperialismus die Grundlage für die Zeppelinstiftung gelegt. Der gehört heute die Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF), Zulieferer zur Produktion von Fahrzeugen von VW bis Leopard, ein Koloss mit einem Umsatz über 30 Milliarden Euro. 2014 wurde die US-Firma TRW übernommen, die Zahl der Beschäftigten wuchs von 71.000 auf 138.000. Mit Bosch und Schäffler/Continental gehört ZF zu den vier großen Fahrzeugzulieferern der Welt.

Für Verdruss sorgen beim Urenkel des Grafen, Albrecht von Brandenstein-Zeppelin (Cousin von Gerd von Brandenstein, bis 2015 Sprecher der Familie Siemens) immer noch die Weltkriegs-Niederlagen des deutschen Imperialismus, besonders die zweite. 1947 wurde der Zeppelinstiftungszweck „Forschung in den Bereichen Luftschiffbau und Luftfahrt“ gestrichen zugunsten der Stadt Friedrichshafen, der die Stiftung übertragen wurde. Geblieben war den Zeppelins neben Landsitzen, Ländereien und einem sehr katholischen Buchverlag auch eine knapp 5-Prozent-Beteiligung an der Maschinen und Turbinen Union (MTU). Die MTU, der ehemalige Zeppelin-Motorenbauer Maybach, hatte als Triebwerklieferant der Naziwehrmacht „Weltruf“ erlangt. Daimler-Benz kaufte im Zuge der Wiederaufrüstung nach und nach eine große Beteiligung an MTU, um sie in den geplanten Technologie- und Rüstungskonzern DASA einzugliedern, aus dem dann EADS und Airbus Group wurde. Brandenstein-Zeppelin wollte aber seinen MTU-Anteil lieber ausdehnen als verkaufen, um den 1947 verlorenen Platz im Kreis der Oligarchen wiederzugewinnen. Er betrieb deshalb einen Verkauf von MTU an den US-Rüstungs-Finanzinvestor Carlyle (bekannt durch gemeinsames Investment der Familien Bush und Bin Laden). Die Bundesregierung stellte aber klar, dass es sich bei dem Motorenbauer um eine Rüstungsfirma handelt, die unter das Außenwirtschaftsgesetz fällt, der Verkauf also zustimmungspflichtig war. Als Daimler dann noch den Maybach-Clan zu sich hinüberziehen konnte, knickte der „rebellierende Familienclan“ Brandenstein-Zeppelin ein und verkaufte für 180 Millionen Euro. Seitdem findet man sich auf der Focus-Liste der 500 Reichsten nur mehr auf Platz 458.

Widmet sich Albrecht, der als Lebensziel angegeben hat, dass Gott „durch ihn größere Wunder“ vollbringen möge, nun ganz seinem erzreaktionär-katholischen Treiben mit dem gleichgesinnten Maschinenbauerben Hubert Liebherr und Josef „Benedikt“ Ratzinger? Keineswegs: Statt weiter in die Heiligsprechung des österreichischen Kaisers und Kriegsverbrechers Karl oder ukrainischer Faschisten zu investieren, versucht sich der Adelsmann gegenwärtig wieder in die Zeppelin-Stiftung hineinzuklagen. Der „Willkürakt“ von 1947 sei aufzuheben und die Stiftung solle wiederhergestellt werden, wie sie vor 1945 existierte. Nachdem Friedrichshafen am Boden- und nicht am Müritzsee liegt, kann aber vermutlich nur ein Wunder das Restitutionsbegehren des Möchte-auch-wieder-gern-Oligarchen zum Erfolg führen.

Voith verdient(e) auch an Kriegen

Ein Aktienpaket von über 25 Prozent wechselt nach eineinhalb Jahren den Besitzer. Der steckt dadurch über Nacht 1,2 Milliarden Euro ein, 600 Millionen mehr als beim Erwerb Ende 2014. Spekulant? „Heuschrecke“? Es handelt sich um die Voith GmbH. Sie hat im Juni ihre Anteile am Roboterhersteller KUKA AG dem chinesischen Unternehmen Midea verkauft. Wirtschaftsminister Gabriel hatte sich noch gegen einen Verkauf geäußert: „Ich bin jedenfalls nicht bereit, Arbeitsplätze und Unternehmen auf dem Altar offener Märkte Europas zu opfern“. Seitdem aber auch Siemens-Statthalter Kaeser den Verkauf abgenickt hatte, war aus dieser „dicken Hose“ nichts mehr zu hören. Bieten doch die neuen chinesischen Mehrheitsaktionäre auch für die Beschäftigten Garantien, die gewöhnliche Kapitalisten nicht bereit waren zu geben.

Voith-Chef Lienhard jedenfalls sieht sich als Gewinner, strahlt über die „prall gefüllte Kriegskasse“ und betont, dass die Eigentümer „klug entschieden“ hätten. Wer sind die Eigentümer? Die Voith GmbH (bis 2010 J. M. Voith AG, Umwandlung zur Umgehung von Mitbestimmungsrechten) ist zu hundert Prozent in der Hand der Familie Voith. Deren Firmensitz ist im schwäbischen Heidenheim an der Brenz. Dort begann der Aufstieg 1825 mit einer Schlosserwerkstatt und fünf Handwerkern unter dem Kommando des Johann Matthäus Voith. Wirklich groß mit über tausend Lohnabhängigen wird Voith erst nach der Schaffung des gesamtdeutschen Markts durch „Blut und Eisen“ im Bismarckschen Deutschen Reich. 1870 wird die erste Wasserturbine gebaut, 1886 die erste Papiermaschine. Im ersten Weltkrieg verdient Voith auch als Munitionshersteller dazu. Sie kommen mit „schwarzen Zahlen“ auch durch die Weltwirtschaftskrise. Die Firmengeschichte im Tausendjährigen Reich wird „geglättet“. Der Firmenpatriarch Hanns Voith war bekennender Anthroposoph, was nicht daran hinderte, zum Wehrwirtschaftsführer ernannt zu werden und mit Rüstungsproduktion am Krieg zu profitieren und dabei schamlos Zwangsarbeiter auszubeuten. Schließlich war er wütender Antikommunist, wie seine Autobiographie offenbart. Er übergab die Stadt Heidenheim 1945 an die Amerikaner, wodurch das Werk verschont wurde. Mit deren Unterstützung kam er wieder ins Geschäft und 1.500 Wissenschaftler und Industrielle aus der sowjetisch besetzten Zone nach Heidenheim, die hier als Schwungmasse für den Aufbau Westdeutschlands als Bollwerk gegen den Sozialismus angesiedelt werden sollten.

Der Wiederaufstieg nach 1945 geht über Papiermaschinen und Turbinen. Mit der wieder einsetzenden westdeutschen Rüstung wächst auch der Bedarf an Antriebssystemen bei Panzern, Kriegsschiffen und Fluggeräten, die nicht zu vergessen sind, wenn Voith sein Engagement im Mordgeschäft hinter dem Begriff „Automotive“ zu verbergen versucht. Voith war und ist an umstrittenen Wasserkraftprojekten z. B. in China, Brasilien und Honduras beteiligt.

