KAZ-Fraktion: „Ausrichtung Kommunismus”

Heusinger, Gehlen und der Anfang des 3. militärischen Anlaufs des deutschen Imperialismus zur Weltmacht

Wie kann es kommen, dass der nach 1945 so starke US-Imperialismus sich heute einer deutschen Armee gegenübersieht, die anstrebt, ihm „auf Augenhöhe“ gegenüber zu treten mit einer von Deutschland dominierten EU-Armee? Bereits nach dem 1. Weltkrieg war es nicht gelungen, den geschlagenen imperialistischen Konkurrenten nieder zu halten. Um zu verstehen, wie es kam, dass der deutsche Imperialismus nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch wieder hochkam, ist es nützlich, sich mit den Ursprüngen der westdeutschen Remilitarisierung zu beschäftigen. Wer die Entwicklung des Huhns verstehen will, sollte das Ei begreifen.

Das deutsche Monopolkapital wurde 1945 nicht zerschlagen, weil die deutschen Konzernherren schon vor Ende des Kriegs begriffen hatten, dass der Hauptfeind der Herrscher der mächtigen USA die Sowjetunion sein würde. Als geschlagener imperialistischer Konkurrent würde man sich dem US-Imperialismus gegen die siegreiche Sowjetunion andienen. Zunächst boten sie 1944 die deutschen Soldaten als Kanonenfutter gegen die Rote Armee an, um einen Separatfrieden im Westen zu erreichen.

Auf militärischer Seite steht dafür die Einsicht der Generäle Heusinger und Gehlen, zuständig für die operative Planung des Kriegs gegen die Sowjetunion, dass auch mit Einsatz aller Reserven durch extreme Ausbeutung Deutschlands und der besetzten Länder und größter Grausamkeit gegen die Völker dieser Krieg nicht zu gewinnen war.

Adolf Heusinger, seit 1937 in der Operationsabteilung des Generalstabes, die mit der strategischen und operativen Führung der Heeresverbände befasst war, wurde im Oktober 1940 deren Chef. Gleichzeitig wurde Reinhard Gehlen, der I. Adjutant von Generalstabschef Franz Halder, dort Leiter der Gruppe Ost, um mit Heusinger die konkreten Angriffspläne gegen die Sowjetunion auszuarbeiten. Im Juni 1941 wurde die SU überfallen. Nachdem sich der Krieg in der SU im Winter 1941/42 anders entwickelte als im deutschen Generalstab erwartet, nicht zuletzt durch den Partisanenkampf, übernahm Gehlen im Mai 1942 im Generalstab die Abteilung „Fremde Heere Ost“, die Spionage gegen die SU. Heusinger als Leiter der Operationsabteilung wurde zum Koordinator der Partisanenbekämpfung ernannt und ließ „Richtlinien für Bandenbekämpfung“ ausarbeiten. Hitlers „Weisung Nr. 46 für die Kriegführung“ vom 18. August 1942 erklärte die Bekämpfung des „Bandenunwesens“ zur vordringlichen Aufgabe und übertrug deren Durchführung in Kooperation mit der Heeresleitung dem Chef der SS-„Banden­kampf­verbände“, Erich von dem Bach-Zelewski. Heusingers operative Planung und Bach-Zelewskis SS-Bandenkampfverbände stützten sich dabei auf die Erkenntnisse Gehlens, der wiederum mit dem SS-Nachrichtendienst kooperierte. Dabei wurden ganze „banditenverseuchte“ Gebiete eingekesselt und Orte, die als „bandenhörig“ galten oder mit der Zwangsablieferung landwirtschaftlicher Güter an die deutschen Okkupanten im Rückstand waren, in Listen erfasst. Dann folgte die „Durchkämmung“: Die Häuser wurden zerstört und die Einwohner zum großen Teil ermordet. (Fussnote: Das Leugnen der Völkermord-Verbrechen der Hitlerarmee in der BRD hält auch nach der Ausstellung „Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944“ an, die erst 2008 eine gewisse Aufklärung brachte.) Heusingers „Richtlinien“ zum Völkermord galten in allen besetzten Ländern. Beispiel Frankreich: Bach-Zelewskis SS-Stabschef Heinz Lammerding, verantwortlich für die Vernichtung unzähliger Dörfer und Städte der Sowjetunion, wurde von einem französischen Gericht in Abwesenheit zum Tod verurteilt (aber von der Bundesregierung nicht an Frankreich ausgeliefert) als direkter Hauptverantwortlicher für die Massaker in Tulle und Oradour-sur-Glane, die 1944 nach den Heusinger-Richtlinien verübt wurden als Repressalie gegen die französischen Partisanen des Limousin.