Gut vernetzt über Aufsichtsgremien, Beteiligungen, Joint-Ventures, Unternehmerverbände etc. ist Voith vor allem mit den Großkonzernen im Süden und Südwesten der Republik u. a. mit Freudenberg, Carl Zeiss, Würth, Trumpf, Bosch, Daimler, Siemens, BMW. Der langjährige Vorstands- dann Aufsichtsratsvorsitzende Michael Rogowski war Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Bekannt wurde der u. a. durch seine Attacken auf die paritätische Mitbestimmung. Ihm folgte M. Bischoff, ehemals hochrangiger Manager bei Daimler und bei EADS. Derzeitiger AR-Vorsitzender bei Voith ist H.-P. Keitel, Vizepräsident des Monopolverbands BDI. Über Stiftungen wirkt der Clan u. a. in Universitäten, Kommunen und Verbänden.

Voith ist heute mit mehr als 20.000 Beschäftigten, 4,3 Milliarden Euro Umsatz und Standorten in über 60 Ländern der Welt ein wichtiges Glied in der Kette des deutschen Monopolkapitalismus. Das Schuften der Kollegen lohnt sich für die Voiths: Das Vermögen der etwa 40 Clanmitglieder wird auf ca. zwei Milliarden Euro taxiert, etwa 50 Millionen pro Nase.

Das hat immer schon den Widerstand der Arbeiterbewegung hervorgerufen. Seit 1971 ist die DKP in Heidenheim im Gemeinderat vertreten. Mit ihrer Zeitung „Turbine“ trägt sie dazu bei, dass das Klassenbewusstsein nicht verschüttet wird.

„Wer Montags gern zur Arbeit kommt, Und Dienstags auch mit Lust, Am Mittwoch pfeift und fröhlich ist. Und Donnerstags nicht flucht, Am Freitag singt aus voller Brust „Ein Tag so wunderschön wie heut“, Ist zwar ein großer Optimist, Doch schafft er nicht beim Voith.

(Das Gedicht eines Voithianers wurde erstmals in der „Turbine“ im Juli 1983 veröffentlicht).

Bosch – Zusammengehörigkeitsgedanken

Wer Bosch nur mit Zündkerzen und Schlagbohrmaschine in Verbindung bringt, kennt nur ein Zipfelchen des Ganzen. Bosch ist der größte Autozulieferer der Welt und greift jetzt buchstäblich nach den Wolken: „Bosch steigt in das Cloud-Geschäft ein und bietet damit alles aus einer Hand für das Internet der Dinge“, hieß es im März in der deutschen Wirtschaftspresse. „Cloud“ (deutsch: Wolke) steht dabei für ein rechner-, unternehmens- und länderübergreifend zur Verfügung stehendes Riesenrechenzentrum (hinter dem wieder viele einzelne Rechenzentren stehen können), in dem Daten und Programme (Apps) Informationen liefern, entsprechend den Bedürfnissen der Benutzer. Die automatisierte Parkplatzsuche z.B. wird als mögliche Wunderanwendung angepriesen. Was auch immer davon letztlich realisiert wird, Bosch begibt sich in Konkurrenz zu Amazon, Apple, Google, Microsoft und auch SAP, die schon um die Größe des Abteils in der Wolke kämpfen. Das kostet Geld und das hat Bosch. Auf 15 Mrd. Euro wird die zu Recht als Kriegskasse bezeichnete Finanzreserve beziffert.

Wie ist Bosch in die Position gelangt, dass ein einzelnes Unternehmen über solche Mittel und über solche Macht verfügt, Vorzeigemonopole des US-Finanzkapitals herauszufordern?

Der 25-jährige Robert Bosch gründet 1886 die Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik. Der Aufstieg ist entscheidend mit den Verbesserungen der Zündkerze verbunden, die von Mitarbeitern Boschs erfunden wurden. Der Aufstieg ist so rasant und eng verbunden mit der Entwicklung der deutschen Automobilindustrie nicht zuletzt in Konkurrenz zu Ford, dass Bosch schon 1913 Niederlassungen auf allen fünf Kontinenten hatte und über 80 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt wurden. Und: Bei Kriegsbeginn ist fast alles motorisierte Kriegsgerät aller kriegführenden Länder mit Bosch-Zündkerzen ausgerüstet. Bosch galt bis dahin als dem demokratischen und sozialen Fortschritt zugetaner Kapitalist. Kautsky wohnte nach Aufhebung des Sozialistengesetzes bei ihm, Clara Zetkin hatte Verbindung ins Haus Bosch. Die Bosch-Tochter Paula wurde von Claras Mann, dem Maler Friedrich Zundel, porträtiert (und später geheiratet). Doch 1913 ist Krise auch beim Bosch. Es wird im Werk Feuerbach mit Lohnkürzungen, Verlängerung der Arbeitszeit, Entlassungen gedroht. Die Gewerkschaft (DMV) ruft zum Streik auf. Bosch sperrt aus und legt das Werk vorübergehend still. Hatte es bisher geheißen: Man muss auch den Arbeiter mitkommen lassen, damit er mehr zum „Gedeihen des Unternehmens“ (Profit für den Kapitalisten) beitragen kann, lernen die Arbeiter nun auch die Knute kennen.

1936 in der Festschrift „50 Jahre Bosch“ wird dieses „neue“ Gesicht von Bosch umkränzt und seiner faschistischen Bestimmung zugeführt: „Damit war entgegen dem bis dahin von R. Bosch gepflegten Zusammengehörigkeitsgedanken eine Kluft entstanden. Ihre jeweilige Überbrückung hat in den folgenden Jahrzehnten mitunter viel Geschick und guten Willen erfordert, bis schließlich der Nationalsozialismus wiederum dem Gedanken der Betriebsgemeinschaft zum Durchbruch verhalf.“

Bosch gehörte nicht zu jenem „alldeutschen Flügel“, dem schwerindustriellen, besonders aggressiven Teil des deutschen Finanzkapitals, der etwa mit der Industrielleneingabe vom 19. November 1932 die Machtübertragung an Hitler gefordert hatte. Aber er wusste nach dem Machtantritt des Faschismus auch gut auf der Nazi-Pfeife zu blasen. Sein Vertrauter Hans Walz wurde zum Betriebsführer, war Wehrwirtschaftsführer, war im „Freundeskreis Reichsführer SS“ mit ausgesuchten Spitzen der deutschen Wirtschaft verbunden. Schließlich waren der Krieg und seine Vorbereitungen wie eine Profitmaschine für Bosch. Im Krieg selber wurde nicht nur Stuttgart mit Zwangsarbeiterlagern auch für Bosch überzogen. Mindestens 20.000 Zwangsarbeiter insgesamt mussten gnadenlos für Bosch schuften. Vom Walz-Nachfolger Hans L. Merkle (der als der „Pate“ der „Deutschland AG“ galt und in der Unternehmerpresse gern als „Gottvater“ tituliert wurde) stammt denn auch die infame Formel zu den erbärmlichen Entschädigungszahlungen, um die man nach über 60 Jahren nicht mehr umhin kam: Man sehe „in der Beschäftigung von Zwangsarbeitern keine moralische Schuld, wenn auch eine materielle Verpflichtung der deutschen Wirtschaft“. Es war dem Druck der Sammelklagen aus den USA, aber auch dem unermüdlichen Einsatz so hervorragender Stuttgarter Widerstandskämpfer und Kommunisten wie Gertrud Müller und Alfred Hausser zu verdanken, dass die kapitalistischen Unterstützer und Nutznießer des deutschen Faschismus, die Menschenschinderfirmen, doch noch bezahlen mussten.