In Tulle nahm sich Lammerding die Zeit zu einem Repressionsspektakel: Er lässt seinen SS-Divisionsrichter ausdrücklich auf Grundlage des Befehls zur „Bandenbekämpfung“ nach Heusingers „Richtlinien“ die Männer verurteilen, die aus 3.000 von der SS Zusammengefangenen ausgewählt werden und öffentlich gehängt werden.

Gehlen plante 1944 schon für die Zeit nach dem Krieg. Er wusste: „Die Westmächte werden sich gegen den Verbündeten Russland wenden. Dabei werden sie mich ... im Kampf gegen eine kommunistische Expansion benötigen ...“.

In der Tat war das Angebot an die Westmächte, deutsche Soldaten zum Aufreiben der Roten Armee zu verwenden, bei Churchill nicht auf taube Ohren gestoßen. Vorläufig hatte sich aber die Linie Roosevelts, von dessen Krediten Churchill abhängig war, durchgesetzt: Vollständiges Niederringen und Entmachtung der deutschen Faschisten, was auch Stalins Linie war. (Fussnote: Jürgen Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus. Darstellung der Lage der Arbeiter in Westdeutschland seit 1945. Band 7a, S. 14 ff)

Dennoch setzten die US-Militärs ihre „Operation Overcast“ in Bewegung, um Rüstungstechnologie, Hardware wie Personal, in ihre Obhut zu bringen. Gehlen, gut informiert, hatte sich und seine Folterknechte aus Militär, Gestapo und SS als Spezialisten für Kriegsführung gegen die Rote Armee erfolgreich angeboten und besonders auch auf Heusinger, den Verfasser der Partisanenbekämpfungs-Richtlinien hingewiesen. Insgesamt wurden über Tausend führender Militär- und Rüstungsnazis unmittelbar 1945 für die USA in der Planung gegen die SU eingesetzt, auch SS-Bach-Zelewski. Es ging darum „den Kampf gegen den Bolschewismus fortzusetzen“, wie der Nazi-Generalstabschef Franz Halder, der seinen 1. Adjutanten Gehlen zur Planung des Kriegs gegen die Sowjetunion zu Heusinger geschickt hatte, seine Arbeit für die US-Army kommentierte. Als in den USA Bedenken wegen der offiziellen Entnazifizierung aufkamen, schritt US-Oberbefehlshaber Eisenhower persönlich ein. Das Nazipack inklusive Atom- und Raketenforschern wie Wernher von Braun wurde in der „Operation Paperclip“ in die USA gebracht.

Gehlen und seine verbrecherische Organisation wurden in die US-Army übernommen. Heusinger erarbeitete, zunächst unter dem Deckmantel der Organisation Gehlen, einen Plan zur Wiederbewaffnung des deutschen Imperialismus, der unter amerikanischer Aufsicht in Westdeutschland überlebte. Einer der besten Kenner der Entwicklung des deutschen Imperialismus, Jürgen Kuczynski, fasst zusammen: „Im Laufe des Jahres 1948 begann man (die US-Besatzungsmacht d. Verf.) mehr und mehr, dem deutschen Monopolkapital eine entsprechend seinen ‚Fähigkeiten als Spezialist im Russlandkrieg‘ aktive Rolle im Rahmen der imperialistischen Politik der Eroberung der Weltherrschaft einzuräumen.“ (Fussnote: A.a.O, S. 28)

1950 wurde die bis dahin geheim geplante Remilitarisierung des deutschen Imperialismus unter US-Aufsicht in der „Himmeroder Denkschrift“ von einer „Expertengruppe“ öffentlich gemacht, der Heusinger als Leiter des Organisationsausschuss angehörte. Die „Bundeszentrale für politische Bildung“ (bpb) teilt uns in Selbstauskunft unter dem Stichwort „Die deutsche Wiederbewaffnung“ auf ihrer Website dazu mit:

„Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung war am 6. Oktober 1950 getan. Im Eifelkloster Himmerod entwarfen deutsche Militärs die grundlegende Planung für die Bundeswehr ... Das darin erarbeitete militärische und sicherheitspolitische Konzept fügte sich in den aktuellen Ost-West-Konflikt ein, basierte aber auf den operativen Maximen des Generalstabs des Ostfeldzugs der Wehrmacht, die in der Sowjetunion einen Angriffskrieg geführt hatte. Manches klang wie eine Wiederauflage alter Kriegspläne: Es ginge in der Zukunft um eine europaweite „Gesamtverteidigung von den Dardanellen bis nach Skandinavien“. Man verstand Verteidigung dabei „von vornherein offensiv“ und sah die Bewaffnung mit „modernen Waffen“, sprich: Atombomben, vor. Totaler Krieg ganz im Geist der Wehrmacht. Diese „Himmeroder Denkschrift“ kann als eigentliche Geburtsstunde der Bundeswehr bezeichnet werden.“

Ein BND-Experte stellte fest, dass die Himmeroder Denkschrift sich anlehnt an die Übereinkunft, die bereits Gehlen mit den Amerikanern getroffen habe und in der bereits das Verhältnis von Kooperation und Konkurrenz der Imperialisten aufscheint, aus dem sich die heutige Beziehung zwischen dem deutschen und dem US-Imperialismus entwickelte (Fussnote: Erich Schmidt-Eenboom: Ein Sonderling an der Wiege der Wiederbewaffnung – Gehlens Paranoia und die Geburtswehen des BND. Forschungsinstitut für Friedenspolitik e.V. Diese Quellenangabe und weitere finden sich in den Wikipedia-Einträgen zu den genannten Personen, Ereignissen und Organisationen, zu nennen ist auch die Operational History (German) Section der US-Army): „Es wird eine deutsche nachrichtendienstliche Organisation unter Benutzung des vorhandenen Potenzials geschaffen, die nach Osten aufklärt bzw. die alte Arbeit im gleichen Sinn fortsetzt. Die Grundlage ist das gemeinsame Interesse an der Verteidigung gegen den Kommunismus. Die deutsche Organisation arbeitet nicht für oder unter den Amerikanern, sondern mit den Amerikanern zusammen ... Sollte die Organisation einmal vor der Lage stehen, in der das amerikanische und deutsche Interesse voneinander abweichen, so steht es der Organisation frei, der Linie des deutschen Interesses zu folgen.“

Aus der Organisation Gehlen wurde 1956 offiziell der Bundesnachrichtendienst mit Gehlen als Chef. Hitler hatte im April 1945 als Nachfolger Gehlens, der sich absetzte, seinen Stellvertreter Gerhard Wessel ernannt. Wessel wurde 1968 wieder Nachfolger Gehlens beim BND.

Heusinger wurde 1957 zum ersten Generalinspekteur der Bundeswehr ernannt. 1961 wurde er Vorsitzender des Militärausschusses (Military Committee) der NATO und Mitinitiator der NATO-Nuklearstrategie mit Sitz in den USA. Im Dezember 1961 verlangte die Sowjetunion erfolglos von den USA die Auslieferung Heusingers wegen Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg. Im August 1963 erhielt Adolf Heusinger das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1964 trat Heusinger in den Ruhestand.

Seit 1967 erhält an der Führungsakademie der Bundeswehr jedes Jahr der Primus des Generalstabslehrgangs den General-Heusinger-Preis. Er gilt als höchste Auszeichnung der Offiziersausbildung der Bundeswehr.

Der US-Imperialismus hat den deutschen Imperialismus im Kalten Krieg wieder hochkommen lassen, zunächst, um Kanonenfutter und Spezialisten für seinen geplanten Krieg gegen die Sowjetunion zu haben. Heute strebt der deutsche Imperialismus eine EU-Armee an, weil er, kapitalstärker geworden, die US-Hegemonie abschütteln muss, die seine Expansion bremst, aber allein zu schwach ist gegen den US-Imperialismus. Die Schande der Sozialdemokraten, die sich dafür einspannen lassen, beschränkt sich nicht auf rechte SPDler wie Steinmeier und Waffen-Export-Gabriel. Der Haupt-Kooperationspartner ist Frankreich. Dessen Präsident, der Sozialdemokrat Franćois Hollande, hat wieder und wieder, zuletzt nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, nach einer EU-Armee gerufen. Hollande, Abgeordneter im Corrèze, ist nach französischer Tradition in seinem Wahlkreis kommunalpolitisch aktiv. Von 2001 bis 2008 war er Bürgermeister von Tulle. Als Präsident nahm er zuletzt am 9. Juni 2016 an der Gedenkveranstaltung teil. Die von ihm geforderte EU-Armee wird auf Generalstäblern aufbauen, die mit dem General-Heusinger-Preis ausgezeichnet wurden.

Fraktion Ausrichtung Kommunismus,
AG Antimilitarismus

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Generalmajor Adolf Heusinger (links). Er plante mit Reinhard Gehlen ab 1940 den Überfall auf die Sowjetunion im Detail. Von ihm kamen die Richtlinien zur Partisanenbekämpfung, von Wehrmacht und SS in der Sowjetunion und beim Massaker in Oradour/Frankreich umgesetzt. Als Spezialist für die Kriegsplanung gegen Russland, plante er mit Gehlen die Remilitarisierung des deutschen Imperialismus, wurde 1. Generalinspekteur der Bundeswehr und ging als Vorsitzender der NATO-Militärkommission in Ruhestand. Der General-Heusinger-Preis ist die höchste Auszeichnung der Offizierssausbildung der Bundeswehr. Reinhard Gehlen (rechts): Als 1. Adjutant des Generalstabschefs 1940 zur Planung des Überfalls auf die Sowjetunion zu Heusinger geschickt. Übernahm 1942 die Spionage in der SU mit dem SS-Nachrichtendienst, um Heusingers Partisanenkampf-Richtlinien umzusetzen. Diente sich 1945 der US-Army als Spezialist für Russlandkrieg an, plante mit Heusinger die Remilitarisierung des deutschen Imperialismus, wurde 1. Chef des BND.

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In der Tradition der „Bandenbekämpfer“ Heusinger und Gehlen: Brigadegeneral Reinhard Günzel. Ab 1995 Skandale wegen öffentlicher Forderung nach SS-Disziplin in der Bundeswehr, 1997 abgemahnt, 1998 NATO Lehrgang, 2000 als Brigadegeneral zum Chef des Kommando Spezialkräfte (KSK) ernannt, Spezialeinheit mit den Einsatzschwerpunkten „Aufklärung und Terrorismusbekämpfung“. Wegen offener Unterstützung von u.a. NPD und „Junge Freiheit“ und der Bezeichnung von Juden als „Tätervolk“ 2003 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. 2004 Buch mit dem Nazi-Propagandisten Götz Kubitschek (z.Zt. aktiv u.a. mit Elsässer, AfD, Identitäre).

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Luftangriff 4. September 2009 bei Kundus/Afghanistan: „Bandenbekämpfung“ bleibt Spezialität des deutschen Imperialismus, jetzt wieder mit „mehr Verantwortung“. Der verantwortliche Oberst Georg Klein koordinierte „als Kommandeur des Wiederaufbauteams (PRT) Kunduz Aufklärung und Einsatz von Spezialkräften“ mit dem Ergebnis der „bisher mit Abstand größte(n) Zahl von Opfern bei einem Einsatz sowohl in der Geschichte der Bundeswehr als auch durch Kräfte der ISAF (NATO-Afghanistan-Mission). Klein wurde zum General befördert. Den General-Heusinger-Preis erhielt er noch nicht.

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Massaker in Korea, Gemälde von Pablo Picasso, Mitglied der Kommunistischen Partei bis zu seinem Lebensende: Was hat die US-Army von Gehlen und Heusinger, von den „Richtlinien für Bandenbekämpfung“, von Tulle und Oradour gelernt?

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Totgeschlagene und Verbrannte im Gewerkschaftshaus von Odessa, 2. Mai 2014. Die von Gehlen nach Heusingers Richtlinien organisierten Bandera-Banden übernehmen wieder „mehr Verantwortung“.

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Massaker in Tulle, Frankreich nach den Heusinger-Richtlinien. „Sozialist“ Francois Hollande, Präsident, Bürgermeister von Tulle 2001-2008, fordert EU-Armee.