Hans Walz überdauerte nicht nur das 1000-jährige Reich. Er sorgte auch gleich für die publizistische Weißwäsche nach dem Krieg. Als ersten Biographen (1946) und Legendenbildner Robert Boschs konnte er Theodor Heuss gewinnen, den „Liberalen“, der 1933 für das Ermächtigungsgesetz gestimmt hatte und 1949 erster Präsident der Spalterrepublik BRD wurde. Seither gelten Bosch und natürlich Walz als Widerständler. Carl Goerdeler, der von den Nazis gehenkt wurde, gilt als der Mann von Bosch und Walz. Goerdeler aber, muss man wissen, steht für antikommunistische Diktatur ohne Hitler und für „die unerklärte bedingungslose Kapitulation den Westmächten gegenüber, bei verstärkter Weiterführung des Krieges gegen die Sowjetunion.“

Der Wiederaufstieg nach 1945 mit Hans Walz an der Spitze (bis 1963 und gekrönt mit dem großen Bundesverdienstkreuz mit Stern) sieht Bosch auf vielen Geschäftsfeldern aktiv. Mit der wieder einsetzenden westdeutschen Rüstung ist Bosch gleich wieder bei der Elektroausrüstung des berüchtigten Schützenpanzers HS-30 unter Kriegsminister Franz J. Strauß mit dabei. Und ohne Zündkerzen, Antriebssysteme, Einspritztechnik und damit ohne Bosch bewegen sich eben auch mörderische Dinge wie Panzer, Kriegsschiffe und Fluggeräte nicht.

Gut vernetzt ist Bosch allein schon durch die weltweiten Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Kreditgebern. Aber es ist auch die Einbettung in das Milieu der Finanzoligarchie. Etwa durch Heirat der Bosch-Erbin Eva mit Gero Madelung, dem langjährigen Chef der Rüstungsschmiede MBB, heute Herzstück von Airbus. Ein entscheidendes Wort redet Bosch im VDA (Verband der Automobilindustrie), im BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie), im Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft, in Aufsichtsräten wie z.B. der BASF, aber auch in der Forschung bei der Max-Planck-Gesellschaft oder Fraunhofer-Gesellschaft.

Die Robert Bosch GmbH erzielt heute mit fast 375.000 Beschäftigten (1970: 120.000), etwa 71 Milliarden Euro Umsatz, fast drei Mrd. Euro Profit. Bosch hat Standorte in über 50 Ländern der Welt und ist ein führendes Glied in der Kette des deutschen Monopolkapitalismus. Das Schuften der Kollegen lohnt sich für die Boschs: Das Vermögen der Bosch-Erben wird auf ca. 3,2 Mrd. Euro taxiert. Den wenigen Kindern und Enkeln des alten Bosch gehören unmittelbar 8 Prozent der GmbH, aber sie mischen tatkräftig in der Robert Bosch Stiftung mit. Dieser Stiftung gehören 92 Prozent der GmbH.

Hasso Plattner herrscht über SAP – „Ich bin ein guter Diktator“

Hasso Plattner gehört zu den zehn reichsten Deutschen und übt seine Macht offen aus. „Ich bin ein Diktator, aber ein guter Diktator“ sagt er und meint nicht nur sein Wirtschaftsimperium, den Softwarekonzern SAP. Nach m Börsenwert von etwa 100 Milliarden Euro ist die SAP SE der derzeit größte Konzern Deutschlands. Den kontrolliert Plattner als größter Einzelaktionär und Aufsichtsratschef mit harter Hand.

Seine Nachfolger im Vorstand hat er im Dutzend verschlissen außer seinem treuen Stellvertreter und Nachfolger als Vorstandschef bis 2009, Henning Kagermann. Seit 2009 ist Kagermann Präsident von Acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, und leitet de facto das Regierungsprojekt „Industrie 4.0“. Dabei hat Plattners Mann nicht nur die Rolle des Wirtschaftsberaters der Bundeskanzlerin eingenommen. Er koordiniert über den „Steuerkreis“ des „Innovationsdialogs“ zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft die Leitkonzerne der Digitalisierung (außer SAP sind das Siemens, Bosch und die Deutsche Telekom) und bindet über SAP-dominierte Akademien den nichtmonopolistischen kapitalistischen „Mittelstand“ ein. Seit er gar von der IG-Metall-Führung in den Beirat „Zukunft der Arbeit“ berufen wurde, blinken bei erfahrenen Kollegen die „Agenda“-Warnlampen.

Hasso Plattner hatte 1972 als Assistent von Dietmar Hopp SAP mitgegründet. 1979 wurde er dort Cheftechniker und sieht sich auch heute noch so. Die SAP-Gründer kamen von IBM und arbeiteten von Anfang an eng mit Siemens zusammen, um sich gegen die US-Konkurrenz zu positionieren. Groß wurde SAP mit betriebswirtschaftlicher Standardsoftware von der Buchhaltung über Personal bis zur Produktion und Materialwirtschaft. Hopp und die anderen Mitgründer sind nicht mehr bei SAP aktiv.

SAP ist heute der viertgrößte Softwareanbieter weltweit, der größte außerhalb der USA. Außerhalb der Fachwelt wurde man 2006 auf SAP aufmerksam, als die IG-Metall-Kollegen dort einen Betriebsrat durchsetzten gegen viele Drohungen, auch mit Abwanderung ins Ausland. Abgewandert ist SAP nicht, aber die bald monopolartige Marktbeherrschung und die entsprechend harte Gestaltung der Lizenz- und Wartungsverträge brachten so hohe Profite ein, dass weltweit kleinere Konkurrenten mit Milliardensummen im Jahrestakt aufgekauft werden können. Der Hauptkonkurrent Oracle aus den USA, dessen Datenbank die SAP Software häufig nutzt, versuchte erfolglos, SAP klein zu halten mit Milliardenklagen wegen Patentverletzungen, die SAP zum Teil zugab. Inzwischen hat SAP die eigene Datenbank „Hana“ vorgestellt, mit der Plattner Oracle angreift. „Hana“ wurde entwickelt in den eigenen weltweiten „SAP Labs“ und von Forschern der kalifornischen „Elite“-Uni Stanford am „Hasso Plattner Institute“ (35 Millionen Dollar Spende) sowie von Forschern der Uni Potsdam vom dortigen, ebenfalls von Plattner gesponserten „Hasso Plattner Institut für Systemtechnik“. Die derzeit freundliche Zusammenarbeit mit der Staatsmacht auch in den USA beschränkt sich nicht auf Forschung. Branchenkenner behaupten, dass SAP Geheimdiensten dabei hilft, enorme Datenmengen durchsuch- und auswertbar zu machen. Dafür spricht z.B. der Kauf von Inxight, einem vom Geheimdienst-Technikspezialisten Q-Tel und der Deutschen Bank geförderten Startup. Bei Sybase, 2008 von SAP geschluckt, ist die NSA Großkunde. Der BND begründete seine Etaterhöhung auch mit gestiegenen Kosten für die „effizienten“ SAP Leistungen.

SAP ist wie die US-Softwaregiganten eine Datenkrake, die aber weniger Privatkommunikation abgreift, sondern Firmendaten inklusive aller Beschäftigtendaten. Der Privateigentümer Plattner verfügt über die Daten und damit, wie „Industrie 4.0“ täglich zeigt, über die Macht. Die Technik und die Profite, auf denen Plattners private Macht beruht, wurden gesellschaftlich von den Zigtausenden produziert, die direkt und bei den mit SAP verbundenen staatlichen Organisationen für ihn arbeiten.

Schaeffler – Im Bankenkrach neugeboren

„Wer marschiert hinter dem ersten Tank? Der Dr. Rasche von der Dresdner Bank!“

So hieß ein Spottvers auf den Dresdner-Bank-Vorstand Karl Rasche, SS-Obersturmbannführer, der schon 1938 mit der Ausschlachtung der Nazi-Beute begann. Ein Wirtschaftsprüfer der Dresdner Bank, Wilhelm Schaeffler, stieß 1939 in diesem Rahmen im heute polnischen Kietrz auf die arisierten Davistan Werke, konnte den Laden übernehmen und gab ihm den Namen „Schaeffler AG“.

Heute gelten Maria-Elisabeth Schaeffler–Thumann und ihr Sohn Georg mit einem geschätzten Vermögen von über 20 Mrd. Euro als drittreichste Familie Deutschlands. 2015 wurde ihnen aus ihren Anteilen an Continental und Schaeffler 549 Mio. Euro Dividende ausgeschüttet, erarbeitet von rund 300.000 Kollegen. Wie der Gründervorfahr und Bankangestellte damals den Kauf von immerhin vier Werken finanzierte, ist unklar, vielleicht über seinen Arbeitgeber, die Dresdner Bank, die auch in der weiteren Entwicklung eine zentrale Rolle spielen wird.

Erst mal ging es geschäftlich steil bergauf, die Panzerketten rollten auf Schaefflers Nadellagern, die Wehrmacht war der beste Kunde. Als die Rote Armee vorrückte, ließ man in 40 Waggons die wichtigsten Maschinen nach Franken bringen. Die INA (Industrienadellager) der Brüder Wilhelm und Georg Schaeffler wurde ein wichtiger Automobilzulieferer und wuchs immer wieder durch Übernahme von Konkurrenten. Die „Welteroberung“ lief über Exporte und Produktionsstätten in der ganzen Welt. Als nach Wilhelm auch Georg Schaeffler 1996 starb, erbte seine Witwe Maria-Elisabeth, ein Spross der k. u. k. Bourgeoisie (Skoda, Generali), eines der größten Familienunternehmen Deutschlands. Sohn Georg jr., dem jetzt schon ca. 80 Prozent der Anteile gehören, lebt vorwiegend in den USA. 2014 heiratete die Witwe in Kitzbühel den Unternehmer und ehemaligen Präsidenten des BDI Jürgen E. Thumann.

Zu diesem Zeitpunkt war der heikelste Deal der jüngeren Unternehmensgeschichte bereits überstanden: 2008 hatten die Schaefflers, zunächst im Stillen begonnen, den wesentlich größeren Continental-Konzern zu übernehmen. Der war schwach, weil hoch verschuldet. Continental hatte gerade Siemens dem Automobilzulieferer VDO abgenommen. Der Coup der Schaefflers wurde aber teurer als erwartet. In der Finanzkrise verkauften mehr Continental-Aktionäre als vorgesehen. Finanziert war die Milliarden-Übernahme so solide wie die US-Schrottimmobilien, die die Krise ausgelöst hatten, nämlich zu 100 Prozent fremd, also über Kredit und ganz ohne eigene Mittel. Ganz vorn dabei bei den Kreditgebern war die Dresdner Bank, die damals gerade von der Allianz zur dann staatsgestützten Commerzbank verschoben wurde.

Hier haben wir die herrliche Mischung, die in diesem Land das Sagen hat: Eine „echte Unternehmerin“, die vor der Belegschaft eine Krisenträne abdrückt; Banken, denen die Firma eigentlich gehört, die aber einen Oligarchen brauchen, der die Sache durchzuziehen hat, und ein Staat, der „seinen“ Banken den Rücken stärkt, der längst schon morsch ist.

Die wichtigste Figur wird Klaus Rosenfeld, der 2002 mit 36 Jahren zum jüngsten Vorstandsmitglied der Dresdner Bank geworden war und als Finanzchef die Übernahme durch die Allianz-Gruppe begleitet hatte. Im März 2009, kurz bevor die Allianz die Dresdner Bank in der bereits anlaufenden Finanzkrise an die Commerzbank weitergibt, räumt Rosenfeld bei der Dresdner Bank den Schreibtisch und wird Finanzchef bei den taumelnden Schaefflers. Im Oktober wird Wolfgang Reitzle bei Continental Aufsichtsratschef. Der kommt von Linde, wo der Großaktionär die Allianz ist. Das Duo Reitzle/Rosenfeld demonstriert die Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital. Rosenfeld droht mit Insolvenz; er weiß, welche Gläubiger das nicht überleben würden. Schließlich kann er die Kredite verlängern und die sinkenden Zinsen zur Refinanzierung nutzen – mit dem Wohlwollen aller Beteiligten – von Continental bzw. der Allianz wie vor allem von der Commerzbank, die von der Dresdner Bank ruiniert und vom Staat gestützt wurde. Einer der weltgrößten Zulieferer der für die deutsche Bourgeoisie so wichtigen Autobranche ist stabilisiert, und die Familie Schaeffler-Thumann ist fest in das Netzwerk der deutschen Finanzoligarchie eingebunden.

Die Geschwister Quandt – Geld aus der Sklavenarbeit diente zur Sanierung der heutigen Ertragsperle BMW

Auf eine Milliarde arbeitsloses Einkommen brachten es die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten im vergangenen Jahr dank der ererbten 47 Prozent an der Autofirma BMW. Die Dividenden aus ihren anderen Unternehmen sind dabei noch nicht mitgerechnet. Allerdings: „Wenn man Mittel in dieser Höhe hat, muss man sich auch darum kümmern. Das ist ja nichts, was man ausgeben kann“, stellt Frau Klatten fest. Die ist dem breiten Publikum durch Sexabenteuer etwas besser bekannt als ihr Bruder. Beide kümmern sich aber um die Vermehrung ihrer Mittel eher im Stillen. Auch, weil die Herkunft der Mittel erst 2007 durch das TV-Feature „Das Schweigen der Quandts“ der Öffentlichkeit bekannt wurde: Vater Herbert Quandt hatte BMW-Aktien gekauft mit Geld aus dem Quandt-Nazirüstungskonzern, aufgebaut auf skrupellose Arisierungen und Sklavenarbeit von 50.000 Zwangsarbeitern. Herbert Quandt war dort als Junior- und Personalchef persönlich zuständig z. B. für das KZ der Akkumulatorenfabrik AFA (heute Varta), geschätzte Überlebensdauer der Häftlinge dort sechs Monate. Die Betriebe waren so kriegswichtig, dass die britische Besatzungsmacht in der Erwägung eines Angriffs auf die Sowjetunion lieber die Quandts weitermachen ließ, als sie in Nürnberg als Kriegsverbrecher anzuklagen. Als der Quandt-Freund und Goebbels-Stellvertreter Werner Naumann dann doch 1953 von den Briten gehindert wurde, mit der FDP in NRW die NSDAP wieder zu beleben, wurde er als Direktor in die Quandt-Firma Busch-Jäger übernommen.

1959 konnte Herbert Quandt dank gut gepflegter Vernetzung in Branche und Politik den Coup mit der „Rettung“ des siechen BMW-Konzerns landen: Er hatte die Perle dieses Konzerns, die BMW-Triebwerksbau-GmbH im Auge. Dort winkte die damals ungeheure Auftragssumme von 400 Mio. DM für Starfighter-Triebwerke. Der Verkauf der Triebwerks-GmbH an MAN – später wurde die MTU daraus – reichte, um BMW in den 60er Jahren zu sanieren. Aus den Quandtschen Waffenfabriken entstanden die IWK (heute Kuka), die an BMW modernste Produktionsanlagen lieferte. Auch in der Personalpolitik passten sich die Quandts an: Der aggressive Antikommunismus wurde in ein Umwerben rechter Sozialdemokraten verpackt. Ko-Management mit dem Betriebsrat gehört bei BMW wie bei VW zur Geschäftspolitik. Über die Methode, wie Mehrwert aus lebendiger Arbeit gepresst wird, kann gestritten werden, letztlich geht es Finanzoligarchen um Profit, gerechnet in Milliarden. Erbe Stefan Quandt formuliert das so – in der Antwort auf die Frage, ob er nach Bekanntwerden der KZ-Verantwortung weiter den Quandt-Preis für marktwirtschaftlichen Journalismus nach seinem Vater benennen wolle: „Wenn man sein Lebenswerk sieht, denke ich nach wie vor, dass man zu einem Gesamtbild kommt, das es rechtfertigt, einen Herbert Quandt-Medien-Preis zu verleihen.“

Im Mehrwertauspressen sind die Quandts weiter vorn dran: 2003 lieferten 105.000 Beschäftigte 1,1 Millionen Autos. 2015 brachten es kaum mehr – 122.000 Lohnabhängige – auf die doppelte Zahl BMW-Autos. Entsprechend stieg der Gewinn auf 9,2 Mrd. Euro. Das ist genug, um sich großzügig zu zeigen: Zum Beispiel gegenüber der TU München: Die liefert nicht nur Nachwuchs; ein wichtiger Teil der Forschung wird dort in Spendendankbarkeit abgearbeitet. Auch Merkel war dankbar: Fünf Tage nach Eingang einer Spende von 690.000 Euro waren 2013 in der EU drohende Abgasnormen vom Tisch. Von Kardinal Marx bis Elmar Brok (EU-Parlament und Bertelsmann) trifft sich, wer für die Quandts wichtig ist, jährlich beim Munich Economic Summit, den sie mit dem Ifo-Institut veranstalten. Hofknicks ist dort noch nicht vorgeschrieben.

Die guten Werke von Fresenius – Dialyse-Monopolist und größter Krankenhauskonzern Europas

Auf Platz 7 der „Liste der großen deutschen Familienunternehmen“ der FAZ steht mit einem Umsatz von über 25 Mrd. Euro und über 220.000 Beschäftigten die Fresenius KG auf Aktien. Sie kontrolliert gleich zwei im Deutschen Aktienindex DAX gelistete Konzerne: die Fresenius SE mit Helios, dem größten Klinikkonzern Europas, und Fresenius Medical Care (FMC), Weltmarktführer in der Dialysebehandlung von Patienten mit chronischem Nierenversagen. Hinter der KG steckt die 1983 gegründete steuersparende, weil „guten Werken“ gewidmete (dazu unten) Else-Kröner-Fresenius-Stiftung.

1872 gelangte die Hirsch-Apotheke (eröffnet 1462) in Frankfurt in die Hände der Familie Fresenius. Eduard Fresenius gründete 1902 eine kleine Pillendreherei. Der wirkliche Aufstieg begann erst nach seinem Tod 1946. Seine Erbin und Adoptivtochter Else Fernau heiratete 1964 ihren Wirtschaftsberater Hans Kröner. Der war über die NSDAP und nach 1945 über die Bank des Hitler-Financiers August von Finck zum Leiter des Vorstandsbüros des IG-Farben-Nachfolgers Hoechst aufgestiegen.

Als Else Kröner 1988 starb, vermachte sie ihre Firma der Stiftung. Hans Kröner spielte aber bis zu seinem Tod 2006 die entscheidende Rolle in Firma und Stiftung. Als Nachfolger in Vorstand und Aufsichtsrat setzte er den Ingenieur Gerd Krick ein, bis heute im Amt. Unter seiner Leitung wurde in den 80er Jahren ein technisch fortgeschrittener Dialysefilter mit Polysulfonfasern entwickelt. Der war günstig zu produzieren, ein klarer Wettbewerbsvorteil. Davon konnten bis heute fast eine Milliarde verkauft werden, weil Krick mit der Übernahme von über 25 Dialysefirmen in aller Welt (insbesondere der US-Firma National Medical Care) mit der FMC die Marktbeherrschung erreichte. Federführend bei der Expansion von Fresenius war die West LB. Bei der stand Fresenius so hoch in der Kreide, dass der zuständige Vorstand versuchte, Krick zu stürzen, was wegen bankinterner Probleme nicht gelang.

Das den Imperialismus kennzeichnende Monopol geht einher mit der Entwicklung des Finanzkapitals, dem Überwiegen des Finanzmannes über den Kaufmann. Auch bei Fresenius SE dominiert der Finanzmann: Nachdem Vorgänger Ulf Schneider auf den Chefsessel von Nestlé gewechselt war, übernahm der frühere Finanzchef Stephan Sturm, ein ehemaliger Investmentbanker. Auch die SE strebt nach dem Monopol. Mit dem Kauf von 40 Kliniken der Rhöngruppe und der über 111 Kliniken von Helios ist sie Marktführer der privaten Kliniken in Deutschland und mit dem milliardenschweren Kauf des spanischen Marktführers Quironsalud der größte Klinikkonzern Europas.

Zur Finanzierung der Expansion werden nicht nur die Banken, sondern auch die Aktionäre eingespannt. Hauptaktionär ist die Stiftung, Anteile über 5 Prozent halten z. B. „Allianz Global Investors“ und die US-Fondsgesellschaft Blackrock.

Die kapitalistische Akkumulation funktioniert ebenso wie die Herausbildung von Monopol und Finanzkapital unabhängig vom Willen des Kapitalisten, der vielleicht gute Werke tun will, aber bei Strafe des Untergangs expandieren muss. Sehr schön zeigt das die Klage der Stieftochter von Else Kröner gegen die Stiftung, die viel zu wenig Geld für die guten Zwecke ausschütte. Diese rechtfertigt sich in der „Wirtschaftswoche“: „Für die Stiftung wurde der Expansionskurs zur Herausforderung. Um ihren Anteil an dem seit 1986 börsennotierten Unternehmen zu stabilisieren, muss die Stiftung laufend Geld investieren, um bei Kapitalerhöhungen mithalten zu können“.

Man könnte auch mit Marx sagen „Akkumuliert, akkumuliert! Das ist Moses und die Propheten!“.

Henkel half Hitler an die Macht

Wer die Wäsche mit Persil wäscht, macht dabei ganz nebenbei die Henkels reicher; auch mit Pattex klebt man für Henkel mit; und eine Schwarzkopf-Haarpflege treibt die Henkel-Dividende hoch.

Wie viele der heutigen Großkonzerne wurde Henkel nach der Schaffung des Deutschen Reiches unter preußischem Stiefel gegründet. Seit 1878 sitzt Henkel in Düsseldorf, Standort damals auch von Mannesmann und Rheinmetall. 1907 kommt Persil auf den Markt. Im 1. Weltkrieg ist Henkel schon so wichtig, dass Kriegsgefangene zugewiesen und ausgebeutet werden. Henkel kommt gut durch Inflation und Weltwirtschaftskrise. Der Enkel des Firmengründers, Jost Henkel, wollte mehr – und setzte auf Hitler. Den stellte er als Präsident am 26.1.1932 seinem elitären Industrie-Club vor. Hitlers Auftritt in Henkels Club gilt als Durchbruch zur Machtübertragung 1933. Der Düsseldorfer Kommunist Jupp Angenfort führte dazu aus: „Hitler legte in einer Rede seine Konzeption vor. Er versprach, den Marxismus auszurotten, die Gewerkschaften zu zerschlagen, die Parteien zu verbieten und demokratische Wahlen abzuschaffen. Er versprach, die Reichswehr auszubauen, aufzurüsten und ‚Lebensraum im Osten‘ zu erobern. Industrielle und Bankiers dankten, wie Presse und Augenzeugen berichteten, mit lang anhaltendem Dauerbeifall. Von nun an flossen riesige Spenden an die Nazipartei. Es müsste im Industrie-Club eine Tafel angebracht werden mit dem Text: ‚Hier bekam Hitler von Großindustriellen und Bankiers Beifall und Geld, hier wurden die Weichen zum Krieg gestellt‘ Unter den Arbeiterinnen und Arbeitern, die vor dem Industrie-Club protestierten, war auch die Kommunistin Maria Wachter. Anwesend beim Protest am 26. Januar vor dem Industrie-Club war auch Werner Stertzenbach. Als die Nazis an die Macht geschoben worden waren, wurde Maria Wachter wegen ihres Widerstandes gegen die Nazidiktatur für fünf Jahre ins Zuchthaus geworfen. Der Jude und Kommunist Werner Stertzenbach kam ins Konzentrationslager. Jost Henkel aber, der Persil-Boss, der Hitler zum Industrie-Club eingeladen hatte, wurde Wehrwirtschaftsführer.

Mit Faschismus und Krieg wurden die Henkels reich. Wehrmachtslieferant und Ausplünderung besetzter Gebiete, Arisierung und Ausbeutung von Zwangsarbeitern – das war das Rezept. Ursprünglich auf der Schwerverbrecherliste der Alliierten, wurden sie in der britischen Zone rasch wieder eingesetzt; es gab ja Pläne der Westmächte weiterzumachen gegen die Sowjetunion. Im Januar 1947 hatten die Henkels ihre „Persilscheine“. Mit der Währungsreform 1948 konnten die Kriegsgewinne realisiert werden. Steuerprivilegierte Dr. Jost-Henkel-Stiftung, Großes Bundesverdienstkreuz, Präsidium des Unternehmerverbands VCI, Präsident des Deutschen Tennisbunds – ein fast normaler Wiederaufstieg eines Terroristen in Nadelstreifen.

Systematisch baute Henkel seine Stellung in den Märkten zunächst in Deutschland, dann in den USA und Asien aus. Heute ist Henkel bei „Wasch- und Reinigungsmitteln“ Nr. 3 auf dem Weltmarkt, Nr. 1 bei Klebstoffen und in Segmenten des Geschäftsfelds „Schönheitspflegeprodukte“ – und, wie bei einem Monopol üblich, mehrfach in Kartellverfahren verurteilt. Einer der bekanntesten „Henkelmänner“ in der Politik ist seit den 1970er Jahren Kurt Biedenkopf (CDU), der sich später als „König von Sachsen“ aufspielen durfte.

Wie selbstverständlich ging nach der Einverleibung der DDR das 1945 enteignete Henkel-Werk in Genthin wieder an Henkel. Im VEB Waschmittelwerk Genthin hatten 1.700 Beschäftigte mit der Marke „Spee“ nicht nur die DDR versorgt. Henkel reduzierte auf 300 Beschäftigte und gab schließlich 2009 den Standort auf, nahm aber die Marke „Spee“ mit nach Düsseldorf.

Im Geschäftsjahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 18,1 Mrd. Euro und ein betriebliches Ergebnis von etwa 2,6 Mrd. Euro. Von den 49.450 Beschäftigten sind mehr als 80 Prozent (41.100) außerhalb Deutschlands beschäftigt. Der Umsatz ist seit 2005 um 51 Prozent gestiegen, die Beschäftigten haben um 4 Prozent abgenommen. Dass dennoch die Gegenwehr schwach bleibt, dafür sorgt u. a. Henkel-Aufsichtsrat Michael Vassiliadis, sozialpartnerschaftlicher Vorsitzender der IG BCE und Vorsitzender der Stiftung „Neue Verantwortung“, die eng mit der Münchner „Sicherheitskonferenz“ verbunden ist. Verbindungsmann zur Hochfinanz ist Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, und zur Großchemie Werner Wenning, Ex-Chef und Aufsichtsratsvorsitzender des IG Farben-Nachfolger-Konzerns Bayer.

Die mehr als 100 Mitglieder des Henkel-Clan halten rund 61 Prozent der Firmenanteile. Aus dem Vermögen von 28 Milliarden Euro im Jahr 2014 wurden 2015 rund 30 Milliarden. Von Simone Bagel-Trah, der Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers, wird der Clan in der fünften Generation zusammen gehalten. Als „ein fein austariertes System von Macht und Verantwortung“ wird der Kriegsverbrecherkonzern bezeichnet.

Auswertung

Die Oligarchen, die wir hier zusammengetragen haben, sind in der Tat die „Spitze des Eisbergs des Finanzkapitals“, wie wir im Vorwort schrieben. Eine nicht kleine, aber überschaubare Zahl von weiteren Protagonisten und Nutznießern der herrschenden Verhältnisse wäre zu nennen wie die Haniels, die Wehrhahns, die Bentelers, die Reimanns usw. In die Taschen dieser Oligarchen-Clans fließt letztlich der Reichtum, den Millionen Arbeiter schaffen und für den sie schwitzen müssen, angetrieben und drangsaliert werden, mit Entlassung bedroht werden, für den sie kuschen und ducken sollen. Der von uns als Klasse geschaffene Reichtum verwandelt sich in den Händen der Monopolkapitalisten über tausende Fäden, die sie zu Netzen verknüpfen, in Macht. In Macht über den Staat, Militär und Polizei, Justiz und Geheimdiplomatie ebenso wie in Macht über die „weiche Gewalt“, die „öffentliche Meinung“. Am von uns dort dargestellten Knoten im Oligarchennetz zeigten wir Liz Mohn (Bertelsmann). Friede Springer, Hubert Burda und zwei, drei andere Oligarchen, die mit den Mohns die Medien der BRD beherrschen, würden das Bild ergänzen.

Die Entstehung dieser Kapitalisten-Clans ist eng mit der deutschen Geschichte verknüpft. Ihre Spuren lassen sich bis in die Anfänge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zurückführen, (wie bei Siemens und Voith). Andere wurden im Gefolge der Reichsgründung unter preußischem Stiefel nach1871 gegründet wie Bosch oder Oetker. Viele wurden wirklich reich mit dem 1. Weltkrieg 1914-18 wie die Quandts. Die Meisten legten besonders im Faschismus und im 2. Weltkrieg zu: durch Arisierung, Ausplünderung von eroberten Gebieten und von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen wie Bosch, Schaeffler oder Porsche und Piech. Während ihnen in der DDR das Handwerk gelegt wurde, stiegen sie im bundesrepublikanischen Westdeutschland mit Hilfe der westlichen Alliierten zügig wieder auf in ihre alte privilegierte Stellung. Nach der Einverleibung der DDR durch den deutschen Imperialismus (1990) holten sie sich überwiegend ihre verlorenen Werke und Besitztümer zurück. Neu in die Riege der Finanzoligarchen sind gekommen Fresenius, unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg und eingebunden in die Nazi-Seilschaften und seit den 1980er Jahren Plattner (SAP). Letzterer kann als ein besonders gutes Beispiel der Emanzipation vom US-Kapital, hier von IBM, gelten.

Diese Oligarchen-Clans zeigen, dass der Reichtum – bei allem Streben des Kapitals nach internationalen Dimensionen, nach namenloser Größe – letztlich bei Personen ankommt, die Namen, Anschrift, Gesicht und Nationalität haben. Sie lassen zwar alle Nationalitäten und Staaten gegeneinander ausspielen, haben das „Vaterland“ tausendmal verraten, um maximalen Profit zu machen. Wenn es aber um die Verteidigung ihrer Interessen mit Druck und Zwang durch staatliche Gewalt geht, wenden sie sich an den deutschen Staat. Dann kaufen sie sich deutsche Politiker, die in Berlin oder Brüssel ihre Geschäfte besorgen, Gesetze zu ihren Gunsten durchsetzen, sie gegenüber anderen Staaten und anderen Monopolen vertreten bei der Offenhaltung der Grenzen für ihre Waren und ihr Kapital. Oder umgekehrt: die in der BRD dafür sorgen, dass ihre „Heimatmärkte“ geschützt bleiben. „Transnational“ gibt sich das Kapital nur dort, wo es allen Ausbeutern oder einer Mehrheit davon nützt zusammenzugehen gegen die Ausgebeuteten und die vom Imperialismus abhängigen Ländern. Dann machen sie Strukturen wie Staat und Nation mit Sprüchen von Globalisierung verächtlich. Wenn sie sich aber untereinander in die Wolle kommen, wenn es um die Neuaufteilung der Welt unter die Monopole geht, wissen sie ganz genau, welcher Nationalstaat ihnen die Kastanien aus dem Feuer holen soll, welche Uniform die Soldaten anhaben, mit denen sie drohen können und die sie in den Krieg schicken können. Wenn wir von deutschem Kapital und deutschem Imperialismus sprechen, dann meinen wir den sich bewegenden Widerspruch zwischen internationaler Expansion des Kapitals mit dem Zwang, die Grenzen der Nation zu überwinden, und den Schranken, die jedem Nationalstaat gesetzt sind durch die Grenzen, die andere Nationalstaaten ihm qua Existenz setzen. Der umfassende Weltstaat unter kapitalistischen Bedingungen samt Ultraimperialismus sind immer schon ein Zufluchtsort für Opportunisten und Albträumer gewesen.

Unsere Oligarchen sind untereinander gut vernetzt über Aktienbesitz an den großen Kapitalkonglomeraten der Geldwirtschaft wie Allianz und Deutsche Bank, der Chemie wie Bayer und BASF, oder der Energiewirtschaft wie Eon und RWE. Sie sind vernetzt über Aufsichtsräte, Bank- und Kreditverbindungen, über internationale Plattformen wie den „Munich Economic Summit“, den Stefan Quandt sponsert, oder die „Trilaterale Kommission“, oder die „Bilderberger“, und nicht zuletzt über die Unternehmerverbände, die ihre kollektiven Interessen gegen die Gewerkschaften vertreten. Sie sind in Jahrzehnten geübt, die Ausbeutung im Kleid des Familienunternehmens und der Betriebsfamilie zu betreiben. Sie haben sich ihre Vertreter in Betriebsrat, in den Führungen von Gewerkschaften und Sozialdemokratie, in den Kommunen, Ländern und Bund herangezogen, die für Ruhe im Betrieb und an der Heimatfront sorgen, die die Arbeiter einlullen und niederhalten sollen. Hohe Produktivität, niedrige Löhne, kurz: maximale Mehrwertrate durchgesetzt durch den Besitz der Produktionsmittel, durch die Monopolstellung bei der Vergabe von Arbeitsplätzen und damit Lebensgrundlagen und Lebenschancen – das ist das simple Erpresser-Rezept, mit dem sie wieder nach oben gekommen sind und heute wieder wirken für den dritten Anlauf zur imperialistischen Groß- und Weltmacht.

Und fast alle unsere Oligarchen sind Wohltäter der Menschheit; das scheint ein schlechtes Gewissen zu zeigen angesichts des obszönen Reichtums, der sich bei ihnen aufgehäuft hat. Nur: sie unterhalten Stiftungen während gleichzeitig mit Hartz IV das öffentliche Niveau von Wohltätigkeit gesenkt wird. Statt gesellschaftlich organisiert unter demokratischer Kontrolle können sie – steuerprivilegiert – mit ihren Zuwendungen und Projekten ein Klientel von Nutznießern und Abhängigen heranziehen, sich in der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Ekel- und Schickeria-Image sozial aufpolieren.

Bemerkenswert ist auch, dass seit einigen Jahren Frauen an der Spitze von Clans fungieren wie bei Siemens, Schaeffler, BMW, Henkel und Bertelsmann. Dass sich dadurch etwas an den Produktions-, Eigentums- und Ausbeutungsverhältnissen geändert hätte, ist bisher nicht bekannt geworden. Sollte es gar stimmen, dass die Geschlechterfrage der Klassenfrage untergeordnet ist?

Geht nun von dieser kleinen Oberschicht des Finanzkapitals, sagen wir 50 oder 100 Familien, die Gefahr von Faschismus und Krieg aus? Von wem denn sonst? Natürlich nicht in dem Sinn, dass ein Rat der Oligarchen beschließen würde, ab morgen gibt es „grünes Licht“ für Faschismus und übermorgen darf der Krieg losgehen. Aber: Sie verkörpern die Dynamik des Kapitals, die Akkumulation, das Immer-Mehr an Profit auf immer größere Kapitalmassen. Und sie verkörpern die Reproduktion der Grenze solcher Expansion in Form im stets hinter dem Profit zurückbleibenden Lohns und damit der Massenkaufkraft. Sie verkörpern die Krise, die damit einhergeht und den kapitalistischen Ausweg: Ein Kapitalist schlägt viele tot – und den Entwicklungspfad unserer Oligarchen säumen tausende von toten Kapitalisten in Gestalt aufgekaufter, niederkonkurrierter und in die Pleite getriebener Firmen. Wenn aber Firmen nicht weichen wollen oder wenn sie so groß geworden sind, dass ihr Untergang auch andere Große in den Abgrund zu reißen droht, dann wird das ökonomische Gesetz gewaltsam außer Kraft gesetzt. Im höchsten Stadium des Kapitalismus, im Imperialismus, wird Gewalt, Streben nach Herrschaft selbst zum ökonomischen Gesetz, wird der Staat als Träger der Gewalt, als besonderes Repressionsorgan der herrschenden Klasse, den Monopolinteressen untergeordnet. Wenn dann in politischen und ökonomischen Krisenlagen die am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Teile des Finanzkapitals sich durchsetzen, wird die Gefahr von Faschismus und Krieg akut. Töne auf dieser Flöte hörte man schon aus den Clans wie Siemens/Brandenstein, Quandt oder Oetker. Und die haben ihr Klientel mit Multiplikatorwirkung, das sie mobilisieren können, ihre Think Tanks, um den Schein des Wissenschaftlichen zu erwecken, den Zugang zu den Medien, um Stimmung zu machen. Doch sie wissen auch, dass Faschismus und Krieg ein Abenteuer mit hohem Risiko und ungewissem Ausgang ist. Ungewiss ist, ob diese Kräfte sich gegen die anderen Teile der Finanzoligarchie durchsetzen, ungewiss ist der Widerstand, der aus der Arbeiterklasse und den demokratisch gesinnten Volksteilen kommt, ungewiss ist die Reaktion aus den anderen imperialistischen Ländern.

Aber auch ohne die Gefahr von Faschismus und Krieg – es reicht! Es reicht, dass ein paar Clans unsere Arbeits- und Lebensverhältnisse, unsere Lebensgrundlagen bestimmen, undemokratisch, unkontrolliert und unverschämt. Es reicht, dass nicht nur der Reichtum, sondern auch der Herrenstatus von Generation zu Generation vererbt wird. Es reicht, dass sie uns gegeneinander ausspielen können, dass wir im Kollegen den Feind, den Konkurrent um den Arbeitsplatz sehen sollen. Es reicht, dass erhebliche Teile der Arbeiter, der Arbeitslosen, der Rentner, der Kranken und Invaliden in Armut leben, obwohl alle materiellen Voraussetzungen da sind, dies zu ändern. Es reicht, dass für sie ganze Länder ausgeplündert werden und in Elend und Krieg versinken, dass nur noch Flucht als Ausweg bleibt. Es reicht, dass für sie, um Kosten zu senken, die natürlichen Ressourcen verschleudert werden und der Planet im Abfall versinkt. Es reicht!

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Nathalie von Siemens bei der Berlin Gala des Konzerns mit A. Merkel, ihrem staatlichen Arm, und dem Arbeiteraristokraten Berthold Huber, ihrer sozialen Stütze, – zuständig für das „Willig“ und „Billig“ der Arbeitskräfte. Nathalie von Siemens will „die Tradition der Gründerväter lebendig halten“: ein klares Drohprogramm nicht nur für die 350.000, die den Siemens-Profit erarbeiten.

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Die Herrscher über das VW-Imperium: Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche: Piëch tat sich insbesondere mit der Einbindung von SPD, IG Metall und Betriebsrat hervor: Stichworte Schröder, Hartz und Brasilien-Volkert. Vorsätzlicher Betrug bei den Diesel-Abgaswerten? – Nix gewusst. Schließlich heißt die Devise: Sorgenfrei kassieren!

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In vielen der Oligarchen-Clans herrscht Zwist um Geld, Macht, Posten und Erbe. Hier August Oetker (im Vordergrund), der von Alfred bedroht wird. Im Hintergrund das Portrait des Patriarchen Rudolf August Oetker, SS-Offizier. Zur Beruhigung wird dann auch mal ein Unternehmensteil für etwa 5 Milliarden verkauft wie die Schifffahrtssparte im Dezember 2016.

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Vermutlich nicht wegen ihrer Qualitäten als Telefonistin stieg sie zur Erbin des Bertelsmann-Konzernherrn Reinhard Mohn auf. Umgeben von Vertrauensmännern des deutschen Finanzkapitals übt sie dank der Medienmacht maßgeblichen Einfluss auf die „Leitkultur“ des deutschen Imperialismus aus.

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Der Zeppelin Nachfahre ist eng mit dem Siemens-Clan verbandelt: Fundamental-Katholik und ungemein gierig, sich die Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF), einen der weltgrößten Autozulieferer, zu krallen. Doch er verriet der „Bunte“: „Es geht nicht um meine Ehre, sondern um historische Verantwortung, die auf mir lastet und der ich gerecht werden muss.“

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Der Firmenpatriarch Hanns Voith war bekennender Anthroposoph, was nicht daran hinderte, zum Wehrwirtschaftsführer ernannt zu werden und mit Rüstungsproduktion am Krieg zu profitieren und dabei schamlos Zwangsarbeiter auszubeuten. Schließlich war er wütender Antikommunist, wie seine Autobiographie offenbart.

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Mindestens 20.000 Zwangsarbeiter insgesamt mussten gnadenlos für Bosch schuften. Vom Walz-Nachfolger in der Geschäftsführung des Bosch-Konzerns Hans L. Merkle (der als der „Pate“ der „Deutschland AG“ galt und in der Unternehmerpresse gern als „Gottvater“ tituliert wurde) stammt denn auch die infame Formel zu den erbärmlichen Entschädigungszahlungen, um die man nach über 60 Jahren nicht mehr umhin kam: Man sehe „in der Beschäftigung von Zwangsarbeitern keine moralische Schuld, wenn auch eine materielle Verpflichtung der deutschen Wirtschaft“.

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SAP ist eine Datenkrake, die aber weniger Privatkommunikation abgreift, sondern Firmendaten inklusive aller Beschäftigtendaten. Der Privateigentümer Plattner von SAP – Vielen nur als Kunstmäzen bekannt – verfügt über die Daten und damit, wie die u.a. von ihm geschickt auf den Weg gebrachte Kampagne „Industrie 4.0“ täglich zeigt, über die Macht.

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Beim Schaeffler-Konzern (hier die großbourgeoise Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann beim Börsengang der Schaeffler AG umgeben von v.l.n.r. Jürgen Thumann, der Großkapitalist und langjährige BDI-Präsident, mit dem sie seit 2014verheiratet ist, Georg Schaeffler, der „Kronprinz“, und Klaus Rosenfeld, der Hausmeier) haben wir die herrliche Mischung, die in diesem Land das Sagen hat: Eine „echte Unternehmerin“, die vor der Belegschaft auch mal eine Krisenträne abdrücken kann; Banken, denen die Firma eigentlich gehört, die aber einen Oligarchen brauchen, der die Sache durchzuziehen hat, und ein Staat, der „seinen“ Banken den Rücken stärkt, der längst schon morsch ist.

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Die Quandts: Für so etwas lohnt es sich doch wirklich zu schuften, zu schwitzen und zu bluten, oder?

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Die Fresenius-Adoptivtochter und –Erbin Else Fernau heiratete 1964 ihren Wirtschaftsberater Hans Kröner. Der war über die NSDAP und nach 1945 über die Bank des Hitler-Financiers August von Finck zum Leiter des Vorstandsbüros des IG-Farben-Nachfolgers Hoechst aufgestiegen. Ein solches Musterexemplar der westdeutschen „Eliten“ hatte bis zu seinem Tod 2006 das Sagen im Konzern.

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Von Simone Bagel-Trah, der Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers, wird der Clan in der fünften Generation zusammengehalten. Als „ein fein austariertes System von Macht und Verantwortung“ wird der Kriegsverbrecherkonzern Henkel bezeichnet.

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